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Episoden
27.02.2026
32 Minuten
Wenn Märkte schrumpfen oder sich neu ordnen, stellt sich schnell
eine alte Frage: Was passiert mit dem Wettbewerb? Darüber
sprechen Kartellrechtler Rupprecht Podszun und
Wettbewerbsökonom Justus Haucap in dieser Folge
von Bei Anruf Wettbewerb – anhand von drei aktuellen
Entwicklungen. Zunächst geht es um die Reform des
Presse-Grosso. Mit „Fit for Future“ soll der
Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften künftig zentral
organisiert werden. Das Bundeskartellamt hat die Pläne nach sehr
ausführlicher Prüfung nun freigegeben. Doch wenn sich in einer
ohnehin schrumpfenden Branche Strukturen bündeln, bleibt die
Frage: Stabilisierung oder schleichende Konzentration zulasten
kleinerer Grossisten?Von dort führt der Blick zum
Briefmarkt. Nach der Insolvenz des größten
privaten Konkurrenten DVS erhärtet sich die Dominanz der
Deutschen Post auf dem Briefmarkt noch weiter. Wettbewerber
kritisieren strukturelle Vorteile – insbesondere die
Mehrwertsteuerbefreiung. Brisant ist die Rolle des
Bundesfinanzministeriums, das Anträge anderer Zusteller auf
Steuerbefreiung nicht weiterverfolgt hat. Abschließend weitet
sich die Diskussion auf die Fusionskontrolle.
Ein BRG-Bericht im Auftrag von GSMA hinterfragt Maßstäbe und
Evidenz der Fusionskontrolle. Der Ökonom Tommaso Valletti
widerspricht deutlich und Haucap und Podszun springen ihm bei.
Zwischen Strukturwandel, Marktmacht – und am Ende sogar Schweinen
im Weltall.
Weiterführende Informationen
BRG im Auftrag von GSMA - A Dynamic Framework for the Assessment
of Horizontal Mergers
Pressemeldung Bundeskartellamt - Bundeskartellamt billigt die
Pläne der FFF-Gruppe zur Reform des Pressevertriebs
Monopolkommission, Offene Umsatzsteuerfragen gefährdenExistenz
der alternativen Briefdienste!
Valetti Tommasso, LinkedIn-Post, Innovations, Mergers and the
Myth, that "anything goes"
WirtschaftsWoche, Mit der DVS muss der größte Post-Konkurrent in
die Insolvenz.
Schweine im Weltall
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11.02.2026
43 Minuten
Zwei Themen dominieren diese Folge von „Bei Anruf Wettbewerb“: Im
ersten Teil besprechen die beiden Wettbewerbsfreunde von der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Justus Haucap und
Rupprecht Podszun, das Warnschreiben der US-Wettbewerbsbehörde
FTC an 42 Großkanzleien wegen ihrer Teilnahme am
Mansfield-Zertifizierungsprogramm. Der Vorwurf: Über das Programm
könnten sich Kanzleien bei Einstellungs- und
Beförderungspraktiken koordinieren und damit den Wettbewerb auf
Arbeitsmärkten einschränken.Haucap betont den
verbraucherschützenden Nutzen von Zertifikaten, weil sie
Standards absichern, die man selbst nicht überprüfen kann.
Podszun warnt dagegen vor Absprachen zwischen Wettbewerbern –
wenn Manager gemeinsam Praktiken abstimmen, leidet der
Wettbewerb, auch bei guten Zielen. Im zweiten Teil steht Amazon
im Fokus. Das Bundeskartellamt kritisiert die Praxis, dass Amazon
aus seiner Sicht zu hohe Preise sanktioniert, indem betroffene
Händler aus der Buy-Box entfernt werden. Die ausführliche
Begründung der Behörde liegt bislang noch nicht vor. Haucap und
Podszun ordnen den Fall jedoch eher zurückhaltend ein: Niedrige
Preise sind aus Verbrauchersicht grundsätzlich wünschenswert, der
Mechanismus wirkt eigentlich intelligent und hat den
Preiswettbewerb auf der Plattform eher angeheizt. Eine klare
„Theory of Harm“ ist aus ihrer Sicht nicht ohne Weiteres
erkennbar. Bringt die noch nicht veröffentlichte Begründung des
Bundeskartellamts weitere Erkenntnisse?
Weiterführende Informationen
JUVE- US-Federal-Trade-Commission greift 42 Großkanzleien an
FTC- Federal Trade Commission Chairman Andrew N. Ferguson Issues
Warning Letters to Law Firms on Anticompetitive DEI Hiring
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30.01.2026
39 Minuten
Rigorosum in der neuen Ausgabe von Bei Anruf Wettbewerb: Die
beiden Wettbewerbsprofessoren der HHU Düsseldorf, Rupprecht
Podszun und Justus Haucap, sprechen über Unterschiede in der
Promotionspraxis an ihren jeweiligen Instituten. Das bietet
Gelegenheit, über kürzlich abgeschlossene Dissertationen zu
sprechen.Ökonom Justus Haucap stellt eine Arbeit zu Global Choice
Sets vs. Local Choice Sets vor. Im Kern geht es um eine scheinbar
einfache, aber zentrale Frage der Marktabgrenzung: Zählen alle
theoretisch verfügbaren Alternativen – oder nur die
Auswahlmöglichkeiten, die Verbraucher:innen tatsächlich
wahrnehmen und nutzen? Dabei zeigt sich auch, wie Bonuskarten das
Leben der Kartellwächter vereinfachen können.Kartellrechtler
Rupprecht Podszun berichtet aus der juristischen
Promotionspraxis, vergleicht Arbeitsweisen von Ökonomen und
Juristen und wirft einen Blick auf Promotionskulturen im Ausland,
etwa in den Niederlanden. Außerdem stellt er Arbeiten zum Common
Ownership vor – mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen für
den Wettbewerb.In einer weiteren Dissertation geht es um die
Kohärenz von Kartellrecht, DMA und DSGVO: Greifen die Regelwerke
sinnvoll ineinander oder droht Unternehmen eine Überforderung
durch zu viel Regulierung? Zum Schluss folgt ein Blick auf
politische Entwicklungen und den Stand der Dinge in der
Kommission Wettbewerb & KI des Bundeswirtschaftsministeriums.
Literaturhinweise
Beems, Belle (2025), The Interaction between
Enforcers of Competition Law, the DMA, and the GDPR - An Inquiry
into the Coherence of Enforcement across Legal Domains, Kluwer
Law International.
Weller, Jonas (2025), Aktionärsstruktur und
Wettbewerb-Eine theoretische und empirische Untersuchung zur
kartellrechtlichen Bedeutung von Common Ownership am Beispiel
BlackRock.
D-Kart-Adventskalender (2025).
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16.01.2026
33 Minuten
Zum Jahresauftakt 2026 analysieren Rupprecht Podszun und Justus
Haucap die Bruchstellen der aktuellen Wirtschaftspolitik. Während
die EU bei E-Autos zu umstrittenen Mitteln greift, zeigen
nationale Gerichte in Schadensersatzprozessen überraschende
Entschlossenheit. Ein Check-up zu drei Themen, die in der
Wettbewerbswelt für Schlagzeilen sorgen:
Chinesische E-Autos & Mindestpreise: Die
EU setzt auf Preisuntergrenzen, doch das Duo Podszun/Haucap
bleibt skeptisch. Warum diese Maßnahme keine strukturellen
Probleme löst, sondern vor allem neue Wettbewerbsverzerrungen
schafft.
Neuer Mut bei der Schadensermittlung: Abseits
der großen Handelspolitik zeichnet sich in der Rechtsprechung
eine Trendwende ab. Anstatt sich in endlosen ökonomischen
Gutachtenschlachten zu verlieren, setzen die Gerichte zunehmend
Pragmatismus:
Idealo vs. Google: Im jahrelangen Streit um
den Missbrauch der Marktstellung durch Google Shopping hat das
LG Berlin II ein wegweisendes Urteil gefällt. Wir analysieren,
wie das Gericht den Schaden konkret beziffert hat und was
dieses Signal für künftige Verfahren gegen Tech-Giganten
bedeutet.
Kartellschaden bei Badarmaturen: Auch in
Stuttgart weht ein neuer Wind. Der Insolvenzverwalter der
Praktiker-Baumärkte hat erfolgreich Schadensersatz gegen das
Armaturen-Kartell erstritten.Das Fazit der Experten: In beiden
Fällen wird deutlich: Statt langwieriger, theoretischer
Berechnungen wird nun pragmatisch geschätzt. Ein Vorgehen, das
die beiden HHU-Professoren ausdrücklich begrüßen, da es den
Rechtsschutz beschleunigt und langwierige Verfahren endlich
abkürzen könnte.Ein spannender Start in das Wettbewerbsjahr
2026!
Weitere Informationen
Haucap, J., Karacuka, M. & Inke, H. (2025), Anempirical
inquiry into cartel overcharges and cartel fines including an
assessment of the EU’s guidelines on cartel fines and
damages. Eur J Law Econ.
Haucap, J. / Heimeshoff, U. (2022),Kartellschadensermittlung im
Spannungsfeld zwischen Präzision und Effizienz: Prinzipielle
Anforderungen aus ökonomischer Perspektive und praktische
Handlungsoptionen, Zeitschrift für Wettbewerbsrecht.
Schweitzer H., Woeste K. (2022), Zum Umgang mitökonomischer
Unsicherheit bei der Schätzung von Kartellschäden: Eckpfeiler
eines Kartellschadensersatzspezifischen Beweisrechts, Zeitschrift
für Wettbewerbsrecht.
LG Berlin II 16. Zivilkammer, Urteil vom
13.November 2025 , Az: 16 O 275/24
OLG Stuttgart 2. Zivilsenat,
Badarmaturen-Kartell
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12.12.2025
1 Stunde 2 Minuten
In der letzten Folge vor den Feiertagen drehen Justus Haucap und
Rupprecht Podszun noch einmal richtig auf - mit Big Tech: Die
Kommission hat mit einer Geldbuße gegen X (ehemals Twitter) wegen
Verstößen gegen den Digital Services Act (DSA), mit dem laufenden
Google AdTech-Verfahren, einem neuen Verfahren gegen Meta wegen
der Einbindung von KI in WhatsApp und einem Verfahren gegen
Google wegen KI-Verstößen eine größere Ladung Geschenke für
Wettbewerbsfreaks abgeliefert. Zum Auspacken haben sich die
beiden Düsseldorfer Professoren einen Kollegen ins Studio geholt:
Reinhold Kesler. Er ist Juniorprofessor für Ökonomie und Recht an
der Heinrich-Heine-Universität und ein Datenfuchs. Ihm macht
keiner ein X für ein U vor, denn Kesler schaut in die Daten, von
Apple bis Temu. Das sind spannende Erkenntnisse. Der Gabentisch
ist also prall gefüllt – mit den neuesten Fällen, Daten und
Streitfragen aus der digitalen Wettbewerbswelt. So kann man ein
Jahr mal enden lassen.
Shoutout an den formidablen Producer, der auch 2025 wieder am
Mischpult saß: Marc Feist!
Das Podcast-Team von "Bei Anruf Wettbewerb" verabschiedet sich
für dieses Jahr - wir wünschen allen Hörerinnen und Hörern viel
Zeit über die Feiertage zum Nachhören verpasster Folgen. Und
machen Sie doch einfach Ihren Liebsten eine Freude, indem Sie
ihnen einen richtig guten Podcast empfehlen. Zum Beispiel "Bei
Anruf Wettbewerb"! Alles Gute!
Weitere Informationen
Reinhold Kesler, Bernd Skiera, Lennart Kraft & Tim Koschella
(2025), Existence, Antecedents and Consequences of Non-Compliance
in Mobile App
Markets, DICE Discussion Paper. Morgane Cure, Matthias Hunold,
Reinhold Kesler, Ulrich Laitenberger & Thomas Larrieu (2022),
Vertical integration of platforms and product prominence, Journal
of Economics. Matthias
Hunold , Reinhold Kesler &Ulrich Laitenberger (2020),
Rankings of Online Travel Agents, Channel Pricing, and Consumer
Protection, Marketing Science. Matthias Hunold , Reinhold
Kesler & Ulrich Laitenberger, Frank Schlütter (2018),
Evaluation of best price clauses in online hotel bookings,
International Journal of Industrial Organization.
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Über diesen Podcast
Wenn Wettbewerbsökonom Justus Haucap und Wettbewerbsjurist
Rupprecht Podszun zum Hörer greifen, wird es spannend: Die beiden
Professoren der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU)
diskutieren die aktuellen Fälle aus der Wettbewerbswelt. Von
heimlichen Kartellen über die Macht der Plattform-Giganten, dem
Digital Market Act (DMA) bis hin zu neuesten Entwicklungen im
Kartellrecht: Hier kriegen Sie fundierte Experten-Analyse auf den
Punkt. Schluss mit kompliziert – reinhören, verstehen, mitreden!
Ihre Meinung zählt: BeiAnrufWettbewerb@dice.hhu.de www.d-kart.de
www.dice.hhu.de
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