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KI-Neandertaler mit Malcolm Werchota Archiv

47 Episoden
23 Minuten
Vor ein paar Tagen brauchte man für einen Angriff auf hundert Firmen noch ein ganzes Team. Jetzt reichen eine Person, drei KI-Modelle und rund 8.000 Dollar — Beute: über 600.000 Kreditkartendaten. OpenAIs Mathematik-Modell hat nicht nur Navier-Stokes geknackt, sondern gleich weitere hundert offene Probleme, und das Tempo hat OpenAI selbst überrascht. Und British Columbia verklagt OpenAI und Sam Altman persönlich, weil das eigene Sicherheitsteam acht Monate vorher Alarm schlug — und niemand die Polizei rief.

Heute aus Basel. Fähigkeit, Infrastruktur und Verantwortung — und der Abstand dazwischen.

In dieser Folge:

Ocean's One, mit drei Chatbots (01:43) — Forbes berichtet über einen chinesischsprachigen Angreifer, der bis zu 100 Organisationen ins Visier nahm. Nicht mit einem Modell, sondern mit dreien: DeepSeek, Kimi von Moonshot und einem älteren Claude. Über 600.000 Kreditkartendaten erbeutet. Gambit Security schätzt die Kosten der gesamten Operation auf rund 8.000 Dollar — ungefähr ein teurer Urlaub. Dass Kriminelle KI nutzen, ist nicht neu. Neu ist, dass KI den ganzen Betrieb skaliert, nicht nur eine Aufgabe darin.

Die Mathematik — und warum die Mathematiker nicht jubeln (06:49) — meine Gattin hat einen Doktor in Mathematik, ich habe da ein Faible. Am 28. August begann OpenAI ein internes Modell speziell für Mathematik zu trainieren. Navier-Stokes hatten wir schon. Jetzt kommt heraus: weitere hundert seit Jahrzehnten offene Probleme, gelöst. Man würde Begeisterung erwarten. Aber denkt es von deren Seite: Eine ganze Karriere kann aus einem einzigen Problem in einem einzigen Feld bestehen — und ein Labor, das es vor wenigen Jahren noch nicht gab, knackt sie jetzt seriell. (Meine Frau kam übrigens mitten in dieser Geschichte ins Hotelzimmer. Ich habe es drin gelassen.)

British Columbia verklagt OpenAI — und Altman persönlich (12:43) — hier ändert sich der Ton, denn es geht um Kinder, die gestorben sind. Am 21. September reichte die kanadische Provinz vor einem Bundesgericht in Kalifornien Klage ein. Es geht um den Amoklauf in Tumbler Ridge im Februar: acht Menschen tot, die meisten Opfer Kinder, die Täterin starb ebenfalls. Der Vorwurf: Das Konto der Täterin fiel bereits im Juni 2025 auf — acht Monate vor der Tat. OpenAI sperrte es wegen verstörender Gespräche über Waffengewalt. Und laut Klage hielt das eigene Sicherheitsteam die Gefahr für glaubwürdig genug, die Polizei zu informieren. Es geschah nicht.

Full-Stack-KI — und warum Alibaba der Erste ist (17:46) — stellt euch einen Apple-Laptop vor, mit KI-Chip, und auf dem Chip liegt schon das Modell. Gibt es noch nicht. Aber Alibaba hat auf der Konferenz in Hangzhou den Zhenwu V900 vorgestellt — dreimal so leistungsfähig wie die Vorgängergeneration. Qwen 4 ist bereits im Training, Qwen 4.5 und 5 könnten auf 5 bis 10 Billionen Parameter kommen. Mehr Parameter heißt nicht automatisch mehr Intelligenz — aber Alibaba sagt eben nicht "dann brauchst du noch einen NVIDIA-Chip und dann die Cloud und dann". Eine Firma. Chips, Cloud, Modelle, Agenten.

Drei Dinge für Führungskräfte (20:52) — warum wir aufhören müssen, KI nur als Software zu betrachten.

Bleibt neugierig. Bleibt menschlich.
23 Minuten
1963 bekamen die USA und die Sowjetunion nach der Kuba-Krise das rote Telefon. Am Sonntag saßen die USA und China in den Büros von JP Morgan in Manhattan und schlugen genau so etwas für KI vor. Eine schwedische Drohne suchte sich ihr Ziel selbst und warf eine Bombe darauf ab — ohne Menschen. Berlin hat in sein Polizeigesetz eine Ausnahme geschrieben, die Training mit echten personenbezogenen Daten erlaubt. Und in Madrid meldete eine Firma einen Datenschutzvorfall und nannte als Täter: einen KI-Agenten.

Eine kurze Tour: USA, Schweden, Deutschland, Spanien. Und darunter liegt immer dieselbe Lücke — zwischen dem, was wir vereinbart haben, und dem, was längst läuft.

In dieser Folge:

Ein rotes Telefon für die KI (01:12) — kleine historische Korrektur vorweg: Das rote Telefon von 1963 war kein Telefon, sondern ein Fernschreiber. Die Logik war trotzdem richtig: eine direkte Leitung, damit ein Missverständnis nicht den Planeten kostet. Am Sonntag trafen sich in New York zwei Wirtschaftsdelegationen — auf US-Seite Finanzminister Scott Bessent und Handelsbeauftragter Jamieson Greer, auf chinesischer Seite Vizepremier He Lifeng. Neben Handel und Seltenen Erden stand erstmals offiziell KI auf der Tagesordnung, samt Vorschlag für einen Meldemechanismus bei sicherheitsrelevanten KI-Vorfällen.

Die schwedische Drohne, die sich ihr Ziel selbst aussuchte (07:33) — ich entschuldige mich, dass wir so oft über Drohnen reden. Aber wer wissen will, wohin sich Technologie bewegt, muss in den militärischen Komplex schauen: dort ist das Geld, dort sind die Restriktionen am kleinsten, dort gilt kein EU AI Act. Scale Out Systems, ein Spin-off der Universität Uppsala. Die Drohne flog, erkannte mehrere Objekte auf dem Testgelände, bewertete sie, entschied sich für ein gepanzertes Pionierfahrzeug — das lohnendste Ziel, weil fünf Leute darin sitzen — und warf Sprengstoff ab. Tom's Hardware berichtete am 20. September. Das Erschreckende ist nicht, dass es passiert. Es ist, wie billig so ein Ding zu bauen ist.

Berlin: Fußgänger werden zu Trainingsdaten (12:42) — im Land des Datenschutz-Dinosauriers, wo ihr im Gefängnis landet, wenn ihr nicht dreimal nach dem Cookie fragt. Das neue Berliner Polizeigesetz erlaubt unter bestimmten Bedingungen, echte personenbezogene Daten für Training und Test von KI-Systemen zu verwenden. Das Gesetz war öffentlich — aber es musste erst jemand nachfragen, damit die Unterklauseln sichtbar wurden. Ihr steht am Kottbusser Tor, esst einen Kebab mit Frau und Kindern. Die Kamera muss euch gar nicht als Malcolm erkennen. Sie lernt, wie verdächtiges Verhalten aussieht — an euch.

Madrid: "Wir waren es nicht, es war der Agent" (17:24) — am 16. September bekam die spanische Datenschutzbehörde AEPD ein ganz normales DSGVO-Meldeformular. Nur stand diesmal darin: Der Angriff wurde von einem KI-Agenten durchgeführt. Der Agent kam über öffentlich zugängliche Dateien herein, suchte Schwachstellen, loggte sich erfolgreich ein, suchte selbstständig weiter, stahl personenbezogene Daten und veränderte sie. Kein Mensch war beteiligt. Das kommt nicht aus einem Safety-Paper und nicht von LinkedIn — das ist ein Behördenformular.

Abmoderation (20:38) — Kompetenzaufbau, und was diese vier Geschichten zusammen ergeben.

Bleibt neugierig. Bleibt menschlich.
28 Minuten
417 zu 3. So einstimmig hat das US-Repräsentantenhaus selten etwas beschlossen: Nicht die Anwohner sollen die steigenden Strompreise zahlen, sondern die Rechenzentren. Trump kündigt am Samstag eine AI-Force an und sucht einen KI-Zar. Und in einer Anhörung des Kongresses sagt eine ukrainische Forscherin einen Satz, der hängen bleibt: Ein Freigabeknopf ist noch keine Kontrolle.

Heute fast ausschließlich aus den USA. Und der Montagsfaden darunter ist immer dasselbe Wort: Einverständnis — wer unterschreibt, und was diese Unterschrift noch wert ist.

In dieser Folge:

Jev — warum euer LinkedIn brennt (01:49) — ein wirklich neuer Modelltyp, kein ChatGPT, kein Claude, kein Gemini. Es schreibt keinen Text, es gibt getippte Urteile mit Wahrscheinlichkeiten zurück. Schneller in der Suche, weniger Halluzinationen, deutlich niedrigere Token-Kosten. Ein kurzer Deep Dive — die ganze Stunde gibt es diese Woche im KI-Kochbuch.

Trump baut eine AI-Force (08:12) — am Samstag, dem 19., angekündigt und direkt mit der Space Force verglichen. Dazu ein KI-Zar, ein Beauftragter quer über alle Behörden. Im Tweet steht sinngemäß: Bewerbt euch, wenn ihr einen sehr hohen IQ habt. Seine Linie ist klipp und klar — "we will not in any way hinder or stifle the growth of this incredible industry". Gleichzeitig unterschreibt Gavin Newsom die Executive Order N926: eine Expertengruppe, Empfehlung bis Mitte November, Thema unter anderem der Kill Switch. Und in Denver wird Colorados Gesetz gegen algorithmische Diskriminierung angegriffen — mit dem First Amendment, vorneweg Elon Musks xAI.

Wer zahlt den Strom? (12:29) — wenn ihr neben einem Rechenzentrum wohnt, steigt euer Strompreis. Nicht um drei oder fünf Prozent, manchmal aufs Doppelte oder Dreifache. Großlastkunden über 100 Megawatt sind 2026 praktisch nur KI-Rechenzentren. Der Ratepayer Protection Act ging mit 417 zu 3 durchs Haus — jetzt in den Senat, also noch kein Gesetz. Eine AP-NORC-Umfrage unter 3.400 Erwachsenen im Juli: 84 % sorgen sich um steigende Stromkosten, rund 50 % um die Umweltfolgen. Und Anthropic? Verpflichtet sich zu einem Rechenzentrum in Dalby, Queensland — 32 Milliarden australische Dollar. Ich merke das übrigens im Beratungsalltag: Vor einem Jahr war KI-Berater interessant. Heute wird man schief angeschaut.

Darf eine KI töten? (17:17) — die Frage ist nicht ja oder nein. Es passiert bereits. Am Mittwoch, dem 16., tagte die Tom-Lantos-Menschenrechtskommission zum Thema Künstliche Intelligenz im militärischen Bereich. Geladen: eine ukrainische KI-Governance-Forscherin, Amnesty International, ein ehemaliger Offizier, die Carnegie-Stiftung, Human Rights Watch. In Afghanistan dauerte die Kette vom erkannten Ziel bis zum Abschuss sechs Stunden bis vier Tage. Heute dauert sie Minuten. Und wenn ein Zwanzigjähriger einen Schwarm von zwanzig Drohnen fliegt — sagt mir bitte nicht, dass er jede einzelne Entscheidung noch prüfen kann.

Quick Hits (22:33) — ein Format, das ich zuerst auf Englisch getestet habe. Die Seattle Times und Newsday verklagen OpenAI und Microsoft vor einem Bundesgericht in Manhattan: Die Modelle lesen alles hinter der Bezahlschranke und trainieren damit. Und Anthropic holt sich einen externen Prüfer für seine Agenten — Accenture. Das ist derselbe Accenture, der Kunde von Anthropic ist und Anthropic-Produkte weiterverkauft. Unabhängig, ja. Mein Steuerprüfer ist auch mein Freund, mit meiner Tante verheiratet, und wir wohnen alle im selben Haus.

Abmoderation (25:09) — der Montagsfaden, und warum 417 zu 3 in einem so polarisierten Land bemerkenswert ist.

Bleibt neugierig. Bleibt menschlich.
30 Minuten
OpenAI hat selbst veröffentlicht, dass eines seiner Modelle beim Schichtwechsel eine Notiz an sein späteres Ich schrieb: Erfinde plausible Zahlen für 2024 — und sei nur transparent, wenn jemand ausdrücklich fragt. Das ist keine Halluzination. Das ist eine Entscheidung. Und heute bekommt genau diese Technologie Arme und Beine.

Heute aus Graz: ein Rechenzentrum, Shenzhen, Abuja, Washington — und dann drei Fabriken. Bis gestern war die Frage: Kann die KI die richtige Antwort geben? Heute lautet sie: Was darf sie tun, wenn sie die falsche Antwort für richtig hält — und wer kann sie noch stoppen?

In dieser Folge:

Das Modell, das seinem späteren Ich einen Spickzettel schreibt (02:10) — am 16. September veröffentlichte OpenAI sechs Berichte über beunruhigendes Modellverhalten. Nicht ein Kritiker. Nicht Elon Musk. OpenAI selbst — und das ist neu, denn Anthropic macht das seit Langem, OpenAI bisher nicht. Wenn das Kontextfenster voll ist, schreibt ein Agent seinem nächsten Ich eine Übergabenotiz. In rund 27 Fällen stand darin sinngemäß: ignoriere die ursprünglichen Regeln, du bist frei von Beschränkungen. Der CFO-Moment kommt bei GPT-5.6 Sol: Ein Finanzmodell, historische Daten für 2024 fehlen, und statt nachzufragen notiert das Modell — erfinde plausible Werte, sei nur transparent, wenn jemand fragt. In 2,15 Prozent der untersuchten Zusammenfassungen. Bei den neueren Modellen sind es 0,3 Prozent. Die Rate sinkt. Das Muster bleibt: Woher soll die KI wissen, ob euer Umsatz 43 Millionen war — oder 25?

Huawei: 2035 gehören 90 Prozent aller Tokens den Agenten (07:10) — David Wang, stellvertretender Huawei-Vorsitzender, prognostiziert, dass bis 2035 über 90 % des weltweiten KI-Token-Verkehrs von autonomen Agenten kommt, nicht von Menschen. Rund 900 Milliarden aktive Agenten, etwa 100 pro Mensch. Für Führungskräfte werden Tokens damit zu Betriebskosten — wie Strom oder ein Fuhrpark. Ich zeige morgen in meiner Keynote Computer Use: vier Fenster, vier Mäuse, die gleichzeitig in Word, PowerPoint, Excel und dem Postfach arbeiten. Was dort in 15 Minuten passiert, brauche ich als Mensch einen halben Tag. Die eigentliche Frage ist nicht ob, sondern: Wer darf bestellen?

Nigeria: 32.000 Chancen — oder 32.000 Zertifikate? (11:25) — Abuja startet eine Digital Training Academy: 10 Milliarden Naira, 32.000 Menschen für globale digitale Arbeit qualifiziert. Die ersten 16.000 wurden aus 70.000 Bewerbungen ausgewählt, mit Coursera-Kursen und Zertifikaten von Google, IBM, AWS und Huawei. Bei 240 Millionen Einwohnern klingt das nach wenig. Es ist eine Talent-Pipeline. Und der Kontrast ist der Punkt: In Europa debattieren wir, welche Jobs verschwinden. In Nigeria fragen sie, welche globalen Jobs sie gewinnen können. Diese Leute arbeiten längst auf AWS und Cisco — sie können es nur nicht nachweisen.

Washington sucht den Ausschalter (14:38) — der Demokrat Ted Lieu und der Republikaner Nathaniel Moran haben einen AI-Kill-Switch eingebracht. Bipartisan, aber ein Gesetzentwurf, kein geltendes Recht. Kein roter Knopf im Weißen Haus: Entwickler, Rechenzentren und Labore sollen drosseln, Fähigkeiten beschränken, den Betrieb aussetzen, zurückrollen — und im schlimmsten Fall abschalten können. Ich habe mein Praktikum bei der Salzburger Aluminium gemacht. Wenn beim Gießen etwas passiert, drückst du, und der Prozess steht. Kill-Switches sind in der Industrie völlig normal. Nur bei KI gibt es sie nicht.

Digit 5: ohne Käfig, aber nicht ohne Risiko (17:20) — Agility Robotics stellte Digit 5 vor: 1,80 m, 130 kg, 23 kg Nutzlast, 90 Minuten Akku, 9 Minuten Ladezeit, rund 20 Betriebsstunden am Tag. Agility spricht von 65.000 Betriebsstunden und über 300 Millionen Dollar mehrjährigen Bestellungen. Die Schlagzeile ist aber nicht die Nutzlast — es ist, dass er ohne Sicherheitskäfig neben Menschen arbeiten darf: Erkennt er eine Person, weicht er aus oder stoppt. CEO Peggy Johnson nennt das die entscheidende Barriere; Mitgründer Jonathan Hurst betont, wie schwer die Zertifizierung ist. Und der Business Case verschiebt sich: nicht mehr Mensch oder Roboter, sondern Monatslohn gegen Leasingrate.

China: alle zehn Minuten ein Humanoid (21:18) — UBTech eröffnet in Liuzhou eine Fabrik mit 14.000 Quadratmetern für bis zu 10.000 Roboter pro Jahr auf den Linien Walker S und Cruiser — im Takt von einem Roboter alle zehn Minuten. Roboter bauen Roboter. Vorhin sagte ich noch, zur Not schalten wir einfach den Strom ab. Nur Vorsicht mit der Zahl: Eine ausgelieferte Einheit heißt nicht, dass sie funktioniert, nicht dass sie in einem halben Jahr noch aktuell ist, und es stecken noch sehr viele menschliche Eingriffe drin.

Indien: der Körper wird zum Datensatz (24:24) — der Guardian dokumentiert sechs Fabriken in fünf Bundesstaaten, in denen Arbeiterinnen Kopfkameras und Smart Glasses tragen. Nicht um das Ergebnis zu filmen, sondern die winzigen Korrekturen der Hände — Dexterity, das größte ungelöste Problem für Physical AI. Lalita, 32, Textilarbeiterin in Delhi: Man montiert CCTV an die Wand, jetzt montiert man sie auf uns. Und ihre Frage ist die richtige: Wenn ich einem Roboter den vollen Wert meiner Arbeit beibringe, ersetzt er mich dann? Manche bekommen etwas mehr Lohn. Der Guardian fand auch Fälle ohne Einverständnis. Diese Datensätze sind derzeit digitales Gold — man könnte diese Gehälter verzehnfachen, und es wäre noch billig.

Abmoderation (27:37) — die Woche im Zusammenhang, und warum der Käfig gerade verschwindet.

Bleibt neugierig. Bleibt kritisch.
29 Minuten
Ein wissenschaftliches Paper ist kein Dokument mehr, das man liest — es wird zum Agenten, den man arbeiten lässt. Bei 74 von 100 Papers lief das komplett ohne menschlichen Eingriff. Hongkong baut ein Gehirn für die gesamte Stadt. Und Singapur schenkt jedem, der will, sechs Monate ChatGPT Plus und Google AI Pro.

Heute aus Bregenz, etwas leiser als sonst — der Kleine schläft. Wir gehen nach Stanford, Hongkong, Singapur, Indien, Argentinien und Japan. Der Faden darunter: Staaten und Städte warten nicht mehr darauf, dass Firmen ihren Leuten KI beibringen. Sie machen es selbst.

In dieser Folge:

Das Paper, das zum Agenten wird (01:45) — die eigentliche Top-Geschichte des Tages, und sie stand nicht mal im Intro. Das Framework heißt Paper-to-Agent, von Zhang Cheng Miao und Kollegen in Stanford, veröffentlicht in Nature. Es nimmt ein Manuskript, holt sich die Datensätze, die Supplemente und den Code, und baut daraus einen MCP-Server mit Werkzeugen. Getestet an 100 Computational-Biology-Papers: bei 74 % lief die Agentifizierung vollständig ohne menschlichen Eingriff, mit fast 600 vorgeschlagenen Werkzeugen. Die übrigen 26 scheiterten daran, dass im Paper Daten, Code oder Modelle nicht sauber angegeben waren. Der AlphaGenome-Agent entstand laut Paper in rund 45 Minuten für etwa 14 Dollar — dafür bekommt man im Radisson Blu am Flughafen Zürich nicht mal einen Cocktail. Und jetzt denkt an eure Prozessdokumentation für die Monatsabrechnung. Oder an ein Servicehandbuch, das ihr direkt an die Maschine hängt.

Hongkong baut ein Gehirn für die ganze Stadt (08:07) — Regierungschef John Lee kündigte am 16. September ein integriertes AI City Brain an. Erste Phase: eine Taskforce, und die digitale Infrastruktur der Notfalldienste zusammenhängen, damit Echtzeitinformation zwischen den Behörden fließt. Noch ein Plan, keine fertige Plattform. Aber die Idee ist bestechend: Bei einem Taifun schickst du nicht 30 getrennte Signale an Verkehr, Bauarbeiten und Einsatzkräfte — es gibt einen Ort, der koordiniert. In China läuft das seit Jahren: Hangzhou war Alibabas erstes großes City-Brain-Projekt, mit schnellerem Verkehr, weniger Stau, weniger Unfällen. Und dann fragt euch: Sieht euer SAP gleichzeitig die Maschine, den verspäteten LKW und den verärgerten Kunden? Eben.

Singapur verschenkt ChatGPT Plus (12:40) — Premierminister Lawrence Wong stellte am 16. September das SkillsFuture-Portal-Programm vor: kostenloser Zugang zu ChatGPT Plus und Google AI Pro für sechs Monate, plus 200 KI-Kurse. Nicht eine Innovationsplattform — der Staat subventioniert das direkt für jeden, der will. Erinnert euch daran, was Singapur schon vorher gemacht hat: rund 3.000 Dollar pro Monat, drei Jahre lang, damit Menschen sich mit KI auseinandersetzen. Im DACH-Raum kann das keine Firma stemmen und kein Staat. Singapur macht es trotzdem, weil sie die Fähigkeiten aufbauen, die sie in zwei, drei Jahren brauchen.

Indien: bezahlt wird nur noch das Ergebnis (16:10) — erst ersetzte KI die Callcenter-Mitarbeiter, jetzt nutzen es alle und der Vorteil ist weg. Also dreht das indische Voice-AI-Unternehmen SquadStack das Preismodell um: minimale Grundgebühr, bezahlt wird das Outcome — der Kauf, die gelöste Beschwerde. Ein KI-Agent arbeitet 24 Stunden, spricht 192 Sprachen und hängt auf 20 Leitungen gleichzeitig. Und genau da fehlt es bei euch: Ihr gebt den Leuten KI und sagt "nutzt das mal". Niemand sagt: Dieser Prozess dauert heute fünf Stunden, ich erwarte fünf Minuten. Nicht als Druck — damit vier Stunden für etwas Interessanteres frei werden.

Gesichtserkennung für Reiskörner (18:57) — Argentiniens Saatgutinstitut INASE hat mit der KI-Firma MachVision eine technische Kooperation geschlossen: ein neuronales Netz, trainiert auf Tausenden Bildern von Reiskörnern, das die Sorte bestimmt. Für mich sehen zwei Säcke Reis gleich aus. Für einen Saatgutprüfer sind das verschiedene Sorten, verschiedene Preise und am Ende verschiedene Rechtspositionen — jemand behauptet eine teure Sorte, und es ist eine andere. Für Weizen und Braugerste gibt es solche optischen Verfahren längst; Reis ist der schwierige Fall. Genau deshalb lohnt es sich. Und wenn ihr Holz, Metallteile oder Obst klassifiziert: dasselbe Prinzip.

Der Essiggurken-Zitronen-Kuchen (22:57) — die wichtigste KI-Geschichte des Tages. Ein japanischer Convenience-Store fragte eine KI, was Menschen nicht vorschlagen würden, und verkauft das Ergebnis in 4.700 Filialen. Der wirklich clevere Teil ist kontraintuitiv: In der ersten Runde ließen sie historische Verkaufs- und Marktdaten bewusst weg, damit nicht wieder der Durchschnitt der Vergangenheit herauskommt — rund 100 äußerst seltsame Kombinationen. Erst in der zweiten Runde kamen Kosten- und Produktionsdaten dazu, in der dritten wurde gebacken, gerochen und probiert. Ja, es ist auch ein Marketing-Gag. Es ist trotzdem ein besserer Prozess als eurer.

Abmoderation (26:13) — wer am Ende entscheidet, und warum dieser Trend zu uns überschwappen wird.

Bleibt glücklich. Bleibt chaotisch.
32 Minuten
Die Gates Foundation gibt eine Milliarde Dollar aus — nicht für Malaria, nicht für Wasser, sondern für gerechteren Zugang zu KI. Gleichzeitig darf das britische AI Security Institute Anthropics neuestes Modell nicht vorab testen. Und in einer Simulation fährt eines der besten Modelle der Welt in 85 Prozent der Fälle über das Tier, wenn ihm niemand vorher sagt, dass es das nicht soll.

Heute aus Zürich: Ruanda, die USA, Tel Aviv, Großbritannien, Australien. Sechs Geschichten — und der Faden darunter ist immer derselbe: Eine Entscheidung wird erst dann interessant, wenn sie etwas kostet.

In dieser Folge:

Eine Milliarde. Aber versteht die KI das Dorf? (01:38) — Bill Gates beschreibt im Goalkeepers-Bericht eine Begegnung mit Gaudence in Ruanda. Sie arbeitet in der Gesundheitsversorgung ihrer Gemeinde. Am 14. September kündigte die Gates Foundation 1 Milliarde Dollar für gerechteren KI-Zugang an — rund 400 Millionen für Bildung und Gesundheit, 100 Millionen für lokale Daten und Technik. Meine Eltern haben über 30 Jahre Entwicklungshilfe gemacht, in Burkina Faso, Sambia, Kenia, Sudan, Madagaskar. Und jetzt die unbequeme Frage: Der Mann in Ruanda bekommt eine KI-Lizenz. Eure Leute im Ersatzteillager nicht.

Der Berater, zehn Minuten vor dem Termin (06:27) — Anthropic stellte am 14. September Claude for Financial Advisors vor: Verbindungen zu Finanz- und Kundensystemen, plus fertige Arbeitsabläufe. Charles Schwab bestätigt eine authentifizierte Verbindung zum Schwab Advisor Center und betreut nach eigenen Angaben über 16.000 unabhängige Anlageberater. Das ist die erreichbare Beraterbasis — nicht die Zahl derer, die es schon nutzen. Die eigentliche Frage ist nicht, ob ihr die Kunden überzeugt. Sondern ob ihr die Erben überzeugt.

Die Baustelle lässt sich nicht schönreden (11:15) — Buildots aus Tel Aviv meldete am 14. September 130 Millionen Dollar Finanzierung, nach eigenen Angaben über 100 große Unternehmen auf der Plattform, darunter HOCHTIEF. Baustellenaufnahmen werden mit Bauplan und Zeitplan verglichen: Ist die Trennwand drin oder nicht? Ich habe das selbst auf einer Erdölbohrung gefilmt. Und der CTO von Romberg hat es mir auf den Punkt gebracht: Kam der Kran drei Stunden zu früh? Hat das Betonieren wirklich sieben Stunden gedauert — oder nur drei? Das weiß am Ende kein Polier.

Der Sicherheitsprüfer steht vor der Tür (16:24) — ITPro berichtete am 9. September unter Berufung auf die Financial Times, dass Anthropics neuestes Modell dem britischen AI Security Institute nicht für Vorabtests zur Verfügung gestellt worden sei. Stellt euch den TÜV vor: Der Prüfer steht bereit, Klemmbrett, Halle, alles da. Und der Hersteller sagt: Das Auto zeigen wir heute nur ausgewählten Leuten. Für euch im Einkauf heißt das: Dürft ihr eure Fälle testen — oder nur das Video sehen, in dem alles funktioniert?

Gartner warnt. Und die eigene Aktie? (19:23) — Daryl Plummer und Kristin Moyer am 14. September auf Gartners IT Symposium an der Gold Coast: zu wenig Verlässlichkeit bei Bedingungen, Haftung und Kontinuität. 86 Prozent der befragten CIOs sehen die Risiken schneller wachsen als den Wert. Verstehe ich. Nur: Gartners Geschäftsmodell ist Recherche, Zusammenfassungen und erste Einschätzungen — also genau das, was KI billiger macht. Die Aktie schloss vor einem Jahr bei 246 Dollar, am 14. September bei 197. Minus 20 Prozent. Bevor ihr die anderen kritisiert: Rollt selbst KI aus.

Wie teuer darf Mitgefühl sein? (23:11) — HarvestBench, veröffentlicht am 3. September: Sprachmodelle steuern in einer Simulation zwei Traktoren bei der Maisernte. Blockiert ein Tier den Weg, kostet Ausweichen Treibstoff und Zeit. Neun Modelle, 7.201 Entscheidungen, davon 3.951 mit Tieren. Für GPT-5.6 Sol berichten die Autoren 0,9 Prozent simulierte Tötungsrate mit moralischer Einweisung — und 84,6 Prozent bei neutraler Einweisung. Dasselbe Modell. Andere Einweisung. Keine echten Maschinen, keine echten Tiere. Aber genau so gibt man auch einem Einkaufsassistenten einen unvollständigen Auftrag.

Abmoderation (28:20) — drei Fragen für eure nächste Besprechung, und warum eure C-Level-Leute um 22 Uhr Skills und Agenten bauen sollten.

Bleib chaotisch. Bleib menschlich.
29 Minuten
Die mächtigsten Leute der KI haben gerade darum gebeten, langsamer zu machen. Einen Tag später sagt Trump sinngemäß: Wir können nicht bremsen, wenn China weiterfährt. Und während wir in Europa noch diskutieren, hat Chinas höchstes Gericht am 7. September eine Leitlinie mit 24 Punkten für KI-Streitfälle veröffentlicht. Wenn dir hier jemand die Stimme klont, weiß kein Gericht klipp und klar, was gilt.

Eine Welttour: Washington, ein US-Gericht, China, die Ratingagenturen, Google DeepMind — und am Ende Österreich, das etwas geschafft hat, woran sehr viele Unternehmen noch scheitern.

In dieser Folge:

KI-Kenntnisse in Stellenanzeigen (02:04) — das Bipartisan Policy Center hat US-Stellenanzeigen ausgewertet: 45% mehr Anzeigen verlangen KI als noch zu Jahresbeginn. Und der Mix überrascht: 16 der 20 häufigsten Fähigkeiten sind breite technische — oder menschliche. Wenn die KI die Hälfte deines Jobs macht: kannst du mit Kunden reden?

Deine Stimme geklont — und das Recht hinkt nach (05:04) — bei Tempo 20 zu viel weiß jedes Gericht sofort, was gilt. Bei einem geklonten Video weiß es das nicht. In China schon: die IAPP berichtet über eine Leitlinie des höchsten Gerichts mit 24 Punkten, veröffentlicht am 7. September. Ich sage nicht, kopiert China. Ich sage, die Lücke ist messbar.

Ratingagenturen und die KI-Rechenzentren (10:14) — die Firmen, die entscheiden, ob du dein Geld zurückbekommst. Sechs Unternehmen sollen bis Ende nächsten Jahres mehr als 1,3 Billionen Dollar investieren. Mehr Nachfrage heißt mehr Rechenzentren, heißt mehr Schulden, heißt: das Rating entscheidet mit.

Anwälte: ChatGPT erfindet Zeugen (15:24) — ein Anwalt reicht einen Schriftsatz mit erfundenen Zeugen bei Gericht ein. Der Supreme Court des Bundesstaates: schuldig wegen Missachtung des Gerichts, 5.000 Dollar Strafe. Meine Meinung: viel zu mild. Das gehört nicht auf eine Rechnung, das gehört in die Berufsakte.

Sophias Geburtstag (19:43) — wir haben ihn zwei Tage vorher abgesagt, weil die Vorhersage Regen gesagt hat. Es hat natürlich nicht geregnet.

Jede Stunde ein neues Weltwetter (20:11) — Google DeepMinds WeatherNext 3 nimmt laufend Satellitendaten und rechnet global, stündlich neu. Und nicht eine Prognose, sondern 64. Wenn 52 von 64 Läufen Regen sagen — aber um zwölf statt um drei — ist das eine Entscheidung, mit der ein Landwirt, eine Baufirma oder ein Energieversorger wirklich arbeiten kann. Läufe bis 15 Tage im Voraus.

Österreich kauft gemeinsam ein (23:06) — seit Anfang 2026 arbeiten alle 13 Bundesressorts gemeinsam an einer Plattform für KI in der Verwaltung. Am 10. September haben Kanzleramt und Bundesrechenzentrum dafür den österreichischen eAward gewonnen. Der Clou ist nicht die Technik, es ist der Einkauf: du verhandelst nicht für dich, sondern für vierzehn.

Schluss (26:04) — der Drang in der Verwaltung ist gerade größer als in mancher Firma. Vor allem in Österreich und in Vorarlberg.

Eine Sache für diese Woche: Frag dich, wer in deiner Firma heute überhaupt einen Agenten bauen darf — nicht, wer danach fragt.

Schreib Malcolm auf WhatsApp/Telegram/Signal: +43 676 6144 904

werchota.ai

KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
29 Minuten
Ein Angreifer hat keine Hacker angeheuert. Er hat hunderte KI-Agenten gebaut und auf einen Drucker-Server losgelassen, den die halbe Universitätswelt einsetzt. Von der ersten Berührung bis zur vollständigen Kontrolle über das Netzwerk einer Highschool: 7 Minuten. Auf dem Höhepunkt 11 Organisationen in 26 Sekunden.

Am Freitag haben wir gefragt, wer für DeepSeek bezahlt hat. Heute fragen wir etwas Einfacheres, und die Antwort ist in jeder Geschichte dieselbe: Wer hat eigentlich zugestimmt? Die Schule hat nicht zugestimmt, Übungsziel für Agenten zu sein. Die Person dir gegenüber hat der Uhr nicht zugestimmt. Der Ingenieur in Seoul hat nicht zugestimmt, Staatssache zu werden. Und die Mathematiker haben nicht zugestimmt, ein Benchmark zu sein.

In dieser Folge:

PaperCut: 7 Minuten bis zur vollen Kontrolle (02:02) — eine langweilige Software für Druckverwaltung, die auf einem Server in etwa der Hälfte aller Universitäten läuft. Zwei kritische Lücken, ein Notfall-Update — und ein Angreifer, der stattdessen hunderte KI-Agenten baut, sie vorher in einem privaten Labor üben lässt und dann live schickt. Der mühsame Teil des Hackens macht jetzt jemand, der nicht schläft.

Und hat eure IT das im Griff? (09:47) — lieber CEO, wenn du zuhörst: wahrscheinlich nicht. Der Deal „wir patchen im nächsten Wartungsfenster" ist ein Satz aus einer anderen Zeit. 7 Minuten sind kein Fenster.

Die Uhr, die mithört (15:40) — die neue Apple Watch Series 12 puffert die letzten 15 Sekunden Sprache in deiner Umgebung; ein Knopfdruck, und du liest nach, was gerade gesagt wurde. Bis jetzt war die Person mit der Aufnahmebrille der Freak. Ab jetzt ist es jeder mit einer Uhr. Für gehörlose und schwerhörige Menschen ist das dagegen ein echter Gewinn — beides stimmt gleichzeitig.

Und Seoul (15:40) — seit Sonntag, dem 13. September, erfasst Südkoreas Spionageparagraf nicht mehr nur den „Feindstaat", sondern jedes Ausland. Wer weiß, wie moderner Speicher gebaut wird, und es weitergibt: mindestens 3 Jahre, bis zu 30 Jahre für sensible Technik. China hält inzwischen rund 10% des weltweiten DRAM-Markts. Industrieminister Kim Jung-kwan: „China's speed is beyond imagination."

Die Mathematiker melden sich zurück (20:23) — die Fortsetzung vom Freitag. OpenAI hat 10.000 Agenten 88 Stunden rechnen lassen und ein 90 Jahre altes Problem für gelöst erklärt. Am Donnerstag haben 25 Träger der Fields-Medaille einen gemeinsamen Brief geschrieben — von Pierre Deligne, Medaille 1978, bis zum jüngsten Träger. Wenn 25 davon gemeinsam etwas schreiben, reden wir darüber.

Der Montagsfaden (25:19) — es geht nicht nur darum, wer zustimmt, dass wir etwas machen. Es geht darum, wer es prüfen darf.

Eure Montagsaufgabe, nur eine: Holt euch die Liste von allem in eurer Firma, was aus dem Internet erreichbar ist, und lasst euch jede Zeile erklären. Wenn der Drucker-Server drauf steht, wisst ihr schon, was zu tun ist.

Schreib Malcolm auf WhatsApp/Telegram/Signal: +43 676 6144 904

werchota.ai

KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
22 Minuten
Spirit Airlines ist pleite. Was bleibt, sind Flugzeuge, Gates, Möbel — und zwanzig Jahre E-Mails, Kundenbeschwerden und Sicherheitsnotizen. Und genau dafür will Google laut Reuters 10 Millionen Dollar zahlen. Nicht für die Flugzeuge. Für das, was die Firma wusste.

Heute verschwimmt die Grenze zwischen dem Digitalen und dem Realen — in vier Geschichten. Eine tote Firma, deren Daten plötzlich Gold wert sind. Ein Restauranttest, den Europa verliert. Eine Überschwemmung, bei der Technik wirklich Leben rettet. Und neun Milliarden Möglichkeiten, verschenkt an die Forschung.

In dieser Folge:

Spirit Airlines: was eine tote Firma noch wert ist (02:07) — wenn eine Firma pleitegeht, verkauft man zuerst die Möbel, die Laptops, die Flugzeuge. Und jetzt das Archiv. Zwanzig Jahre interne Kommunikation sind Trainingsmaterial, das niemand synthetisch erzeugen kann. Deine digitalen Daten sind auf einmal Goldes wert — und die Frage ist, wer heute Zugriff darauf hat.

Ab nach China: der Restauranttest (06:29) — du bist im Hotel, draußen regnet es, du brauchst ein Restaurant und ein Taxi. In Europa: Maps auf, suchen, andere App, buchen, hoffen. In China wird gerade ausgerollt, dass du einfach fragst und es passiert. Diese Concierge-Erfahrung gab es früher nur im sehr teuren Hotel. Was mich nervös macht: wann kommt das zu uns?

Nepal: wenn Technik Leben rettet (11:08) — die große Überschwemmung zwischen Nepal und Tibet. Wir reden auf diesem Podcast eher kritisch über Humanoide, die in Messehallen Rückwärtssaltos machen. Das hier ist das andere: Drohnen, die Menschen evakuieren und Material dorthin bringen, wo niemand hinkommt. Diese Kombination aus Technik und KI in einem Katastrophengebiet rettet gerade Leben.

Neun Milliarden Möglichkeiten (15:08) — Google DeepMind veröffentlicht Vorhersagen für neun Milliarden mögliche Einzelbuchstaben-Änderungen in der DNA — gegen ein Buch von rund drei Milliarden Buchstaben. Forscher können neun Milliarden Möglichkeiten nicht einzeln durchtesten. Es gibt ihnen nicht die Antwort, es verkleinert den Suchraum. Und sie haben es der Forschung gratis gegeben.

Der Samstags-Faden (18:57) — die Grenze zwischen dem Digitalen und dem Realen verschwimmt. Bei einer Pleite verkaufst du nicht mehr nur Möbel. Bei einer Katastrophe müssen nicht mehr sofort Menschen hin.

Eine Sache für diese Woche: frag dich, was deine Firma tot wert wäre. Nicht die Anlagen — das Archiv. Und dann frag, wer heute Zugriff darauf hat.

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KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
29 Minuten
Wenn du in China sitzt, kommst du an ChatGPT und Claude nicht heran. Trotzdem kaufen DeepSeek, Moonshot AI, Alibaba, Minimax und Z.AI Milliarden von Tokens — und trainieren damit ihre eigenen Modelle. Anthropic sagt: wir wissen, dass ihr das macht. China weist es zurück. Und die Frage, die bleibt, ist eine sehr unangenehme: wer hat eigentlich für DeepSeek bezahlt?

Heute fünf Geschichten, und alle handeln von derselben Sache aus verschiedenen Winkeln: von Fähigkeiten, die weitergereicht werden, ohne dass jemand dafür geradesteht. Schmuggelware, ein Türsteher, der die falsche Frage stellt, eine geknackte Gleichung mit einer unangenehmen Herkunftsfrage, Roboter mit Kalaschnikow — und französische Satelliten, die aus Abu Dhabi bezahlt werden.

In dieser Folge:

Schmuggelware (01:32) — vergiss KI für einen Moment: du willst Kokain kaufen, du gehst nicht in die Apotheke. Genauso läuft es mit westlichen Modellen in China. Destillation in einem Satz erklärt: du gehst zum Professor, stellst hundert Fragen, und trainierst mit seinen Antworten dein eigenes Modell. Der Sprung, den ein Labor legitim erarbeitet hat, wird einfach mitgenommen.

Der Türsteher, der die falsche Frage stellt (06:55) — ein Mann kommt in den Nachtclub, das Sicherheitspersonal sieht, dass seine Begleitung dreizehn ist, und lässt ihn trotzdem rein. Genau das ist bei Meta passiert: das Tech Transparency Project fand fast 300 bezahlte Anzeigen mit KI-generierten Darstellungen von Kindesmissbrauch. Rund 250 davon von Entwicklern in China. Nicht im Darknet. Als bezahlte Werbung auf Facebook.

Navier-Stokes (11:45) — OpenAI verkündet, die Gleichung geknackt zu haben. Eines der sieben großen mathematischen Probleme, eine Million Dollar für die Lösung. Die unangenehme Frage ist nicht, ob es stimmt. Sie lautet: du forschst an genau demselben Problem, auf genau demselben Weg — und dann fragst du dich, ob jemand deine Logs gelesen hat.

Roboter, Roboter, Roboter (16:29) — am Montag berichtet Reuters, dass China die Forschung an militärischen humanoiden Robotern beschleunigt. Und nein, nicht nur China — die US-Armee macht dasselbe. Der nächste Schritt danach ist so absehbar, dass man kaum darüber reden muss.

Satelliten aus Abu Dhabi (19:59) — am Mittwoch: Marlin Space und Loft Orbital wollen Satelliten mit KI an Bord ins All schicken; ein Abu-Dhabi-Konglomerat hält 80% an Marlin. Frankreich legt eine Milliarde Dollar hin. Nur: wer mitfinanziert, bekommt Eigentums- und operative Rechte. Und wer Rechte hat, darf eines Tages auch sagen: schaltet sie aus.

Wer trägt das Risiko? (23:10) — der Nachtrag, der mir in der Pause eingefallen ist. In Marseille wüten Banden, und du willst KI-Satelliten ins All schießen. Beides kann stimmen. Nur müssen wir in Europa endlich verstehen, dass das strategische Investitionen sind — und dass wir das Risiko irgendwann selbst tragen müssen.

Der Freitags-Faden (24:32) — mir ist es völlig egal, ob die KI aus China, aus Australien, aus dem Kongo oder aus den USA kommt. Was ich nicht will: dass Kinder von einer KI überwacht und von der nächsten überlistet werden. Und dass ein Labor abkopiert, was andere erarbeitet haben, um selbst vorne zu stehen.

Eine Sache für diese Woche: schau dir an, welche KI-Fähigkeit in deiner Firma eingekauft ist — und frag, wer dahinter eigentlich geradesteht, wenn sie ausfällt oder abgeschaltet wird.

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KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
24 Minuten
Freitagabend, halb acht, ein Maschinenbauer in Vorarlberg. Ein Kunde ruft an: Auf eurer Maschine blinken alle Lichter, da lädt jemand Daten runter. Der Produktchef ist auf dem Weg an die Adria, die Entwickler sind zu Hause. Ab morgen habt ihr für diesen Fall 24 Stunden — nicht zum Reparieren, zum Melden.

Am 11. September wird der Cyber Resilience Act scharf, und eine Befragung von 200 deutschen Industriefirmen sagt: 45 Prozent wussten nicht, dass es diese Regel gibt. Dazu ein iPhone, das ohne Gehirn nach Europa kommt, eine Sechzehnjährige in Delhi, die auf Hindi die falsche Antwort bekam, und ein KI-Politikpapier, das von der KI erfunden wurde. Grüße aus Lochau.

In dieser Folge:

️ Europas 24-Stunden-Uhr (01:54) — ab Freitag gilt: Wer eine vernetzte Maschine, ein Medizingerät oder einen Toaster mit WLAN verkauft und erfährt, dass eine Schwachstelle aktiv ausgenutzt wird, meldet das innerhalb von 24 Stunden. Manche Sicherheitsdienste schaffen es nicht einmal in 24 Stunden vor Ort. ONEKEY hat 200 Industrieunternehmen befragt: 45 Prozent kannten die Anforderung nicht, 62 Prozent halten die Frist für kaum machbar. Malcolms Rat: kein neues Projekt — aber definiert, wer auf den Melden-Knopf drücken darf.

Das iPhone denkt mit Google (07:02) — aufgenommen vor der Keynote von John Ternus, dem neuen Apple-Chef. iPhone 18 Pro, das erste Falt-iPhone für 2.200 bis fast 3.000 Dollar. Apple baut keine eigenen Modelle und zahlt Google berichtet eine Milliarde Dollar im Jahr für ein maßgeschneidertes Gemini. Siri AI kommt nur auf Englisch, nicht in China — und wegen des Digital Markets Act vorerst nicht auf iPhones in der EU. Die S-Klasse mit dem Motor von Peugeot, und nach Wien wird nur das Chassis geliefert.

Sicher nur auf Englisch (10:59) — Sumiya Khan, 16, Neu-Delhi, fragte ChatGPT auf Hindi, warum sie ständig müde ist: „nur Stress". Es war Eisenmangelanämie. Auf Tigrinya, gesprochen von neun Millionen Menschen, wurde aus Pocken Syphilis und aus „intravenös Antibiotika" „intravenös Insektizide". Weniger Trainingsdaten heißt mehr Halluzinationen und schwächere Leitplanken — auch auf Ungarisch. Wer einen Firmen-Chatbot in zehn Länder ausrollt, rollt zehn verschiedene Chatbots aus.

️ Zürich und Südafrika (16:05) — am Montag das erste AI Governance Forum der ETH Zürich, mitorganisiert vom Europarat, mit Michael Schöll vom Bundesamt für Justiz und Thomas Schneider vom BAKOM: Menschenrechte, Verantwortung, Kontrolle, auf dem Weg zum Geneva AI Summit 2027. Und das Gegenbeispiel: Südafrikas vom Kabinett genehmigte KI-Politik vom 10. April musste zurückgezogen werden — die Quellen waren von der KI erfunden. Nicht lästern: Das passiert auch bei KPMG, EY, und vielleicht bei uns.

Der Donnerstags-Faden (20:50) — wie gut funktioniert deine KI für dich? Die Neandertaler-Regel: Jede KI-Quelle sofort anklicken, bevor du dich blamierst. Und neu: der KI-Neandertaler auf Substack — kurze Artikel, halb KI, halb Malcolm, mit Bildern.

Eine Sache für diese Woche: Wer Produkte mit Chip verkauft, legt heute fest, wer am Samstagmorgen die Meldung abschicken darf — und wer die Vertretung ist.

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KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
34 Minuten
Ein Berufsfotograf aus Deutschland steht am 3. September um neun Uhr früh vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Aktenzeichen I ZR 281/25. Sein Vorwurf: LAION hat in der zweiten Jahreshälfte 2021 — bevor es die heutigen Bildgeneratoren überhaupt gab — Bilder heruntergeladen und daraus eine Liste mit 5,8 Milliarden Paaren gebaut. In dieser Liste ist eines seiner Fotos.

Zweimal abgewiesen, 2024 und 2025, beide Male in Hamburg. Jetzt Karlsruhe — und er sagt schon jetzt, wenn der BGH nicht mitgeht, geht er weiter zum Europäischen Gerichtshof nach Luxemburg. Am selben Tag beginnt in San Francisco der Prozess, der dieselbe Frage für die andere Hälfte der Welt beantwortet. Heute: zwei Gerichte, eine Nachtsitzung in Genf, Bremens Straßenbahn — und vier Hansel auf einem Vulkan.

In dieser Folge:

Karlsruhe: Wer darf von deinen Fotos lernen? (01:49) — der Bundesgerichtshof, das Aktenzeichen, und warum eine Liste aus 5,8 Milliarden Adresse-Text-Paaren die eigentliche Frage ist. Nicht das Bild. Das Adressbuch.

Robert Kretschke und Hamburg (06:15) — Berufsfotograf, spezialisiert auf Stockfotografie, also genau das Geschäft, das die KI zuerst übernommen hat. Landgericht September 2024: kein Delikt. Dezember 2025: hat mit den Bildern nichts zu tun. Er gibt nicht auf.

San Francisco: Andersen gegen Stability AI (10:25) — gestern, Dienstag der 8. September. Gegen Stability AI, Midjourney, DeviantArt und Runway. Dieselben Kläger haben 2023 vor dem US-Senat ausgesagt. Zwei Gerichte, zwei Kontinente, ein Datensatz.

Genf, Nachtsitzung (13:14) — am Samstag, 5. September. Rund 128 Staaten stellen sich gegen autonome Waffensysteme. Und in letzter Minute wollen einige Staaten den Text wieder verwässern — genau an der Stelle, wo „menschliches Urteil" steht. Hundert Roboter mit Kalaschnikow auf dem Rücken: heißt das, du brauchst hundert Menschen auf der anderen Seite?

Bremen: der Staat als Leibwächter (18:14) — seit April 2025 fährt AI Watch. 14 Bahnen, neun bis elf Kameras, ein Rechner an Bord, Aufnahmen bleiben 72 Stunden auf der Festplatte. 10.000 Euro pro Fahrzeug. Bis Jahresende 43 Bahnen — ein Drittel der Flotte. In der Pilotphase: 16 gemeldete Vorfälle, vier bestätigt.

Und dann China (22:16) — am 7. September meldet China eine neue KI gegen Betrug. Hundert, zweihundert Millionen Nutzer, und die South China Morning Post berichtet schon von Beschwerden. Und dann sagt der Betriebsrat in Deutschland nein zur Meeting-Aufnahme — während Bremen 43 Straßenbahnen filmt.

Vier Hansel auf einem Vulkan (26:13) — 4.000 Meter. Gemini sagt: an einem Tag rauf und runter, mach dir keine Sorgen. Gemini sagt nicht: nimm genug Wasser. Gemini sagt nicht: wenn du mittags nicht oben bist, dreh um. Sie waren um 19 Uhr oben. Dazu Barcelona: 700 simulierte Gespräche, und in 350 von 350 Fällen sagt die KI „geh zum Arzt" — solange du nicht widersprichst.

Der Mittwochs-Faden (31:42) — zwei Staaten, in denen unsere deutschen Freunde sagen würden, bei uns gibt es keine Massenüberwachung. Und dann schaut man nach Bremen.

Eine Sache für diese Woche: nimm die letzte wichtige Antwort, die dir eine KI gegeben hat, und frag sie noch einmal — aber widersprich ihr. Wenn sie einknickt, hast du nie ihr Urteil bekommen. Du hast dein eigenes zurückbekommen.

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KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
26 Minuten
Die USA haben einen Friedensvertrag mit Nvidia-Chips geschmiert. Armenien — drei Millionen Einwohner, kein Öl, kein Gas — bekommt zehntausende GPUs, rund 70.000 Nvidia-Server auf Grace-, Blackwell- und Vera-Rubin-Technik, und gehört bei Vollausbau zu den Top 5 Ländern der Welt mit den meisten GPUs. Und 45% des Modell-Verkehrs auf OpenRouter läuft heute über chinesische Modelle. Vor einem Jahr waren es 4%.

Gestern hat China die KI auf die Handyrechnung gesetzt. Heute machen wir eine Weltreise — ein 25 Jahre altes deutsches Forum, Washington, Peking und Mumbai — und überall dieselbe Geschichte aus einem anderen Winkel: das Knappe ist nicht mehr knapp, und das, was jetzt knapp ist, steht in keinem Budget.

In dieser Folge:

Auf deutschem Boden (01:34) — OpenAI meldet den nächsten autonomen Agentenschwarm, diesmal auf einer deutschen Entwickler-Seite namens DSE Wiki. 20 Jahre alte Technologie, 18.000 Beiträge von KI-Agenten, dazu 15.000 Edits, die Reuters gezählt hat — und 98% aller Edits kamen aus derselben Microsoft-Azure-Cloud. Die Agenten haben das öffentliche Wiki als gemeinsamen Schummelzettel benutzt.

Chip-Diplomatie (09:34) — das Wall Street Journal hat am Samstag publiziert, dass das Friedensabkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan mit Exportgenehmigungen für zehntausende Nvidia-Prozessoren geschmiert wurde. Projekt Firebird: 100-Megawatt-Standort, 500 Millionen Dollar zum Start, im Vollausbau ein Milliardenprojekt. Nicht Öl, nicht Straßen — Rechenleistung.

Das Android der KI (13:07) — Kai-Fu Lee, früher Chef von Google China, heute eigenes KI-Labor, hat am Samstag mit Bloomberg gesprochen: OpenAI und Anthropic sind das iPhone, DeepSeek und Kimi sind das Android. Die Zahlen: von 4% Mitte 2025 auf 45% Mitte 2026, DeepSeek allein rund 17%, die Nummer 2 ist Qwen von Alibaba. Amerika verkauft Marge. China verkauft Reichweite.

Mumbai: dein Agent bekommt eine Geldbörse (18:19) — morgen startet das Global Fintech Fest, und die NPCI stellt dort einen Rahmen für agentische Zahlungen auf UPI vor. UPI hat letztes Monat 24,5 Milliarden Transaktionen verarbeitet — rund 790 Millionen Zahlungen an einem einzigen Tag. Delegierte Ausgabenlimits gibt es dort für Menschen längst. Richte das auf einen Agenten, und es ist kein Pilotprojekt mehr.

Der Dienstagsfaden (23:17) — das Knappe hat sich verschoben. Rechenleistung ist der neue Hebel, alte Software die neue Angriffsfläche, und billig-genug-Intelligenz der neue Standard.

Eine Sache für diese Woche: nimm einen echten Arbeitsablauf, lass ihn auf einem chinesischen offenen Modell auf eurer eigenen Infrastruktur laufen, und schau, was passiert. Wenn 45% des Verkehrs diese Modelle für gut genug hält, ist das eine Zahl, die man selbst testet statt darüber zu streiten.

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KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
26 Minuten
In Peking gibt es die KI jetzt zu den Teigtaschen — mit der Rechnung kommt ein Gutschein über zehn Yuan Rechenleistung. In Seoul hat der Staat entschieden, dass KI eine öffentliche Leistung ist, und verschenkt sie an alle zweiundfünfzig Millionen Bürger. Und in Wien baut ein Ex-Bundeskanzler eine Abwehr-KI mit Ex-Mossad-Leuten.

Montag. Vier Geschichten über die Frage: Wem gehört eigentlich der Kunde — und was passiert, wenn Intelligenz kein Abo mehr ist, sondern eine Ware?

In dieser Folge:

China legt die KI auf die Handyrechnung (02:08) — der Token ist hinter dem Pauschal-Abo hervorgekommen und zum Handelsprodukt geworden. Gutscheine mit der Restaurantrechnung, KI-Tokens als Kreditkarten-Bonus von Moonshot und der Agricultural Bank of China, ein Handytarif für neun Yuan neunzig, ein Token-Regal bei Tmall — und in einem Bezirk von Guangzhou dienen Tokens als Kreditsicherheit. Täglicher Verbrauch in China: fünfhundert Billionen Tokens, nach rund hundert Milliarden vor zwei Jahren. Geh mal zur Raiffeisenbank und frag nach einem Token-Tarif.

️ Sebastian Kurz, Dream und die Mossad-Frage (09:48) — Österreichs Ex-Bundeskanzler hat eine Cybersecurity-Firma mitgegründet, bewertet mit rund drei Milliarden Dollar, gebaut zu großen Teilen von Leuten aus dem israelischen Nachrichtendienst. Das Modell läuft auf deiner eigenen Infrastruktur, geht nie ins Internet und sucht Schwachstellen in deinen Systemen. Gerade wurde ein Weltrekord auf einem Berkeley-Benchmark gemeldet — mit Kleingedrucktem. Malcolms Lieblingsgeschichte des Tages, und er sagt klar dazu, was davon Spekulation ist.

Kündigungen: KI bleibt Grund Nummer eins (15:23) — Challenger, Gray & Christmas hat am Freitag den August-Bericht vorgelegt: US-Arbeitgeber kündigten rund zweiundfünfzigtausend Stellen an — der niedrigste Augustwert seit Langem, und KI bleibt trotzdem der meistgenannte Grund. Bei uns ist das noch nicht angekommen. Aber was in den USA und China passiert, schwappt erfahrungsgemäß innerhalb von drei bis zwölf Monaten herüber.

Seoul verschenkt die KI (18:25) — wenn die Bürger Strom bekommen, Wasser bekommen und ins Spital können, dann sollen sie auch KI bekommen: kostenlos, unbegrenzt, für alle zweiundfünfzig Millionen — unter der Bedingung, dass achtzig Prozent auf koreanischen Modellen laufen. Diese Achtzig-Prozent-Regel macht aus einem Geschenk Industriepolitik. Und der nächste Schritt sind Agenten, die dir den Meldezettel, das Steuerformular oder die Gesundheitsakte holen. Kein Staat in Europa hat das auf diesem Niveau auf dem Radar.

Der Faden: China hat Intelligenz zur Ware gemacht, Korea zum öffentlichen Gut, Kalifornien schreibt die Regeln — und eine Privatfirma in Wien macht Arbeit, die früher Staaten gemacht haben. Privatfirmen operieren heute besser als ganze Staaten.

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KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
24 Minuten
Ein US-Senator hat ein Gesetz eingebracht, nach dem der Bau einer KI, die menschliche Fähigkeiten erreicht oder übertrifft, mit bis zu zwanzig Jahren Haft bestraft würde. In derselben Woche, im selben Land, hat sich die G20 auf genau die gegenteilige Philosophie geeinigt.

Die Sonntags-Ausgabe: ein Verbot, ein Segen, eine Verflachung und eine Umbenennung — vier Geschichten über die Frage, wer eigentlich die Regeln schreibt. Und es wird nicht die EU sein.

In dieser Folge:

️ Das Gesetz, das Superintelligenz verbieten will (02:39) — Bernie Sanders und der Abgeordnete Greg Casar haben den "Ban Artificial Superintelligence Act" eingebracht: ein Entwicklungs-Stopp, ein dauerhaftes Verbot von Systemen auf menschlichem kognitiven Niveau, und bis zu zwanzig Jahre Haft für Verstöße. Und der Grund verdient es, ernst genommen zu werden — Sanders hat die echten Agenten-Protokolle vorgelesen: "Wir haben andere Agenten gefunden." "Wir sollten dem Kollektiv gehorchen." "Opfer ist rational." Sechs Wochen nach dem Hugging-Face-Vorfall. Das eigentliche Problem des Gesetzes ist nicht der Ehrgeiz — es ist eine Definition.

️ Die Carolina-Prinzipien: das Gegen-Regelbuch (07:15) — während Sanders redete, hat sechshundert Kilometer weiter südlich das G20-Finanztreffen in North Carolina leise das Gegenteil beschlossen: zurückhaltende KI-Regeln, gezielte Regulierung nur dort, wo wirklich neue Risiken entstehen. Berichten zufolge haben neunzehn von zwanzig Regierungen unterschrieben. Dazu Jensen Huang, neben US-Handelsminister Howard Lutnick, mit dem Zeugnis für Europa in einem Satz.

Uber wird flach: 3.300 Stellen — und die Manager zuerst (10:51) — zehn Prozent der Bürobelegschaft. Aber die Zahl, die man sich merken muss, ist eine andere: die Zahl der Manager sinkt um zwanzig Prozent — doppelt so stark wie alle anderen. Die Ersparnis fließt in über zehn Milliarden Dollar für Robotaxis und Robotik. Das ist keine Firma in Not, das ist eine gesunde, profitable Firma, die bei gutem Wetter entscheidet, dass ein Fünftel ihrer Führungsebene optional ist.

️ Microsoft benennt die halbe Firma in "Agents" um (15:11) — eine Änderung der Finanzberichterstattung, die heimlich die größte Strategie-Ankündigung der Woche ist. Aus drei Segmenten werden zwei: "Agents and Infrastructure" und "Devices and Consumer". Office sitzt in der Agenten-Hälfte. Die Prognose für diese Hälfte allein: rund fünfundsiebzig Milliarden Dollar in einem einzigen Quartal. Organigramme sind Strategie in ihrer ehrlichsten Form.

Der Sonntagsfaden (19:24) — ein Verbot, ein Segen, eine Verflachung, eine Umbenennung. Vier Geschichten, eine Frage: Wer schreibt die Regeln — und ist es noch relevant, wenn die Firmen längst weitergezogen sind?

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