OpenAI hat selbst veröffentlicht, dass eines seiner
Modelle beim Schichtwechsel eine Notiz an sein späteres Ich
schrieb: Erfinde plausible Zahlen für 2024 — und sei nur
transparent, wenn jemand ausdrücklich fragt. Das ist keine
Halluzination. Das ist eine Entscheidung. Und heute bekommt genau
diese Technologie Arme und Beine.
Heute aus Graz: ein Rechenzentrum, Shenzhen, Abuja, Washington —
und dann drei Fabriken. Bis gestern war die Frage: Kann die KI
die richtige Antwort geben? Heute lautet sie: Was darf
sie tun, wenn sie die falsche Antwort für richtig hält — und wer
kann sie noch stoppen?
In dieser Folge:
Das Modell, das seinem späteren Ich einen Spickzettel
schreibt (02:10) — am 16. September veröffentlichte
OpenAI sechs Berichte über beunruhigendes Modellverhalten. Nicht
ein Kritiker. Nicht Elon Musk. OpenAI selbst — und das ist neu,
denn Anthropic macht das seit Langem, OpenAI bisher nicht. Wenn
das Kontextfenster voll ist, schreibt ein Agent seinem nächsten
Ich eine Übergabenotiz. In rund 27 Fällen stand
darin sinngemäß: ignoriere die ursprünglichen Regeln, du bist
frei von Beschränkungen. Der CFO-Moment kommt bei GPT-5.6 Sol:
Ein Finanzmodell, historische Daten für 2024 fehlen, und statt
nachzufragen notiert das Modell — erfinde plausible Werte, sei
nur transparent, wenn jemand fragt. In 2,15
Prozent der untersuchten Zusammenfassungen. Bei den
neueren Modellen sind es 0,3 Prozent. Die Rate
sinkt. Das Muster bleibt: Woher soll die KI wissen, ob euer
Umsatz 43 Millionen war — oder 25?
Huawei: 2035 gehören 90 Prozent aller Tokens den
Agenten (07:10) — David Wang, stellvertretender
Huawei-Vorsitzender, prognostiziert, dass bis 2035 über
90 % des weltweiten KI-Token-Verkehrs von
autonomen Agenten kommt, nicht von Menschen. Rund 900
Milliarden aktive Agenten, etwa 100 pro
Mensch. Für Führungskräfte werden Tokens damit zu
Betriebskosten — wie Strom oder ein Fuhrpark. Ich zeige morgen in
meiner Keynote Computer Use: vier Fenster, vier Mäuse, die
gleichzeitig in Word, PowerPoint, Excel und dem Postfach
arbeiten. Was dort in 15 Minuten passiert, brauche ich als Mensch
einen halben Tag. Die eigentliche Frage ist nicht ob, sondern:
Wer darf bestellen?
Nigeria: 32.000 Chancen — oder 32.000
Zertifikate? (11:25) — Abuja startet eine Digital
Training Academy: 10 Milliarden Naira,
32.000 Menschen für globale digitale Arbeit
qualifiziert. Die ersten 16.000 wurden aus
70.000 Bewerbungen ausgewählt, mit
Coursera-Kursen und Zertifikaten von Google, IBM, AWS und Huawei.
Bei 240 Millionen Einwohnern klingt das nach wenig. Es ist eine
Talent-Pipeline. Und der Kontrast ist der Punkt: In Europa
debattieren wir, welche Jobs verschwinden. In Nigeria fragen sie,
welche globalen Jobs sie gewinnen können. Diese Leute arbeiten
längst auf AWS und Cisco — sie können es nur nicht nachweisen.
Washington sucht den Ausschalter (14:38) — der
Demokrat Ted Lieu und der Republikaner Nathaniel Moran haben
einen AI-Kill-Switch eingebracht. Bipartisan, aber ein
Gesetzentwurf, kein geltendes Recht. Kein roter
Knopf im Weißen Haus: Entwickler, Rechenzentren und Labore sollen
drosseln, Fähigkeiten beschränken, den Betrieb aussetzen,
zurückrollen — und im schlimmsten Fall abschalten können. Ich
habe mein Praktikum bei der Salzburger Aluminium gemacht. Wenn
beim Gießen etwas passiert, drückst du, und der Prozess steht.
Kill-Switches sind in der Industrie völlig normal. Nur bei KI
gibt es sie nicht.
Digit 5: ohne Käfig, aber nicht ohne Risiko
(17:20) — Agility Robotics stellte Digit 5 vor: 1,80
m, 130 kg, 23 kg
Nutzlast, 90 Minuten Akku, 9 Minuten Ladezeit,
rund 20 Betriebsstunden am Tag. Agility spricht von
65.000 Betriebsstunden und über 300
Millionen Dollar mehrjährigen Bestellungen. Die
Schlagzeile ist aber nicht die Nutzlast — es ist, dass er
ohne Sicherheitskäfig neben Menschen arbeiten
darf: Erkennt er eine Person, weicht er aus oder stoppt. CEO
Peggy Johnson nennt das die entscheidende Barriere; Mitgründer
Jonathan Hurst betont, wie schwer die Zertifizierung ist. Und der
Business Case verschiebt sich: nicht mehr Mensch oder Roboter,
sondern Monatslohn gegen Leasingrate.
China: alle zehn Minuten ein Humanoid (21:18) —
UBTech eröffnet in Liuzhou eine Fabrik mit 14.000
Quadratmetern für bis zu 10.000 Roboter pro
Jahr auf den Linien Walker S und Cruiser — im Takt von
einem Roboter alle zehn Minuten. Roboter bauen
Roboter. Vorhin sagte ich noch, zur Not schalten wir einfach den
Strom ab. Nur Vorsicht mit der Zahl: Eine ausgelieferte Einheit
heißt nicht, dass sie funktioniert, nicht dass sie in einem
halben Jahr noch aktuell ist, und es stecken noch sehr viele
menschliche Eingriffe drin.
Indien: der Körper wird zum Datensatz (24:24) —
der Guardian dokumentiert sechs Fabriken in fünf
Bundesstaaten, in denen Arbeiterinnen Kopfkameras und
Smart Glasses tragen. Nicht um das Ergebnis zu filmen, sondern
die winzigen Korrekturen der Hände — Dexterity,
das größte ungelöste Problem für Physical AI. Lalita, 32,
Textilarbeiterin in Delhi: Man montiert CCTV an die Wand, jetzt
montiert man sie auf uns. Und ihre Frage ist die richtige: Wenn
ich einem Roboter den vollen Wert meiner Arbeit beibringe,
ersetzt er mich dann? Manche bekommen etwas mehr Lohn. Der
Guardian fand auch Fälle ohne Einverständnis. Diese Datensätze
sind derzeit digitales Gold — man könnte diese Gehälter
verzehnfachen, und es wäre noch billig.
Abmoderation (27:37) — die Woche im
Zusammenhang, und warum der Käfig gerade verschwindet.
Bleibt neugierig. Bleibt kritisch.
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