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  4. #30 - Ein Paper wird zum Agenten: 74 Prozent laufen ohne Menschen. Hongkong baut ein Gehirn für die ganze Stadt. Und Singapur schenkt jedem ChatGPT Plus.
Ein wissenschaftliches Paper ist kein Dokument mehr, das
man liest — es wird zum Agenten, den man arbeiten lässt. Bei 74
von 100 Papers lief das komplett ohne menschlichen Eingriff.
Hongkong baut ein Gehirn für die gesamte Stadt. Und Singapur
schenkt jedem, der will, sechs Monate ChatGPT Plus und Google AI
Pro.

Heute aus Bregenz, etwas leiser als sonst — der Kleine schläft.
Wir gehen nach Stanford, Hongkong, Singapur, Indien, Argentinien
und Japan. Der Faden darunter: Staaten und Städte warten
nicht mehr darauf, dass Firmen ihren Leuten KI beibringen. Sie
machen es selbst.

In dieser Folge:

Das Paper, das zum Agenten wird (01:45) — die
eigentliche Top-Geschichte des Tages, und sie stand nicht mal im
Intro. Das Framework heißt Paper-to-Agent, von
Zhang Cheng Miao und Kollegen in Stanford, veröffentlicht in
Nature. Es nimmt ein Manuskript, holt sich die
Datensätze, die Supplemente und den Code, und baut daraus einen
MCP-Server mit Werkzeugen. Getestet an 100
Computational-Biology-Papers: bei 74 % lief die
Agentifizierung vollständig ohne menschlichen Eingriff, mit fast
600 vorgeschlagenen Werkzeugen. Die übrigen 26
scheiterten daran, dass im Paper Daten, Code oder Modelle nicht
sauber angegeben waren. Der AlphaGenome-Agent entstand laut Paper
in rund 45 Minuten für etwa 14
Dollar — dafür bekommt man im Radisson Blu am Flughafen
Zürich nicht mal einen Cocktail. Und jetzt denkt an eure
Prozessdokumentation für die Monatsabrechnung. Oder an ein
Servicehandbuch, das ihr direkt an die Maschine hängt.

Hongkong baut ein Gehirn für die ganze Stadt
(08:07) — Regierungschef John Lee kündigte am 16. September ein
integriertes AI City Brain an. Erste Phase: eine
Taskforce, und die digitale Infrastruktur der Notfalldienste
zusammenhängen, damit Echtzeitinformation zwischen den Behörden
fließt. Noch ein Plan, keine fertige Plattform. Aber die Idee ist
bestechend: Bei einem Taifun schickst du nicht 30 getrennte
Signale an Verkehr, Bauarbeiten und Einsatzkräfte — es gibt einen
Ort, der koordiniert. In China läuft das seit Jahren:
Hangzhou war Alibabas erstes großes
City-Brain-Projekt, mit schnellerem Verkehr, weniger Stau,
weniger Unfällen. Und dann fragt euch: Sieht euer SAP
gleichzeitig die Maschine, den verspäteten LKW und den
verärgerten Kunden? Eben.

Singapur verschenkt ChatGPT Plus (12:40) —
Premierminister Lawrence Wong stellte am 16. September das
SkillsFuture-Portal-Programm vor: kostenloser
Zugang zu ChatGPT Plus und Google AI Pro für
sechs Monate, plus 200 KI-Kurse. Nicht eine
Innovationsplattform — der Staat subventioniert das direkt für
jeden, der will. Erinnert euch daran, was Singapur schon vorher
gemacht hat: rund 3.000 Dollar pro Monat, drei Jahre
lang, damit Menschen sich mit KI auseinandersetzen. Im
DACH-Raum kann das keine Firma stemmen und kein Staat. Singapur
macht es trotzdem, weil sie die Fähigkeiten aufbauen, die sie in
zwei, drei Jahren brauchen.

Indien: bezahlt wird nur noch das Ergebnis
(16:10) — erst ersetzte KI die Callcenter-Mitarbeiter, jetzt
nutzen es alle und der Vorteil ist weg. Also dreht das indische
Voice-AI-Unternehmen SquadStack das Preismodell
um: minimale Grundgebühr, bezahlt wird das
Outcome — der Kauf, die gelöste Beschwerde. Ein
KI-Agent arbeitet 24 Stunden, spricht 192 Sprachen und hängt auf
20 Leitungen gleichzeitig. Und genau da fehlt es bei euch: Ihr
gebt den Leuten KI und sagt "nutzt das mal". Niemand sagt: Dieser
Prozess dauert heute fünf Stunden, ich erwarte fünf Minuten.
Nicht als Druck — damit vier Stunden für etwas Interessanteres
frei werden.

Gesichtserkennung für Reiskörner (18:57) —
Argentiniens Saatgutinstitut INASE hat mit der
KI-Firma MachVision eine technische Kooperation geschlossen: ein
neuronales Netz, trainiert auf Tausenden Bildern von Reiskörnern,
das die Sorte bestimmt. Für mich sehen zwei Säcke Reis gleich
aus. Für einen Saatgutprüfer sind das verschiedene Sorten,
verschiedene Preise und am Ende verschiedene Rechtspositionen —
jemand behauptet eine teure Sorte, und es ist eine andere. Für
Weizen und Braugerste gibt es solche optischen Verfahren längst;
Reis ist der schwierige Fall. Genau deshalb lohnt es sich. Und
wenn ihr Holz, Metallteile oder Obst klassifiziert: dasselbe
Prinzip.

Der Essiggurken-Zitronen-Kuchen (22:57) — die
wichtigste KI-Geschichte des Tages. Ein japanischer
Convenience-Store fragte eine KI, was Menschen nicht vorschlagen
würden, und verkauft das Ergebnis in 4.700
Filialen. Der wirklich clevere Teil ist kontraintuitiv:
In der ersten Runde ließen sie historische Verkaufs- und
Marktdaten bewusst weg, damit nicht wieder der
Durchschnitt der Vergangenheit herauskommt — rund
100 äußerst seltsame Kombinationen. Erst in der
zweiten Runde kamen Kosten- und Produktionsdaten dazu, in der
dritten wurde gebacken, gerochen und probiert. Ja, es ist auch
ein Marketing-Gag. Es ist trotzdem ein besserer Prozess als
eurer.

Abmoderation (26:13) — wer am Ende entscheidet,
und warum dieser Trend zu uns überschwappen wird.

Bleibt glücklich. Bleibt chaotisch.
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„#30 - Ein Paper wird zum Agenten: 74 Prozent laufen ohne Menschen. Hongkong baut ein Gehirn für die ganze Stadt. Und Singapur schenkt jedem ChatGPT Plus.“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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