Podcaster
Episoden
10.02.2026
44 Minuten
Prof. Dr. Dagmar Haase und
Dr. Jan‑Marco Müller diskutieren
mit Bjarne Braunschweigüber
Wissenschaftsdiplomatie und die spezifische Rolle der Geographie
in internationalen Entscheidungsprozessen.
Dagmar Haase und Jan-Marco Müller erklären, dass
Wissenschaftsdiplomatie die Nutzung wissenschaftlicher Evidenz
und Kooperation zur Erreichung diplomatischer Ziele ist und dass
dabei auch diplomatische Akteure involviert sein müssen.
Geographisches Fachwissen, welches von der Kontextualisierung
über Kultur‑ und Raumanalysen bis zu methodischen Kompetenzen wie
Fernerkundung reicht, prädestiniert die Disziplin dafür,
Zusammenhänge von Mensch und Umwelt zu vermitteln und als
Übersetzer zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu
fungieren.
Konkrete Beispiele der beiden Expert:innen reichen von Debatten
um Freihandelsabkommen und deren Folgen für Entwaldung bis zu
grenzüberschreitendem Wassermanagement, wobei Wissenschaft als
neutrale Gesprächsplattform dienen kann. Gleichzeitig betonen die
beiden, dass Risiken und Grenzen, wie z.B. der historische
Missbrauch wissenschaftlicher Expertise und die politische
Instrumentalisierung von Forschung, Wachsamkeit gegenüber
geopolitischen Zwängen fordern.
In der Diskussion geht es unter anderem darum:
wie sich Wissenschaftsdiplomatie von reiner internationaler
Wissenschaftskooperation unterscheidet,
welche Rollen Geograph:innen mit ihrem spezifischem
Kontextwissen übernehmen können,
wie wissenschaftliche Evidenz in diplomatische
Entscheidungsprozesse übersetzt wird,
wie Wissenschaftsdiplomatie institutionell verankert und
Kanäle zur Politik geschaffen werden können,
wie politische Instrumentalisierung und Missbräuche
verhindert werden können,
welche Zusatzqualifikationen und Schnittstellenkompetenzen
Geograph:innen für die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und
Diplomatie benötigen.
Publikationen zu den besprochenen Themen
New frontiers in science diplomacy | Report von the Royal
Society (2010)
Science diplomacy in an era of disruption | Report von The
Royal Society (2025)
A European framework for science diplomacy | Bericht des
Publications Office of the European Union (2024)
Der Podcast "Was bewegt die Geographie?" wird herausgebracht vom
VGDH - Verband für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen
und Forschungsinstituten.
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13.01.2026
45 Minuten
Prof. Dr. Angela Hof,
Prof. Dr. Ivo Mossig und
PD Dr. Jeannine Wintzer diskutieren
mit Bjarne Braunschweig über
gute Hochschullehre in der Geographie und darüber, wie Lehre so
gestaltet werden kann, dass sie wirklich etwas bewegt.
Die Expert:innen kommen zu dem Schluss, dass zentrale Ziele guter
Hochschullehre sich vor allem an den Lernzielen orientieren:
Studierende sind demnach in der Lage, Perspektiven wechseln zu
können, eine fachliche Position zu entwickeln und mit erlernten
Konzepten, Theorien und Methoden relevante Fragestellungen zu
bearbeiten. Dabei machen sich die Hochschulleher:innen vor allem
für das sogenannte forschende Lernen stark, bei dem Inputphasen
regelmäßig mit der Produktion eigener Wissensprodukte durch
Studierende abwechseln, sodass Theorie und Praxis eng verzahnt
werden.
Damit geht einher, dass Lehrende weniger eine erklärende als
vielmehr eine begleitende Haltung in der Lehre einnehmen und mit
dieser die Identitätsbildung und forschende Haltung der
Studierenden unterstützen. Hürden, welche die drei
Wissenschaftler:innen identifizieren, sind befristete
Arbeitsverträge, Publikations- und Drittmitteldruck sowie
Zeitmangel. Diese Hürden können einerseits dadurch überwunden
werden, dass Institutionen die Lehre organisatorisch und zeitlich
anerkennen und Freiräume schaffen, diese weiterzuentwickeln.
Andererseits helfen vor allem auch hochschuldidaktische
Weiterbildungen und die Nutzung institutioneller Angebote neuen
Lehrenden dabei, ihre Lehre zielgruppengerecht zu gestalten.
In der Diskussion geht es unter anderem darum:
wie Studierende zu eigenständigen Positionen und
Perspektivwechseln befähigt werden können,
wie forschendes Lernen in der Lehre verankert werden kann,
welche hochschuldidaktischen Weiterbildungsangebote und
institutionellen Anerkennungen nötig sind,
welche strukturellen Bedingungen (Zeit, Vertragsformen,
Prüfungsformate) gute Lehre behindern und
wie der Austausch zwischen Lehrenden innerhalb und außerhalb
der eigenen Universität sowie neue Lehrformate die Lehrpraxis
beleben können.
Publikationen zu den besprochenen Themen
Hof, A., Lindau, A.-K. (2024): GeoTandem Salzburg - Halle:
„Cooling Cities = Greening Cities“ - OER zu Stadtökologie
im Kontext von BNE in der Lehrkräftebildung gestalten
Seckelmann, A., Hof, A. (Hrsg.) (2020): Exkursionen und
Exkursionsdidaktik in der Hochschullehre. Erprobte und
reproduzierbare Lehr- und Lernkonzepte
Wintzer, J./Mossig, I./Hof, A. (2021): Prinzipien, Strukturen
und Praktiken geographischer Hochschullehre
Mossig, I. (2024): Innerdisziplinäre Paradigmenpluralität =
Pluralität in der Wissenschaftsdidaktik? Das Beispiel der
Geographie
Mossig, I./Müller, A.-L. (2024): GeoTandems. Teamteaching in
der geographischen Hochschullehre
Der VGDH ist Herausgeber des Podcast.
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16.12.2025
45 Minuten
Prof. Dr. Julia Pongratz und
Prof. Dr. Imke Hoppe sprechen
mit Bjarne Braunschweig über
die Herausforderungen und den Nutzen von
Wissenschaftskommunikation in Bezug auf Klimaforschung.
Die beiden Expertinnen machen deutlich, dass die
naturwissenschaftliche Datenlage zum Klimawandel zwar robust ist,
dieses Wissen aber nicht automatisch in lebenspraktisches Handeln
übersetzt wird und deshalb zusätzliche Übersetzungs‑ und
Vermittlungsarbeit nötig ist. Die sogenannte lösungsorientierte
Berichterstattungkann dabei gesellschaftliche Handlungsfähigkeit
fördern, erreicht jedoch verschiedene Zielgruppen unterschiedlich
und läuft Gefahr, mediale „Mini‑Lösungen“ überzubetonen.
Außerdem erläutern die beiden Wissenschaftlerinnen, dass es vor
allem im Hinblick auf handlungsrelevante Informationen, wie z. B.
klimafreundliche Mobilitätsentscheidungen, sowie die
Bereitstellung spezifischer, lokal nutzbarer Daten für
Verwaltungen und Kommunen an konkreten Übersetzungsleistungen
bedarf. Im Hinblick darauf sind Geograph:innen aufgrund ihres
vernetzten Denkens und methodischen Spektrums in besonderer Weise
geeignet, einen Beitrag zu wissenschaftlich integrer und zugleich
gesellschaftlich wirksamer Klimakommunikation zu leisten.
In der weiteren Diskussion geht es unter anderem
darum,
welche Inhalte für verschiedene Zielgruppen handlungsrelevant
sind,
wie lösungsorientierte Berichterstattung so gestaltet werden
kann, dass sie Wirkung entfaltet und nicht nur Symbolpolitik
fördert,
wie Unsicherheiten und normative Positionen offen
kommuniziert werden können, ohne an wissenschaftlicher
Glaubwürdigkeit zu verlieren,
wie die Geographie ihr vernetztes Wissen und
interdisziplinäre Ansätze für kommunikative Formate nutzbar
macht,
wie globale wissenschaftliche Synthesen mit lokalen,
kontextspezifischen Daten kombiniert werden können,
welche Formate (Infografiken, Climate Stripes, Storytelling)
Zahlen erinnerbar machen und Handlungsdringlichkeit sichtbar
kommunizieren und
wie Institute und Hochschulen ihre kommunikativen Kapazitäten
stärken und dialogorientierte Formate institutionell unterstützen
können.
Besprochene Veröffentlichungen
Renewable Energy Drama – Ein Serious Game zu Smart Metering
für Stromkunden | Dissertation von Imke Hoppe
Global Carbon Budget
IPCC Assessment Report
State of CDR report, edition 2
UNEP emissions gap report
Indicators of climate change
Der Podcast "Was bewegt die Geographie?" wird herausgebracht vom
VGDH - Verband für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen
und Forschungsinstituten.
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18.11.2025
40 Minuten
Prof. Dr. Peter Fiener und
Prof. Dr. Matthias Schmidt sprechen
mit Bjarne Braunschweig über
die nachhaltige Gestaltung von Exkursionen in der
Geographie.
Dabei wird deutlich, dass Exkursionen pädagogisch wertvoll, aber
oft ressourcen‑ und emissionsintensiv sind. Der Planung und der
Wahl des Ziels kommt somit entscheidende Bedeutung zu. Die beiden
Experten sprechen über die Notwendigkeit, Exkursionen stets in
vorbereitende Seminaren einzubetten, nach regionalen Alternativen
zu suchen und institutsspezifische Leitlinien einzuführen, welche
neuen Dozierenden bei der Planung unterstützen. In ihren
Abwägungen stehen Lern‑ und Forschungsnutzen von Exkursionen an
weiter entfernte Orte vor allem ökologischen Kosten gegenüber.
In der weiteren Diskussion geht es unter darum,
was Nachhaltigkeit konkret für Exkursionen bedeutet und
welche Dimensionen zu berücksichtigen sind,
welche Überlegungen den CO2‑Fußabdruck von Exkursionen
besonders stark beeinflussen,
welche Rolle Vorbereitungsseminare und die Sensibilisierung
der Studierenden spielen,
wann der Bildungs‑ oder Forschungsmehrwert weiter entfernter
Ziele höhere Emissionen rechtfertigt,
welche institutspolitischen Leitlinien praktikabel sind,
welche alternativen Exkursionsformate funktionieren und wie
diese inklusiv gestaltet werden können und
wie finanzielle Beschränkungen und Barrierefreiheit bei
nachhaltiger Planung berücksichtigt werden.
Weiterführende Links
Homepage der Professur für Wasser- und
Bodenressourcenforschung
Homepage des Lehrstuhls für Humangeographie und
Transformationsforschung
Ausgabe 06/2025 der Geographischen Rundschau zu „Exkursionen
und Geländepraktika“
Der Podcast "Was bewegt die Geographie?" wird herausgebracht vom
VGDH - Verband für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen
und Forschungsinstituten.
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21.10.2025
44 Minuten
Prof. Dr. Veronika Cummings und
Prof. Dr. Carsten Butsch diskutieren
mit Bjarne Braunschweig über
Ethikprüfungen und Ethikberatung in der
Geographie.
Die beiden Expert:innen erklären, inwiefern Ethikprüfungen in der
Geographie an Bedeutung gewinnen und warum sie dennoch oft an
medizinischen Fakultäten stattfinden, obwohl dadurch
fachspezifische Fragen unterbeleuchtet werden. Besonders
problematisch sind Unvereinbarkeiten mit qualitativen Methoden,
grenzüberschreitende Forschung und Datenschutzfragen; Veronika
Cummings und Carsten Butsch plädieren für beraterische
Ethikgremien und einen fachspezifischen Ethikkodex. Ziel ist ein
schlankes, praxisnahes Beratungsformat, das blinde Flecken
identifiziert, Selbstreflexion fördert und Forschungsqualität
sowie gesellschaftliche Verantwortung stärkt.
In der Diskussion geht es unter anderem darum:
wie sich Ethikberatung von formalen Ethikprüfungen
unterscheidet
welche Probleme entstehen, wenn medizinisch geprägte
Ethikkommissionen geografische Vorhaben bewerten
wie sich qualitative Methoden (Interviews, teilnehmende
Forschung) angemessen prüfen lassen
wie Ethikvoten für Feldforschung im Ausland zu handhaben sind
warum es einen fachspezifischen Ethikkodex braucht
wie Ethikberatung, Transparenz und gute wissenschaftliche
Praxis verbindlich zertifiziert werden können und
welche institutionellen Modelle für solche Zertifikate
praktikabel sind.
Besprochene Veröffentlichungen
Editorial: Ethikprüfungen und Forschungsethik in der
Geographie veröffentlicht im Rundbrief Geographie 305
Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher
Praxis herausgebracht von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG)
Der Podcast "Was bewegt die Geographie?" wird herausgebracht vom
VGDH - Verband für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen
und Forschungsinstituten.
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Über diesen Podcast
Was bewegt die Geographie? ist der Podcast des
Verband für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen und
Forschungsinstituten (VGDH), der aktuelle Debatten der Geographie
hörbar macht. Der Podcast richtet sich an alle, die schon immer
einmal wissen wollten, warum das vernetzte Denken der Geographie
und die Verbindung von Natur- und Sozialwissenschaft heutzutage
wichtiger ist denn je.
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