Was für ein Start in Tadschikistan! Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal in der allerersten Stunde in einem neuen Land so viel Stress, Ärger und Pech auf einmal hatte.
Schon am Flughafen in Duschanbe ging es los: Mein Gepäck brauchte ewig, und kaum trat ich ins Terminal, fielen die Taxischlepper wie die Geier über mich her. So penetrant habe ich das selten erlebt. Zu allem Überfluss stürzte genau in dem Moment das Flughafen-WLAN ab. Ich stand da mit 20 Kilo auf dem Rücken bei glühenden 41 Grad im Schatten und konnte mir weder ein Taxi buchen noch den Wechselkurs prüfen. An der Wechselstube wollten sie meine restlichen kirgisischen Som nicht annehmen, und am Geldautomaten hob ich auf gut Glück Geld ab – unwissend, um wie viele Nullen ich mich vertan hatte.
Als ich versuchte, zu einer nahegelegenen Bude zu flüchten, verfolgten mich zwei Taxifahrer auf Schritt und Tritt. Sie verstanden einfach kein „Nein“. Es fehlte wirklich nicht viel und ich hätte mich auf dem Parkplatz mit ihnen geprügelt, so bedroht und wütend fühlte ich mich.
Erst in einer kleinen Döner-Bude fand ich Unterschlupf. Der netter Besitzer gab mir einen Hotspot. Uber oder Yandex gibt es hier nicht, stattdessen nutzt man die lokale App Yura – und die Registrierung lief verrückterweise über Telegram! Nach langem Hin und Her hielt ich ein Taxi auf der Straße an. Der Fahrer bestand darauf, mein Handy während der Fahrt selbst in der Hand zu halten, um auf die Karte zu stieren, obwohl er kein Wort Englisch sprach und der Bildschirm sich dauernd ausschaltete.
Endlich im Hotel angekommen, der nächste Schock beim Bezahlen: Meine Wise-Kreditkarte war weg! In Tadschikistan gibt der Automat erst das Geld und dann die Karte aus. In dem ganzen Stress hatte ich sie glatt stecken lassen. Also hielt ich direkt wieder ein Taxi an – am Kennzeichen erkannte ich später, dass hier gefühlt jedes Yura-Taxi die Seriennummer „TT 01“ trägt – und fuhr zurück zum Flughafen, um den Automaten für die Rezeptionistin zu fotografieren.
Zurück im Hotel folgte der größte Fehler der Reise: Ich hatte die Rezeptionistin gefragt, ob man das Leitungswasser trinken könne. Durch ein Missverständnis glaubte ich, ein klares „Ja“ bekommen zu haben. Nach der Hitzeschlacht trank ich gierig zwei große Gläser direkt aus dem Wasserhahn. Später sah ich das Elend in einer Flasche: eine braune, trübe Brühe!
Die Quittung folgte prompt: Den gesamten Montag verbrachte ich flitzend auf dem Klo, geplagt von Schüttelfrost, Schweißausbrüchen und absoluter Kraftlosigkeit. Sehenswürdigkeiten? Fehlanzeige! Ich schaffte es nicht einmal bis zum Supermarkt.
Am Dienstag ging es mir zumindest so weit besser, dass das extrem leckere Hotel-Frühstück im Magen blieb. Ich schleppte mich die 200 Meter zum Nationalmuseum, wo mich ein völlig absurdes Kassen- und Drehkreuz-System erwartete, bei dem der Pförtner manuell durch zwei Glastüren greifen musste, um Tickets zu scannen.
Trotz all dem Pech, der Magenverstimmung und der verlorenen Karte versuche ich, die eigene Verantwortung zu sehen und mich nicht in eine Negativspirale ziehen zu lassen. Die Stadt hat mit ihren gigantischen Prachtbauten und der beleuchteten Unabhängigkeitssäule unglaublich viel Schönes zu bieten – und nach ein paar kühlen Bierchen am Abend blicke ich nun wieder optimistisch auf meine Weiterreise nach Usbekistan!
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