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RAUS nach Südamerika - Der Reise und Auswanderer Podcast Archiv

137 Episoden
36 Minuten
„Indien – du liebst es oder du hasst es“, so wurde ich auf diese dreitägige Reise nach Kalkutta vorbereitet. Ich wählte die Stadt als strategischen Zwischenstopp zwischen Bangladesch und Bhutan. Mein Urteil nach diesem Kurztrip liegt tatsächlich irgendwo dazwischen, doch der Reihe nach.

Mein erster Eindruck war durchweg negativ und von bürokratischem Chaos geprägt. Am Flughafen kostete mich das Visumverfahren geschlagene drei Stunden, in denen ich wiederholt dieselben Daten eingeben musste, weil die digitalen Systeme der Atommacht nicht miteinander kommunizieren. Trotz einer vorab ausgefüllten Gesundheitsdeklaration wurde noch im Flieger ein weiterer Zettel verteilt, gefolgt vom Verlangen nach einer Arrival Card. Als ich im Flughafen zu einem nur 15 Meter entfernten Geldautomaten wechseln wollte, verwehrten mir schwer bewaffnete Soldaten den Zutritt, da ich kein gültiges Abflugticket besaß. Erst außerhalb fand ich Hilfe bei einem netten Inder. Selbst im Hotel setzte sich der Überwachungsstaat fort: Ich musste seitenweise Formulare ausfüllen und es wurden sogar Fotos von meinem Gesicht gemacht.

Am ersten vollen Tag erkundete ich die Stadt zu Fuß nach einer Route, die mir eine künstliche Intelligenz zusammengestellt hatte. Über die Park Street ging es zu einem historischen englischen Friedhof aus dem 18. Jahrhundert. Für zwei Euro Eintritt sah ich beeindruckende Monumente und Obelisken inmitten von Gräbern alter Kolonialoffiziere. Danach besuchte ich den wuseligen New Market. Kalkutta faszinierte mich mit seinen unzähligen, prachtvollen Palästen. Diese sechs bis sieben Etagen hohen Kolonialbauten sind jedoch völlig verfallen und dienen heute als Kulisse für billigen Ramschverkauf – für mich ein bitterer Blick auf die städtebauliche Zukunft Deutschlands. Auf dem Weg zu einem Fort überraschte mich ein heftiger Monsunregen. Völlig durchnässt musste ich feststellen, dass das Fort ein militärisches Sperrgebiet ist. Den Tag rettete ich mit der „Wunderland-Platte“ in einem Veggie-Restaurant bei Kerzenschein, bedingt durch einen Stromausfall. Danach besichtigte ich noch die St. Paul’s Cathedral und den weißen Prachtbau des Victoria Memorials.

Am zweiten Tag kämpfte ich mich durch extremen Smog und Dauerregen in Richtung Fluss. Ich durchquerte das faszinierende Bücherviertel und beobachtete Steinmetze bei ihrer präzisen Straßenarbeit. Am Flussufer wurde es abenteuerlich: Die unvorstellbare Armut in den Zeltdörfern entlang der Bahngleise, offene Müllkippen und ein beißender Gestank forderten mich heraus. Nach einer kurzen Fährüberfahrt und dem Besuch eines schlammigen Blumenmarktes flüchtete ich erschöpft in ein Taxi. Für die gut drei Kilometer lange Fahrt benötigten wir im unbarmherzigen, hupintensiven Berufsverkehr unglaubliche 45 Minuten.

Kulinarisch ist Indien für mich eine absolute Offenbarung, vielleicht das beste Essen der Welt. Auch Kuriositäten wie die allgegenwärtigen Swastika-Symbole auf Kleidung und Bussen brannten sich ein. Indien hat mich definitiv neugierig gemacht. Ich hasse es nicht, aber ich liebe es auch nicht – ich finde es okay und werde wiederkommen, um mehr zu sehen.
47 Minuten
In dieser Podcast-Episode berichte ich von meiner Reise nach Bangladesch – einem Land, das ich trotz freundlicher Menschen, schmackhaftem Essen und extrem günstigen Preisen als absolute Müllhalde, laut, dreckig und verkehrstechnisch völlig chaotisch erlebe. Schon die Ankunft am Flughafen in Dhaka erweist sich als Herausforderung: Mein gebuchtes Uber-Taxi finde ich kaum, weil die Nummernschilder in bengalischen Ziffern geschrieben sind, die ich nicht lesen kann. Die erste Fahrt ins Hotel dauert für weniger als zehn Kilometer über eine Stunde, was mir einen ersten Vorgeschmack auf den extremen Verkehr gibt. In meinem Hotel angekommen, mache ich mich auf den Weg zu einem nahegelegenen Mittelklasse-Restaurant, um ein Linsencurry (Daal) zu essen. Der Besitzer ist so erfreut über meinen Besuch, dass er mir sogar einen Rabatt gewährt. Doch die Freude währt nicht lange: Bereits vier Stunden später wache ich mit heftigen Magen-Darm-Krämpfen auf und muss dreimal innerhalb von zehn Minuten auf die Toilette. Ich führe diese Reaktion auf Bakterien zurück, die sich in den warmgehaltenen Speisen gebildet haben. Am nächsten Tag erkunde ich die Umgebung und fahre nach Panam City, einer historischen Kolonialstadt mit beeindruckenden, aber stark verfallenen Gebäuden aus dem 14. Jahrhundert und der britischen Kolonialzeit. Mein Taxifahrer wartet auf mich, während ich die alten Bauten und eine über 500 Jahre alte Moschee besichtige. Das Fortkommen gestaltet sich jedoch zunehmend schwierig: Das Uber-System funktioniert kaum, da die Fahrer oft anrufen, aber kein Englisch sprechen, die Buchungen wieder stornieren oder den Standort nicht finden. Einmal warte ich vergeblich zwei Stunden lang auf ein Taxi und muss aufgeben. Schließlich wage ich mich zu Fuß durch die Altstadt von Dhaka. Ich durchquere den Kleidermarkt Islamapur und den Papiermarkt, wo mich die engen, völlig verstopften Gassen und der omnipräsente Müll schockieren. Überall verflüssigen sich Müllberge, und an Straßenständen wird eine übelriechende Mischung aus verfaulten Melonenresten und Flüssigkeiten angeboten. Besonders nahe gehen mir die Begegnungen mit Bettlern: Zwei kleine Mädchen im Alter von etwa drei und vier Jahren klammern sich an mein Trikot und lassen nicht mehr los. Die sichtbare Armut, Obdachlosigkeit und der erschütternde Anblick von Tieren, die auf engstem Raum in winzigen Käfigen verkauft werden, stumpfen mich zwar ab, hinterlassen aber ein tiefes Gefühl der Hilflosigkeit. Selbst abends im Rooftop-Restaurant werde ich von der aufdringlichen Höflichkeit des Personals erdrückt, das mir beim Essen zusieht. Nach drei Tagen beende ich meine Tour durch Dhaka und fliege weiter nach Kalkutta in Indien. Mein Fazit fällt zwiespältig aus: Obwohl Bangladesch außerhalb der Megacitys sicherlich schöne Naturregionen, Tempel und Nationalparks bietet, haben mich das schiere Chaos, der Müll, der Lärm und das menschliche Leid emotional zutiefst erschüttert.
25 Minuten
Im Rahmen meiner mehrwöchigen Reise durch verschiedene Länder landete ich spontan auf den Malediven, nachdem ich zufällig ein Bild des beeindruckenden Flughafens der Hauptstadt Malé entdeckt hatte. Ursprünglich vermutete ich die Inselgruppe nahe Mauritius, doch sie liegt südwestlich von Indien bei Sri Lanka. Da ich mich ohnehin in der Nähe befand, integrierte ich diesen Abstecher kurzerhand in meine Reise.

Mein Aufenthalt begann in Malé, der am dichtesten besiedelten Hauptstadt der Welt. Entgegen meiner Befürchtungen wirkte das Chaos überschaubar, da riesige Wolkenkratzer fehlen. Stattdessen prägen unzählige Motorräder und überfüllte Straßen das Bild, während Autos aus Mangel an Parkplätzen kaum vorhanden sind. Zwar wirkte die Stadt funktional und relativ günstig, doch nach wenigen Stunden hatte ich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten bereits erkundet. Kulinarisch bot mir ein preiswerter Food Court am Hafen eine große Auswahl an Buffets. An den Stränden von Malé gilt aus Respekt vor der lokalen muslimischen Kultur ein striktes Bikini-Verbot – ein Prinzip, das ich vor Ort vollkommen akzeptiere, das jedoch Fragen zur westlichen Doppelmoral aufwirft.

Nach Malé setzte ich mit einer extrem günstigen Fähre für nur einen Euro auf die ruhigere Insel Gulhi über. Dort bezog ich ein wunderschönes Zimmer mit Panoramafenstern und Blick auf das türkisblaue Meer. Wegen der Monsunzeit im September und Oktober profitierte ich zwar von günstigen Preisen, musste jedoch meist mit verhangenem Himmel vorliebnehmen. Obwohl die Kulisse auf den ersten Blick paradiesisch wirkt, offenbarte der Strand schnell seine Schattenseiten: Das Wasser ist extrem flach, der Grund voller scharfer Korallenteile sowie dichter Algen, was echtes Schwimmen nahezu unmöglich macht. Stattdessen eignet sich der Ort vor allem als fotogene Kulisse für den Tourismus.

Besonders absurd empfand ich die Energieversorgung vor Ort. Während in Deutschland im Namen des Klimaschutzes strenge Auflagen, hohe CO2-Steuern und Verbote gelten, um ein angebliches Absaufen der flachen Malediven zu verhindern, wird auf den Malediven jede einzelne Insel autark durch riesige Dieselgeneratoren mit Strom versorgt. Zudem wird Müll unbedacht verbrannt oder landet im Meer, was den weltweiten Umweltbemühungen spöttisch entgegenzuwirken scheint.

Abschließend ging es für mich mit einem Speedboat weiter nach Maafushi, um die letzten Tage im Hotel zu verbringen und den gewohnten Komfort eines Swimmingpools zu genießen. Die Malediven sind optisch ohne Zweifel ein atemberaubendes Reiseziel, doch der Schein der makellosen Postkartenmotive trügt bei genauerem Hinsehen erheblich.
34 Minuten
Ich habe mich sehr auf meine Reise nach Sri Lanka gefreut, doch meine Eindrücke sind sehr ambivalent mit Höhen und Tiefen. Obwohl ich mich in Südasien befinde, vergleiche ich meine Eindrücke weltweit mit Südamerika und insbesondere Paraguay. Derzeit befinde ich mich im Amanda Beach Resort in Arugam Bay an der Ostküste Sri Lankas. Ich liege entspannt am Pool in meiner sechsten und letzten Station des Landes und kann mir mittlerweile einen eigenen Eindruck erlauben. Nach meiner Ankunft aus Pakistan waren meine Erwartungen hoch, da mir ein Vielreisender Sri Lanka als schönstes Land empfohlen hatte. Deshalb habe ich volle zwei Wochen eingeplant. Schon der Flughafen war besonders, da dort ein Blütenduft lag und Musik spielte. Da er jedoch eine Stunde von der Hauptstadt Colombo entfernt liegt, nahm ich ein Uber. Während der Fahrt erlebte ich den ersten kleinen Schock, als der Fahrer nach Euros fragte und meine columbianischen Pesos am Ende wohl in Wechselstuben umtauschte. Mein kleines, familiäres Gästehaus an der Küste war nett, allerdings bot die Küste vor Ort wegen großer Steine und Bahngleisen keinen echten Strand zum Schwimmen. Am ersten Tag besuchte ich die Altstadt Fort in Colombo mit ihren wundervollen Kolonialgebäuden. Meine Laune kippte jedoch, als mich ständig Taxifahrer bedrängten und Passanten in Gespräche verwickelten. Zwei Männer versuchten mich unabhängig voneinander zu einer angeblichen buddhistischen Zeremonie zu locken. Wie mir die künstliche Intelligenz später bestätigte, handelte es sich um eine reine Abzockmasche für überteuerte Taxis oder gefälschte Tempelzeremonien. Am Strand der Hauptstadt ließ ich den unspektakulären Tag ausklingen. Am zweiten Tag geriet ich beim morgendlichen Joggen überraschend in den Colombo-Marathon. Bemerkenswert war, dass viele Läufer barfuß auf hartem Asphalt liefen. Anschließend besuchte ich einen beeindruckenden Tempel, der teilweise auf einem See mit schwimmenden Blumenbeeten liegt. Die detailverliebte Architektur und die Statuen waren faszinierend, auch wenn ich versehentlich doppelt Eintritt zahlte. Besonders beeindruckend fand ich die riesigen, alten Bäume mit ihren Luftwurzeln sowie das Nationalmuseum von außen, das dem Weißen Haus ähnelt. Den Tag schloss ich am Unabhängigkeitsplatz ab. Am nächsten Tag reiste ich mit einem nicht klimatisierten, extrem langsamen und nervenaufreibenden Bus ins Landesinnere nach Sigiriya. In Dambulla nutzte ich die Gelegenheit, mein Gepäck an einem Stand abzugeben und stieg die 100 Treppenstufen zum Höhlentempel hinauf. Auf dem Weg fielen mir die Affen auf, deren Frisuren mich schmunzelnd an Politikerinnen der Linkspartei erinnerten. Die Höhlen mit ihren zahlreichen Buddhas und Wandmalereien waren genauso beeindruckend wie die frechen Affen, die mich schließlich von oben mit Fruchtresten bewarfen. Nach dem Abstieg geriet ich an den nächsten Fahrgasttricker, der mir eine Fahrt im Tuk-Tuk zum Preis eines Autos aufschwatzte. In Sigiriya angekommen, bezog ich mein familiäres Hotel. Mein Hauptziel war der berühmte Felsen von Sigiriya, doch als mir die KI verriet, dass dort 1200 Stufen zu erklimmen sind, erinnerte ich mich an eine ähnliche Erfahrung in Armenien und entschied mich dagegen.
32 Minuten
Pakistan – mein 97. Land – war ein intensiver Trip voller Überraschungen. Ursprünglich wollte ich nur kurz für drei Nächte nach Karatschi, da es auf meiner Route von Katar nach Sri Lanka lag. Ich hatte das Bild einer lauten, dreckigen Riesencity im Kopf. Islamabad soll zwar schöner sein, lag für mich aber geografisch ungünstig.

Schon die Anreise war chaotisch: Für mein Visum saß ich dreieinhalb Stunden am Antrag, da unzählige Daten wie all meine Reiseziele der letzten Jahre verlangt wurden. Wegen einer unpraktischen Ankunftszeit um 1:50 Uhr nachts buchte ich für stolze 120 Euro eine zusätzliche Nacht in einem Fünf-Sterne-Airport-Hotel. Am Flughafen erwartete mich eine Welle der Überraschung: Um 2 Uhr nachts standen dort gefühlt 2.000 wartende Menschen. Als hochgewachsener, hellhäutiger Mann wurde ich wie ein Filmstar begrüßt und angewinkt.

Geld abheben klappte an drei Automaten nicht, weshalb ich zunächst ohne Bargeld dastand. Die Sicherheitsvorkehrungen am Hotel waren surreal: Sechs Wachen mit Kalaschnikows, doppelte Schranken und Metalldetektoren am Eingang. Am nächsten Morgen konnte ich schließlich 150 Euro an der Rezeption wechseln.

Kulinarisch war die Reise ein absolutes Highlight. Das Frühstücks-Curry im Luxushotel war das leckerste, das ich je gegessen habe – die Messlatte für indisch-pakistanisches Essen liegt für mich nun extrem hoch.

Anschließend zog ich in ein ruhigeres Hotel im Viertel Clifton um. Von Karatschi selbst sah ich vor allem chaotischen Verkehr, unüberquerbare Straßen und schwer verständliche Akzente. Mit der App inDrive konnte ich Fahrten per Tuk-Tuk und Taxi immerhin brauchbar verhandeln.

Die Menschen erlebte ich unerwartet dezent und respektvoll. Besonders die Frauen fielen mir durch ihre faszinierende, ausdrucksstarke Ausstrahlung auf. Kleidungsmäßig dominierten traditionelle Gewänder.

Sightseeing bot gemischte Eindrücke: Die britische Frere Hall beeindruckte von außen. Bei einem historischen Kolonialhaus geriet ich in eine viel zu kurze, zwei-Minuten-Führung und sah mich überall mit schwer bewaffneten Sicherheitskräften konfrontiert. Am Empress Market staunte ich über die Architektur, während ich am Mausoleum Mazar-e-Quaid wegen der Sorge um meine teuren Schuhe lieber draußen blieb – bis mich das Sicherheitspersonal versehentlich doch mit Schuhen durch die Anlage schleuste. Im Atrium Shopping Center genoss ich köstliches lokales Essen für unschlagbare 1,19 Euro.

Am dritten Tag besuchte ich den beeindruckenden Mohatta Palace. Doch nach all den Stationen spürte ich eine deutliche Museums-Müdigkeit: Irgendwann ähnelt sich Kulturgeschichtliches stark. Mein Fazit: Karatschi war extrem, streckenweise anstrengend, aber definitiv eine prägende Erfahrung.
20 Minuten
Auf meiner Reise nach Island lief gefühlt alles schief, was nur schiefgehen konnte. Nach 42 Grad Hitze in Usbekistan trat ich eine anstrengende, 22-stündige Anreise über Taschkent, Warschau und London an, um schließlich im englischen Southampton das Kreuzfahrtschiff Norwegian Star zu besteigen. Das Schiff kannte ich bereits von meiner früheren Fahrt in die Antarktis. Kaum an Bord, holte ich mir durch die schiffseigene Klimaanlage eine Grippe und verbrachte die ersten Tage kränkelnd in der Kabine, statt das Sportangebot oder den Pool zu nutzen.

In Kirkwall auf den Orkney-Inseln machten chaotisch lange Warteschlangen bei den Tenderbooten einen Landgang unattraktiv, weshalb ich spontan verzichtete. Im norwegischen Bergen konnte ich immerhin die Stadt besichtigen, war jedoch schockiert über das extreme Preisniveau sowie den Dauerregen. Nach einem erholsamen Seetag erreichten wir Akureyri im Norden Islands. Doch auch dort machten mir nasskaltes Wetter und eine recht unspektakuläre Kulisse einen Strich durch die Rechnung, sodass ich mich schnell wieder aufs Schiff zurückzog. Der geplante Landgang im malerischen Ísafjörður musste wegen schlechten Wetters und stürmischer See sogar komplett gestrichen werden.

Schließlich erreichten wir Reykjavík. Während des langwierigen Aussteigeprozesses nutzte ich den Tag, um per E-Scooter die Stadt zu erkunden. Neben den unzähligen Regenbogenflaggen fielen mir vor allem die astronomischen Preise ins Auge: Ein einfaches Steak für über 120 Euro oder Mietwagen für mehr als 1.000 Dollar pro Tag verdeutlichten mir den krassen Unterschied zu günstigeren Lebenshaltungskosten wie etwa in Paraguay.

Trotz aller Pannen, der Erkrankung und des schlechten Wetters war die Reise für mich ein voller Erfolg. Ich konnte Norwegen endlich vollwertig bereisen und den Länderpunkt Island einfangen. Damit habe ich alle 47 UN-anerkannten Staaten Europas bereist und den Kontinent für mich komplett erschlossen. Unterm Strich war die Kreuzfahrt trotz aller Hindernisse die effizienteste und günstigste Methode, dieses Ziel zu erreichen, weshalb ich sicherlich auch in Zukunft wieder Kreuzfahrten unternehmen werde.
21 Minuten
Ich melde mich live vom Flughafen in Buchara, um meine zwölftägige Reise durch Usbekistan Revue passieren zu lassen. Obwohl sich die zentralasiatischen Länder in vielerlei Hinsicht ähneln, bot Usbekistan eine ganz eigene Erfahrung – vor allem geprägt von extremer, trockener Hitze von über 42 °C.

Meine Reise begann in der Hauptstadt Taschkent. Nach dem verheerenden Erdbeben der 1960er-Jahre neu erbaut, beeindruckte mich dort vor allem der historische Moscheenkomplex mit seinen Kuppeln und Türmen. Der Chorsu-Basar war mir persönlich etwas zu aufdringlich, doch die U-Bahn-Stationen und der Freizeitpark „Magic City“ waren echte Highlights. Die dortigen Bauten im deutschen Architekturstil erinnerten mich stark an unser geplantes Siedlungsprojekt „Neu-Preußen“. Dank funktionierender SIM-Karte und mobiler Apps konnte ich mich problemlos organisieren.

Mit dem modernen Schnellzug reiste ich weiter nach Samarkand. Als alter Civilization-Spieler ging für mich mit dem Besuch der einstigen Mongolen-Hauptstadt ein Kindheitstraum in Erfüllung. Die monumentalen Bauwerke mit ihren leuchtend blauen Kacheln faszinierten mich sehr. Wegen der drückenden Hitze verbrachte ich allerdings auch viel Zeit im Schatten und schätzte die kühle Einkehr in lokalen Craft-Beer-Bars. Kulinarisch hat mich Usbekistan positiv überrascht: Das Nationalgericht Plow – ein reichhaltig gewürzter Reis mit Nüssen, Rosinen und Fleisch – ist eine wahre Geschmacksexplosion.

Der Transfer von Samarkand nach Buchara verlief nicht ohne Dramatik: Durch Stau und Verzögerungen beim Taxiaufruf erreichte ich den Bahnhof erst sechs Minuten vor der pünktlichen Abfahrt des Zuges. In glühender Hitze und mit schwerem Gepäck sprintete ich durch die Sicherheitskontrollen und schaffte den Zug im allerletzten Moment.

In Buchara erlebte ich schließlich den besonderen Charme einer historischen Altstadt mit ihren engen Gassen, schattigen Teichen und gemütlichen Freiluft-Restaurants. Beeindruckt haben mich auch die extrem günstigen Taxipreise über die Yandex-App, wenngleich die GPS-Ortung hin und wieder für Verwirrung sorgte.

Auch wenn mir drei bis vier Tage pro Stadt völlig ausreichten, um die wichtigsten Eindrücke mitzunehmen, bleibt Usbekistan für mich ein faszinierendes Reiseziel. Mein wichtigster Tipp für Nachreisende: Meidet unbedingt den Hochsommer und reist zu einer kühleren Jahreszeit!
28 Minuten
Was für ein Start in Tadschikistan! Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal in der allerersten Stunde in einem neuen Land so viel Stress, Ärger und Pech auf einmal hatte.

Schon am Flughafen in Duschanbe ging es los: Mein Gepäck brauchte ewig, und kaum trat ich ins Terminal, fielen die Taxischlepper wie die Geier über mich her. So penetrant habe ich das selten erlebt. Zu allem Überfluss stürzte genau in dem Moment das Flughafen-WLAN ab. Ich stand da mit 20 Kilo auf dem Rücken bei glühenden 41 Grad im Schatten und konnte mir weder ein Taxi buchen noch den Wechselkurs prüfen. An der Wechselstube wollten sie meine restlichen kirgisischen Som nicht annehmen, und am Geldautomaten hob ich auf gut Glück Geld ab – unwissend, um wie viele Nullen ich mich vertan hatte.

Als ich versuchte, zu einer nahegelegenen Bude zu flüchten, verfolgten mich zwei Taxifahrer auf Schritt und Tritt. Sie verstanden einfach kein „Nein“. Es fehlte wirklich nicht viel und ich hätte mich auf dem Parkplatz mit ihnen geprügelt, so bedroht und wütend fühlte ich mich.

Erst in einer kleinen Döner-Bude fand ich Unterschlupf. Der netter Besitzer gab mir einen Hotspot. Uber oder Yandex gibt es hier nicht, stattdessen nutzt man die lokale App Yura – und die Registrierung lief verrückterweise über Telegram! Nach langem Hin und Her hielt ich ein Taxi auf der Straße an. Der Fahrer bestand darauf, mein Handy während der Fahrt selbst in der Hand zu halten, um auf die Karte zu stieren, obwohl er kein Wort Englisch sprach und der Bildschirm sich dauernd ausschaltete.

Endlich im Hotel angekommen, der nächste Schock beim Bezahlen: Meine Wise-Kreditkarte war weg! In Tadschikistan gibt der Automat erst das Geld und dann die Karte aus. In dem ganzen Stress hatte ich sie glatt stecken lassen. Also hielt ich direkt wieder ein Taxi an – am Kennzeichen erkannte ich später, dass hier gefühlt jedes Yura-Taxi die Seriennummer „TT 01“ trägt – und fuhr zurück zum Flughafen, um den Automaten für die Rezeptionistin zu fotografieren.

Zurück im Hotel folgte der größte Fehler der Reise: Ich hatte die Rezeptionistin gefragt, ob man das Leitungswasser trinken könne. Durch ein Missverständnis glaubte ich, ein klares „Ja“ bekommen zu haben. Nach der Hitzeschlacht trank ich gierig zwei große Gläser direkt aus dem Wasserhahn. Später sah ich das Elend in einer Flasche: eine braune, trübe Brühe!

Die Quittung folgte prompt: Den gesamten Montag verbrachte ich flitzend auf dem Klo, geplagt von Schüttelfrost, Schweißausbrüchen und absoluter Kraftlosigkeit. Sehenswürdigkeiten? Fehlanzeige! Ich schaffte es nicht einmal bis zum Supermarkt.

Am Dienstag ging es mir zumindest so weit besser, dass das extrem leckere Hotel-Frühstück im Magen blieb. Ich schleppte mich die 200 Meter zum Nationalmuseum, wo mich ein völlig absurdes Kassen- und Drehkreuz-System erwartete, bei dem der Pförtner manuell durch zwei Glastüren greifen musste, um Tickets zu scannen.

Trotz all dem Pech, der Magenverstimmung und der verlorenen Karte versuche ich, die eigene Verantwortung zu sehen und mich nicht in eine Negativspirale ziehen zu lassen. Die Stadt hat mit ihren gigantischen Prachtbauten und der beleuchteten Unabhängigkeitssäule unglaublich viel Schönes zu bieten – und nach ein paar kühlen Bierchen am Abend blicke ich nun wieder optimistisch auf meine Weiterreise nach Usbekistan!
26 Minuten
Ich melde mich direkt aus der kasachischen Stadt Almaty, wo ich insgesamt fünf Tage verbracht habe. Rückblickend muss ich meine Reiseplanung durchaus kritisch betrachten, da Almaty historisch und touristisch überraschend wenig zu bieten hat. Die Stadt präsentiert sich stark sowjetisch geprägt mit extrem breiten Straßen, weitläufigen Gehwegen, kubischen Gebäuden und einer modernen Infrastruktur, entbehrt jedoch einer klassischen Altstadt. Was mir dennoch sofort positiv auffiel, war die ruhige, friedliche Atmosphäre sowie die vielen breiten, grünen Alleen und weitläufigen Parks.

Im Panfilow-Park besuchte ich die beeindruckende Senkow-Kathedrale, ein historisches Bauwerk aus Holz, das komplett ohne Nägel errichtet wurde. Mit ihren farbenfrohen Fresken und Mosaiken bildete sie für mich einen absoluten architektonischen Höhepunkt. Im Gegensatz zu anderen islamisch geprägten Regionen habe ich Kasachstan zudem als sehr säkular und modern erlebt, ohne Muezzin-Rufe und mit nur geringer religiöser Symbolik im alltäglichen Leben.

Zu den absoluten Highlights gehörten für mich die Naturerlebnisse im Umland: Ich bin mit der mehrstufigen Seilbahn von Medeu hinauf ins Tienschan-Gebirge auf über 3.300 Meter Höhe gefahren, wo echter Gletscher-Schnee und ein spektakuläres Panorama auf mich warteten. Auch der Aussichtsberg Kok-Tobe bot einen fantastischen Blick über die gesamte Stadt. Die städtischen Sehenswürdigkeiten wie die Fußgängerzone Almaty Arbat, die Zentralmoschee, das Opernhaus sowie der lebendige Grüne Basar mit seinen intensiven Düften von Gewürzen, Tee, Obst und Trockenfrüchten ließen sich allerdings recht schnell erkunden, sodass ich die wesentlichen Highlights bereits nach knapp anderthalb Tagen gesehen hatte.

Kulinarisch dominieren in der Region vor allem Fleisch- und Grillgerichte. Da ich mich fleischlos ernähre, bin ich vorwiegend auf internationale Alternativen wie koreanische, türkische und thailändische Küche sowie auf lokale Backwaren, Falafel, Dips und Shakshuka ausgewichen; den traditionellen getrockneten Joghurt-Snack Kurt habe ich ausgelassen.

Ich blicke mit gemischten Gefühlen auf meine Zeit in Kasachstan zurück. Die Gebirgslandschaft ist atemberaubend und die Begegnungen waren gastfreundlich, aber mein Aufenthalt litt spürbar unter einer unzureichenden Zeitplanung für Ausflüge ins Umland, schlechtem Wetter und organisatorischen Hürden beim Grenztransfer nach Bischkek in Kirgisistan. Zudem empfand ich das Preis-Leistungs-Verhältnis für Verpflegung und Transport im Vergleich zu Kaukasus-Ländern wie Georgien oder Aserbaidschan als überraschend teuer.
22 Minuten
Die Reise nach Aserbaidschan begann mit gemischten Gefühlen und einer latenten

Ablehnung. Geprägt durch die Eindrücke aus Armenien und der Vertreibung der Menschen aus Bergkarabach

waren die Erwartungen an Baku äußerst gering. Doch die Realität vor Ort belehrte den Reisenden schnell eines

Besseren und verwandelte Skepsis in pure Begeisterung.

Schon am hochmodernen Flughafen von Baku überzeugte der reibungslose Ablauf. Das im Vorfeld online

beantragte Visum wurde schnell geprüft. Kurioses Detail am Rande: Bei der Berufswahl im Visumsantrag gab es

nur eine kleine Auswahl, darunter „religiöser Führer“, letztlich wurde jedoch die Option „Businessman“ gewählt.

Die digitale Infrastruktur glänzte sofort: Dank einer globalen E-SIM Premium Plus waren mobile Daten beim

Aufsetzen der Flugzeugräder aktiv, sodass direkt ein Taxi über die russische App Yandex (neben Bolt und Uber die

dominierende Plattform vor Ort) gerufen werden konnte. Die Fahrt im hochmodernen Elektro-Premiumwagen,

dessen technologiegeladenes Cockpit an einen Science-Fiction-Film erinnerte, beeindruckte nachhaltig. Bei der

Einfahrt nach Baku bei Nacht offenbarte sich eine spektakuläre Skyline mit gläsernen Hochhäusern, historischen

Prachtbauten und imposanten Licht- und Lasershows, die Assoziationen an New York oder Dubai weckten.

Das im belebten, selbst nachts um 23 Uhr noch von Familien und Kindern frequentierten Fußgängerbereich

gelegene Hotel erwies sich als bodenständig und sauber. Der junge Rezeptionist glänzte als wahres Sprachgenie mit

perfektem Englisch, Türkisch, Russisch und Aserbaidschanisch. Aufgrund dieser positiven Erlebnisse wurde der

Aufenthalt spontan auf sechs Tage verlängert.

Bei Tageslicht offenbarte Baku seine architektonische Pracht. Neben den Monumentalbauten faszinierte die von

einer Stadtmauer umgebene historische Altstadt. Obwohl Aserbaidschan ein muslimisch-turksprachiges

Nachbarland des Irans ist, wird der Glaube hier äußerst liberal gelebt. Kopftücher sieht man selten, Alkohol ist

präsent und der Gebetsruf des Muezzins ist im Stadtbild – anders als in Istanbul – kaum hörbar. Kulinarisch bot

Baku ein absolutes Highlight: Die aserbaidschanische Küche überzeugte in einem traditionellen Felsenkeller-

Restaurant mit Live-Musik auf ganzer Linie. Die Speisekarten waren reichhaltig und selbst für Vegetarier boten

Gerichte wie die exzellent gewürzte Linsensuppe oder frittierte Reisbällchen ein wahres Geschmacksfeuerwerk –

und das zu äußerst günstigen Preisen.

Der großzügige Boulevard am Kaspischen Meer (das in Online-Rezensionen kurioserweise als „Betrug“ abgewertet

wird, weil es geografisch ein See ist) bietet einen fantastischen Blick auf die Bucht und eine gigantische

Nationalflagge an einem riesigen Mast. Ein weiteres Highlight war das moderne, nach dem ersten Staatspräsidenten

benannte Museum. Neben historischen Gewändern und Musikinstrumenten faszinierte dort eine kinetische

Kunstinstallation mit schwebenden Seidentüchern in den Nationalfarben sowie eine humorvolle Lama-

Kunstausstellung einer peruanischen Künstlerin. Ein Ausflug zu einem historischen Feuertempel, dessen ewiges

Gasfeuer auf den antiken Zoroastrismus (Zarathustra) zurückgeht, rundete das Kulturprogramm ab.

Die Reise nahm am dritten Tag ein jähes Ende, als der junge Taxifahrer, durch sein Smartphone ablenkt, einen

Auffahrunfall verursachte. Obwohl niemand verletzt wurde, entstand Sachschaden. Der beschämte Fahrer lehnte

die Bezahlung ab, und der anschließende Versuch des Reisenden, die Fahrt über den Support der App zu stornieren,

führte zu bürokratischen Missverständnissen, bei denen der Support fälschlicherweise eine Beschwerde vermutete.

Trotz dieses Vorfalls bleibt Aserbaidschan als das absolute Überraschungsland dieser Reise in Erinnerung.
23 Minuten
Stadt schön, Menschen freundlich, geniales Essen und nicht in der EU: Ist Georgien ein perfektes Land zum Auswandern?
17 Minuten
In Armenien fand ich sehr gutes Essen und Menschen, die ihre Kultur leben und stolz darauf sind.
16 Minuten
Nach zwei Jahren wieder in Europa. Gemischte Gefühle bei mir, wahrscheinlich ist alles noch schlimmer geworden.
11 Minuten
Was wird aus den Karibischen Inseln werden, wenn der Tourismus ausbleibt, weil es zum Beispiel kein Schweröl mehr gibt oder weil die KI vorwiegend Jobs der oberen Mittelschicht vernichtet?
24 Minuten
Ich buchte einen Klassiker der Kreuzfahrten: 7 Tage Karibik-Rundreise. Bin ich wirklich mit all dem kompatibel, was da an Bord eines solchen Kahnes läuft?
RAUS nach Südamerika - Der Reise und Auswanderer Podcast

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Der Podcast für Reisende, Auswanderer und Selbständige - insbesondere Digitale Nomaden