Slow German Archiv
300 Episoden
5 Minuten
Ich kann es selber kaum glauben - aber ich habe Euch noch gar nichts von Weihnachten erzählt! Also hole ich das heute nach. In Deutschland ist Weihnachten das wahrscheinlich wichtigste Fest des Jahres. Ich weiß, Ostern ist für die Christen noch viel wichtiger, aber Weihnachten ist auch für weniger religiöse Menschen wie mich ein großes Datum. Ich habe Euch ja schon erzählt, dass es in Deutschland den Advent gibt. Die vier Sonntage vor Weihnachten wird also jeweils eine Kerze angezündet auf einem Adventskranz. Und man hat einen Adventskalender, hinter dessen Türchen jeden Tag Schokolade oder etwas anderes zu finden ist. Ist diese Wartezeit endlich vorbei, dann ist Weihnachten. Wir feiern schon am 24. Dezember. In meiner Familie beginnt der Tag nach einem schönen Frühstück und Mittagessen damit, dass wir den Tannenbaum von draußen hereinholen, ihn in der Wohnung aufstellen und gemeinsam schmücken. Das macht aber jede Familie anders. Dann ziehen wir uns festlich an, versammeln uns wenn es dunkel ist um den schönen Baum, hören Weihnachtsmusik und zünden die Kerzen an. Und dann ist die Bescherung. Wir überreichen einander die Geschenke und packen sie aus. Danach gibt es ein festliches Essen. In vielen Familien gibt es am Heiligabend selber nichts Besonderes zu essen, sondern erst am ersten Weihnachts-Feiertag, also am 25. Dezember. Bei uns aber gibt es schon am 24. abends ein leckeres Fondue. Ich habe Euch ja schon erzählt, dass ich nicht religiös bin. Für mich ist Weihnachten ein Familienfest, ein Ritual, auf das ich mich freue. Aber natürlich respektiere ich es, wenn die Christen in meiner Umgebung an diesem Tag die Geburt von Jesus feiern möchten. Viele von ihnen gehen am 24. Dezember in die Kirche. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das zu tun. Man kann schon am Nachmittag in die Kirche gehen - dann gibt es meist eine Kindermette mit Krippenspiel, oder man geht spät abends, gegen Mitternacht. Dann ist die Kirche festlich erleuchtet, am Altar steht ein geschmückter Baum mit Kerzen und man sieht eine geschnitzte Krippe mit den Figuren von Maria und Josef und dem Neugeborenen. Bei dieser Christmette, wie der Gottesdienst genannt wird, sind die Kirchen in Deutschland voll. Auch viele der Menschen, die sonst nie in die Kirche gehen, möchten sich diesen besonderen Abend nicht entgehen lassen. Am 25. und 26. Dezember ist in Deutschland gesetzlicher Feiertag, die meisten Menschen müssen also nicht arbeiten. Diese Zeit wird oft genutzt, um die Familie zu besuchen und mit ihnen noch einmal zu feiern. Ich wünsche Euch jetzt auch: Frohe Weihnachten! Und einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg41kurz.pdf
10 Minuten
Vicki aus den USA möchte, dass ich über Beruf und Karriere spreche. Ich werde es versuchen. Alles beginnt natürlich mit einer guten Ausbildung. Man kann zum Beispiel an einer Universität studieren. Oder man macht ein Praktikum, man arbeitet also einige Zeit bei einer Firma, um dort etwas zu lernen. Danach fängt eine schwierige Zeit an: Man muss sich nämlich bei verschiedenen Firmen bewerben. Dazu sucht man zum Beispiel im Internet oder im Stellenmarkt der Tageszeitung nach Anzeigen. Viele Firmen suchen durch Anzeigen neue Mitarbeiter. Wenn man dieser Firma dann schreiben möchte, muss man ihr eine Bewerbungsmappe schicken. In der Mappe enthalten sind ein curriculum vitae, meistens auch ein Foto, dazu noch Zeugnisse oder Arbeitsproben. Wenn die Personalabteilung der Firma diese Mappe gut findet, wird man zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Hier versucht man sich möglichst positiv zu präsentieren. Denn wenn das Gespräch gut läuft,hat man den Job. Wenn nicht, dann bekommt ihn ein anderer Bewerber. Bevor man allerdings anfängt zu arbeiten, muss man meistens erst einen Arbeitsvertrag unterschreiben. In diesem Vertrag wird festgehalten, wie viele Stunden man arbeiten muss und wieviel Geld man verdient.Manchmal ist dieser Vertrag Verhandlungssache - das heißt, man kann in einem Gespräch festlegen, wie hoch die Summen sind. Manchmal aber, vor allem in bestimmten Branchen, sind die Preise bereits festgelegt. Das nennt man Tarifverträge. Diese Tarife wurden bereits in der Vergangenheit ausgehandelt und gelten dann für alle in diesem Bereich tätigen Menschen. Zum Beispiel: Wenn ich einen Workshop halte bei einer Firma, dann kann ich sagen, wie teuer das ist, und die Firma entscheidet dann, ob sie diesen Preis zahlen möchte. Wenn ich aber für einen Radiosender wie den Bayerischen Rundfunk arbeite, dann bekomme ich genau das gleiche Geld wie meine Kollegen. Ich kann nicht verhandeln oder mehr verlangen. Wer gerne immer mehr Geld verdienen möchte und immer wichtiger sein will in seiner Firma, den nennt man in Deutschland einen Karrieristen. Er möchte die Karriereleiter emporklettern. Oft sind das sehr ehrgeizige Menschen. Und viele Firmen haben eine klare Hierarchie, bei der man Stufe um Stufe erklimmen kann. Wichtig ist den meisten Menschen natürlich, wieviel Geld sie verdienen. Diesen Betrag nennt man Gehalt. Oft redet man vom Nettogehalt. Das ist dann das Geld, das man tatsächlich vom Arbeitgeber bekommt. Denn der zieht schon Beträge ab, zum Beispiel für Kranken- oder Rentenversicherung. Auch die Steuer wird gleich an das Finanzamt abgeführt. Ein Angestellter bekommt dafür jedes Jahr vom Finanzamt eine Lohnsteuerkarte. Diese Karte gibt er bei seinem Arbeitgeber ab. Am Ende des Jahres wird auf dieser Karteeingetragen, wie viele Steuern der Arbeiter gezahlt hat. Bei mir ist es anders. Ich bin kein Angestellter. Ich bin freiberuflich und selbständig. Das bedeutet, ich muss mich selber um alles kümmern, um die Krankenversicherung und die Rentenversicherung und auch um die Steuer. Dafür kann ich aber für viele verschiedene Firmen arbeiten und bin flexibel. Ich habe keine festen Arbeitszeiten, wie andere Menschen. Viele Menschen, die als Verkäufer arbeiten, arbeiten übrigens auf Provision. Sie bekommen also einen Anteil an dem, was sie verkauft haben, für sich. So, ich hoffe, ich konnte Euch viele neue Wörter beibringen. Ihr wisst ja: Wenn ihr etwas nicht versteht, einfach auf der Internetseite slowgerman.com auf das Wort mit der Maus klicken, zwei Mal, dannseht Ihr die englische Übersetzung. Oder Ihr lasst Euch den ganzen Text in Eure Muttersprache übersetzen, indem Ihr in der rechten Spalte auf die Fahne Eures Landes klickt. Aber Vorsicht: Dann stimmt natürlich die Grammatik nicht mehr! Zum Schluss noch "Die Liebessieger" von der Band Heuser, gefunden auf dem Podsafe Music Network. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg40kurz.pdf
9 Minuten
Chris aus Oklahoma hat mich gefragt, wo die Deutschen gerne im Urlaub hinfahren. Ich habe mir jetzt eine aktuelle Statistik angeschaut, und das ist wirklich erstaunlich. 23 Prozent der Deutschen bleiben im Urlaub in ihrem eigenen Land. Ich kann das schon verstehen, denn in Deutschland gibt es viele schöne Dinge zu sehen. Man kann an die Nord- oder Ostsee fahren und Urlaub am Strand machen, oder man kann in die bayerischen Alpen fahren und sich die Berge und Seen dort anschauen. Oder man kann natürlich auch eine schöne Städtereise machen, zum Beispiel nach Berlin. Aber für mich gehört zum Urlaub auch dazu, eine andere Kultur und eine andere Sprache zu erleben. Acht Prozent der Deutschen fahren zum Beispiel gerne nach Spanien. Vor allem aber nach Mallorca. Mallorca ist die liebste Urlaubsinsel der Deutschen. Mittlerweile fahren so viele Menschen nach Malle, wie viele es nennen, dass die Menschen dort schon angefangen haben, Deutsch zu sprechen. Es gibt deutsche Restaurants und Kneipen dort - ich finde das schade. Gleich nach Spanien kommt Italien. Fast sieben Prozent der Deutschen fahren am liebsten nach Italien. Als ich ein Kind war, sind meine Eltern mit mir mit dem Auto jeden Sommer nach Italien gefahren. Gerade für Familien ist das optimal. Das Essen schmeckt allen Kindern, es gibt schöne Strände, die Menschen sind sehr nett und familienfreundlich und vor allem: Es ist nicht weit weg. Mit dem Auto sind wir von Süddeutschland aus nur sieben oder acht Stunden unterwegs gewesen. Viele Deutsche reisen auch gerne nach Ungarn, Tschechien oder Österreich. Oder in den hohen Norden, nach Skandinavien. Und immerhin 3 Prozent träumen von Frankreich. Dort würde ich gerne nächstes Jahr Urlaub machen, mal sehen, ob es klappt. Griechenland und Kroatien sind ebenfalls beliebt, und natürlich fliegen auch viele Deutsche - rund 3 Prozent - nach Nordamerika. Die meisten meiner Freunde waren auch schon in Thailand, es ist das wahrscheinlich beliebteste Reiseziel in Asien für Deutsche. In meiner Familie ist derzeit noch ein Trend zu erkennen: Sie fahren alle nach Ägypten und machen dort eine Nil-Kreuzfahrt. Natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, Urlaub zu machen. Man kann mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen oder man fährt mit dem Auto oder dem Zug. Und man kann natürlich auch mit dem Campingwagen in den Urlaub fahren, dort dann einfach auf einem Campingplatz parken und die Zeit dort verbringen. Man hat eine kleine Küche mit dabei und ein Bett. Viele Camper fahren jedes Jahr an den gleichen Campingplatz, und treffen dort jedes Jahr die gleichen Menschen. Für viele Deutsche bedeutet Urlaub einfach warmes Wetter, viel Sonne, Strand und gutes Essen. Daher sind die südlichen Länder beliebter als die nördlichen. Ich finde es allerdings langweilig, den ganzen Tag am Strand zu liegen. Ich möchte im Urlaub etwas erleben, ich möchte viel sehen, viel zu Fuß herumlaufen und neue Eindrücke sammeln. Ich möchte versuchen, die Menschen zu beobachten und zu verstehen, und so viel von ihrem Essen zu probieren wie möglich. Denn andere Länder sind spannend, findet Ihr nicht auch? Bestimmt. Sonst würdet Ihr nicht Deutsch lernen... So, jetzt wieder Musik am Schluss, und zwar von "The Golden Kissers" das Stück "Der weiße Matrose". Viel Spaß! Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg39kurz.pdf
9 Minuten
Julio hat mich gefragt, wo wir Deutschen einkaufen und was wir als Geschenk mitnehmen, wenn wir irgendwo eingeladen sind. Da bald Weihnachten ist, erzähle ich es Euch gerne. In Deutschland ist es wie in vielen anderen Ländern: Früher gab es viele sehr kleine Geschäfte in der Innenstadt oder in Dörfern. Heute verschwinden diese kleinen Läden immer mehr. Die Läden, in denen man alles mögliche kaufen konnte, von Lebensmitteln bis hin zu Babywindeln oder ähnlichem nennt man in Deutschland übrigens "Tante-Emma-Laden". Aber wie gesagt: Es gibt nicht mehr viele davon. Heute orientieren sich die Deutschen am amerikanischen Vorbild. Es gibt immer mehr Malls, also Einkaufszentren, in denen viele Geschäfte unter einem Dach zu finden sind. Vor allem in Deutschland hat dies einen Vorteil: Denn hier ist das Wetter oft sehr schlecht und es regnet viel, da ist es natürlich schön, wenn man trockenen Fußes von einem Laden in den nächsten gehen kann. Schade daran ist, dass diese Einkaufszentren überall sehr ähnlich sind. Hier gibt es keine kleinen netten Läden zu entdecken, sondern meistens findet man hier nur die großen Ketten. Eine Kette ist in diesem Fall eine Ladenkette. Also zum Beispiel H&M, C&A, Starbucks oder McDonald's. Ich finde es daher langweilig, in anderen Städten in solche Malls zu gehen - denn sie sehen überall gleich aus. Viel interessanter sind die vielen kleinen Boutiquen und Geschäfte, die es in manchen Straßen in der Innenstadt noch zu finden gibt. Zudem hat nahezu jede deutsche Stadt eine Fußgängerzone, also eine große Straße voller Geschäfte, die nur für Fußgänger offen ist. Autos, Busse oder Taxen dürfen hier nicht fahren, auch keine Fahrräder. Gerade in der Vorweihnachtszeit sind diese Fußgängerzonen aber meistens sehr überfüllt. Es sind einfach zu viele Menschen unterwegs. Die Öffnungszeiten sind in Deutschland sehr streng geregelt. In München schließen nahezu alle Geschäfte abends um acht Uhr. Am Sonntag bleiben alle Geschäfte geschlossen. Auch die Supermärkte. Man kann dann Lebensmittel wie Milch oder Toastbrot nur bei einer Tankstelle kaufen - meistens zu hohen Preisen. Ausnahmen gibt es natürlich schon: In Berlin zum Beispiel haben die Geschäfte oft länger offen, manchmal auch am Sonntag. Ich finde es schade, dass man abends nicht länger einkaufen kann. Jeden Sommer wird darüber diskutiert, ob man diese Öffnungszeiten nicht ausweiten könnte. Aber wenn ich mich daran erinnere, als ich ein Kind war, haben wir heute paradiesische Verhältnisse. Als Kind hatten die Geschäfte nur bis sechs Uhr abends geöffnet, und in der kleinen Stadt, in der ich aufgewachsen bin, hatten die meisten Läden am Mittwoch Nachmittag zu. Lebensmittel gibt es entweder im Supermarkt, oder in kleineren Geschäften. Es gibt zumindest in Großstädten meistens spezielle Geschäfte für asiatische oder türkische Lebensmittel. Im Sommer gibt es an vielen Straßen Obst-Stände, wo man sich also Obst und Gemüse direkt frisch kaufen kann. Und es gibt viele Wochenmärkte. Das bedeutet, dass einmal pro Woche viele Händler ihre Ware auf einem Dorfplatz präsentieren und verkaufen. Käse, Fisch, Blumen, Obst und Gemüse - einfach alles. Hier in München gibt es noch so einen Markt, der sehr berühmt ist: Den Viktualienmarkt. Es gibt ihn seit vielen, vielen Jahrzehnten und hier kann man im Freien bei kleinen Ständen einkaufen, egal, wie schlecht das Wetter ist. Der Viktualienmarkt ist eine Touristenattraktion, aber auch die Münchner selber kaufen hier gerne ein. Die Ware gilt als besonders frisch - aber manches ist hier auch sehr teuer. Was wir anderen schenken, wenn wir eingeladen sind? Angenommen, jemand lädt mich zum Abendessen zu sich nach Hause ein. Dann bringe ich einer Frau eventuell Blumen mit oder etwas Süßes, oder irgendetwas Nettes, das ich gesehen habe. Eine schöne Kerze, einen netten Bilderrahmen oder so etwas. Für einen Mann bringe ich dann doch eher eine Flasche Rotwein mit, wenn er das mag. Oft kann man sich unter Freunden natürlich auch absprechen, und bringt beispielsweise einen Kuchen mit, als Dessert. Weil Weihnachten vor der Tür steht, überlege ich natürlich auch schon wieder, was ich meinen Freunden und Verwandten schenken könnte. Das ist gar nicht so leicht! Manche Menschen geben hier in Deutschland sehr viel Geld für Weihnachtsgeschenke aus. Ich versuche, Menschen auch mit kleinen Geschenken eine Freude zu machen. Und dann muss ich natürlich auch selber noch einen Wunschzettel schreiben, wie die Kinder es tun... Zum Schluss noch das Lied "Fein sein" vom Konservenfabrikant Köberle, übrigens auch ein Podcaster aus Bayern, den Link zu seinem Podcast findet Ihr auf slowgerman.com bei der heutigen Folge. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg38kurz.pdf
7 Minuten
Einen schönen Gruss an Tessa - sie hat mich so geschimpft, dass ich keine neue Episode mehr gemacht habe, dass ich sofort eine aufgenommen habe! Anna lebt in Berlin und würde gerne eine Zeitung lesen. Sie hat mich gefragt, welche deutschen Zeitungen es auf dem Markt gibt. Natürlich kann ich Euch nicht alle Zeitungen vorstellen, aber ich hoffe, dass ich die wichtigsten nennen kann und ihre Unterschiede. Zunächst einmal gibt es einen Unterschied in der deutschen Sprache zwischen Zeitung und Zeitschrift. Eine Zeitschrift ist ein Magazin, also ein kleines, buntes Heft. Meistens erscheint es nur ein Mal pro Woche oder pro Monat. Eine Zeitung ist viel größer und kann auch täglich erscheinen. Ich spreche erst einmal über die Zeitungen. Da gibt es einen Unterschied: Es gibt regionale und überregionale Zeitungen. Regionale Zeitungen erscheinen in einem kleinen Gebiet, sie berichten hauptsächlich über dieses Gebiet. Also zum Beispiel gibt es das Göttinger Tageblatt oder die Berliner Morgenpost. In diesen Zeitungen kann man viele Informationen lesen über Göttingen oder Berlin. Das ist für Menschen, die dort leben, sehr interessant. Für mich in München allerdings bringt das wenig. Außerdem gibt es die meisten dieser Zeitungen nur in der jeweiligen Region zu kaufen. Mich interessieren überregionale Zeitungen, also Zeitungen, in denen viele Nachrichten aus aller Welt stehen. Diese Zeitungen gibt es in ganz Deutschland zu kaufen. Man kauft Zeitungen entweder am Kiosk oder im Supermarkt, oder auch an Tankstellen. Und es gibt stumme Verkäufer, also Zeitungsautomaten, wie ich in Folge 13 erklärt habe. Die wohl bekannteste überregionale Zeitung in Deutschland ist die Bild-Zeitung. Sie ist eine Boulevardzeitung. Im englischen Raum nennt man das Yellow Press. Sie kostet nicht viel, ist dünn und schnell auf dem Weg zur Arbeit durchgeblättert. Die Bild-Zeitung gibt es seit 1952 und sie ist die Zeitung mit der größten Auflage in ganz Europa. 3,3 Millionen Exemplare werden von ihr jeden Tag gedruckt. Oft geht es hier um Skandale von Prominenten oder Ähnliches. Im gleichen Verlag, dem berühmten Axel-Springer-Verlag, erscheint auch die Welt. Mehr Niveau hat die Süddeutsche Zeitung. Sie wird in München hergestellt und existiert seit 1945. Jede Zeitung ist in verschiedene Ressorts unterteilt, so auch die SZ. Es gibt die Nachrichten, den Sport-Teil, das Feuilleton, also die Kultur, einen Serviceteil mit Hinweisen auf Kulturveranstaltungen und ähnlichem und natürlich auchden Wirtschaftsteil mit aktuellen Börsenkursen. Die Süddeutsche Zeitung gilt als politisch linksliberal und kritisch. Sehr bekannt ist auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, deren Berichterstattung eher konservativ ist. Besonders ist dagegen die taz aus Berlin. Die Abkürzung taz steht für "Tageszeitung". Von ihr werden nur rund 50.000 Exemplare gedruckt. Sie ist etwas kleiner als andere Tageszeitungen und gilt als politisch links-alternativ. Was die Zeitschriften angeht, also die Magazine, so gibt es vor allem drei, die in Deutschland eine Rolle spielen. Der Spiegel erscheint jeden Montag. Er wurde 1947 gegründet. Seine Journalisten sind sehr angesehen, und die Schwerpunkte Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sind fundiert recherchiert. Der Stern ist etwas bunter, hier geht es oft auch um Fotostrecken oder weniger brisante und intellektuelle Themen. Relativ neu dazugekommen ist 1993 der Focus. Er sollte eine Konkurrenz zum Spiegel sein und ist weitaus konservativer. Nach wie vor lesen mehr Deutsche den Spiegel als den Focus. So, das waren natürlich nicht alle deutschen Zeitungen. Es gibt auch noch die Frankfurter Rundschau und die sehr gute, einmal in der Woche am Donnerstag erscheinende "Zeit", die ich sehr empfehlen kann. Aber ich glaube, Ihr habt einen guten Überblick bekommen. Übrigens gibt es in großen Städten nochmal eigene Regionalzeitungen, wie vorher angedeutet. In München zum Beispiel gibt es die tz, die Abendzeitung und den Münchner Merkur. Jede Zeitung hat ihre eigene Ausrichtung, und daher kann man an den Lesern jeweils ungefähr abschätzen, welche politische oder gesellschaftliche Ausrichtung sie haben. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg37kurz.pdf
7 Minuten
Heute möchte ich Euch etwas über Kinderlieder erzählen, denn ich weiß, dass viele meiner Hörer Eltern sind und selber kleine Kinder haben. Es gibt eine Menge Lieder, und später werde ich Euch auch einige vorsingen lassen. Meine Podcast-Kolleginnen Rickie und Tina haben extra ein Medley eingesungen. Die meisten Kinderlieder in Deutschland stammen aus dem 19. Jahrhundert. Manche Autoren haben bis zu 500 Texte für Kinderlieder geschrieben. Kinderlieder werden Kindern vor allem von den Eltern vorgesungen. Kinder lernen durch die Musik und den Text viel Neues dazu. Die ständigen Wiederholungen mancher Zeilen machen ihnen Spaß. Und für viele Kinderlieder gibt es auch Handbewegungen oder ähnliches. Jedes Kind in Deutschland kenn das Lied "Hoppe, hoppe, Reiter". Da sitzt das Kind auf dem Knie eines Erwachsenen, als wäre es ein Reiter auf einem Pferd. An einer Stelle im Lied fällt der Reiter aber vom Pferd hinunter - der Erwachsene simuliert das mit dem Kind, hält es dabei aber natürlich fest, damit es sich nicht verletzt. Für Kinder ist das ein großer Spaß. Auch im Kindergarten oder in der Grundschule werden die alten Lieder immer wieder gesungen. Die Lieder haben mehrere Strophen, und ich muss gestehen, dass ich meistens nur noch die erste auswendig kann - wenn überhaupt. Das einfachste Kinderlied ist wohl "Alle meine Entchen", das man auch sehr leicht auf dem Klavier spielen kann. Dann gibt es noch "Hänschen Klein", "Ein Vogel wollte Hochzeit machen", "Alle Vögel sind schon da" oder "Kommt ein Vogel geflogen" oder "Häschen in der Grube". Ihr merkt schon - in vielen Liedern geht es um Tiere und um die Natur. Oft merkt man aber, dass die Lieder schon sehr alt sind. So beginnt ein Lied mit der Zeile "es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp-klapp". Kinder in unserer heutigen Welt werden nicht wissen, was eine Mühle ist - dass dort früher Mehl gemahlen wurde und es einen Müller gab. Viele Lieder widmen sich besonderen Anlässen. "Ich geh mit meiner Laterne" singen die Kinder im Herbst, am St. Martinstag. Ich werde Euch bald davon erzählen. Wichtig sind vor allem auch die Schlaflieder, also Lieder, die man Kindern vorsingt, wenn sie schon im Bett liegen und einschlafen sollen. Das sind beruhigende, schöne Lieder. Das bekannteste ist bestimmt "Schlaf, Kindlein, schlaf" oder "Weißt Du, wie viel Sternlein stehen". Einen Link zu einer guten Internetseite mit deutschen Kinderliedern und dem Text dazu stelle ich Euch auf meine Seite slowgerman.com. Oder Ihr schaut jetzt auf Euren iPod und drückt auf die mittlere Taste, bis der Text kommt. Am Ende des Textes steht der Link. http://www.spiellieder.de/kinderlied-standards/kinderlied-standards.htm Jetzt hören wir aber Rickie und Tina mit ihrem Kinderliedermedley. Die beiden wohnen hier in München und sind professionelle Sängerinnen. Sie machen auch einen Podcast, er heißt "Chicks on Tour". XXX Zum Schluss noch eine Empfehlung von meinem Hörer Jaume aus Brasilien. Er empfiehlt das Magazin "Deutsch Perfekt", den Link findet Ihr auf meiner Homepage. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg36kurz.pdf
11 Minuten
Ich wurde gebeten, über Religion zu sprechen. Religion in Deutschland. Wie so oft muss man bei diesem Thema unterscheiden zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland. Denn in Ostdeutschland, also in der ehemaligen DDR, hatte die Regierung eine antikirchliche Haltung. Daher sind noch heute 68 Prozent der Ostdeutschen nicht religiös. Genauer gesagt: Sie gehören keiner Kirche an. Ob sie für sich einen Glauben haben, ist schwer zu erforschen. In Westdeutschland sieht diese Zahl ganz anders aus: Hier sind es nur 15 Prozent, die keiner Religionsgemeinschaft angehören. Ich gehöre dazu. Die meisten Deutschen sind Christen. Ein Drittel der Deutschen sind Katholiken, ein Drittel sind evangelisch, also Protestanten. Der Rest gehört zu keiner dieser Gemeinschaften. Man kann eine regionale Unterteilung erkennen: Der Norden von Deutschland ist eher protestantisch, der Süden katholisch. Natürlich gibt es noch andere Konfessionen in Deutschland, es gibt Juden oder orthodoxe Christen, Baptisten und Zeugen Jehovas, allerdings ist ihre Zahl sehr klein. Nach den Katholiken und Protestanten gibt es vor allem Muslime in Deutschland, sie machen vier Prozent der Bevölkerung aus. Das kommt daher, weil in den 60er-Jahren viele Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland kamen und hier geblieben sind. Die christlichen Kirchen in Deutschland haben große Sorgen. Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus, das heißt sie wollen offiziell nicht mehr zu dieser Religionsgemeinschaft gehören. Das bringt nicht nur spirituelle Probleme für die Kirche, sondern auch finanzielle. Denn jeder Gläubige in Deutschland zahlt die so genannte Kirchensteuer. Sie wird vom Staat mit den anderen Steuern eingezogen und an die Kirchen weitergegeben. Von diesem Geld werden vor allem soziale Einrichtungen finanziert, wie kirchliche Kindergärten, Altenheime und andere Betreuungsangebote. Je mehr Menschen aus der Kirche austreten, desto weniger Menschen zahlen Kirchensteuer. Wichtig ist der Kirchenbesuch für die meisten Christen an Weihnachten oder Ostern. Hier wird dann das jeweilige Fest groß gefeiert. Die wenigsten Deutschen aber gehen jeden Sonntag in die Kirche. In einer katholischen Stadt wie München ist die Kirche allgegenwärtig. Das bedeutet, sie ist überall. Vor allem in der Altstadt stehen zahlreiche katholische Kirchen, alte Bauwerke, die sehr prunkvoll sind. Auch das Wahrzeichen von München, die Frauenkirche, ist eine Kirche mit zwei Türmen. Zur vollen Stunde hört man überall Kirchenglocken läuten. Für mich ist das ein schöner Klang, obwohl ich nicht gläubig bin. Die Religion ist zwar seit 1919 in der deutschen Verfassung vom Staat getrennt worden, sie spielt aber immer wieder eine Rolle. Zum Beispiel gibt es viele religiöse Feiertage in Deutschland, wie zum Beispiel Allerheiligen, von dem ich Euch ja schon erzählt habe. In vielen Gerichtssälen und Schulen hängen Kreuze an der Wand. Das löste vor einigen Jahren den so genannten Kruzifix-Beschluss aus. Wenn sich ein Kind in seinem Klassenzimmer von dem Kreuz gestört fühlt, muss das Kreuz entfernt werden. Einen weiteren Streit vor Gericht gab es darüber, ob Lehrer und Schüler in der Schule Kopftücher tragen dürfen, also ein deutliches Zeichen ihrer muslimischen Religion. In der Schule gibt es zudem Religionsunterricht, der Pflicht für alle Schüler ist. Wer nicht in den katholischen oder evangelischen Unterricht gehen möchte, der geht stattdessen heute in einen Ethikunterricht. Heute mal Musik von Kat-Musik, der Song heißt Kopf Kino. Gefunden im Podsafe Music Network. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg35kurz.pdf
8 Minuten
Dorothy aus Peking hat mich gefragt, wie man das "R" im Deutschen richtig ausspricht. Es ist schwer, das zu erklären. Ich versuche es trotzdem. Im Süden Deutschlands spricht man das "R" gerollt aus. Es klingt dann so wie in der spanischen oder italienischen Sprache. Dabei legt man die Zungenspitze an die Zähne und stößt Luft aus - so dass die Zunge leicht vibriert. Ich selber kann Euch das leider nicht vormachen - meine Mutter ist zwar aus Bayern und kann das "R" rollen, aber ich bin nicht in Bayern aufgewachsen und habe es daher nicht gelernt. Im Norden Deutschlands und vor allem im Hochdeutschen spricht man das "R" anders aus. Hier wird es zwar auch gerollt, aber weiter hinten, fast schon im Hals. So spreche ich es auch aus: RRRRRRRR. Das ist auch das R, wie es im Französischen ausgesprochen wird. Wenn Ihr also eine perfekte deutsche Aussprache haben wollt, müsst Ihr dieses zweite R lernen. Aber auch wenn Ihr das R rollt, wird Euch jeder verstehen - und vielleicht denken, Ihr wärt aus Bayern. Den Unterschied beider Varianten möchte ich Euch noch demonstrieren. Dafür habe ich mir Verstärkung geholt. Ein Freund von mir, Hartmut, kann beide Varianten aussprechen. Ich habe ihn einige Wörter sagen lassen, und das hört Ihr jetzt: XXX Musik habe ich Euch heute extra passend zum Thema herausgesucht. Denn das Elisabeth Lohninger Quartett lässt beim Lied “Ob ich dich liebe” ganz schön das R rollen! Gefunden habe ich es beim Podsafe Music Network. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg34kurz.pdf
8 Minuten
Ralph ist Kanadier in der ersten Generation, das heißt seine Eltern kamen aus Deutschland nach Kanada und er ist dort aufgewachsen. Ihn interessiert, wie das in Deutschland mit der Fahrschule funktioniert und mit den Autobahnen. Wir fangen an mit der deutschen Autobahn, die ja weltweit bekannt ist. Die erste offizielle Autobahn wurde 1932 eingeweiht. Die meisten Amerikaner sind enttäuscht, wenn sie das erste Mal eine Autobahn sehen. Denn verglichen mit den Freeways oder den großen, zehnspurigen Straßen in Los Angeles sind Autobahnen eher winzig. Eine Autobahn ist eine Straße in beide Richtungen. Jede Richtung hat mindestens zwei Spuren. In der Mitte sind die beiden Richtungen getrennt, entweder durch Betonmauern oder durch Leitplanken aus Stahl. Wenn ein Auto übrigens trotzdem auf der falschen Seite in die falsche Richtung fährt, meistens geschieht das aus Absicht als Mutprobe, oder als Selbstmordversuch, manchmal sind es aber auch einfach verwirrte Menschen, dann nennt man diese Fahrer Geisterfahrer. Autobahnen sind meistens so konstruiert, dass man weder enge Kurven hat noch große Höhenunterschiede, sofern sich das machen ließ. Wenn zu viel los ist, vor allem in der Urlaubszeit, dann ist Stau auf der Autobahn. Dann stehen die Autos mehr als dass sie fahren. Auf einer Autobahn gibt es eine Mindestgeschwindigkeit. Man muss also mindestens ein Fahrzeug haben, das 60 Kilometer pro Stunde oder schneller fahren kann. Radfahrer dürfen also selbstverständlich nicht auf die Autobahn, kleine Vesparoller oder ähnliches auch nicht. Ursprünglich hatte die Autobahn kaum eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Man durfte also so schnell fahren, wie man wollte. Mittlerweile hat sich das an vielen Stellen geändert, die Geschwindigkeit ist dort festgelegt und man darf nicht schneller als zum Beispiel 120 km/h fahren. Grund für die Begrenzung ist die Sicherheit – wenn ein Auto 210 fährt und das andere 100, dann kann es leichter zu Unfällen kommen als wenn beide ungefähr gleich schnell – oder langsam – fahren. Ein Drittel des deutschen Verkehrs läuft über die Autobahn. Hier sind auch die meisten Lastwagen unterwegs. Sie müssen bezahlen, um auf der Autobahn fahren zu dürfen. Selten hat eine Autobahn mehr als drei Spuren. Da die Autobahn auch viel für den Fernverkehr genutzt wird, also für Menschen, die weite Strecken zurücklegen müssen, gibt es Raststätten. Man fährt also kurz neben die Autobahn um etwas zu Essen oder zu Tanken. Es gibt sogar Autobahnkirchen. Und wisst Ihr, was der Bau einer Autobahn kostet? Pro Kilometer 26,8 Millionen Euro. Am teuersten ist die Planung, die normalerweise rund 20 Jahre lang dauert. Dann braucht man Ingenieure, die mithelfen und beraten, und der Bau selbst kostet 6,7 Millionen Euro. Wenn Ihr mal in Deutschland seid und Ihr sucht eine Autobahn, sucht nach blauen Schildern mit weißer Schrift. Zum Schluss wie immer ein wenig Musik, diesmal der Gema-Song von den Reeperboys. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg33kurz.pdf
11 Minuten
Timo aus Finnland zieht im Herbst nach Deutschland. Er hat mich gefragt, wie man hier eine Wohnung findet. Ich bin ja selber gerade erst umgezogen, daher werde ich versuchen, es zu erklären. Am einfachsten ist es natürlich über Mundpropaganda. Das heißt man hört über Freunde oder die Familie, dass irgendwo eine Wohnung frei wird. Aber so funktioniert das eben nicht immer. Also muss man entweder in Tageszeitungen eine Anzeige aufgeben oder die Anzeigen im Immobilienmarkt lesen, also in dem Teil der Zeitung, in dem es um Wohnungen und Häuser geht. Oder man sucht im Internet, die größte Börse ist hier immobilienscout24.de. In Deutschland misst man die Größe einer Wohnung erstmal in Zimmern. Eine 2-Zimmer-Wohnung heißt also, man hat Küche, Bad und zwei Zimmer. Bei einer 4-Zimmer-Wohnung hat man Küche, Bad und vier Zimmer. Aber Vorsicht: Oft ist die Küche leer. Das bedeutet, es gibt zwar einen Raum für die Küche, aber es gibt dort keine Möbel, keine Geräte. Der Raum ist leer. Man muss also oft noch viel Geld investieren und eine komplette neue Küche kaufen, wenn man eine Wohnung mieten will. Ihr werdet oft die Abkürzung EBK sehen, das bedeutet Einbauküche. Wenn das also bei einer Anzeige dabeisteht, bedeutet das, die Wohnung hat eine Küche. Die Größe einer Wohnung wird natürlich auch in Quadratmetern gemessen. Wobei es einen Unterschied gibt: Wenn zum Beispiel ein großer Balkon oder eine Terrasse dabei sind, dann werden diese Flächen nicht ganz mitgezählt. Wer also 30 Quadratmeter Terrasse hat, bei dem wird das als 15 Quadratmeter Nutzfläche berechnet. Kompliziert, oder? Noch zwei wichtige Unterschiede: Kaltmiete und Warmmiete. Bei der Warmmiete ist alles inklusive. Das ist also der Betrag, den man wirklich an den Vermieter zahlen muss. Normalerweise steht in Anzeigen aber nur die Kaltmiete. Zur Kaltmiete hinzu kommen die so genannten Nebenkosten. Das sind Kosten für die Müllabfuhr, das Wasser, die Heizung, manchmal auch für die Beleuchtung des Hauses oder den Kabelanschluss. Stromkosten und Telefonkosten zahlt man normalerweise direkt an die Strom- oder Telefonkonzerne, das hat mit dem Vermieter nichts zu tun. Wenn man dann im Internet oder in einer Zeitung eine Wohnung gefunden hat, macht man einen Besichtigungstermin. Manchmal organisiert diese Termine der Vermieter selber. Normalerweise aber übernimmt das ein Makler. Man darf sich also die Wohnung ansehen und Fragen stellen. Oft ist die Konkurrenz groß, vor allem in Städten wie München. Viele Menschen wollen die Wohnung haben, und der Vermieter kann sich für einen Mieter entscheiden. Damit ihm diese Entscheidung leichter fällt, verlangt er meist eine so genannte Selbstauskunft. Das ist ein Blatt Papier, ein Formular, auf dem der potenzielle Mieter Informationen über sich selbst ausfüllt. Welchen Beruf er hat, wieviel Geld er verdient, wo er vorher gewohnt hat, manchmal sogar ob er ein Instrument spielt (wegen der Lautstärke) oder nicht. Wenn dann alles in Ordnung ist, kann man den Mietvertrag unterschreiben. All das ist natürlich mit Kosten verbunden. Der Makler verlangt eine so genannte Provision. Diese darf bis zu 2,38 Monatsmieten hoch sein. Das heißt, angenommen die Miete kostet 1000 Euro Miete, dann zahlt man 2380 Euro an den Makler. Der Vermieter verlangt dann noch eine Kaution. Meistens sind das auch drei Mal die Kaltmiete – also in unserem Fall auch rund 3000 Euro. Wenn dann noch eine Küche bereits eingebaut ist, oder zum Beispiel ein Einbauschrank, verlangt der Vormieter eine Ablöse. Man kauft ihm also die Küche und den Schrank ab. Kein Wunder, dass die Deutschen nicht so gerne umziehen, oder? Damit man versteht, was in Wohnungsanzeigen steht, ist diese Liste aus der Wikipedia sehr nützlich, mit allen Abkürzungen: Abkürzungen bei Wohnungsanzeigen Und wieder deutsche Musik zum Schluss, diesmal von Störte Priester das Stück „Heiliges Kind“, die neue CD der Band ist ab 1. August auf dem Markt. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg32kurz.pdf
13 Minuten
Fernando aus Brasilien interessiert das politische System der Bundesrepublik Deutschland. Ich werde versuchen, es so einfach wie möglich zu erklären. Dennoch wird diese Folge von Slow German sehr kompliziert und schwer zu verstehen. Aber glaubt mir: Auch viele Deutsche kennen das politische System nicht! Zunächst einmal zur Struktur von Deutschland: Deutschland besteht aus 16 Bundesländern. Die Bundeshauptstadt ist Berlin. Gegründet wurde die Bundesrepublik am 24. Mai 1949, also vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Oktober wurde die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik, also der DDR, in Kraft gesetzt. Seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland wiedervereinigt, also wieder ein Land. An diesem Tag wird daher jedes Jahr der „Tag der deutschen Einheit“ gefeiert. Folgende wichtige Begriffe werde ich nun erklären: Bundestag, Bundesrat, Kanzler, Präsident. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer, sozialer Bundesstaat, genauer gesagt eine parlamentarische Demokratie. Sie ist auch ein föderaler Rechtsstaat. Es gibt die Bundesebene und die Landesebene. Die einzelnen Bundesländer haben eigene Verfassungen. Wobei die Verfassung der BRD das Grundgesetz ist. Das heißt: Jedes Bundesland hat zwar eigene Gesetze, das Grundgesetz ist aber im Zweifelsfall das entscheidende. Ein einfaches Beispiel: In manchen Bundesländern steht in der alten Verfassung noch drin, dass es die Todesstrafe gibt. Laut der deutschen Verfassung gibt es sie aber nicht mehr. Also existiert sie in Deutschland nicht. Das Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident. Er hat aber vor allem repräsentative Aufgaben, politisch gesehen ist er also nicht sehr wichtig. Gewählt wird er alle fünf Jahre, und zwar von der Bundesversammlung. Dies ist die einzige Aufgabe der Bundesversammlung. Die Bundesversammlung setzt sich zusammen aus Mitgliedern des Deutschen Bundestages und einer gleichen Zahl von anderen Mitgliedern aus dem ganzen Land. Bei der letzten Wahl waren es 1205 Mitglieder. Ein einziges Mal darf der Bundespräsident wiedergewählt werden, dann wäre er also 10 Jahre im Amt. Die nächste Wahl findet am 23. Mai 2009 statt. Der momentane Bundespräsident heißt Horst Köhler, und eine weitere Kandidatin ist eine Frau – Gesine Schwan. Angeblich verdient der Bundespräsident 199.000 Euro pro Jahr (2007). Der Regierungschef ist der Bundeskanzler. Er wird vom Bundestag gewählt. Vorher hat ihn der Bundespräsident vorgeschlagen. Der Kanzler – oder wie momentan die Kanzlerin, denn unsere Chefin ist Angela Merkel – schlägt dann die Bundesminister vor. Kanzler und Minister sind dann die Bundesregierung. Manchmal wird die Bundesrepublik Deutschland auch als Kanzlerdemokratie bezeichnet, weil der Kanzler eine sehr starke Stellung hat. Ein Kanzler kann beliebig oft wiedergewählt werden. Helmut Kohl war am längsten deutscher Kanzler: Von 1982 bis 1998, also 16 Jahre lang. Die Kanzlerin verdient angeblich rund 240.000 Euro im Jahr. Zwei wichtige Institutionen muss ich noch erklären – manchmal werden sie von vielen Deutschen verwechselt. Es gibt den Bundestag und den Bundesrat. Der Bundestag ist das Parlament. Er wird direkt vom Volk gewählt. Eine so genannte Legislaturperiode, also die Zeit, in der der Bundestag in mehr oder weniger gleicher Zusammensetzung Politik macht, dauert in der Regel vier Jahre. Momentan gibt es im Bundestag 612 Abgeordnete aus allen Bundesländern. Der Bundestagspräsident ist momentan Norbert Lammert. Der Bundestag schafft das Bundesrecht und ändert die Verfassung. Er kann auch internationale Verträge mit anderen Staaten genehmigen und beschließt den Bundeshaushalt, also die Finanzen des Landes. Er wählt wie vorhin schon gesagt den Bundeskanzler und kontrolliert den Einsatz der Bundeswehr, also des Militärs. Der Bundesrat dagegen hat andere Aufgaben: Hier sind Mitglieder aller Bundesländer vertreten. Jedes Bundesland hat drei bis sechs Sitzplätze, je nach Einwohnerzahl. Sie können so bei der Gesetzgebung auf Bundesebene mitwirken. Der Bundesrat hat momentan 69 Mitglieder und kann nicht abgeschafft werden. Zum Schluss, auch wenn es bis hierhin schon sehr kompliziert war, noch ein Wort zu den deutschen Parteien. Die größten Parteien in Deutschland sind die SPD und die CDU/CSU. Die SPD ist die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Der letzte Kanzler, Gerhard Schröder, war von der SPD. Die Farbe der SPD ist Rot. Die CSU gibt es nur in Bayern, sie hat sich mit ihrer Schwesterpartei CDU zusammengetan. Die Farbe der CDU/CSU ist Schwarz, die Abkürzung steht für Christlich-Demokratische Union beziehungsweise Christlich-Soziale Union. Die beiden großen Parteien haben eine Koalition gebildet und regieren momentan gemeinsam. Kleinere Parteien sind die FDP (gelb), die oft als Liberale bezeichnet werden, und Die Grünen (grün), die es erst seit 1980 gibt und die sich zu Beginn ihrer Zeit vor allem für die Umwelt eingesetzt haben. Erst seit einem Jahr gibt es „Die Linke“, eine sehr umstrittene Partei. So, das war also das komplizierte Thema Politik, besser gesagt das politische System von Deutschland. Im Alltag merkt man das als Deutscher so: Man darf wählen gehen und wählt Mitglieder des Bundestages oder des Landtages. Dann wartet man, bis der Kanzler gewählt wird. Oft wird kritisiert, dass wir den Kanzler nicht direkt wählen dürfen – aber das ist ja in vielen Ländern so. Zum Abschluss noch etwas Musik, und zwar von Markus Kaes, gesungen von Judith Jahn. Der Song heißt „Schon wieder“. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg31kurz.pdf
10 Minuten
Im Sommer heiraten besonders viele Paare. Deswegen habe ich mir gedacht ich erzähle Euch heute etwas über Hochzeiten in Deutschland. Die beliebtesten Monate sind Mai und Juni, aber auch in den anderen Monaten finden viele Hochzeiten statt. Vor der Heirat steht die Verlobung. Sie ist in Deutschland viel weniger wichtig als beispielsweise in den USA. Es gibt weder einen großen Diamantring, noch eine große Feier. Wer in Deutschland heiraten möchte, der muss in erster Linie eine Menge Papierkram erledigen. Also Dokumente vorweisen bei den staatlichen Behörden. Wenn das erledigt ist, kann man standesamtlich heiraten. Man geht also an einem vereinbarten Termin zum Standesamt, und dort wird man vom Staat verheiratet. Meist geht das sehr schnell. Der Standesbeamte, der die Zeremonie leitet, spricht aber dennoch einige Worte, um das Paar auf eine gemeinsame Zukunft einzustimmen. Es gibt verschiedene Standesämter. Manchmal sind das nur relativ offizielle Büroräume, ohne Schmuck. Manchmal sind es aber auch alte Rathaussäle, kleine Schlösser oder man kann auch auf Burgen oder auf Inseln heiraten. Deutsche heiraten aber fast immer in Gebäuden. Hochzeiten im Freien, wie sie in Amerika üblich sind, gibt es hier kaum. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Wetter einfach zu schlecht ist. Zur Heirat im Standesamt braucht man nur als Paar anwesend sein. Früher war es Pflicht, Trauzeugen zu haben. Das waren zwei Menschen, die dem Paar nahe standen und die als Zeuge bei der Trauung anwesend waren. Heute ist das gesetzlich nicht mehr vorgeschrieben. Wer möchte, kann nach der standesamtlichen Trauung auch noch einmal kirchlich heiraten. Wer zum Beispiel katholisch ist, der heiratet dann in einer katholischen Kirche noch einmal. Da die meisten Deutschen aber nicht sehr religiös sind, ist ihnen die kirchliche Trauung eher wichtig, weil es hier um ein feierliches Ritual geht. In der Kirche gibt es festliche Musik, die Braut trägt ein schönes weißes Kleid, und alle Freunde und Verwandten können dabei sein. Wie groß eine Hochzeit ist, bleibt dem Brautpaar überlassen. Natürlich gibt es Feiern mit über 100 Gästen, aber viele Paare ziehen es vor, in kleinem Kreis zu feiern. Häufig ist es auch so, dass man nur mit wenigen Gästen die eigentliche Hochzeit feiert – und später dann ein großes Fest feiert mit allen anderen Freunden und Verwandten. Oft ist es so, dass am Samstag Vormittag im Standesamt geheiratet wird, und danach in der Kirche. Es gibt aber auch viele Paare, die zwischen beiden Trauungen Monate oder sogar Jahre vergehen lassen. Völlig unüblich ist es, mehrere Trauzeugen zu haben, so wie in den USA. Auch das „Rehearsal Dinner“ gibt es nicht. Stattdessen gibt es einen Polterabend, bei dem man den letzten Single-Abend des Paares feiert. Dabei wird Geschirr zerbrochen, das das Paar dann zusammenkehren und aufräumen muss. Scherben sollen Glück bringen. Nach der Eheschließung im Standesamt oder in der Kirche wird natürlich noch gefeiert. Man isst zusammen, tanzt und freut sich mit dem Brautpaar. Wichtig ist der erste Tanz von Braut und Bräutigam, der erste Walzer, den sie gemeinsam tanzen. Dabei sehen ihnen alle zu, um danach aber mitzutanzen. Ein Brauch ist es auch, gemeinsam die Hochzeitstorte anzuschneiden. Es gibt viele verschiedene Rituale und Bräuche. Manchmal sägen Braut und Bräutigam gemeinsam einen Baumstumpf ab – Teamwork sozusagen. Viele Feiern gehen bis weit nach Mitternacht, und wenn das Brautpaar nicht gleich in die Flitterwochen fährt, feiern sie bis zum Ende mit. Die Deutschen heiraten sehr spät. 2004 war ein deutscher Mann statistisch gesehen im Durchschnitt 36 Jahre alt bei der Heirat. Die Frau war 33 Jahre alt. Übrigens scheitert in Deutschland ungefähr jede dritte Ehe. Das heißt, dass von drei Ehepaaren sich eines scheiden lässt. Passend dazu habe ich Euch heute Musik mitgebracht, und zwar „Die große Liebe ist vorbei“ von Marc Loehrwald, gefunden im Podsafe Music Network. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg30kurz.pdf
8 Minuten
Ich möchte Euch heute ausnahmsweise mal einen deutschen Film vorstellen, den Ihr Euch anschauen solltet. Er heißt „Das Leben der Anderen“, und wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Ich möchte Euch deswegen von ihm erzählen, weil er einen wichtigen Teil der deutschen Geschichte zeigt. Im Mittelpunkt des Dramas steht Gerd Wiesler. Er ist Hauptmann bei der Stasi. Die Stasi war das Ministerium für Staatssicherheit in der DDR, der Deutschen Demokratischen Republik. 1984 bekommt Gerd Wiesler in Ost-Berlin den Auftrag, einen Theaterschriftsteller zu bespitzeln. Er soll ihn also belauschen wie ein Spion. Wiesler sitzt also auf dem Dachboden, hat Kopfhörer auf und hört, was in der Wohnung des Schriftstellers alles passiert. Was führt dieser im Schilde? Plant er Aktivitäten gegen das DDR-System? Je länger Wiesler den Schriftsteller und seine Freundin belauscht, desto mehr verwandelt er sich. Er empfindet Sympathie für diese Menschen, er will sie schützen und ihnen nicht schaden. Dadurch begibt er sich selbst in Gefahr. Wie der Film ausgeht, erzähle ich Euch nicht. Aber ich kann Euch sagen, dass es einer der besten Filme ist, die ich gesehen habe. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die besten deutschen Schauspieler in diesem Film spielen. In der Hauptrolle des Gerd Wiesler ist Ulrich Mühe zu sehen, der leider kurz nach der Oscarverleihung an Krebs gestorben ist. Sebastian Koch und Martina Gedeck sind das bespitzelte Paar. Der Film ist spannend und emotional erzählt, und hinter der Geschichte steckt ein Mann namens Florian Henckel von Donnersmarck. Er hat das Drehbuch geschrieben. Die Idee dazu hatte er bereits auf der Filmhochschule, um es dann aber zu schreiben zog er sich in ein Kloster zurück, damit er völlige Ruhe hatte. Donnersmarck führte auch Regie bei diesem Film, der 2006 in Deutschland in die Kinos kam. Obwohl der Film nur 1,8 Millionen Euro gekostet hat und somit ein Low-Budget Film war, hatte er enormen internationalen Erfolg. Mehr als zwei Millionen Menschen haben ihn allein in Deutschland im Kino gesehen. Link zum Trailer: hierOder: hier So, jetzt gibt es wieder Musik, und zwar von Brackwasser „Salz in deinen Augen“. Gefunden im Podsafe Music Network. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg29kurz.pdf
12 Minuten
Barbara hat mir eine Mail geschrieben. Sie reist im Juli nach Deutschland und möchte nicht als Touristin auffallen. Sie ist 50 Jahre alt und fragt, ob sie Jeans tragen kann, oder ob sie einen Rock anziehen soll. Ich finde es toll, dass sie sich über so etwas Gedanken macht! Also werde ich in dieser Folge über Kleidung sprechen. In der Umgangssprache kann man Kleidung auch Klamotten nennen. Früher gab es einen großen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland, was Kleidung angeht. Heute ist dieser Unterschied viel kleiner geworden. Überhaupt werden die Unterschiede immer kleiner, weil es in jeder Stadt die gleichen Geschäfte gibt. Der Grund dafür ist die Globalisierung – viele Läden sind Ladenketten. Also gibt es in jeder Stadt einen C&A, H&M, Benetton oder Esprit. Weil viele Deutsche ihre Kleidung über das Internet bestellen, sehen auch die meisten Deutschen ähnlich aus. Generell gibt es wenige Regeln, was die Kleidung angeht. Schuluniformen gibt es in Deutschland nicht, Kinder können anziehen, was sie wollen. Teenager tragen natürlich sehr modische Kleidung – die Jungs mögen Baggy Pants, momentan tragen alle auch wieder Chucks an ihren Füßen. Das sind diese Basketball-Schuhe von Converse. Auch Leggings sind wieder in Mode. Es sieht momentan alles so aus wie in den 80er-Jahren. Junge Erwachsene kleiden sich unterschiedlich, je nachdem ob sie auf dem Land wohnen oder in der Stadt. Es spielt auch eine Rolle, was sie beruflich machen. Wer im Büro arbeitet, trägt natürlich sehr offizielle Kleidung. Männer tragen einen Anzug, Frauen entweder einen Hosenanzug oder ein Kostüm (also ein Jackett und einen Rock). Zu Jackett kann man übrigens auch Blazer oder Sakko sagen. In den Großstädten sind viele Menschen modisch gekleidet. In Berlin sieht man viele sehr „schräge“ Outfits, die Frauen haben dort oft einen sehr individuellen, kreativen Stil. Ansonsten haben sehr viele Menschen einfach Jeans und T-Shirts an, das ist immer in Ordnung im Alltag. Ich kann aber sagen, was hier eher unüblich ist und was die Deutschen zum Beispiel von Amerikanern unterscheidet. Fangen wir an mit alten Menschen. In den USA haben viele alte Menschen Jeans an und tragen Baseball-Kappen. Das macht in Deutschland niemand. Alte deutsche Frauen – und damit meine ich Frauen ungefähr ab 75, tragen in den meisten Fällen Röcke. Junge Frauen seltener. Hosen sind praktischer, deswegen tragen viele junge Frauen Hosen. Mir fallen amerikanische Touristen oft dadurch auf, dass sie weiße Socken tragen. Tennissocken. Und dazu weiße Turnschuhe. Das macht kaum ein Deutscher. Hier trägt man eher dunkle Schuhe. Viele Touristen fallen auch durch ihre Taschen auf, oder durch ihre Fotoapparate. Und sie kaufen gerne Sweatshirts, wo groß „University of Harvard“ draufsteht oder „Hofbräuhaus München“. Aber das ist alles nicht schlimm. Was mich stört: Touristen benehmen sich oft sehr laut – das trifft aber auch auf Deutsche im Ausland zu. Mein Tipp daher: Jeans und T-Shirt ist tagsüber in Ordnung, im Sommer wenn es heiß ist auch gerne ein Kleid oder ein Rock. Aber auch dazu darf man bequeme Schuhe tragen, denn als Tourist in Deutschland muss man viel zu Fuß gehen. Der Sommer kann in Deutschland sehr wechselhaft sein. Mal ist es kalt und es regnet, dann scheint wieder die Sonne und es ist heiß. Daher empfehle ich allen Besuchern den so genannten Zwiebellook. Ein T-Shirt, einen Pullover, eine leichte Jacke und eventuell noch ein Regencape dabeihaben. Das ist das perfekte Touristenoutfit. So kann man auch in Museen gehen oder in Kirchen, und es ist kein Problem. Und immer dran denken: In Deutschland gibt es noch nicht so viele Gebäude mit Klimaanlage wie in den USA! Es kann also auch drinnen richtig warm werden. Einen Unterschied gibt es allerdings noch zwischen USA und Deutschland: Während es in Amerika niemanden stört, dass man in Bermuda-Shorts in ein Fünf-Sterne-Hotel geht, wäre das in Deutschland undenkbar. Wer hier in ein teures Hotel oder ein teures Restaurant geht, sollte sich entsprechend elegant und teuer kleiden. Ich finde es wichtig, dass man sich in seiner Kleidung wohl fühlt. Dann hat man eine selbstsichere Ausstrahlung und andere Menschen werden solch einen Touristen bestimmt sympathisch finden. Und falls Du gerne einkaufen gehst, liebe Barbara, dann geh doch in Deutschland shoppen und suche Dir typisch europäische Kleidung! Viel Spaß wünsche ich Dir auf Deiner Reise! Musik habe ich auch wieder mit dabei, und zwar diesmal von Simon Saiz das Stück „Echte Liebe – wenn der Mond lacht“ vom Podsafe Music Network. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg28kurz.pdf
12 Minuten
Robert hat gefragt, wie der typische Tag eines Deutschen aussieht. Das ist schwer zu sagen, aber ich werde es einmal versuchen! Der Tag beginnt für viele Deutsche erst einmal mit dem Wecker. Der läutet ziemlich früh, meist so gegen sieben Uhr. Dann wird geduscht, man zieht sich an. Weiter geht es mit einem Frühstück. Auf dem Tisch stehen Kaffee oder Tee, Müsli oder Brötchen mit Marmelade. Wer Zeit hat, liest noch ein wenig Zeitung oder hört Radio nebenbei, dann geht es entweder ins Auto oder in den Bus oder Zug. Damit fährt man in die Arbeit, und die meisten Deutschen fangen gegen acht Uhr an zu arbeiten. Natürlich gibt es Berufe, bei denen man später anfängt, zum Beispiel in den Medien. Auch die Geschäfte machen erst gegen zehn Uhr auf. Und natürlich gibt es auch Berufe, bei denen man früher anfangen muss – Bäckereien beispielsweise öffnen meist schon gegen sieben Uhr ihre Türen. Gearbeitet wird dann im Normalfall bis zwölf Uhr. Um zwölf Uhr ist Mittagszeit und man geht in eine Kantine, um etwas zu essen. Kantinen sind in großen Firmen Restaurants für die Mitarbeiter, die billiger sind als normale Restaurants. Oder man holt sich irgendwo einen Snack. Manche Menschen nehmen sich auch von zu Hause Essen mit. Die Mittagspause dauert eine halbe bis eine Stunde lang. Danach geht es weiter in der Arbeit, und um sechs Uhr abends haben viele Leute dann Feierabend und fahren nach Hause. Auch hier gibt es natürlich wieder Unterschiede, manche arbeiten auch bis spät nachts. Zum Alltag der meisten Deutschen gehört es auch, im Stau zu stehen. Denn weil viele Leute zur gleichen Zeit anfangen zu arbeiten, verstopfen die Autos die Straßen. Also braucht man viel Geduld. Dieses Problem haben natürlich jene Pendler nicht, die mit dem Zug oder dem Bus in die Arbeit fahren, aber auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind zu bestimmten Stoßzeiten völlig überfüllt. Abends wird in den meisten deutschen Familien eher kalt gegessen, also beispielsweise belegte Brote. Deswegen heißt das Abendessen im Deutschen auch Abendbrot. Manche Deutsche gehen gleich nach der Arbeit noch in ein Fitnessstudio oder machen draußen Sport, gehen beispielsweise Joggen oder Schwimmen. Um acht Uhr abends kommt dann die Tagesschau, die berühmteste deutsche Nachrichtensendung im Fernsehen. Viele Deutsche informieren sich so darüber, was während des Tages passiert ist. Und dann geht es nach ein bißchen Fernsehen auch schon ab ins Bett. Am Samstag erledigen viele Deutsche dann die Dinge, die sie während der Woche nicht geschafft haben. Da die Geschäfte um 20 Uhr schließen, also um acht Uhr abends, schaffen es viele Deutsche nicht, während der Woche beispielsweise zur Reinigung zu gehen. Das machen sie am Wochenende. Oder sie putzen das Auto, oder sie gehen einkaufen. Der Sonntag ist der klassische Familientag, man trifft Freunde oder Verwandte, isst Kuchen am Nachmittag und trinkt Kaffee, oder man macht einen Ausflug. Das war jetzt mal ein Standard-Tag, oder eine Standard-Woche. Aber es kann auch anders aussehen. Ich zum Beispiel bin Freiberufler, ich arbeite zu Hause und habe keine festen Arbeitszeiten. Das bedeutet, ich stehe erst zwischen acht und neun Uhr auf, erledige tagsüber den Haushalt und arbeite an verschiedenen Aufträgen. Abends koche ich, und dann gehe ich oft mit Freunden ins Kino. Oft arbeite ich danach noch weiter, manchmal bis drei Uhr früh. Auch am Wochenende arbeite ich oft, aber das stört mich nicht. Dafür kann ich flexibel sein und beispielsweise am Dienstag tagsüber auch mal ins Yoga gehen. Oder für Euch eine neue Folge Slow German machen... Der Song heißt heute "Bei eBay" und ist von "Ricky ganz allein". Gefunden habe ich ihn im Podsafemusicnetwork. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg27kurz.pdf