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Episoden

28 Minuten
Da forscht eine Frau nach ihrer 1885 ausgewanderten Ur-Großmutter und findet durch einen verrückten Zufall eine, von der alle dachten, die Nazis hätten sie und ihre gesamte Familie ermordet. In dieser Folge geht es darum, wie der Niedersächsische Ort Seelze und die aus ihrer Heimat vertriebene Seelzer Jüdin Ilse Grünewald Jahrzehnte nach ihrer Flucht wieder zusammenfanden. Mithilfe von Seelzerinnen und Seelzern erzählen wir, wie ein außergewöhnlicher Zufall die Geschichte der einzigen jüdischen Familie der Stadt neu schrieb – und welche Bedeutung das nicht nur für Seelze, sondern auch für unser Projekt EIN STÜCK DEUTSCHLAND hatte. Es ist eine Geschichte über überraschende Verbindungen über Kontinente hinweg, engagierte Erinnerungsarbeit, über Menschen, die dieses Gedenken bewahren wollen und über die, die sie zerstören wollen.
37 Minuten
In dieser Folge schauen wir uns mithilfe von Zeitzeugenberichten von SPD-Genossen Seelze in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre an. In zahlreichen Interviews aus den 1980er Jahren, die sie im Rahmen eines Projekts der Volkshochschule Seelze gegeben haben, beschreiben sie, wie die Nationalsozialisten vorgingen, um die Gesellschaft gefügig zu machen: mit Gewalt, Gesetzlosigkeit und Dreistigkeit. Einige der Zeitzeugen erinnerten sich auch an die Familie Willner und erzählen, wie einfache Bürger, die zuvor noch bei Emil Willner eingekauft und sich bei Geldknappheit hatten anschreiben lassen, in der sogenannten Pogromnacht dessen Laden kurz und klein schlugen. Die Berichte liegen uns als Transkripte von Tonbändern vor, die leider verschollen sind. Umso glücklicher können wir uns schätzen, dass auch für diese Podcastfolge wieder einige Kollegen vom NDR bereit waren, die wichtigen Zeitdokumente einzusprechen. Außerdem konnte die Autorin Corinna Below den Schauspieler Florian Lukas als Sprecher gewinnen, bekannt aus dem ZDF-Film „Rosenthal“, der Serie „Weißensee“, dem Kinoklassiker „Good Bye, Lenin!“ und dem Kultfilm „Absolute Giganten“. Zu seinem Engagement für EIN STÜCK DEUTSCHLAND sagt er: „Grundsätzlich interessiere ich mich für Geschichten, die schwer zu erschließen sind. Das Digitale macht es möglich, Erinnerungen, Dokumente und Erzählungen leichter zugänglich zu machen als früher. Das sind aber oft Projekte, bei denen sich ehrenamtliche Leute wirklich engagieren müssen – ohne sie läuft das nicht. Ich selbst habe dafür weder die Energie noch die Zeit. Deshalb bin ich total dankbar, wenn mich jemand anspricht und fragt, ob ich mich in meinem kleinen Metier daran beteiligen möchte. Deshalb war ich hier auch gerne dabei.“
29 Minuten
In Folge 64 erzählen wir nicht nur von Ilses Verhältnis zu ihrem Heimatland. Wir folgen auch weiter den Spuren ihres Bruders Berthold. Dafür tauche ich gemeinsam mit der Seelzer Stadtarchivarin Martina Krickel im Niedersächsischen Landesarchiv tief in die Akten ein. Was wir entdecken, ist erschreckend … Nach allem, was Ilse als junge Frau durch die nationalsozialistischen Deutschen erdulden musste, hat sie sich ihre Identität als Deutsche dennoch nicht nehmen lassen. 2004 sagt sie im Interview: „Ich habe mich sehr deutsch gefühlt.“ Und sie bleibt es bis zuletzt – etwa, wenn sie zu ihrem 102. Geburtstag das Gedicht eines deutschen Romantikers rezitiert. Wie sie das macht, kannst du dir auf ihrer Seite ansehen (ganz am Ende der Seite).
24 Minuten
In der zweiten ausführlichen Folge erzählt Ilse Grünewald von ihrer Ankunft im Exil, davon, wie sie und ihr Mann sich mit einem Freund eine kleine Wohnung teilen und improvisieren müssen, denn es gibt keine Küche und sie besitzen kaum etwas. Ilse ist hochschwanger, spricht kein Spanisch, und das junge Paar hat kein Geld. Am städtischen Krankenheus Rivadavia findet sie einen wohlwollenden Arzt, der sie unterstützt. Hier bringt Ilse bringt ihr erstes Kind zur Welt. Die ersten Jahre sind hart für die junge Familie. Helmut verdient zunächst nur wenig. Mit ihrer Tochter im Kinderwagen läuft sie von Haus zu Haus, um ihre Dienste als Wäscherin anzubieten. Mühsam und Schritt für Schritt bauen sie sich ein Leben im Exil auf. Nach dem Krieg erfährt Ilse, dass ihre Brüder von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Gemeinsam mit Martina Krickel, der Stadtarchivarin von Seelze, besucht die Autorin die Gedenkstätte Ahlem. Auf der „Wand der Namen“ finden sie den Namen von Ilses jüngerem Bruder Berthold.
32 Minuten
Sie ist 90 Jahre alt, als ich, Corinna Below, die Autorin von EIN STÜCK DEUTSCHLAND, Ilse Grünewald interviewe. Und das Erste, was sie sagt, das Erste, was ihr in den Kopf kommt, ist: „Ich kann vergeben, aber ich kann nicht vergessen.“ Dieser Satz ist gewichtig. Mit diesem Satz startet auch diese Folge. Geboren 1914 in Seelze, wächst sie dort zunächst unbeschwert auf – als jüdisches Kind von Eltern mit einem gut laufenden Weißwarengeschäft in einem Dorf bei Hannover. Die Familie Willner ist die einzige jüdische Familie in dem 3000-Seelen-Ort. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ändert sich alles für die junge Frau. Sie beschreibt, wie sie gedemütigt und drangsaliert wurden. Um ein genaueres Bild über diese Zeit zu erlangen, habe ich mich mit Menschen verabredet, die sich ebenfalls mit Ilse Grünewalds Leben und mit der Familie Willner befasst haben. Sie zeigen mir in Seelze die Orte, die für die Familie wichtig waren. Mit Originaltönen und neu erschlossenen Akten erzählen wir gemeinsam und im Gespräch mit dem EI STÜCK DEUTSCHLAND Co-Host Carsten Janz von Verlust, Demütigung und der Flucht 1938 – und davon, was Erinnerung bedeutet.
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Über diesen Podcast

"Wir können doch nichts dafür. Deutsch ist und bleibt unsere Muttersprache." In San Miguel, einem Ort nördlich von Buenos Aires, steht das Hogar Adolfo Hirsch, das Altenheim der Deutsch sprechenden Juden Argentiniens. Ungefähr 170 alte Menschen leben hier, inmitten eines großzügigen blühenden Parkgeländes. Alle sind Einwanderer der ersten Generation. Sie sind in Deutschland, Österreich oder Ungarn geboren und ihre Lebensgeschichten sind bis heute eng mit Deutschland verknüpft, mit dem Deutschland der Nazizeit. Wir haben 49 von ihnen besucht, um mehr über ihr Leben zu erfahren. Einige haben wir in ihren Zimmern aufgesucht, andere im Park getroffen oder in der Stadt. Hier erzählen 49 Männer und Frauen von ihrer Emigrationsgeschichte, ihrem Verhältnis zu Argentinien und ob sie je darüber nachgedacht haben, wieder in Deutschland zu leben. Die Initiatorin des Projektes, Corinna Below (Journalistin) spricht in diesem Podcast mit ihrem Freund und Kollegen Carsten Janz über die Schicksale der Vertriebenen. Dazu sind Gäste geladen, Experten aber auch Verwandte oder Zeitzeugen. Und auch aktuelle politische Entwicklungen werden hier besprochen. Gegen das Vergessen.
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„Ein Stück Deutschland - Der Podcast“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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