Börsen-Zeitung | Nachhaltiges Investieren

Börsen-Zeitung | Nachhaltiges Investieren

Episoden

Drei Antworten auf ESG-Datenlücken | Episode 111
05.03.2026
27 Minuten
Im Kreditgeschäft mit Unternehmen sind Banken in Deutschland nach Wahrnehmung von Holger Wußler, Partner Financial Services bei KPMG, mit erheblichen Datenlücken konfrontiert, vor allem, was den Kreditbestand angeht. Durch die Omnibus-Gesetze der EU, die viele mittelständische Unternehmen von Datenanforderungen befreien, dürfte es für die Banken sogar noch schwieriger werden. Zumal die Bankenaufsicht von den Instituten fordert, ein funktionierendes Risikomanagement zu betreiben. „Die Banken sind nicht aus der Verantwortung entlassen“, sagt Wußler im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Sie könnten nicht einfach Felder freilassen, nur weil Kreditkunden nicht genug über ihre CO2-Sensitivität oder ihren Gender Pay Gap wissen. Für Wußler gibt es aber eine Option, über die es sich lohnt nachzudenken, nämlich Plattformlösungen. Anschauungsunterricht gibt es in Österreich.
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Nachhaltige Investments zwischen Rheinmetall-Effekt und KI-Boom | Episode 110
19.02.2026
30 Minuten
Kostet Nachhaltigkeit im Portfolio Rendite? Die Fragen beschäftigt den Markt seit Jahren. „Was man grundsätzlich sagen kann ist: Das Versprechen, nachhaltiges Investieren kostet nichts, das ist intakt“, sagt Henrik Pontzen, Chief Sustainability Officer bei Union Investment, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Langfristig stifte nachhaltiges Investieren einen Vorteil, „weil eben langfristige Risiken besser und intensiver analysiert werden“ – auch wenn es kurzfristig zu Einbußen kommen kann. Für das zurückliegende Kapitalmarktjahr sieht er insbesondere in Deutschland einen Sondereffekt: „Die Dax-Performance im letzten Jahr war eine Rheinmetall-Performance, ganz überwiegend“, erklärt Pontzen. „Wer Reinmetall nicht im Portfolio hatte, weil er als nachhaltiger Investor beispielsweise Rüstungsaktien ausschließt, der hatte dann tatsächlich einen signifikanten Nachteil. Das mag um die 7 Prozentpunkte ausgemacht haben und das ist sehr, sehr viel.“ An den internationalen Kapitalmärkten hingegen war entscheidender, wie sich Investoren bei Themen wie Technologie, Software und Künstliche Intelligenz positioniert haben. Nachhaltige Fonds hätten „typischerweise ein Übergewicht in Tech-Werten“, konstatiert Pontzen. In der globalen Betrachtung schneide daher die nachhaltige Benchmark um gut 2 Prozentpunkte besser ab als die konventionelle. „Wenn im deutschen Investmentuniversum gilt: Nachhaltigkeit hat gekostet, und zwar viel, so gilt im viel relevanteren globalen Investmentuniversum: Nachhaltigkeit war förderlich, und zwar sehr.“ Chancen für nachhaltige Investments sieht er im Bereich Klima-Adaption. Dieser Sektor umfasst Technologien, die zur Anpassung an den Klimawandel benötigt werden – und deren Nutzen häufig individuell spürbar ist. Während es für einen einzelnen schwer erscheint, etwas gegen die globale Erwärmung auszurichten, ist der Erwerb einer Klimaanlage für heiße Tage einfach. „Es mag sein, dass wir keine Mehrheit finden, um die Welt zu retten“, sagt Pontzen. „Aber Menschenleben und sich selbst rettet man immer.“
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Das Sustainable Finance Cluster will wieder lauter werden | Episode 109
05.02.2026
29 Minuten
Es sind keine einfachen Zeiten für Sustainable Finance. „Das Thema ESG-Backlash begegnet einem fast an jedem Tag, und ich glaube, man kann das auch nicht negieren“, sagt Matthias Hübner, seit Oktober 2024 Geschäftsführer des Sustainable Finance Clusters Germany, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. „Das Momentum hat sich ein bisschen verändert, was auch dazu führt, dass es teilweise schwieriger ist, Leute wirklich als Speaker für ein Event zu gewinnen oder auf ein Panel zu holen, weil viele etwas leiser geworden sind, wenn sie über Sustainable Finance sprechen.“ Zwar seien viele Unterstützer leiser geworden, eine Abkehr von Sustainable-Finance-Themen sieht Hübner aber nicht. Er sieht eine Diskrepanz „zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und dem, was tatsächlich in den Instituten passiert – nicht nur bei den Finanzinstituten, sondern genauso auch auf der Corporate-Seite“. Viele Initiativen liefen weiter. Das Cluster versteht er „als Brückenbauer zwischen der Finanzwelt und den Unternehmen“. Dabei gehe es nicht um Lobbyarbeit, sondern um den offenen Austausch. Für den Finanzplatz Frankfurt kann Sustainable Finance eine Chance sein, ist Hübner überzeugt. Das Thema ist daher auch einer der Schwerpunkte in der Charta für den Finanzplatz Frankfurt, die im Herbst verabschiedet wurde. „Das Thema stand von Anfang an auf der Agenda“, betont Hübner. Es gebe die Überzeugung, dass es ein entscheidender Faktor sei im internationalen Wettstreit der Finanzplätze, um Talente, um Assets und um die Ansiedlung von ausländischen Instituten. Hübner wünscht sich, dass die Mitstreiter wieder etwas lauter werden, wenn es um Sustainable Finance geht. Durch Regulierung oder durch intrinsische Motivation erreiche man vielleicht 10% der Wirtschaftsakteure, schätzt er. Um die breite Masse zu überzeugen, brauche es überzeugende Business Cases. „Wenn wir wirklich einen Durchbruch erzielen möchten bei dem Thema Sustainable Finance, dann muss sich das Ganze auch lohnen für alle Beteiligten“, sagt Hübner. Das bedeute aber auch: „Es müssen auch die Unternehmen und die Banken bereit sein, über ihre Erfolgsbeispiele zu sprechen.“
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Wald als Assetklasse: Wo liegen die Risiken? | Episode 108
22.01.2026
27 Minuten
Bereits seit 2009 beschäftigt sich die Münchener Meag mit Waldinvestments. Damit zählt sie zu den ersten Assetmanagern, die sich das Thema näher angeschaut haben, sagt Jasper Renk, Senior Investment Manager Illiquid Assets Natural Capital bei Meag, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. In der Meag konzentriert sich die Vermögensverwaltung von Munich Re und Ergo. Die Zugehörigkeit zur Versicherungsgruppe hat auch für die Risikobewertung Vorteile, sagt Renk: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir mit den Climate Experts von Munich Re ein Team haben, was uns regelmäßig zur Verfügung steht, für die Abschätzung und vor allen Dingen auch die Bezifferung der Auswirkungen des Klimawandels in verschiedenen Szenarien.“ Der erste Schritt bei der projektbezogenen Due Diligence ist bei Meag die geographische Auswahl. Dabei fokussiert sich der Assetmanager auf entwickelte Länder. Diese punkten mit einer stabilen Infrastruktur, mit Rechtssicherheit beim Erwerb von Flächen sowie mit politischer und ökonomischer Stabilität. Risikofaktoren werden bei der Prüfung bestmöglich beziffert und einkalkuliert. Schäden durch Stürme, Feuer oder Borkenkäfer, die medial besonders präsent sind, sind aus Investorensicht dabei eher zweitrangig. „Bei einem global diversifizierten Waldportfolio einer gewissen Größe spielen solche Naturrisiken eigentlich eine eher untergeordnete Rolle“, sagt Renk. Bei kaum einer anderen Assetklasse gebe es „eine so große Diskrepanz zwischen empfundenen Risiken und echten Risiken“. Mittlerweile hat Meag rund 2 Mrd. Euro in Waldinvestments gesteckt. Die Konkurrenz um attraktive Flächen nimmt allerdings zu. Vor 20 Jahren habe man „fast immer das gleiche Bieterkonsortium“ gesehen, erinnert er sich. Doch mittlerweile entdecken immer mehr Neulinge die Assetklasse Wald für sich.
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Wie sich die Rolle von ESG-Ratings verändert | Episode 107
08.01.2026
31 Minuten
Ab Mitte 2026 gelten neue Regeln im Markt für ESG-Ratings. Erstmals übernimmt mit der ESMA eine Behörde die Aufsicht und Kontrolle über Nachhaltigkeitsratingagenturen im europäischen Raum. Die Regulierung soll für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der Ratings sorgen, etwa durch Offenlegung der Methoden, Datenquellen und Bewertungslogik. Vergleichbarkeit ist gewünscht – Vereinheitlichung hingegen nicht, betont Till Jung, Managing Director und Head of Sustainability Business bei dem Datendienstleister ISS Stoxx, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. „Es gab ja auch Bestrebungen, durch diese Regulierung die Methodik zu vereinheitlichen. Weil es immer Kritik gibt, dass Ratings im Nachhaltigkeitsbereich stark auseinandergehen, je nach Anbieter – wohingegen das doch so schön ist im Kreditrating-Bereich, da sind sich alle einig“, sagt Jung. „Aus meiner Sicht ist das eine etwas verkürzte Sichtweise, weil natürlich im Bereich Nachhaltigkeit auch viel mehr verschiedene Themen zu bewerten sind.“ Investoren müssten sich die unterschiedlichen Methoden anschauen und dann entscheiden, welche Gewichtung zu ihnen passt. Manchen sei beispielsweise die Bewertung kurzfristiger finanzieller Risiken wichtig, anderen die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt. „Es ist ganz wichtig, dass man einfach anerkennt, dass es unterschiedliche Anforderungen und Nachfragen im Markt gibt“, sagt Jung. In seiner Wahrnehmung hat sich die Rolle der Nachhaltigkeitsratings verändert. „Früher hatten viele Fondsmanager und Vermögensverwalter gar keine Expertenabteilungen zu dem Thema nachhaltiges Investment“, erinnert er sich. Ratings sollten in diesen Fällen die benötigten Daten liefern und Orientierung bieten. Mittlerweile ist bei vielen Fondsmanagern allerdings eigenes Expertenwissen vorhanden. Manche Vermögensverwalter haben eigene Abteilungen mit Dutzenden Analysten aufgebaut. Diese Kunden seien nicht an Basisinformationen interessiert, sondern benötigten detaillierte Daten und Branchen-Einblicke, um diese mit dem eigenen Research in Bezug zu setzen, erklärt Jung. Die Datenlage wird nach Jungs Eindruck „von Jahr zu Jahr besser“. Nachholbedarf sieht er beispielsweise noch bei der Erhebung von ESG-Daten entlang der Lieferkette. Doch er ist optimistisch, dass die Anzahl der berichteten Datenpunkte trotz Omnibus-Initiative zunehmen wird. „Es ist nicht so, dass das alles perfekt ist“, sagt Jung. „Aber es ist auch nicht so, dass man den Kopf in den Sand stecken muss.“
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Über diesen Podcast

Der Sustainable-Finance-Podcast der Börsen-Zeitung Wer definiert, was nachhaltig ist? Wo beginnt Greenwashing? Und wie müssen sich Investoren, Finanziers, Unternehmen und Dienstleister positionieren, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein? Diese Fragen beleuchtet „Nachhaltiges Investieren“, der Podcast der Börsen-Zeitung rund um Sustainable Finance, ESG-Investments, Nachhaltigkeitstransformation & Co. Wir sprechen mit Expertinnen und Experten, die etwas zu sagen haben. Unsere Gäste sind Professionals aus Fondsgesellschaften, Banken und Unternehmen, andere bringen ihre Perspektive als Wissenschaftler, Regulierer oder Dienstleister ein. In jeder Episode nehmen wir im Interview ein aktuelles Thema oder eine besondere Herausforderung in den Blick und sprechen über professionelle und persönliche Einschätzungen. Zum Abschluss liefert unser Newsblock einen Überblick über die wichtigsten Meldungen aus der Sustainable-Finance-Community. Nachhaltiges Investieren erscheint jeden zweiten Donnerstag, Redaktion: Sabine Reifenberger. Feedback und Fragen sind willkommen: podcast[at]boersen-zeitung[dot]de Sie interessieren sich für ein Sponsoring des Podcasts oder für die weiteren ESG-Produkte der Börsen-Zeitung? Dann tretet gern in den Austausch mit unserem Sales-Team. Eva Kammler: E.Kammler[at]boersen-zeitung[dot]de

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