Gäst*innen: Lena Maria Kesting, Doktorandin an der Ruhr-Universität Bochum (dritte Phase der Lehrer*innenbildung), langjährige Lehrkraft und Lernbegleiterin an der Heliosschule Köln · Judith Holle, Geschäftsführerin beWirken
Host: Petra Franke, System-Change-Team beWirken
Was würde sich ändern, wenn Zehntausende zusätzliche Lehrkräfte ins System kämen? Weniger, als viele denken. Zum Diskurspapier „Mehr als die Lehrkraft" sprechen Lena Maria Kesting und Judith Holle darüber, warum die Frage nicht „Wie viele Lehrkräfte?" lautet, sondern „Welche Rollen, Strukturen und Lernprozesse braucht gute Schule?". Lena bringt die Praxis- und Forschungsperspektive ein, Judith die der Organisationsentwicklung. Ein Gespräch über Rollendiversität, Lernarchitektur und den Weg von der Versorgungs- zur Wirkungssteuerung.
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Kernthema
Nicht mehr Personal in alten Strukturen, sondern andere Rollen, andere Lernformate und eine wirkungsorientierte Steuerung machen Schule zukunftsfähig.
Warum mehr Lehrkräfte allein nichts lösen
Neue Lehrkräfte werden in bestehende Strukturen eingenordet – ihre Kompetenzen (gerade bei Quereinsteiger*innen) kaum systematisch genutzt.
Mehr Personal in gleicher Struktur mildert Symptome, verändert die Frage der Wirksamkeit aber nicht.
Muss wirklich jede Person die Unterrichtsversorgung sicherstellen? Aufgaben lassen sich auf mehr Schultern verteilen.
Individuum und Struktur zusammendenken
Haltung und Kompetenz einzelner Menschen und die Strukturen bedingen einander – das eine ohne das andere verpufft.
Engagierte Einzelne zerschellen oft an Strukturen; neue Strukturen greifen nicht ohne passende Haltung.
Change gelingt nur, wenn beide Ebenen parallel bearbeitet werden.
Rollendiversität: Schule als Organisation denken
Andere Organisationen halten für ihren Kernprozess breite Rollenvielfalt vor – Schule besetzt fast alles mit Lehrkräften.
Recht, Organisationsentwicklung, IT, Sozialpädagogik laufen „nebenbei mit", oft ohne Zeit und Qualifikation.
Der Lernprozess ist der Kern der Schule – und braucht ein durchdachtes Rollengefüge.
Lernarchitektur statt einzelner Formate
Es reicht nicht, Fachunterricht in eine selbstgesteuerte Lernzeit umzuetikettieren.
Lernarchitektur meint das geplante Zusammenspiel vielfältiger Erfahrungsräume – mit Balance aus Autonomie und Struktur.
Wissensvermittlung tritt zurück zugunsten überfachlicher Kompetenzen; die Logik verschiebt sich zur Wissensaneignung.
Von der Versorgungs- zur Wirkungssteuerung
Das System steuert Unterrichtsversorgung (Input), nicht Wirkung (Outcome).
Nötig sind gesellschaftlich definierte Wirkungsziele – jenseits von Noten, inklusive Chancengerechtigkeit und Wohlbefinden.
Hebel Ausbildung: weg von der reinen Fächerlogik, erste und dritte Phase verzahnen, Unis für Praxispartner öffnen.
Was Mut macht
Diskurs und Entscheidungsträger*innen richten den Blick zunehmend auf Wirkung statt nur Versorgung.
Die „Bubble" wächst und erreicht immer mehr Akteur*innen, die wirksame Entscheidungen treffen können.
Forschung wird sichtbarer, Pionier*innen vernetzen sich – auf dem Weg zu einem Kipppunkt.
Zitat der Folge
„Wenn ich Lehrkraft bin, dann heißt das ich und mein Unterricht."— Judith Holle
Weiterführende Links & Ressourcen
Diskurspapier & Executive Summary „Mehr als die Lehrkraft": https://bewirken.org/rolle-der-lehrkraft/
Zukunftsforum Lernbegleitung: https://bewirken.org/zukunftsforum/
Podcast von Lena Maria Kesting „die lernbegleiterin feat. #insidePSE": https://open.spotify.com/show/7769FBUvHjJ7YEz1xIOOtZ
Lena Maria Kesting auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/lenamkesting/
Judith Holle auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/judith-holle-872494191/
Für wen ist diese Folge?
Für Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulaufsicht, Bildungspolitik, Lehrer*innenbildung und alle, die Schule strukturell weiterdenken wollen – über einzelnes Engagement und mehr Personal hinaus.
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