32 | Marek Krynski: «Die Street Parade ist immer noch eine Demo»

32 | Marek Krynski: «Die Street Parade ist immer noch eine Demo»

vor 2 Tagen
58 Minuten
0
0 0

Beschreibung

vor 2 Tagen

Eine Million Menschen tanzen jedes Jahr um das Zürcher Seebecken.
Angefangen hat es mit 1500 – und einem Kampf gegen das
Tanzverbot. Marek Krynski, Gründer der Street Parade, erzählt,
wie aus einer nächtlichen Eingebung die grösste Technoparade der
Welt wurde.





In dieser Folge von «Soltis Studiocast» erzählt der damalige
Mathematik- und Philosophiestudent, wie ihn 1991 ein MTV-Beitrag
über die Berliner Love Parade nicht mehr losliess, bis er mitten
in der Nacht aufwachte mit dem Gedanken: Das geht auch in Zürich.





Am 5. September 1992 zogen dann rund 1500 Menschen über die
Bahnhofstrasse, angemeldet als politische Demonstration gegen das
Tanzverbot. Heute kommen gegen eine Million. Krynski erinnert
sich an ein Zürich, in dem es «meistens gar nichts gab»: kaum
Clubs, kaum Orte, an denen man bis morgens tanzen konnte, wenig
Lebensfreude. Er erzählt, wie die Stadt 1994 die Bewilligung
verweigerte, weil Zürich angeblich zu klein für die Parade sei,
wie eine Medienkonferenz und öffentlicher Druck den Entscheid
kippten, und warum die erzwungene Verlegung ans Seebecken das
Beste war, was der Parade passieren konnte.





Host Christoph Soltmannowski war selbst in die Anfänge
involviert: Er gründete damals mit Gregory Zäch, Zeno Van Essel
und Peter Wolf das House- und Technomagazin Sputnik, verteilte
mit Marek am Voraben der ersten Parade Flyer, war einer der drei
Gründer des Vereins Street Parade und war lange Medienchef der
Parade. 2002 schrieb er ein Buch über die Street Parade.


Entsprechend persönlich fällt das Gespräch aus.





Zum Schluss geht es um Marek Krynskis aktuelles Anliegen: die
verbreitete Behauptung, Techno habe in Detroit angefangen, wie
sie zuletzt auch die Ausstellung im Landesmuseum vertrat. Für ihn
liegt der Ursprung woanders, beim Chicago House und beim
belgischen New Beat. Warum ihn diese Frage nicht loslässt? «Wir
müssen wissen, woher wir kommen, damit wir wissen, wohin wir
gehen sollen.»





5 wegweisende Songs, ausgesucht von Marek
Krynski


Für Marek Krynski ist «Jack Your Body» von Steve «Silk» Hurley
der Inbegriff von Chicago House: Wenn er nur ein Lied nennen
dürfte, dann dieses. Das Hi-Hat auf dem Offbeat macht für ihn den
Kern von House und Techno aus. Es war auch der Song, der ihn
selbst zu House brachte. Als Schüler hörte er ihn abends beim
Hausaufgabenmachen im «Black Music Special» auf DRS 3, einer
Sendung, die ihn sonst kaum interessierte. Nach dreissig Sekunden
drückte er die Aufnahmetaste seines Kassettengeräts, hörte das
Stück wieder und wieder und tanzte zum ersten Mal allein in
seinem Zimmer. Das, sagt er, sei die Magie von House Music.


https://www.youtube.com/watch?v=ZaHUK5GnDgE





… und ebenso wichtig für Marek:GTO – Pure (1990) – ein ganz
früher Techno-TitelWenn Marek nur einen Titel abspielen dürfte,
um zu erklären, was Techno ist, dann würde Marek GTO
– Pure (1990) abspielen.


https://www.youtube.com/watch?v=B30T7Ryo3mc





«The Sound of C» von Confetti's steht für ihn
exemplarisch für den belgischen New Beat: der schleppende Beat
und vor allem die Klänge. Chicago House fand er klanglich wenig
interessant, erst New Beat brachte die Sounds. Beides zusammen
ergibt für Krynski den Techno.


https://youtu.be/aV69I6-2G0o?si=lEnLaJM0XEvtIoB8





An «Higher Destiny» von Rhythm Device
faszinierte ihn der erste bewusste Einsatz des Samplers: Je
nachdem, wie hoch oder tief man ein Sample spielt, wird es
schneller oder langsamer, was einen ganz eigenen Groove erzeugt.
Dahinter steckt Frank De Wulf, für Krynski ein zentraler Name des
Techno, gerade wegen seiner B-Seiten.


https://www.youtube.com/watch?v=b0oVaCn6U24





«People Are People» von Depeche Mode wählte er
als Beispiel für den «alten Techno» der frühen Achtziger. Er habe
einmal versucht, den Takt zu zählen, und sei gescheitert: Bei
House ist das Eins-zwei-drei-vier völlig klar, hier nicht. Sein
Punkt: Im frühen Techno war die Rhythmik nicht zentral. Die kam
erst mit Chicago House, als Energie fürs Tanzen.


https://www.youtube.com/watch?v=MzGnX-MbYE4
15
15
Episode teilen
32 | Marek Krynski: «Die Street Parade ist immer noch eine Demo»
32 | Marek Krynski: «Die Street Parade ist immer noch eine Demo»

Close