Auf der Suche nach der perfekten Partnerin (Podcast)

Auf der Suche nach der perfekten Partnerin (Podcast)

vor 15 Stunden
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Nimm dein Leben endlich selbst in die Hand! Geschichten, Erkenntnisse und Erfahrungen über Identität, Familie, Unternehmer sein, Lebensstil und finanzielle Freiheit. Für alle, die selbstbestimmt leben wollen.

Beschreibung

vor 15 Stunden

Ich hetze mit schnellen Schritten zum Bahnhof. Mein Herz rast vor
Aufregung. Meine Gedanken überschlagen sich. Mir ist unfassbar
heiß. Ob ich die S-Bahn noch erwischen werde?


Aber ich möchte nirgendwo hin. Ich hole jemanden ab. Auch wenn
der Anlass kein angenehmer ist. Meine Freundin Amélie kehrt
gerade mit dem Zug von ihren Eltern zurück. Ich selbst war gerade
noch im Büro in eine Aufgabe vertieft. Amélie fragte mich ein
paar Stunden zuvor, ob ich sie vom Berliner Hauptbahnhof abholen
könne. Ich verwies auf meine Aufgabe und den Umstand, dass sie
vom Hauptbahnhof direkt mit der S-Bahn in 20 Minuten durchfahren
kann, anstatt dass ich mich eine Stunde lang mit dem Auto durch
den Verkehr quälen und meine Aufgabe unterbrechen muss.


Ein schwerer Fehler, dessen Auswirkungen mir in diesem Moment
noch nicht bewusst sind. Es ist in Amélies Erinnerung das erste
Mal in zwei Jahren, dass ich sie nicht persönlich irgendwo
abholen werde. Das löst etwas in ihr aus. Ihre ganze
Persönlichkeit dreht sich um 180 Grad.


Nach meiner Absage ist ihr Handy aus. Meine Nachrichten und
Anrufe gehen nicht mehr durch. Und in mir steigt Panik auf. Habe
ich etwas falsch gemacht? Kann es wirklich so schlimm sein, dass
ich sie einmal nicht abhole? Und wenn ja, muss ich dafür mit
Ghosting bestraft werden? Ich breche meine Aufgabe ab und eile
zum Bahnhof.


Mein großes Problem damals:


Ich möchte gefallen. Ich möchte alles richtig machen. Ich möchte
die Beziehung nicht gefährden.


Aber was ist das überhaupt für eine Beziehung, wenn jede
Handlung, die nicht den Erwartungen meines Gegenübers entspricht,
das Fundament ins Wanken bringt?


Doch ich kenne es in meinen Beziehungen (noch) nicht anders. Bei
meiner ersten Freundin Lena durfte ich bestimmten anderen Mädchen
nicht hallo sagen, mit ihnen Nachrichten schreiben oder mich in
meiner Freizeit in ihrer Nähe aufhalten. Sonst drohte Ärger. Und
ich habe brav gemacht, was sie mir sagte, denn ich wollte keinen
Ärger bekommen.


Ich fühlte mich in meinen Beziehungen immer eingesperrt und blieb
doch lieber in diesem Gefängnis. Immer und immer wieder.
Irgendwann konnte ich die vielen Frauen nicht mehr voneinander
unterscheiden. Namen und Aussehen waren unterschiedlich. Aber ihr
Verhalten war immer gleich. Mein Verhalten, wie ich darauf
reagierte, war immer gleich. Das immer gleiche Theaterstück in
ständiger Dauerschleife, nur mit wechselnden Darstellern.


So verfalle ich über die Jahre wieder und wieder demselben
Muster. Wunderschöne Frauen, äußerlich perfekt. Der Beginn einer
jeden Beziehung ist ein Rausch, der mit keiner Droge zu erreichen
ist. Ein Feuerwerk des Glücks. Das Ende ist jedes Mal so
schmerzhaft, dass ich es wochen- oder monatelang hinauszögern
muss. So lange, bis ich es körperlich nicht mehr aushalte. Der
größte und längste Kater meines Lebens.


Alle diese Frauen sind innerlich zerfressen von Selbstzweifeln
und Mangelgefühlen.


So, wie auch ich.


Nichts war gut genug. Mein Verhalten war nie gut genug. Ich war
nie gut genug. Dieses bekannte Gefühl hielt mich in diesen
Beziehungen, in denen ich nicht sein wollte, aber mit meinem
damaligen Ich perfekt aufgehoben war. Es entstand eine Symbiose
zwischen mir und all diesen Frauen, die erschreckend perfekt war.
Es war genau das Gefühl, das ich schon in der Kindheit mit meiner
Mutter durchlebt hatte.


Ich nenne es Verhaltenskonditionierung durch
Liebesentzug.


In der Hoffnung, irgendwann den Mangel an Liebe, Zuneigung und
Aufmerksamkeit doch noch aufzuholen. Aber nur, wenn ich mich so
wie gewünscht verhalte und den Anweisungen der Frauen ohne
Widerrede folge.


Ich erreiche völlig außer Atem die S-Bahn. Als sie stoppt, sehe
ich Amélie hinter der Tür, doch ihr Gesicht erkenne ich nicht
wieder. Sie zeigt ein neues Gesicht, das bisher nicht zum
Vorschein kam. Ich nenne es das hässliche Gesicht. Es soll mir
zeigen, dass ich einen Fehler gemacht habe und dass es viel
Wiedergutmachung brauchen wird, damit dieses Gesicht wieder dort
verschwindet, wo es hergekommen ist. Es soll mir eine Lehre sein,
es nicht wieder durch Fehlverhalten zum Vorschein zu bringen.


Amélie geht wort- und grußlos an mir vorbei. So, als ob wir uns
noch nie gesehen hätten. Dabei teilen wir ein Bett. Mit schnellen
Schritten geht sie voran. Ich komme nicht hinterher. Alle Worte,
die ich ihr nachrufe, prallen an ihr ab und verhallen im Nichts.
Es ist zwecklos. Reden ist zwecklos. Ich habe keine Chance. Ich
habe die Büchse der Pandora geöffnet und kann den Deckel nicht
mehr finden.


Willkommen in meinem früheren Beziehungsleben.


Doch wie habe ich doch noch einen Weg gefunden, eine Familie mit
einer Frau und zwei Kindern aufzubauen, in der es solche
Situationen nicht gibt? Eine Beziehung, in der ich alles
aussprechen kann, was mich innerlich bewegt? In der ich alles
machen kann, was ich möchte? In der ich ich selbst sein darf?


Und vor allem: In der ich auch Fehler machen darf, ohne dafür mit
Liebesentzug bestraft zu werden.


Genau über diesen Weg schreibe ich in diesem Brief.


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