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Beschreibung
vor 5 Tagen
„Teams werden zeremoniemüde." „Unsere Retros sind nichtssagend."
Zwei O-Töne aus meiner Umfrage. Und dann kommt der Reflex, auf
den ich früher selbst reingefallen bin: Dann brauchen wir halt
ein neues Retro-Format!
Nein. Braucht Ihr nicht.
Vor Jahren habe ich in Polen einen Vortrag voller kreativer
Retro-Ideen gehalten. Danach kam Bob Marshall auf mich zu und
sagte: „You're doing the wrong thing righter." Der Satz hat
gesessen — und er ist der Kern dieser Folge.
Worum es geht:
Warum ein neues Format nur Kosmetik ist: Du kannst dieselbe
folgenlose Sitzung in zehn Formaten abhalten. Sie bleibt
folgenlos.
Meine Arzt-Analogie: Wenn er Dir jedes Mal nur die Symptome
beschreibt, aber nie behandelt — irgendwann wechselst Du den
Arzt.
Was Teams wirklich müde macht: Es passiert nichts. Es darf
nichts passieren. Es ist nicht sicher, ehrlich zu sein. Oder es
ist schlicht die falsche Zeremonie — manchmal braucht es keine
Retro, sondern eine Entscheidung von oben.
Die konsequenzlose Organisation: Warum nicht nur Retros,
sondern auch Planning, Review und Daily für den Eimer sind, wenn
nichts folgt.
Und ja, ich habe ein ganzes Buch über Retros geschrieben —
und sage Dir trotzdem: Manche Retro gehört abgeschafft, nicht
verbessert.
Was tatsächlich wirkt:
Eine Retro endet nie ohne mindestens eine Veränderung — mit
Hypothese, Verantwortlichem, Datum und sichtbar am Board. Lieber
eine, die passiert, als fünf, die keiner verfolgt.
Harte Timeboxen gegen endloses Gelaber (z. B. 20 Minuten für
die Insights-Phase) — nur so bleibt Zeit für echte Maßnahmen.
Die Frage tauschen: nicht „was lief gut?", sondern „was
ändern wir konkret, bis wann?"
Jede Retro startet mit dem Check der letzten Maßnahme. Nicht
umgesetzt? Dann ist genau das Dein Thema. Retros hängen zusammen
— startet nicht jedes Mal auf der grünen Wiese.
Themen jenseits der Teamgrenze eskalieren — Stichwort Circle
of Influence.
Retro-Pause ist erlaubt: Nutz die Zeit für Teambuilding,
statt Theater zu spielen.
Für Führungskräfte: Deine Rolle ist nicht mitreden, sondern
liefern. Retros sind Bestellungen bei Dir. Eine Veränderung,
sichtbar durchgezogen, ist Gold wert — dann verschwindet die
Müdigkeit von selbst. Und wenn nach fünf Retros nichts umgesetzt
wurde: Dann ist nicht das Team müde. Dann bist Du das Problem.
Mein Fazit: Agilität löst keine Probleme. Sie macht sie sichtbar.
Lösen musst Du sie selbst.
Erwähnt in der Folge:
„Retrospektiven in der Praxis", 2. Auflage — alle Formate,
viel Handwerk, plus der Umgang mit schwierigen Retros. Überall,
wo es Bücher gibt.
Probleme mit Deinem Chef bei der Umsetzung? Melde Dich, wir
schauen gemeinsam drauf: marcloeffler.eu
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