Dr. Ulrich Sautter – Der Monolith unter den Weinpublizisten

Dr. Ulrich Sautter – Der Monolith unter den Weinpublizisten

vor 3 Tagen
Der Maßstab, die Seele, die zuhörende Weininstanz
2 Stunden 45 Minuten
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Die interessantesten Weinkellner unserer Zeit

Beschreibung

vor 3 Tagen
Wenn Du mit Dr. Ulrich Sautter sprichst, brauchst Du noch nicht
einmal ganz genau hinzuhören und merkst doch sofort: Nicht wie,
sondern das, was er sagt, ist groß, ist besonders, hat Gewicht und
hat eine erfahrene Tiefe. Natürlich ist er der Wein-Chefredakteur
des Falstaff, und doch ist er mehr. Er ist einer jener seltenen
Menschen, die den Raum verändern, noch bevor sie ein Wort
gesprochen haben. Nicht durch Lautstärke, nicht durch Macht und
schon gar nicht durch jene billige Form von Aufmerksamkeit, die
heute oft mit Bedeutung verwechselt wird. Sondern durch etwas
wesentlich Seltenes: Gewicht. Schon wenn Du dieses Gespräch hier
hörst oder wenn Du ihm zum ersten Mal begegnest, bemerkst Du oft
zunächst gar nicht, weshalb er Eindruck hinterlässt. Es fehlt jede
offensichtliche Erklärung. Kein übertriebener Charme. Keine
einstudierte Eloquenz. Keine kalkulierte Originalität. Und doch
bleibt nach einer Begegnung das Gefühl zurück, etwas Substanzielles
berührt zu haben. Etwas, das nicht für den Augenblick geschaffen
wurde. Vielleicht liegt es daran, dass er aus einer anderen Zeit zu
stammen scheint. Nicht als Museumsstück, sondern als Archivar einer
Epoche, in der Menschen wussten, dass Charakter wichtiger sei als
Selbstdarstellung. Heute wird vieles produziert. Meinungen.
Empörungen. Karrieren. Persönlichkeiten. Alles erscheint verfügbar,
bearbeitbar und vermarktbar. Doch Dr. Ulrich Sautter wirkt seltsam
unberührt von dieser Entwicklung. Als hätte er irgendwann
beschlossen, dass Integrität ein besseres Geschäftsmodell sei als
Aufmerksamkeit. Eine riskante Entscheidung. Aber offenbar eine
erfolgreiche. Und eigentlich definiert es sich leicht, denn Ulrich
definiert eine andere Form von Autorität. Eine, die nicht
beansprucht werden muss. Sie wird einfach wahrgenommen. Wie ein
Gebirge. Niemand diskutiert ernsthaft mit einem Gebirge. Du kannst
es mögen oder nicht mögen, seine Existenz bleibt davon vollkommen
unberührt. Eine Gemütsstärke, die wahrscheinlich aus der Zeit
resultierenden Erfahrung erwuchs. Dadurch definiert er seine ganz
eigene Perspektive. Wenn Du lange genug die Weinszene begleitest,
erkennst Du, dass die meisten Revolutionen irgendwann zu
Traditionen werden und die meisten Gewissheiten später als Irrtümer
enden. Er sieht die Dinge gelassener, aber auf keinen Fall
gelangweilt, sondern zugleich lebendig interessiert. Und nicht
zuletzt definiert sich Uli über seinen ihm eigenen überraschenden
Humor. Keinen lauten Humor. Keinen Humor für Bühnen. Sondern jene
trockene, präzise Form der Komik, die aus Erfahrung entsteht. Wenn
Du lange genug Menschen beobachtest, erkennst Du irgendwann die
Absurditäten des Lebens mit einer Gelassenheit, die zugleich
freundlich und gnadenlos wirkt. Woher diese Gelassenheit rührt?
Wahrscheinlich aus einer seiner größten Stärken, denn Ulrich
Sautter kann eines und das besonders gut: zuhören. Eine beinahe
ausgestorbene Kunst. Besonders in Milieus wie dem unseren und
Professionen wie der seinen, die vom Reden leben. Doch genau darin
liegt ein Teil seiner Anziehungskraft. Menschen fühlen sich in
seiner Gegenwart oft erstaunlich ernst genommen. Nicht weil er
ihnen zustimmt. Sondern weil er tatsächlich zuhört. Es gibt einen
fundamentalen Unterschied zwischen Warten und Zuhören. Die meisten
warten lediglich auf ihren Einsatz. Ulrich hört zu. Und vielleicht
ist genau das der Grund, weshalb er so glaubwürdig ist. Nicht wegen
seiner Antworten. Wegen seiner Aufmerksamkeit. In einer Welt voller
Sender wird ein guter Empfänger und Reflektor zur Rarität. Eine
Autorität ohne Inszenierung und gerade deshalb von unschätzbarem
Wert.

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