Genug gesagt?

Genug gesagt?

vor 2 Tagen
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Beschreibung

vor 2 Tagen

Ich denke über ein Thema immer wieder nach:


Die Worte.


Oder vielleicht noch genauer: Unsere Gespräche.


Denn ich frage mich manchmal, ob wir eigentlich zu viele Worte
brauchen. Um etwas zu erklären. Um unsere Gedanken mitzuteilen.
Um andere zu begeistern. Um verstanden zu werden.


Und gleichzeitig frage ich mich: Können wir uns überhaupt so
viele Worte merken? Wenn ich an Gespräche zurückdenke, erinnere
ich mich selten an alles, was gesagt wurde. Was bleibt, sind
meistens einzelne Sätze. Ein Gefühl. Eine Geschichte. Oder die
Art, wie mir jemand begegnet ist.


Und genau deshalb beschäftigt mich dieses Thema.


Worte sind etwas Besonderes.


Sie können verbinden.


Sie können berühren.


Sie können inspirieren.


Sie können trösten.


Sie können aber auch ermüden.


Und ich glaube, wir alle kennen solche Gespräche. Gespräche, nach
denen wir uns genährt fühlen. Und andere, nach denen wir müde
sind.


Ich kenne beides. Ich liebe Kommunikation. Ich spreche gerne. Ich
höre gerne zu. Ich interessiere mich für Menschen und ihre
Geschichten.


Und wenn mich etwas begeistert, dann könnte ich manchmal reden
und reden und reden.


Dann möchte ich alles erzählen. Jeden Gedanken teilen. Andere
mitnehmen in meine Freude.


Vielleicht kennt ihr das auch. Wenn etwas in euch lebendig ist
und ihr es kaum erwarten könnt, davon zu erzählen.


Ich finde Begeisterung wunderschön.


Und trotzdem beobachte ich bei mir immer öfter die Frage:


Wann ist es genug? Wann habe ich das Wesentliche gesagt? Wann
darf ein Gedanke einfach stehen bleiben?


 


Ohne weitere Erklärung.


Ohne noch ein Beispiel.


Ohne noch einen Nachsatz.


Dann gibt es da aber auch Gespräche, in denen ich das Gefühl
habe, ich müsse jedes Wort aus der Nase ziehen. Ich stelle eine
Frage. Dann noch eine. Und noch eine. Und irgendwie kommt kein
richtiger Fluss zustande.


Das kann auch sehr anstrengend sein. Manchmal sogar anstrengender
als jemand, der begeistert erzählt. Also für mich zumindest. Mir
fällt es schwer, diese Person zu spüren, zu lesen.


Denn Kommunikation lebt für mich von Bewegung. Von einem Geben
und Nehmen. Von Interesse auf beiden Seiten. Von Neugier. Von
Begegnung.


Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem
Schluss:


Es geht wahrscheinlich gar nicht um viele oder wenige Worte. Es
geht um etwas anderes. Nämlich um das Gefühl:


Von Verbindung.


Von Präsenz.


Von Echtheit.


Denn ich habe Menschen erlebt, die sehr wenig sprechen oder sehr
auf ihre Worte achten und mich das tief berühren kann.


Und ich habe Menschen erlebt, die lange erzählen und denen ich
stundenlang zuhören könnte.


Weil ich spüre:


Da ist etwas Echtes.


Da spricht jemand aus Erfahrung.


Da möchte jemand nicht beeindrucken.


Sondern teilen.


Vielleicht liegt genau darin etwas Wesentliches.


Nicht jedes Gespräch muss perfekt sein.


Nicht jede Pause muss gefüllt werden.


Nicht jeder Gedanke muss ausgesprochen werden.


Manchmal liegt die Kraft sogar in der Stille. In einem Moment des
Nachspürens. In einem Blick. In einem kurzen Satz oder in einem
einzigen Wort.


Ich glaube, wir erinnern uns viel weniger an die Menge der Worte.
Wir erinnern uns daran, wie wir uns in einem Gespräch gefühlt
haben.


Gesehen.


Gehört.


Verstanden.


Oder eben nicht.


Wenn Worte wie Brücken sind, die uns helfen einander zu begegnen.
Doch die eigentliche Begegnung findet nicht in den Worten statt.
Sondern auch und zwischen ihnen. Dort, wo echtes Interesse
entsteht.


Wo jemand wirklich zuhört. Wo jemand wirklich da ist.


Und so bleibt für mich am Ende dieser Folge keine Antwort.


Sondern eher eine Frage.


Wie ist das bei dir? Welche Gespräche nähren dich? Welche
Menschen hörst du gerne sprechen? Und woran merkst du, dass ein
Gespräch beginnt zu fliessen?


Danke, dass du mir zugehört hast.


Und bis zum nächsten Mal bei Bündner-Herz – ehrlich unterwegs.
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