Beschreibung
vor 1 Tag
Der deutsche Beratungsmarkt ist 2025 ins Stocken geraten. 49
Milliarden Euro Umsatz, nur 0,5 Prozent Plus. Für 2026 erwartet
die Branche einen Aufschwung, getragen vor allem von Künstlicher
Intelligenz mit plus 22 Prozent. Boston Consulting hat fünf
Milliarden Dollar in KI investiert und nennt das selbst die
größte Transformation der eigenen 60-jährigen Geschichte. Die
klassische Organisations- und Prozessberatung wächst nur um 3,5
Prozent.
Diese Episode richtet den Blick auf jenes Feld: die
Organisationsentwicklung, kurz OE. Sie unterscheidet sich
grundlegend von der klassischen Unternehmensberatung. OE fragt
offen, welche Veränderungen in dieser konkreten Organisation
sinnvoll sind. Die Antwort soll von innen kommen.
Die Managementberatung funktioniert andersherum. Ein Vorstand
kauft eine Lösung ein. Die Beratung kommt mit fertigen Frameworks
und Best Practices, oft das Best-of, das gerade gehypt wird. Die
Ökonomin Mariana Mazzucato hat das in „Die große Consulting-Show"
zugespitzt: Ein Geschäftsmodell, das Lösungen verkaufen muss,
kann nicht ergebnisoffen prüfen, ob überhaupt eine gebraucht
wird.
In der Theorie ist OE eine sympathische Haltung. In der Praxis
hat sie ihre eigenen Tücken. Beteiligung als
Manipulationstechnik. Workshops als Nebelkerze. Wessen Brot ich
ess, dessen Lied ich sing. So entsteht die Alibi-OE: engagiert,
um den Anschein von Veränderungsbereitschaft zu erwecken. David
Graeber würde solche Organisationsentwickler als Flickschuster
bezeichnen.
Die nachhaltigsten Veränderungen entstehen ohnehin woanders,
dort, wo Menschen sich selbst als handlungsfähige Subjekte
behandeln. Am 4. und 5. Juni ruft ver.di erneut bundesweit zum
Streik im Handel. Genau dort knüpft die humanistische
OE-Tradition seit Kurt Lewin im Kern an.
Erwähnte Personen: Mariana Mazzucato, David
Graeber, Kurt Lewin
Schreib mir: mail@robin-taylor.de
Mehr Infos: www.robin-taylor.de
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