Fußballweltmeisterschaft – nur für die Reichen | Von Hermann Ploppa

Fußballweltmeisterschaft – nur für die Reichen | Von Hermann Ploppa

vor 1 Monat
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Beschreibung

vor 1 Monat

Die Wut und Verbitterung unter den Fußballfans ist
gewaltig. Wer nicht viel Geld hat und wer nicht der weißen Rasse
angehört, kommt nicht in die Stadien in den USA. Die klassischen
Fans sind praktisch enteignet.


Ein Standpunkt von Hermann Ploppa.


Die Vorfreude auf die Fußballweltmeisterschaft in den drei
Ländern USA, Mexiko und Kanada ist bei den europäischen Fans
stark eingeschränkt.


Da ist natürlich bereits zu beklagen, dass die Spiele nach
europäischer Zeit wegen der kontinentalen Zeitverschiebung bei
uns nur mitten in der Nacht live zu verfolgen sind. Das gab es
früher natürlich auch schon, wenn die Spiele wieder mal in
Lateinamerika ausgetragen wurden. Nun gibt es aber richtige
hardcore-Fußballfans, die ihr Erspartes anpacken, um ihre
Mannschaft direkt im Stadion zu unterstützen.


Und dieser harte Kern der Sportfans ist jetzt stinkesauer. Es hat
sich nämlich herausgestellt, dass die Eintrittskarten für
das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Curacao in Houston/Texas
bis zu 430 Euro kosten. Bei den nächsten Spielen sind dann aber
schon 230 bis 600 Euro zu berappen. Wer sich womöglich das Finale
in New Jersey anschauen will, zahlt 3.500 bis 7.500 Euro für eine
Eintrittskarte. Das sind die von der FIFA festgelegten
Mindestpreise (1). Clevere Zeitgenossen kaufen sich eine Karte
und spekulieren auf den Profit beim Wiederverkauf. Den Vogel
abgeschossen hat dabei ein Angebot für ein Ticket im Finalspiel
für 11 Millionen Dollar (2). Ob sich tatsächlich jemand findet,
der für 90 Minuten Nervenkitzel ein solches Vermögen verbrennt,
wissen wir noch nicht. Die FIFA hat für diese obszönen
Spekulationsgeschäfte ein eigenes Portal eingerichtet und sahnt
saftige Vermittlungsgebühren ab.


Aber auch andere Geier warten bereits vor Ort auf ihre Opfer. Die
Zugfahrt vom Flughafen oder vom Bahnhof zum Fußballstadion kostet
bisweilen 180 Dollar. Wer lieber mit dem Mietwagen kommt, bezahlt
für zwei Stunden Parken 225 Dollar (3). Ein halber Liter Bier im
Plastikbecher kostet im Stadion zwölf Dollar (4). Man muss
natürlich auch irgendwo übernachten. Vermutlich ebenfalls nicht
zum Normaltarif.


All das verbittert die Fußballfans extrem. Viele bleiben diesmal
zu Hause. Oder sagen wir besser: müssen zu Hause bleiben. Die
internationale Interessenvertretung der Fußballfreaks, nämlich
die Football Supporters Europe, äußerte in einem Brief an die
Öffentlichkeit ihr „Entsetzen“. Diese Halsabschneiderei sei ein
„ungeheurer Verrat an der Tradition der Weltmeisterschaft und
ignoriert den Beitrag der Fans zu diesem Spektakel" (5). Die FIFA
hat sich völlig abgekoppelt von ihrer Basis und ist zu einem
Geldstaubsauger verkommen. Die FIFA hat in den letzten drei
Jahrzehnten schwere Korruptionsskandale durchlebt. Es gab keine
Reinigung. Nach kurzen Schockphasen der Neubesinnung ging das
Geldscheffeln immer wieder munter weiter. Man weiß heute mit
hoher Gewissheit, dass die Entscheidung für das Scheichtum Katar
als Austragungsort der letzten WM im Jahre 2022 nur möglich war
durch gigantische Bestechungsgelder an FIFA-Delegierte. Im Jahre
2015 war sogar mal die Polizei bei der FIFA und nahm einige ihrer
Leitfiguren in Handschellen mit. Bestraft wurde indes nie
irgendein Fußballfunktionär. Es gab immer wieder Freisprüche.


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