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Beschreibung
vor 6 Tagen
Lässt man sich auf die Gegenwart ein, kommt man nicht umhin, eine
Form der allgemeinen Kopflosigkeit zu diagnostizieren (die der
Psychoanalytiker Sam Vaknin mit der wunderbaren Bemerkung
quittiert hat, er sei ein Zeitgenosse Shakespeares). Und weil die
Verwirrung Programm ist (fair is foul and foul is fair), war dies
ein Grund, mit dem Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli ins
Gespräch zu treten, der für die Gegenwart eine Art Thanatos-Trieb
diagnostiziert und seiner Diagnose den Buchtitel „Kopflos“
gegeben hat. Nun ist Bonelli alles andere als ein zeitvergessener
Kulturkritiker, sondern, als Bewohner der
Aufmerksamkeitsökonomie, ein Zeitgenosse, der einen höchst
erfolgreichen YouTube-Kanal initiiert hat. Mag sein, dass ihn
dies für bestimmte Phänomene der Gegenwart – vom digitalen
Geschwindigkeitsrausch bis zum moralischen Großspurigkeitstumor –
sensibilisiert hat, so wie er auch in Gestalt seiner Patienten
eine Zeitenwende feststellt. Letztlich aber überrascht Bonelli,
als tiefer Optimist, mit einem DDR-Vergleich: Wie dort nach 70
Jahren die Wahrheit durchbrach, werde auch unsere Vernunft wieder
siegen.
Raphael M. Bonelli, der seine Karriere als Neurowissenschaftler
begonnen hat (und zur Arzneimitteltherapie von Chorea Huntington
publiziert hat), ist seit geraumer Zeit als Psychiater und
systemischer Therapeut in Wien tätig. Neben der Arbeit mit seinen
Patienten hat er die Zeit gefunden, seine Gedanken in höchst
erfolgreichen Büchern niederzulegen.
Raphael M. Bonelli hat u.a. veröffentlicht
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