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Beschreibung
vor 3 Wochen
Stellen Sie sich vor, Sie stehen im einundzwanzigsten Jahrhundert
in einem großen, fast unermesslichen Raum. Über Ihnen schwebt
eine Kuppel, die seit fast fünfzehnhundert Jahren steht. Vier
riesige Medaillons hängen an den Pfeilern. Hinter ihnen, halb
sichtbar, schaut die Mutter Gottes auf den Raum hinunter. Sie
stehen in der Hagia Sophia. Was Sie sehen, ist nicht ein Gebäude.
Es sind die Schichten von vierzehn Jahrhunderten,
übereinandergelegt wie geologische Schichten, jede sichtbar,
keine vollständig erkennbar.
In dieser letzten Folge unserer Reihe verlassen wir die
Chronologie und fragen, was vom Byzantinischen Reich heute
weiterlebt. Wir sehen uns die Architektur der Hagia Sophia an —
die Erfindung der Pendentifkuppel, die alle orthodoxen Kirchen
und großen osmanischen Moscheen geprägt hat. Wir betrachten die
Ikone als Fenster, die östliche Bildtheologie, die so anders ist
als die westliche. Wir verfolgen das Schisma von 1054 in seiner
ganzen Tiefe — die Sprache, das Filioque, das Brot, der Papst,
die Plünderung 1204, die Florentiner Union, die Aufhebung 1965,
die Entschuldigung 2001. Wir hören die griechische Sprache, die
ohne Bruch von Aristoteles bis heute lebt, und die byzantinische
Musik, die in orthodoxen Liturgien seit eintausendvierhundert
Jahren weiterklingt. Und wir fragen, was bleibt — in der
orthodoxen Welt, im russischen Selbstverständnis, in der
Renaissance, im kontinentaleuropäischen Recht, im kyrillischen
Alphabet, in den Kuppeln des Petersdoms und des Markusdoms.
Eine letzte Folge über das Erbe — über das, was eine Stadt
hervorgebracht hat, das in einer Stadt nicht bleiben konnte.
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