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Beschreibung
vor 5 Tagen
Deutschland steckt in einer Wirtschaftskrise. Das jahrzehntelange
Erfolgsmodell des Exportweltmeisters funktioniert nicht mehr. Was
Ökonom Moritz Schularick rät.
Im Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen
Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare
Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche
Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige
Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu
bekommen.
Made in Germany galt lange Zeit als Gütesiegel für
Ingenieurskunst, Qualität und Exportstärke. Deutsche Autos waren
gefragt in aller Welt und Garant für Wirtschaftsstärke und
Wohlstand. Vorbei. Die deutsche Wirtschaft schwächelt: Auf die
Kriege in der Ukraine und im Iran folgten Energiekrisen mit
Preisschocks, anhaltende Inflation verunsichert seit Jahren
Wirtschaft und Verbraucher und zuletzt reagierten wichtige
deutsche Unternehmen wie Volkswagen mit massivem Stellenabbau auf
teils hohe Gewinneinbrüche. Woran liegt's? Sind die Deutschen
nicht innovativ, nicht mutig oder gar nicht fleißig genug?
Ist Made in Germany am Ende? Das fragen wir in der aktuellen
Ausgabe des ZEIT-Podcasts Nur eine Frage den Ökonomen Moritz
Schularick. Er ist Präsident des Kiel Instituts für
Weltwirtschaft und eine der gefragtesten ökonomischen Stimmen
Deutschlands. Schularick forscht und publiziert unter anderem zur
Geschichte der Finanzmärkte, zu Populismus und den Ursachen
sozialer Ungleichheit. In der Öffentlichkeit äußert er sich
häufig zu Wirtschaftsfragen, übt Kritik und gibt politische
Ratschläge. 2021 erschien sein Buch Der entzauberte Staat. Was
Deutschland aus der Pandemie lernen muss, in dem er das
Krisenmanagement der Bundesrepublik während der Coronapandemie
kritisierte.
Schularick sagt: Das alte export- und industriezentrierte
Wachstumsmodell der Bundesrepublik hat seine beste Zeit hinter
sich. Deutschland sei über Jahre hinweg zu oft rückwärts in die
Zukunft gelaufen – gebremst durch eine Mischung aus Trägheit nach
dem Erfolg, Bürokratie und Regulierung sowie politischer
Reformunfähigkeit. Vieles, was früher Wettbewerbsvorsprung
bedeutete, lässt sich inzwischen leicht nachbauen. Entscheidend
werde deshalb sein, wie schnell und wie mutig Deutschland
Innovation zulasse: »Versuch und Irrtum« müsse wieder Teil der
nationalen DNA werden – nicht nur als Idee, sondern als
umsetzbare Praxis.
Dabei geht Schularick im Gespräch nicht nur auf
Wirtschaftspolitik, sondern auch auf das Fundament dahinter ein:
Wie handlungsfähig ist der Staat wirklich? Wie viel Energie
steckt das System in die Gegenwart, statt in die Zukunft – etwa
beim Thema Rentenpolitik? Und warum fühlt sich das Land in
existenziellen Fragen zunehmend abhängig, statt souverän zu
reagieren?
Am Ende macht er dennoch Hoffnung – nicht als Wunschdenken,
sondern mit konkreten Feldern: Resilienz und Sicherheit, vor
allem aber der europäische Binnenmarkt und Reformen, die
Wettbewerbsfähigkeit ohne »großen Geldregen« anschieben könnten.
Made in Germany sei vorbei für die Güter der zweiten
industriellen Revolution – doch dass in Deutschland weiter
produziert werden wird, steht für ihn nicht zur Debatte. Die
eigentliche Frage lautet: Kann Deutschland wieder dynamischer und
innovativer werden?
Produktion: ifbbw, Pool Artists Redaktion: Carl Friedrichs,
Jens Lubbadeh
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