#338 Doctolib mit Deutschland CEO Nikolay Kolev: Vom WeWork-Turnaround zum Gesundheitsbegleiter:

#338 Doctolib mit Deutschland CEO Nikolay Kolev: Vom WeWork-Turnaround zum Gesundheitsbegleiter:

vor 2 Tagen
Warum 75 Prozent der Menschen keinen Arzttermin bekommen und KI die Menschlichkeit zurückbringt
1 Stunde 13 Minuten
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Beschreibung

vor 2 Tagen

In dieser Folge empfängt Max einen Gast, dessen Lebenslauf sich
liest wie ein Drehbuch und der heute eines der wirkmächtigsten
Unternehmen im europäischen Gesundheitswesen führt. Nikolay
Kolev, in Sofia geboren, mit knapp neun Jahren nach Erlangen
gekommen, ist CEO von Doctolib Deutschland und Mitglied des Group
Executive Committee.


Was als simple Terminierung begann, ist heute weit mehr. Niki
erklärt, warum die Arztsuche gerade einmal zwei Prozent des
Produkts ausmacht und Doctolib sich als echter
Gesundheitsbegleiter versteht, von der Aufbewahrung von
Blutbildern und Rezepten über die Versorgung pflegebedürftiger
Eltern bis ins Behandlungszimmer selbst. Knapp 30 Millionen
Menschen in Deutschland nutzen den Service bereits.


Im Gespräch wird schnell klar, wie ernst die Lage ist. Rund 75
Prozent der Menschen erreichen telefonisch keinen Arzt.
Deutschland leistet sich das zweitteuerste Gesundheitssystem der
Welt für 84 Millionen Menschen, und trotzdem fühlt es sich für
viele wie eine Zweiklassengesellschaft an. Niki benennt die drei
großen Baustellen: eine gnadenlose Entbürokratisierung, eine
Digitalisierung, die durch KI endlich an Geschwindigkeit gewinnt,
und ein System, das vom Behandeln auf das Gesundbleiben umdenken
muss. Er zeigt am konkreten Beispiel, wie ein KI-Agent Ärztinnen
und Ärzte beim Transkribieren entlastet und 75 Prozent Zeit
zurückgibt. Zeit für Augenkontakt, Empathie und Aufmerksamkeit.


Ein zweiter Schwerpunkt ist Prävention und Longevity. Max und
Niki diskutieren, warum Vorsorge nicht zwischen Pilates um elf
und Matcha um vier stattfinden darf, sondern für alle zugänglich
sein muss, auch für Alleinerziehende mit zwei Jobs. Doctolib
nutzt dafür die Leitlinien des Gesundheitsministeriums und
erinnert Menschen aktiv an die Untersuchungen, die für ihr Alter
und Geschlecht anstehen. Es geht um Mündigkeit statt Mini-Ärzte,
um die erschreckende Zahl an Toten durch Fehlmedikation und um
die Frage, warum wir Zahnvorsorge selbstverständlich finden, den
Hausarzt aber erst im Notfall aufsuchen.


Dann wird es persönlich. Niki erzählt von seinem Weg über
International Business Administration in Ingolstadt und
Salamanca, von wilden Beraterjahren in Sofia mit einem
Hotelzimmer neben Jean-Claude Van Damme, vom Aufbau der
Payments-Firma Moneybookers und Skrill, von der Partnerschaft bei
Deloitte und schließlich vom Turnaround und IPO bei WeWork. Er
spricht darüber, warum er heute mehr auf sein Bauchgefühl hört
als mit zwanzig, warum er sich bewusst mit Menschen umgibt, die
besser sind als er, und warum man mit Failure leben kann, mit
Regret aber nicht.


Besonders ehrlich wird das Gespräch beim Thema Modern Parenting.
Niki und Max sprechen über zwei berufstätige Elternteile, über
geteilte Verantwortung und über die Versuchung, abends noch am
Telefon durch die Haustür zu kommen, statt wirklich da zu sein.
Niki teilt, was er seinem jüngeren Ich raten würde, und warum die
Intensität der Bindung zu den eigenen Kindern nicht aus einzelnen
großen Momenten entsteht, sondern aus den vermeintlich
irrelevanten Augenblicken.


Zum Abschluss geht es um den Ratschlag eines Mentors, die
schmutzigen Fenster ganz links und rechts zu suchen statt durch
das große Fenster zu schauen, um eine Finishline-Mentalität, die
lieber zwei Dinge über die Ziellinie bringt als zehn anzufangen,
und um eine Erkenntnis, die der ganzen Folge ihren Rahmen gibt:
Zeit ist irrelevant, wenn die Aufmerksamkeit nicht stimmt.


Eine Folge über ein angeschlagenes System mit echten
Lösungsansätzen, über einen Werdegang voller kalkulierter Risiken
und über die Frage, was es heißt, wirklich da zu sein. Teil eins
von zwei.


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