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Beschreibung
vor 3 Wochen
Die interessantesten Themen sind ja wohl diejenigen, bei denen
man seine Meinung ändert oder zumindest ins Grübeln gerät.
Religion beziehungsweise parareligiöse Phänomene interessieren
mich seit langer Zeit. Früher hauptsächlich im Sinne der
philosophisch oder ontologisch fundamentalen Fragen; also:
existiert Gott, wie wäre Gott überhaupt zu denken, falls er
existiert, Fragen von Schöpfung, Design, Evolution und
dergleichen.
Es gibt aber eine zweite Dimension, die ich ebenso mit Jan Juhani
zum Teil angesprochen habe, die Frage der operationalen Rolle von
Religion. Es scheint recht unumstritten zu sein, dass der Erfolg
von Gesellschaften über historische Zeiträume deutlich von
Religion abhängig war oder zumindest davon profitiert hat.
Faktoren sind dabei: sozialer Zusammenhalt, Strukturbildung und
Tradition, das heißt Weitergabe lebenswichtiger Ideen,
gesellschaftliche Resilienz, aber auch, und sehr wichtig. Aber
auch, und ganz wichtig, Transzendenz — im Tun, nicht nur im
Glauben — also z.B. Aktivitäten, die weit über das eigene Leben
reichen, von Kunst und Kultur bis zu Technik, Politik oder
Bautätigkeit.
Anders ausgedrückt: für viele, aber wohl nicht alle Menschen, ist
ein religiöses Schema in das ihr Leben eingebettet ist, von
großer praktischer Bedeutung (auch wenn sie sich rational dessen
nicht bewusst sind).
Ich habe, denke ich, in der Vergangenheit diesen zweiten Aspekt
unterschätzt. Das ist, vermutlich einer der Gründe, warum wir
gerade im Westen so einen defaitistischen Niedergang erleben. Es
gibt eine viel zu großen Zahl an Menschen, die sich für
progressiv und rational halten, alles ablehnen, was vermeintlich
nach Tradition riecht. Sie glauben schlau genug zu sein, ad hoc
die Probleme der Welt lösen zu können aber wenn diese Ideen dann
aber auf die Realität treffen, fallen sie häufig in sich zusammen
wie ein Kartenhaus.
Daraus folgen zwei Fragen: warum ist es nicht gelungen, Ideen
hart zu reflektieren und einem Wettbewerb auszusetzen, denn alle
sind ja jetzt vermeintlich so rational und nicht mehr gläubig und
zweitens, das ist damit verbunden: Wie kam es allerdings dazu,
dass gerade diese Selbst-Überschätzer in der Lage waren, zur
Eliten zu werden, und die Geschicke Europas (und teilweise der
USA) so negativ zu beeinflussen?
In dieser Folge diskutiere ich parareligiöse Phänomene, die wir
über lange Zeit in säkularen Gesellschaften erleben. Wie sollen
wir damit umgehen?
Zitate aus dieser Episode:
»Der Faszination des Neuen folgt in der Regel die Gewöhnung, die
so weit geht, dass wir das Technische gar nicht mehr als das
Technische wahrnehmen.« , Klaus Kornwachs
...
»One's initial surprise at finding that intelligent people tend
to be socialists diminishes when one realises that, of course,
intelligent people will tend to overvalue intelligence, and to
suppose that we must owe all the advantages and opportunities
that our civilisation offers to deliberate design rather than to
following traditional rules, and likewise to suppose that we can,
by exercising our reason, eliminate any remaining undesired
features by still more intelligent reflection, and still more
appropriate design and 'rational coordination' of our
undertakings.«, Friedrich Hayek
...
»Die Beflissenheit, mit der sich dann die deutschen Gelehrten und
Wissenschaftler fast ausnahmslos den neuen Machthabern zur
Verfügung stellten, ist eins der erschütterndsten und
beschämendsten Schauspiele in der ganzen Geschichte des Aufstiegs
des Nationalsozialismus.«, Friedrich Hayek
Referenzen
Andere Episoden
Episode 148: Künstliche Vernunft? Ein Gespräch mit Jan Juhani
Steinmann
Episode 145: Reflexion und Rekonstruktion!
Episode 144: Was ist Fortschritt? Ein Gespräch mit Dr. Daniel
Stelter aus ökonomischer Perspektive
Episode 141: Passagier oder Steuermann? Ein Gespräch mit
Markus Raunig
Episode 138: Im Windschatten der Narrative, ein Gespräch mit
Ralf M. Ruthardt
Episode 135: Friedrich Hayek und die Beschränktheit der
menschlichen Vernunft. Ein Gespräch mit Nickolas Emrich
Episode 133: Desinformiere Dich! Ein Gespräch mit Jakob
Schirrmacher
Episode 131: Wot Se Fack, Deutschland? Ein Gespräch mit Vince
Ebert
Episode 126: Schwarz gekleidet im dunklen Kohlekeller. Ein
Gespräch mit Axel Bojanowski
Episode 120: All In: Energie, Wohlstand und die Zukunft der
Welt: Ein Gespräch mit Prof. Franz Josef Radermacher
Episode 118: Science and Decision Making under Uncertainty, A
Conversation with Prof. John Ioannidis
Episode 117: Der humpelnde Staat, ein Gespräch mit Prof.
Christoph Kletzer
Episode 116: Science and Politics, A Conversation with Prof.
Jessica Weinkle
Episode 109: Was ist Komplexität? Ein Gespräch mit Dr. Marco
Wehr
Episode 107: How to Organise Complex Societies? A
Conversation with Johan Norberg
Episode 106: Wissenschaft als Ersatzreligion? Ein Gespräch
mit Manfred Glauninger
Episode 98: Ist Gott tot? Ein philosophisches Gespräch mit
Jan Juhani Steinmann
Fachliche Referenzen
Klaus Kornwachs, Philosophie der Technik (C.H.Beck Wissen)
(2013)
The Culturist Tweet
Sheehan Quirke, How did the world get so ugly?
Paul Ehrlich, The Population Bomb (1968)
Vaclav Smil, How the World Really Works, Penguin (2022)
Friedrich von Hayek, The Road to Serfdom, Routledge (1944)
Friedrich Hayek, The Fatal Conceit: The Errors of Socialsm
(1988)
Émile Cammaerts in The Laughing Prophet: The Seven Virtues
and G. K. Chesterton
Andrew Gilligan, Why is this Green candidate sharing an
anti-semitic post? The Spectator (2026)
Hat die Linkspartei ein Antisemitismus-Problem? RBB (2025)
The Black Book of Communism: Crimes, Terror, Repression,
Harvard University Press, 1999
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