Gabriele Heins - Ein Leben gegen die Mittelmäßigkeit

Gabriele Heins - Ein Leben gegen die Mittelmäßigkeit

vor 4 Tagen
Die Topografie des kulinarischen Denkens
1 Stunde 32 Minuten
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Podcast
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Die interessantesten Weinkellner unserer Zeit

Beschreibung

vor 4 Tagen
Gabriele Heins ist Chefredakteurin eines der prägendsten und
einflussreichsten kulinarischen Magazine unserer Republik. Der
Titel klingt nach Büro, nach Redaktionskonferenz, nach dem Geruch
von kaltem Kaffee und überhitzten Druckern. Und doch eines vorweg:
Der Titel lügt, denn vielmehr ist sie eine Architektin von
Momenten, eine Kuratorin des Unübersehbaren, eine Frau, die den
Unterschied zwischen Leben und Lebensqualität nicht akademisch
versteht, sondern physisch – mit allen verfügbaren Sinnen
gleichzeitig, gefühlt rund um die Uhr, ohne Grenzen. Ihr Magazin
ist kein Heft. Es ist ein Argument. Das Argument lautet: Genuss ist
keine Dekadenz, sondern Demokratie. Und wer behauptet, keine Zeit
für das Gute im Leben zu haben, hat schlicht die falschen
Prioritäten. Du hättest Dir Gabriele Heins sehr wahrscheinlich,
falls Du sie nicht persönlich kennst, anders vorgestellt.
Vermutlich schärfer. Vermutlich kälter. Eine Frau, die seit 25
Jahren durch die Katakomben des deutschen Gourmet-Journalismus
marschiert, Wettbewerbe juriert und Chefköche interviewt, sollte
nach der Erwartung vieler die freundliche Wärme einer Schiefergrube
ausstrahlen. Nach der Episode weißt Du: Du lagst falsch. Das kommt
vor. Gabriele Heins ist seit März 2024 Chefredakteurin des
Feinschmecker – Deutschlands stilprägendem kulinarischen
Lifestyle-Magazin des Jahreszeiten Verlags – und das ist ungefähr
so, als würde man sagen, Keith Richards spiele ein bisschen
Gitarre. Technisch korrekt. Fundamental unzureichend. Sie ist in
Bremen aufgewachsen, studierte Germanistik, Romanistik, Publizistik
und Geschichte in Göttingen, Bordeaux und Hamburg. 1999 wechselte
sie zum Jahreszeiten Verlag – zunächst als Reiseredakteurin, später
als Ressortleiterin Food, Wein & Lifestyle. Fünfundzwanzig
Jahre. Das bedeutet: Sie hat den Feinschmecker nicht übernommen.
Sie hat ihn von innen heraus verstanden – Ausgabe für Ausgabe,
Verkostung für Verkostung, Druckfahne für Druckfahne – bis zu dem
Moment, wo die Leitung des Magazins keine Beförderung mehr war,
sondern eine logische Konsequenz. Nicht als Bürotier. Nicht als
Konzeptverwalterin. Als Frau, die ihren Beruf als Feldarbeit
versteht, als fortlaufende, niemals abgeschlossene Recherche in dem
größten und chaotischsten Labor der Welt: dem menschlichen Appetit.
Und dabei langweilt sie Mittelmäßigkeit auf eine Weise, die sie
körperlich anstrengt. Sie sucht das Echte, das eine Reportage über
die Sardinenkonservenfabriken mit derselben Begeisterung vermittelt
wie ein Profil über einen Drei-Sterne-Koch. Und irgendwo zwischen
der ersten und zweiten Seite, zwischen dem zweiten und dritten
Schluck, zwischen dem Ende eines langen Tages und dem Beginn einer
neuen Idee – lächelt sie.
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