Flucht vor den Nazis: Das Schauspielhaus wird zur Exilbühne

Flucht vor den Nazis: Das Schauspielhaus wird zur Exilbühne

vor 3 Tagen
Im zweiten Weltkrieg ist das Zürcher Schauspielhaus ein wichtiger Zufluchtsort. Künstlerinnen und Künstler, die vom Nationalsozialismus verfolgt werden, finden an diesem Schweizer Theater eine neue Heimat. Den Grundstein dafür legt vor 100 Jahren ein ...
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Beschreibung

vor 3 Tagen
Im zweiten Weltkrieg ist das Zürcher Schauspielhaus ein wichtiger
Zufluchtsort. Künstlerinnen und Künstler, die vom
Nationalsozialismus verfolgt werden, finden an diesem Schweizer
Theater eine neue Heimat. Den Grundstein dafür legt vor 100 Jahren
ein Zürcher Weinhändler. Die Ursprünge des Schauspielhauses reichen
noch weiter zurück. Und sie sind weit entfernt von einem
künstlerisch anspruchsvollen Theater. Das «Volkstheater zum Pfauen»
ist um die Jahrhundertwende eine Art Varieté-Theater mit Biergarten
und Kegelbahn. Mit finanziellen Nöten und unterschiedlichen
Besitzern. Es wird die Jahre darauf zur Nebenbühne des
Stadttheaters, des heutigen Opernhauses. Aber auch dieses Konzept
hat zu wenig Erfolg. Und dann tritt ein gewisser Ferdinand Rieser
auf die Bühne. Ein jüdischer Kaufmann mit viel Leidenschaft fürs
Theater, aber wenig Erfahrung. Er übernimmt das Schauspielhaus und
baut es 1926 um. Ihm ist es zu verdanken, dass das Schauspielhaus
zum wichtigsten Emigranten-Theater im deutschsprachigen Raum wird.
Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, holt er
verfolgte Schauspielerinnen und Regisseure nach Zürich, die in
Deutschland nicht mehr arbeiten können. Am Schauspielhaus Zürich
werden Stücke gezeigt, die in Deutschland verboten sind und sich
kritisch mit den Entwicklungen im Nationalsozialismus
auseinandersetzen. Diese politische Haltung provoziert heftige
Reaktionen. Deutsche Nazi-Spitzel und die nazifreundliche Nationale
Front in der Schweiz versuchen, das Theater einzuschüchtern. Es
gibt Drohungen und Proteste. Das Schauspielhaus braucht für gewisse
Aufführungen Polizeischutz. Auch aus gemässigteren Kreisen gibt es
Kritik. Der Schweizer Schriftstellerverband fordert mehr Schweizer
Stücke und wettert gegen das «unschweizerische» Theater. Rieser
hält dem Druck zunächst noch Stand. Doch 1938 sieht er sich
gezwungen, das Handtuch zu werfen. Er emigriert mit seiner Familie
in die USA. ____________________ In dieser Episode zu hören: Dagmar
Walser, SRF-Theaterredaktorin Pinar Karabulut, Co-Intendantin
Schauspielhaus Zürich Hannah Schünemann, Chefdramaturgin
Schauspielhaus Zürich ____________________ Recherche, Produktion
und Moderation: Vera Deragisch ____________________ Literatur:
Bachmann, Dieter/Schneider, Rolf (Hsg.) (1987): Das verschonte Haus
– Das Zürcher Schauspielhaus im Zweiten Weltkrieg. Ammann Verlag.
Neue Schauspiel AG (1978): Vom Variété zum neuen Schauspielhaus –
Die Geschichte des Schauspiels in Zürich. Peter Felix. Schoop,
Günther (1957): Das Zürcher Schauspielhaus im Zweiten Weltkrieg.
Oprecht. Buns, Brigitte/deutsches Theatermuseum (Hsg.) (2007):
Werft Eure Hoffnung über die Grenzen. Theater im Schweizer Exil und
seine Rückkehr. Henschel. Kröger, Ute /Exinger, Peter (1998): In
welchen Zeiten leben wir! Das Schauspielhaus Zürich 1938 -1998.
Limmat Verlag. Amrein, Ursula (2004): Los von Berlin. Die
Literatur- und Theaterpolitik der Schweiz und das «Dritte Reich»,
Chronos Verlag. ____________________ Links: SRF2 Kontext über die
Bühnen-Diskussion 2021: Kann das weg? – Das Theater um den Pfauen -
Audio & Podcasts - SRF DRS-Sendung Passage 2015: Kurt
Hirschfeld – der Zauberer im Zürcher Schauspielhaus - Audio &
Podcasts - SRF DRS-Sendung Schauplatz 1988:
https://www.srf.ch/play/tv/schauplatz/video/50-theaterjahre-neue-schauspiel-ag--50-jahre-schauspielhaus?urn=urn:srf:video:51b69199-2663-4193-b99e-456454a4bd25
SRF-Kritik Hirschfeld-Film:
https://www.srf.ch/kultur/film-serien/neu-im-kino-kurt-hirschfeld-spaeter-applaus-fuer-einen-vergessenen
____________________ Hast du Feedback, Fragen oder Wünsche? Wir
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