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Beschreibung
vor 1 Monat
Eine unserer sehr alten Mitschwestern im Altenheim ist
zwischendurch immer mal etwas desorientiert, verwirrt, ein bisschen
"neben der Spur", wie man so sagt. Dieser Tage war das auch so. Sie
kam ins Nachbarzimmer, hat sich vorgestellt und der dortigen
Mitschwester freundlich gesagt, dass sie jetzt hier im Haus eine
Weile bleiben wird und das Nachbarzimmer bewohnt. Wir beide haben
uns bedankt und ich habe ihr versprochen, sie gleich auch zu
besuchen. Im Gespräch dann in ihrem Zimmer haben wir über Gott
und die Welt, über den Krieg in der Ukraine und über den
wechselhaften April geplaudert, über ihr schlechtes Befinden und
darüber, dass man mit 99 nun auch tatsächlich alt ist und dass das
Leben noch nie so schwierig war. Dann sind wir so die Etappen ihres
langen Lebens entlanggegangen. 1927 geboren, hat sie die
Hitlerzeit, den zweiten Weltkrieg, die harte Nachkriegszeit sehr
bewusst erlebt und dann im Orden an vielen Stationen sehr
segensreich für viele Menschen gearbeitet. Da kommt plötzlich ein
Erinnern und sie sagt: "Oh, das ist ja wahr: Es war nie nur leicht
und manches echt hart, aber wenn das so jetzt sehe, habe ich ein
sehr schönes Leben."Und ihr freundliches Lächeln war wieder da und
die Einordnung in Zeit und Raum wieder gegeben. Das Radio, dass sie
sonst immer genutzt hat, habe ich ihr wieder angeschaltet, den
richtigen Sender gesucht und habe mich von ihr, die jetzt zufrieden
in ihrem Sessel saß, wieder verabschiedet. Viele Menschen
kennen das: Die alten und sehr alten Mitmenschen kommen mit der
scheinbar immer schneller gehenden Gegenwart nicht mehr klar,
leiden unter den Kriegsberichten, den Bildern von Angriffen auf
Städte und deren Opfer, von Flüchtenden und verletzten Kindern. In
der Verquickung mit dem eigenen Erinnern, verheddert sich alles und
wird immer unsortierter. Oft tut es dann gut, wenn sich jemand Zeit
nimmt, den Geschichten lauscht und bei der Einsortierung hilft. Und
wenn man es schafft, Nähe und Vertrauen zu vermitteln, dieses: "Ich
bin bei Dir, ich halte Dir die Hand, ich höre Dir zu, ich mag Dich
gern." Dass Gott uns zusagt, dass wir bis zum Ende die Würde
der Gotteskindschaft besitzen, ist eine wunderbare Gewissheit. Aber
dass wir unseren Mitmenschen dabei helfen, sie auch zu spüren und
zu haben, ist manchmal ganz leicht und hilft ungemein.
zwischendurch immer mal etwas desorientiert, verwirrt, ein bisschen
"neben der Spur", wie man so sagt. Dieser Tage war das auch so. Sie
kam ins Nachbarzimmer, hat sich vorgestellt und der dortigen
Mitschwester freundlich gesagt, dass sie jetzt hier im Haus eine
Weile bleiben wird und das Nachbarzimmer bewohnt. Wir beide haben
uns bedankt und ich habe ihr versprochen, sie gleich auch zu
besuchen. Im Gespräch dann in ihrem Zimmer haben wir über Gott
und die Welt, über den Krieg in der Ukraine und über den
wechselhaften April geplaudert, über ihr schlechtes Befinden und
darüber, dass man mit 99 nun auch tatsächlich alt ist und dass das
Leben noch nie so schwierig war. Dann sind wir so die Etappen ihres
langen Lebens entlanggegangen. 1927 geboren, hat sie die
Hitlerzeit, den zweiten Weltkrieg, die harte Nachkriegszeit sehr
bewusst erlebt und dann im Orden an vielen Stationen sehr
segensreich für viele Menschen gearbeitet. Da kommt plötzlich ein
Erinnern und sie sagt: "Oh, das ist ja wahr: Es war nie nur leicht
und manches echt hart, aber wenn das so jetzt sehe, habe ich ein
sehr schönes Leben."Und ihr freundliches Lächeln war wieder da und
die Einordnung in Zeit und Raum wieder gegeben. Das Radio, dass sie
sonst immer genutzt hat, habe ich ihr wieder angeschaltet, den
richtigen Sender gesucht und habe mich von ihr, die jetzt zufrieden
in ihrem Sessel saß, wieder verabschiedet. Viele Menschen
kennen das: Die alten und sehr alten Mitmenschen kommen mit der
scheinbar immer schneller gehenden Gegenwart nicht mehr klar,
leiden unter den Kriegsberichten, den Bildern von Angriffen auf
Städte und deren Opfer, von Flüchtenden und verletzten Kindern. In
der Verquickung mit dem eigenen Erinnern, verheddert sich alles und
wird immer unsortierter. Oft tut es dann gut, wenn sich jemand Zeit
nimmt, den Geschichten lauscht und bei der Einsortierung hilft. Und
wenn man es schafft, Nähe und Vertrauen zu vermitteln, dieses: "Ich
bin bei Dir, ich halte Dir die Hand, ich höre Dir zu, ich mag Dich
gern." Dass Gott uns zusagt, dass wir bis zum Ende die Würde
der Gotteskindschaft besitzen, ist eine wunderbare Gewissheit. Aber
dass wir unseren Mitmenschen dabei helfen, sie auch zu spüren und
zu haben, ist manchmal ganz leicht und hilft ungemein.
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