MDR KULTUR trifft Stefan Poetzsch

MDR KULTUR trifft Stefan Poetzsch

vor 2 Monaten
Stefan Poetzsch ist Komponist, Improvisator, Geiger und Bratscher. Jetzt liegt das Debüt-Album „Dream Walking“ von seinem mit Benjamin Boone gegründeten „New Global Ensemble“ vor.
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Beschreibung

vor 2 Monaten
Stefan Poetzsch hielt sich 2017 für einen kurzen Lehraufenthalt an
der Legon University Accra in Ghana auf, wo sein langjähriger
US-amerikanischer Musikpartner, der Saxophonist und Komponist
Benjamin Boone, zu dieser Zeit eine Gastprofessur inne hatte.
Gemeinsam gründeten sie dort das „New Global Ensemble“, zu dem auch
Aaron Bebe Sukura (Balaphon, Vocals) und Baffour Awuah Kyerematen
(Percussion, Vocals) gehören. 2018 gaben sie zunächst Konzerte in
Ghana, 2022 dann in Deutschland und 2023 in Johannesburg. Seit
Dezember 2025 liegt nun das Debüt-Album „Dream Walking“ vom „New
Global Ensemble“ vor. Stefan Poetzsch präsentiert es mit den Worten
„Wir sind global, indem wir breit denken und die Schnittstellen
zwischen traditioneller und künstlerischer Musik Afrikas, Europas
und der USA auf kulturell sensible Weise erforschen.“ Für dieses
Jahr sind zwei Konzerte in Deutschland geplant.
Geboren wurde Stefan Poetzsch 1963 in Magdeburg. Dort erhielt er
seine ersten musikalischen Ausbildungen, gab Konzerte und war als
Theatermusiker engagiert. Nach Auftrittsverbot und einem Jahr
politischer Inhaftierung in Gefängnissen der Staatssicherheit in
Magdeburg und Naumburg wurde er 1985 in die Bundesrepublik
abgeschoben. Seine Haft verarbeitete Stefan Poetzsch u.a. in der
Text/ Klang-Produktion „unnötig“, die er zusammen mit der Tänzerin
Bettina Essaka und dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu in
einer Performance über staatliche Repression und Verfolgung in der
DDR und in China beim 33. Erlanger Poetenfest 2013 zeigte und die
bis heute im Internet zu sehen ist. Im vergangenen Jahr war Stefan
Poetzsch im Politischen Bildungsforum Sachsen-Anhalt der
Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema „Jugendsubkulturen und die
Sicherheitsorgane der DDR: Zwischen Unverständnis und
Dämonisierung“ geladen und ist gelegentlich Gast bei
Zeitzeugengesprächen in Magdeburg.
Seit 1985 lebt Stefan Poetzsch in Erlangen, arbeitet als Komponist
und Musiker für Theater und Tanz, gibt Konzerte, arbeitet als
freiberuflicher Lehrer für Violine und Viola. Seit 1990 realisiert
er mit der Choreographin und Tänzerin Bettina Essaka
Tanzproduktionen aus konkretem Tanz, Choreographie, Musik,
Komposition und Liveelektronik. Aufführungen, Konzerte und
CD-Produktionen führten sie quer durch Europa, verschiedene Länder
Afrikas und in die USA. Als zeitweiliges Mitglied des Leipziger
Barockorchesters gründete er im Jahr 2000 parallel das Stefan
Poetzsch Ensemble, welches bis heute in wechselnden
Kammermusikbesetzungen ausschließlich Poetzsch-Kompositionen
spielt. Allein für den Bayerischen Rundfunk wurden bisher ca. 80
Stücke produziert, darunter zahlreiche Auftragskompositionen. 1995
und 2000 war Stefan Poetzsch Artist in Residence am Atlantic Center
for the Arts in Florida/USA. Dort absolvierte er Meisterkurse bei
dem Komponisten Donald Erb und dem Improvisator Cecil Taylor. 2008,
2011 und 2025 hatte Stefan Poetzsch eine Gastdozentur für
Komposition und intermediale Projekte bei den California Summer
Arts in Fresno/ USA, bei der es u.a. zu einer Zusammenarbeit mit
dem Kronos Quartett kam. Seit 2009 hat Stefan Poetzsch ein Duo mit
dem Trompeter Markus Stockhausen, welches z.T. mit Patrice Héral
(dr) erweitert wurde und seit einiger Zeit als „Quan“ mit dem
Schlagzeuger Christian Thomé konzertiert. Weitere regelmäßige
Projekte pflegt er mit dem New Yorker Avantgarde-Gitarristen Eyal
Maoz, dem kubanischen Pianisten Alberto Diaz, dem Schlagzeuger
Lukas Ligeti, der Cellistin Ha-Yang Kim und dem kamerunischen
Sänger und Percussionisten Njamy Sitson. Er konzertierte außerdem
u.a. mit Frank Gratkowski, Guy Livingston, Barre Phillips, Hans
Burgener und Martin Schütz.

Moderation Julia Hemmerling
Redaktion: Angelika Zapf
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