Wiederholt sich Geschichte, Ute Frevert?

Wiederholt sich Geschichte, Ute Frevert?

vor 4 Tagen
1 Stunde 20 Minuten
Podcast
Podcaster

Beschreibung

vor 4 Tagen

Früher hieß es: Roboter nehmen uns die Jobs weg, der Wald stirbt.
Und heute? KI nimmt uns die Jobs weg, der Klimawandel bedroht
uns. Drehen wir uns im Kreis? 


Im Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen
Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare
Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche
Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige
Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu
bekommen.
 

Roboter nehmen uns die Jobs weg, der Wald stirbt – das sagten die
Menschen in den Achtzigerjahren. Heute heißt es: KI nimmt uns die
Jobs weg, das Klima kippt. Dazu kommen Brexit, Maga, AfD –
überall der Wunsch, zu alten Zeiten zurückzukehren. Und ein Krieg
in Europa, den kaum jemand für möglich gehalten hätte. Wer die
Nachrichten verfolgt, denkt unwillkürlich: Hatten wir das nicht
alles schon einmal? Sorge vor neuer Technik, Angst vor
Umweltzerstörung, Überdruss an der Demokratie – drehen wir uns im
Kreis?
 

Wir wollen in der neuen Folge von Nur eine Frage von Historikerin
Ute Frevert wissen: Wiederholt sich Geschichte? Ute Frevert ist
eine der prägendsten Historikerinnen Deutschlands. Sie war
Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin
und hat dort den Forschungsbereich "Geschichte der Gefühle"
aufgebaut und geleitet. Frevert lehrte auch in Bielefeld sowie
Yale und ist Trägerin des Leibniz-Preises.
 

Im Gespräch geht es um die großen Muster der Geschichte – und
ihre Grenzen: So glaubte der erste Geschichtsschreiber Thukydides
an die ewige Wiederkehr der Geschichte. Für Thukydides, sagt
Frevert, war Geschichte im Grunde eine Anleitung: Wer die Muster
der Vergangenheit kennt, kann klüger handeln. Diese Ansicht hielt
sich jahrhundertelang. Doch sie täuscht, betont die Historikerin.
Zwar gebe es wiedererkennbare Muster – in der Angst vor neuer
Technologie, im Aufstieg und Fall von Imperien, in der Sehnsucht
nach starken Führern. Doch mindestens genauso prägend seien die
Überraschungen, die Zufälle, das Nichtableitbare. "Wenn man genau
hinschaut, sieht man mehr Unterschiede als Ähnlichkeiten", sagt
Frevert. So spiele der Zufall in der Geschichte eine sehr große
Rolle. Frevert nennt die Französische Revolution oder den Fall
der Berliner Mauer als Beispiele für solche überraschenden und
alles verändernden Wendungen. "Geschichte lässt sich nicht
einsortieren. Sie überrascht uns immer wieder – und genau das
macht sie so faszinierend und so wichtig."
 

Weiterhin analysiert Frevert im Gespräch, wie und warum Politiker
wie Putin, Xi Jinping und Donald Trump dennoch suggerieren, dass
Geschichte sich in großen Bögen abspiele. Sie geht auch darauf
ein, inwieweit historische Vergleiche wie USA und Römisches
Reich, Bundesrepublik und Weimarer Republik zulässig oder
irreführend sind. Und weshalb Gefühle Geschichte nicht nur
begleiten, sondern sie verändern können.
 

Produktion: ifbbw
 

Redaktion: Jens Lubbadeh, Carl Friedrichs
 

Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an
n1f@zeit.de. Alle "N1F"-Folgen finden Sie unter www.zeit.de/n1f.
Dort können Sie auch den "N1F"-Newsletter abonnieren.
15
15
Close