Wenn Digitalisierung scheitert: Teil 4 - Buzzword IT

Wenn Digitalisierung scheitert: Teil 4 - Buzzword IT

vor 1 Tag
18 Minuten
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Beschreibung

vor 1 Tag

In dieser Homeoffice-Episode ️ geht es um die vierte Folge meiner
Mini-Serie „Failed Innovation – oder wenn Digitalisierung
scheitert“. Diesmal steht ein Muster im Mittelpunkt, das in
Strategiepapieren, Herstellerpräsentationen und Vorstandsrunden
erstaunlich gut aussieht, in der Realität aber oft zum Problem
wird: Buzzword-IT. Also genau jene Art von Digitalisierung, bei
der Begriffe wie AI, Cloud, IoT, Big Data, Automation oder
Blockchain schon wie ein Zukunftsbeweis klingen sollen, obwohl am
Ende oft unklar bleibt, wie daraus überhaupt ein belastbares
Betriebsmodell entstehen soll. ️


Denn nicht alles, was modern klingt, ist automatisch strategisch
sinnvoll. Und nicht alles, was auf einer Folie perfekt vernetzt
aussieht, funktioniert auch operativ. Genau darum geht es in
dieser Folge: Warum Unternehmen dazu neigen, Trends statt
Lösungen zu kaufen, weshalb Marketingbilder häufig echte
Architektur ersetzen und wieso aus „alles integriert, alles
intelligent, alles zukunftssicher“ am Ende nicht selten nur
Komplexität, Abhängigkeit und Enttäuschung werden. ️


Als Beispiel schaue ich auf SAP Leonardo, ein Projekt, das mit
großen Versprechen rund um KI, IoT, Blockchain und Analytics
angetreten ist und lange wie die ideale Antwort auf die
Anforderungen moderner Enterprise-IT wirkte. Ein Anbieter, eine
Plattform, alle Zukunftsthemen auf einmal. Klingt verlockend. In
der Praxis zeigte sich aber sehr schnell, wie gefährlich es wird,
wenn ein starkes Narrativ nicht von einer klaren Architektur,
belastbaren Referenzmodellen und einem echten Betriebskonzept
getragen wird. Leonardo ist damit weniger ein Einzelfall als
vielmehr ein sehr sichtbares Beispiel für ein strukturelles
Problem.


Außerdem geht es um die Frage, was CIOs, CDOs, IT-Einkäufer und
andere Entscheider daraus lernen sollten. Welche Fragen muss man
stellen, wenn ein Anbieter behauptet, seine Plattform könne
„alles“? Welches konkrete Problem wird wirklich gelöst? Welche
Prozesse verändern sich tatsächlich? Welche Komponenten sind
kritisch – und wie kommt man wieder heraus, wenn der große
strategische Wurf sich doch nur als Buzzword-Konstrukt entpuppt?
Genau an dieser Stelle wird aus Technologieverantwortung echte
Führungsaufgabe. ️


Am Ende bleibt eine klare Botschaft: Buzzwords erzeugen
Aufmerksamkeit, aber keine Wertschöpfung. Innovation entsteht
nicht durch Schlagworte, sondern durch Zielbilder, saubere
Prozesse, realistische Roadmaps und disziplinierte Umsetzung.
Oder anders gesagt: Wenn Marketing schneller ist als Architektur,
gewinnt irgendwann die Realität. Und die ist meistens deutlich
weniger beeindruckend als jede Hochglanzfolie.
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