10. Kirschen im Januar – Gartengeschichten mit Marina Heilmeyer Folge 10 von Amor, Psyche und Preussen

10. Kirschen im Januar – Gartengeschichten mit Marina Heilmeyer Folge 10 von Amor, Psyche und Preussen

vor 2 Monaten
33 Minuten
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Beschreibung

vor 2 Monaten

Preußische Kulturgeschichte riecht manchmal nach Orangenblüten,
schmeckt nach Kirschen – und endet gelegentlich mit Kartoffeln
auf einem Grab.


Schon der junge Kronprinz Friedrich, der spätere II., schwärmt
 von seinem Weinberg, seinen Kirschen und Melonen. Obst war
ein Pausensnack und die Krönung der Tafel, Prestigeobjekt,
Ausdruck von Kultur, Sinnlichkeit und Wissen. König Salomon hatte
einst gewünscht, dass jeder Mensch unter seinem Weinstock und
Feigenbaum glücklich sein. Inspiration für die  Terrassen
von Sanssouci? Kirschen im Winter waren eine luxuriöse
Meisterleistung. In Gewächshäusern wurden die Obstbäume so
kultiviert, dass sie zu ungewöhnlichen Zeiten Früchte trugen.
Exotische Pflanzen wie Ananas, Papaya oder Bananen zierten
die  Tafelrunde.


In der Folge 8 mit Jörg Kirschstein wurde sie als preußischer
Mythos hinterfragt. Die Kartoffeln auf König Friedrichs Grab in
Sanssouci sind noch immer ein Ritual. Und es gibt kuriose Szenen:
Kindergartenbasteleien - Kartoffeln mit kleinen goldenen Kronen,
oder Kränze mit Kartoffeln. Das Interesse für Pflanzen hatte aber
auch ganz praktische Folgen. Die Kartoffel wurde tatsächlich erst
in Friedrichs Zeit zueinem entscheidenden Nahrungsmittel, weil
sie die schlechten Sommer der „kleinen Eiszeit“ besser überstand
als Getreide. Und die Stallfütterung verbesserte.


Ein weiterer Protagonist der Folge ist Fürst Hermann von
Pückler-Muskau – Gartenkünstler, Reisender, Ballonfahrer,
Lebenskünstler. Für ihn war das eigene Leben ein Gesamtkunstwerk,
seine Hauptqualität der Geschmack. Er dokumentierte, was auf
seiner Tafel serviert wurde, wer zu Gast war und wie man stilvoll
lebte. Diese „Tafelbücher“ geben Einblick in eine Welt, in der
Mahlzeiten aus vielen Gängen bestanden – nur Fleisch oder nur
Gemüse beispielsweise. Und jedes Detail ist Teil einer
Inszenierung war. Dafür wurde geprobt. Das berühmte Pückler-Eis
trägt zwar seinen Namen, tauchte in bei ihm aber kaum auf.
Beliebter war eine besondere Kartoffelzubereitung – ein Hinweis
darauf, dass im 19. Jahrhundert selbst fürstliche Küchen längst
von der neuen Knolle geprägt waren.


Neben Geschmack spielte auch derDuft eine wichtige Rolle. In den
Schlössern standengroße Potpourri-Vasen, gefüllt mit getrockneten
Blüten, Schalen und Blättern. Besonders Zitrusfrüchte lieferten
eine ganze Palette von Duftnoten – aus Blüten, Blättern, Zweigen
und Früchten ließ sich Parfum gewinnen.


Am Ende führt das Gespräch aufs Land– zu den Erntefesten in
Paretz, wo König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise
gemeinsam mit Bauern tanzten und feierten. Fontane, dessen
Großvater für Luise gearbeitet hat, hat auch weitere Quellen
genutzt und beschreibt unterhaltsam echte Volksfeste.


Geschmack, Gerüche, Gartenkunst und die Erkenntnis, dass
Symbolgehalt manchmal auf dem Teller liegt.


 
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