10. Kirschen im Januar – Gartengeschichten mit Marina Heilmeyer Folge 10 von Amor, Psyche und Preussen
vor 2 Wochen
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Preußische Kulturgeschichteriechtmanchmal nach Orangenblüten,
schmeckt nach Kirschen – und endet gelegentlichmit Kartoffeln auf
einem Grab.
Schon der junge KronprinzFriedrich, der spätere II., schwärmt
von seinem Weinberg, seinen Kirschenund Melonen. Obst war
ein Pausensnack und die Krönung der Tafel,Prestigeobjekt,
Ausdruck von Kultur, Sinnlichkeit und Wissen. König Salomon
hatteeinstgewünscht, dass jeder Mensch unter seinem Weinstock und
Feigenbaumglücklich sein. Inspiration für die Terrassen von
Sanssouci? Kirschenim Winter waren eine luxuriöse
Meisterleistung. In Gewächshäusern wurden dieObstbäume so
kultiviert, dass sie zu ungewöhnlichen Zeiten
Früchtetrugen.Exotische Pflanzen wie Ananas, Papaya oder Bananen
zierten die Tafelrunde.
In der Folge8 mit Jörg Kirschsteinwurde sie als preußischer
Mythos hinterfragt. Die Kartoffeln auf KönigFriedrichs Grab in
Sanssouci sind noch immer ein Ritual. Und es gibt kurioseSzenen:
Kindergartenbasteleien - Kartoffeln mit kleinen goldenen Kronen,
oderKränze mit Kartoffeln. Das Interesse für Pflanzen hatte aber
auch ganzpraktische Folgen. Die Kartoffel wurde tatsächlich erst
in Friedrichs Zeit zueinem entscheidenden Nahrungsmittel, weil
sie die schlechten Sommer der„kleinen Eiszeit“ besser überstand
als Getreide. Und die Stallfütterungverbesserte.
Ein weiterer Protagonist der Folgeist Fürst Hermann von
Pückler-Muskau – Gartenkünstler, Reisender,
Ballonfahrer,Lebenskünstler. Für ihn war das eigene Leben ein
Gesamtkunstwerk, seineHauptqualität der Geschmack. Er
dokumentierte, was auf seiner Tafel serviertwurde, wer zu Gast
war und wie man stilvoll lebte. Diese „Tafelbücher“ gebenEinblick
in eine Welt, in der Mahlzeiten aus vielen Gängen bestanden –
nurFleisch oder nur Gemüse beispielsweise. Und jedes Detail ist
TeileinerInszenierung war. Dafür wurde geprobt. Das berühmte
Pückler-Eis trägt zwarseinen Namen, tauchte in bei ihm aber kaum
auf. Beliebter war eine besondereKartoffelzubereitung – ein
Hinweis darauf, dass im 19. Jahrhundertselbstfürstliche Küchen
längst von der neuen Knolle geprägt waren.
NebenGeschmack spielte auch derDuft eine wichtige Rolle. In den
Schlössern standengroße Potpourri-Vasen,gefüllt mit getrockneten
Blüten, Schalen und Blättern. Besonders Zitrusfrüchtelieferten
eine ganze Palette von Duftnoten – aus Blüten, Blättern, Zweigen
undFrüchten ließ sich Parfum gewinnen.
Am Endeführt das Gespräch aufs Land– zu den Erntefesten in
Paretz, wo König Friedrich Wilhelm III. und KöniginLuise
gemeinsam mit Bauern tanzten und feierten. Fontane, dessen
Großvater fürLuise gearbeitet hat, hat auch weitere Quellen
genutzt undbeschreibtunterhaltsam echte Volksfeste.
Geschmack, Gerüche, Gartenkunst und die Erkenntnis,
dassSymbolgehalt manchmal auf dem Teller liegt.
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