MDR KULTUR trifft Lena Schätte

MDR KULTUR trifft Lena Schätte

vor 4 Monaten
Mit ihrem Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ stand die Schrifstellerin 2025 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Am 1. April 2026 bezieht sie für vier Monate die Stadtschreiberwohnung in Erfurt.
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Beschreibung

vor 4 Monaten
Lena Schätte hat gleich zwei Preise abgeräumt: den Bachmann-Preis
und dazu noch den mit 7.500 Euro dotierten Publikumspreis.
Auch bei der Bewerbung um die Aufgabe der Stadtschreiberin von
Erfurt konnte sie sich unter 59 Bewerbern durchsetzen. Mit
Schreibwerkstätten, Gesprächsrunden und Lesungen möchte sie sich
direkt ins Stadtleben einbringen, aber auch schreibend Zeit in
Cafés oder im öffentlichen Raum verbringen. „Schreiben in den
Zwischenräumen“ nennt sie es, wenn sich ihre Gedanken in Worte
geformt auf Notizzettel, im Handy oder kleinen Notizbüchern
wiederfinden. „Schreiben ist meine Art, das Leben auszuhalten“,
formuliert Lena Schätte und, daß sie Orte anziehen, die noch nicht
auserzählt sind, wie sie auch in Erfurt mit der ersten Begegnung
fand. Der Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ beginnt
mit den Sätzen „Meine Mutter bringt uns Töchtern Dinge bei. Andere
Dinge, als mit geradem Rücken am Esstisch zu sitzen, als Danke und
Bitte zu sagen, andere Dinge als ihrem Sohn. Sie bringt uns bei,
dass Schnaps Ärger bedeutet“, um Zeilen später zu dem Satz zu
kommen „Und sie bringt uns bei, dass eine Frau immer Fluchtgeld
haben muß.“ Eine klare, direkte, dichte, aber manchmal auch
zärtliche Sprache findet Lena Schätte. Motte wird die Protagonistin
von ihrem Vater genannt. Der Roman erzählt von einer
Arbeiterfamilie in den Neunzigerjahren im Sauerland, da wo auch
Lena Schätte aufwuchs, aber die Geschichte könnte überall spielen.
Denn Menschen trinken überall. Auf dem Dorf. In der Stadt. In
unterschiedlichen sozialen Milieus. Ort, Zeit und Handlung von „Das
Schwarz an den Händen meines Vaters“ sind global übertragbar, sagt
Lena Schätte. In Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen wurde Lena
Schätte 1993 geboren. 2014 debütierte sie mit dem Roman
„Ruhrpottliebe“, erschienen im Marlon Verlag. Parallel zum
Schreiben arbeitete Lena Schätte als Psychiatriekrankenschwester im
Ruhrgebiet, bis sie 2020 ein Studium des Literarischen Schreibens
am Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufnahm. 2023 war sie
Hausgast im Literarischen Colloquium Berlin, erhielt ein
Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats und arbeitete in der
Redaktion der Anthologie „Tippgemeinschaft“ mit. Sie arbeitete bei
suchtkranken Menschen in Lüdenscheid und widmete sich weiter dem
literarischen Schreiben. Heute lebt Lena Schätte im
nordrhein-westfälischen Altena. Im Café des Hagebaumarktes im
benachbarten Ort Neuenrade schrieb sie den Roman „Das Schwarz an
den Händen meines Vaters“, erschienen im S. Fischer Verlag. Dafür
erhielt Lena Schätte 2024 den W.-G.-Sebald-Literaturpreis und den
Förderpreis Nordrhein-Westfalen.
Eine Sendung von März 2026.

Moderation: Julia Hemmerling
Redaktion: Angelika Zapf
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