Lacht Gott?

Lacht Gott?

vor 1 Monat
Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen
5 Minuten
Podcast
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Der Start in den Tag

Beschreibung

vor 1 Monat
"Der Name der Rose" von Umberto Eco, ein wirklich großartiges Buch,
eine Geschichte, die in einem abgelegenen Kloster in Norditalien
spielt. Mordfälle, geheimnisvolle Bibliotheken, ein blinder Mönch,
der einen besonderen Schatz hütet, ein Buch über die Komödie des
Aristoteles. Für Jorge de Burgos, diesen Bibliothekar, ist Freude
etwas unglaublich Gefährliches.Heute, am Laetare-Sonntag, soll aber
schon ein bisschen österliche Freude in unsere triste Fastenzeit
hineinfallen. Das wäre für ihn, für diesen Jorge de Burgos
blasphemisch gewesen. Er vergiftet Bücher und will lieber die
Freude zerstören, als dass jemand anderer Freude hat. Am Ende
brennt die ganze Bibliothek und mit ihr das Kloster. Die beiden
anderen Mönche William und Adson entkommen, doch die sorgfältig
geplanten menschlichen Strukturen zerfallen.Lacht Gott? Jorge de
Burgos hat das bezweifelt. Hier lacht Gott auch nicht. Es ist ein
Bild für das, was passiert, wenn Menschen zu eng, zu ängstlich und
zu egoistisch planen. Wenn Freude, Humor, Vertrauen und
Großzügigkeit fehlen, dann endet menschliches Handeln viel zu oft
in Zerstörung. Ganz anders schaut die Geschichte vom Turmbau zu
Babel aus. Menschen wollten sich selbst groß machen, einen Namen
erlangen, den Himmel stürmen. Sie planten, sie verwirklichten sich
selbst und scheiterten. Hier wird sichtbar, dass Gott durchaus
Humor hat. Er lässt die Menschen stolpern, weil sie alles zu ernst
nehmen, alles allein schaffen wollen und er zeigt auf spielerische
Weise, dass die Welt viel größer ist als unsere Pläne.Das Lachen
Gottes ist ein Symbol für Freiheit, für Überraschung, für die
Möglichkeit, dass aus Fehlern etwas Neues entstehen kann. Darin
steckt eine wunderbare Einladung. Wir dürfen planen, handeln und
streben. Aber wir sollten immer bereit sein, dass Gottes Wege
anders verlaufen, dass Humor, Freude und Unerwartetes Teil des
Lebens sind. Wo wir zu engstirnig handeln, kann es zerstörerisch
enden. Wo wir offenbleiben, kann selbst das Scheitern zu Wachstum
und Neubeginn führen.Der Mensch plant und Gott lacht. Ein Lachen,
das nicht spottet, sondern Freude ist, das erinnert, wir sind ein
Teil von etwas Größerem und darin liegt Freiheit, Lebendigkeit und
gerade nach einem Fall die Chance für Neubeginn. Wie ist das in
diesen letzten Wochen der Fastenzeit? Es lohnt sich sicherlich noch
einmal einen Blick genau darauf zu werfen. Wo kann ich jetzt neu
beginnen? In der Kraft und im Segen Gottes, weil Gott zumindest
manches Mal über mich schmunzelt. Auslachen, das tut er natürlich
nicht, aber er freut sich mit mir und den Chancen des Neubeginns.
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