7. Sitzen Sie grade! Kabarett & Bürgerinitiative mit Barbara Kuster, Folge 7 von Amor, Psyche und Preussen

7. Sitzen Sie grade! Kabarett & Bürgerinitiative mit Barbara Kuster, Folge 7 von Amor, Psyche und Preussen

32 Minuten

Beschreibung

vor 19 Stunden

Barbara Kuster, Potsdamer Kabarettistin, Autorin undstreitbare
Engagierte verbindet preußische Prägung mit satirischer Schärfe –
und einem unerschütterlichenEngagement für die Potsdamer
Architektur.


Bekanntwurde sie bundesweit mit ihrer Bühnenfigur, einer
preußisch grundiertenGeneralissima, die mit strenger Haltung,
scharfem Witz und dem Motto„Griechisch, römisch, preußisch – da
weiß man, was man hat!“ auftrat. Was alsPersiflage begann, war
mehr als Nostalgie: Es war eine ironischer Gesang zuTugenden wie
Ordnung, Disziplin, und Toleranz. Eigenschaften, mit denen
Kuster selbst aufgewachsen ist. „Preußen istkeine Geografie,
Preußen ist eine Idee“, sagt sie sinngemäß. Das trug sie aufdie
Bühne und weiter -  schon im Umfelddes Neuen Forums
engagierte sich Kuster für eine kulturelle Neuorientierung.
Nachder Wende wurde sie zur Stimme der Bürgerinitiative
Mitteschön, die sich fürdie Wiedergewinnung der historischen
Potsdamer Stadtmitte einsetzt. An denAbrissen zu DDR-Zeiten hatte
sich die Opposition kristallisiert. Für Kustergeht es nicht um
rückgewandte Rekonstruktion, sondern um
Erinnerungskultur:Leitbauten, die historische Fassaden aufnehmen,
kombiniert mit modernerArchitektur. Ein Konzept, das
international Beachtung findet – und in Potsdam auchGegner hat.
Begriffe wie „Barockfaschisten“ oder „Disneyland“ sind
gefallen.Kuster nimmt das sportlich, aber nicht emotionslos. Sie
versteht ihr Engagementals konstruktiv und überparteilich – nicht
ideologisch, sondernstadtbürgerlich.


Zuletzt ginges um das Steuben-Denkmal auf dem gleichnamigen
Platz, aber hinter Parkplätzen„bei den Mülltonnen“. Friedrich
Wilhelm von Steuben, preußischer Offizier undGeneral im
amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, gilt in den USA
alsMitbegründer der dortigen Militärorganisation und wird mit
jährlichen Paradengefeiert. n Potsdam jedoch wird seine Rolle
kontrovers diskutiert. Für Kusterist die Auseinandersetzung
symptomatisch: Geschichte werde je nach Zeitgeistzurechtgebogen.
Dass Steuben in Amerika hochgeehrt wird, während man ihn inseiner
Heimat skeptisch betrachtet, empfindet sie bemerkenswert.


Überhauptplädiert sie für eine differenzierte Sicht auf Preußen.
Besonders missverstandennennt sie Friedrich Wilhelm I., den
„Soldatenkönig“. In ihm sieht sie nicht nurden gestrengen Vater
Friedrichs des Großen, sondern auch einen
Modernisierer:Verwaltungsreformer, Förderer der Schulpflicht,
wirtschaftlich klug,militärisch abschreckend statt aggressiv.


DieDiskussion um die Potsdamer Garnisonkirche zeigt exemplarisch,
wie stark diese  historische Architektur emotional
aufgeladen ist,in Folge 4 kommt mit Rainer Ehrt ein Gegner zu
Wort. Für Kuster ist sie mehrals der „Tag von Potsdam“ 1933 – sie
ist ein bedeutendes barockes Bauwerk mitvielschichtiger
Geschichte. Dass diese Mehrdimensionalität in
öffentlichenDebatten oft verloren geht, bedauert sie.


NebenPolitik bleibt der persönliche Blick: In ihrem Roman Breite
Straßeverarbeitet Kuster Kindheitserinnerungen an ein Potsdam vor
der sozialistischenUmgestaltung. Am Ende dieser Folge steht kein
nostalgischer Rückblick, sondernein leidenschaftliches Plädoyer
für differenziertes Erinnern. Preußen erscheinthier nicht als
Denkmal, sondern als Debatte. Und Barbara Kuster mittendrin:
mitHumor, Haltung und einer ordentlichen Portion preußischem
Eigensinn.


Und alsZugabe findet sich ein Easteregg – ein denkwürdiger
Auftritt der Superpreußinin der Volkskammer samt Rausschmiss und
Kehrtwende.

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