7. Sitzen Sie grade! Kabarett & Bürgerinitiative mit Barbara Kuster, Folge 7 von Amor, Psyche und Preussen

7. Sitzen Sie grade! Kabarett & Bürgerinitiative mit Barbara Kuster, Folge 7 von Amor, Psyche und Preussen

vor 3 Monaten
32 Minuten
1
0 0 0

Beschreibung

vor 3 Monaten

Barbara Kuster, Potsdamer Kabarettistin, Autorin und streitbare
Engagierte verbindet preußische Prägung mit satirischer Schärfe
–und einem unerschütterlichen Engagement für die Potsdamer
Architektur. Bekannt wurde sie bundesweit mit ihrer Bühnenfigur,
einer preußisch grundierten Generalissima, die mit strenger
Haltung, scharfem Witz und dem Motto „Griechisch, römisch,
preußisch – da weiß man, was man hat!“ auftrat. Was alsPersiflage
begann, war mehr als Nostalgie: Es war eine ironischer Gesang zu
Tugenden wie Ordnung, Disziplin, und Toleranz. Eigenschaften, mit
denen Kuster selbst aufgewachsen ist. „Preußen ist keine
Geografie, Preußen ist eine Idee“, sagt sie sinngemäß. Das trug
sie auf die Bühne und weiter - schon im Umfeld des Neuen Forums
engagierte sich Kuster für eine kulturelle Neuorientierung. Nach
der Wende wurde sie zur Stimme der Bürgerinitiative Mitteschön,
die sich für die Wiedergewinnung der historischen Potsdamer
Stadtmitte einsetzt. An den Abrissen zu DDR-Zeiten hatte sich die
Opposition kristallisiert. Für Kuster geht es nicht um
rückgewandte Rekonstruktion, sondern um Erinnerungskultur:
Leitbauten, die historische Fassaden aufnehmen, kombiniert mit
moderner Architektur. Ein Konzept, das international Beachtung
findet – und in Potsdam auch Gegner hat. Begriffe wie
„Barockfaschisten“ oder „Disneyland“ sind gefallen. Kuster nimmt
das sportlich, aber nicht emotionslos. Sie versteht ihr
Engagement als konstruktiv und überparteilich – nicht
ideologisch, sondern stadtbürgerlich. Zuletzt ging es um das
Steuben-Denkmal auf dem gleichnamigen Platz, aber hinter
Parkplätzen „bei den Mülltonnen“. Friedrich Wilhelm vonSteuben,
preußischer Offizier und General im amerikanischen
Unabhängigkeitskrieg, gilt in den USA als Mitbegründer der
dortigen Militärorganisation und wird mit jährlichen Paraden
gefeiert. In Potsdam jedoch wird seine Rolle kontrovers
diskutiert. Für Kuster ist die Auseinandersetzung symptomatisch:
Geschichte werde je nach Zeitgeist zurechtgebogen. Dass Steuben
in Amerika hochgeehrt wird, während man ihn in seiner Heimat
skeptisch betrachtet, empfindet sie bemerkenswert. Überhaupt
plädiert sie für eine differenzierte Sicht auf Preußen. Besonders
missverstanden nennt sie Friedrich Wilhelm I., den
„Soldatenkönig“. In ihm sieht sie nicht nur den gestrengen Vater
Friedrichs des Großen, sondern auch einen Modernisierer:
Verwaltungsreformer, Förderer der Schulpflicht, wirtschaftlich
klug, militärisch abschreckend statt aggressiv. Die Diskussion um
die Potsdamer Garnisonkirche zeigt exemplarisch, wie stark diese
historische Architektur emotional aufgeladen ist, in Folge 4
kommt mit Rainer Ehrt ein Gegner zu Wort. Für Kuster ist sie mehr
als der „Tag von Potsdam“ 1933 – sie ist ein bedeutendes barockes
Bauwerk mitvielschichtiger Geschichte. Dass diese
Mehrdimensionalität in öffentlichen Debatten oft verloren geht,
bedauert sie. Neben Politik bleibt der persönliche Blick: In
ihrem Roman Breite Straße verarbeitet Kuster
Kindheitserinnerungen an ein Potsdam vor der sozialistischen
Umgestaltung. Am Ende dieser Folge steht kein nostalgischer
Rückblick, sondern ein leidenschaftliches Plädoyer für
differenziertes Erinnern. Preußen erscheint hier nicht als
Denkmal, sondern als Debatte. Und Barbara Kuster mittendrin: mit
Humor, Haltung und einer ordentlichen Portion preußischem
Eigensinn. Und als Zugabe findet sich ein Easteregg – ein
denkwürdiger Auftritt der Superpreußin in der Volkskammer samt
Rausschmiss und Kehrtwende.
15
15
Close