Ist das Leben ein Zufall, Jack Szostak? (deutsche KI-Übersetzung)
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Beschreibung
vor 1 Tag
Blausäure, sagt Jack Szostak, sei "ein großartiger Weg, um Leben
in Gang zu bringen". Der Satz klingt wie ein Paradox, stammt aber
von einem der klügsten Köpfe der Biochemie: Jack Szostak erhielt
2009 den Nobelpreis für Medizin für die Erforschung der Telomere,
der Schutzkappen der Chromosomen. Seit vielen Jahren untersucht
er, wie vor vier Milliarden Jahren auf der noch jungen,
unbelebten Erde das Leben entstand.
Eine schwierige Aufgabe, denn von den Anfängen des Lebens auf der
Erde gibt es keine erhaltenen Fossilien. Und zudem ist es schon
schwierig, zu definieren, was Leben eigentlich ist. Für Szostak
beginnt es dort, wo Darwinsche Evolution einsetzt: sobald ein
System sich selbst vervielfältigt, dabei Fehler macht und eine
Selektion beginnt. Weiteres Kriterium: Alles irdische Leben auf
Erden basiert auf Zellen. Der gemeinsame Vorfahre allen heutigen
Lebens – unter Forschern auch Luca genannt (Last Universal Common
Ancestor) – muss eine einfache Protozelle gewesen sein, bestehend
aus einer primitiven Zellmembran und wahrscheinlich sehr kleinen
Stückchen genetischer Information. Jack Szostak glaubt, dass
dieser Informationsträger wahrscheinlich aus RNA bestand. Der
Grund: RNA-Moleküle können sich selbst kopieren. Umhüllt von
einer primitiven Membran, die sich schon aus einfachen Fettsäuren
in Wasser selbst bildet, entsteht ein System, das sich selbst
erhält. Das ist der Moment, in dem Chemie zu Biologie wird.
Im Gespräch erzählt Szostak, dass die Entstehung des Lebens
unvermeidlich und unwahrscheinlich zugleich war: eine Kette
physikalisch-chemischer Prozesse, die sich logisch erklären lässt
und doch im Rückblick wie ein kosmischer Zufall wirkt. Ob es auch
anderswo im Universum Leben gibt? "Vielleicht ist das Leben
häufig. Vielleicht sind wir allein", sagt Szostak. "Ich weiß es
nicht – und ich bin sehr zufrieden damit, das zuzugeben." Und
wenn wir außerirdisches Leben fänden? "Das würde das Bild völlig
verändern. Das würde uns sagen: Es ist kein unglaublich seltener
und schwieriger Prozess."
Doch der Forscher warnt auch: Das Wissen um den Ursprung des
Lebens eröffnet gefährliche Möglichkeiten. Würde man ein
"Spiegelbild-Bakterium erschaffen – eine exakte, aber molekular
invertierte Kopie –, wäre es immun gegen alle bekannten Viren und
möglicherweise auch gegen das menschliche Immunsystem. "Das wäre
potenziell schlimmer als ein Atomkrieg", sagt Szostak. Und
dennoch überwiegt in seinem Denken die Neugier, nicht die Angst.
Vielleicht, so hofft er, wird künstliche Intelligenz eines Tages
helfen, die letzten fehlenden Glieder der Kette zu finden – oder
sogar neues Leben zu simulieren.
Produktion: ifbbw, Pool Artists Redaktion: Jens Lubbadeh
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