Ambivalenz, aber Luise. mit dem Künstler Rainer Ehrt Folge 4 Amor, Psyche und Preussen
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Beschreibung
vor 4 Tagen
Unser Gast, der satirische Zeichner Rainer Ehrt, sieht die
preußischeGeschichte sehr kritisch, er selberspricht von
Hass-Liebe. Seine jüngsteGraphic Novel widmet er aber
Luise. Eine heute kaum noch bekannte Königin,einst umrankt von
Legenden, verehrt als Madonna des Vaterlands, stilisiert
zurnationalen Ikone – und doch zugleich eine sehr reale Frau mit
Charme,Widersprüchen und politischem Instinkt. Ehrt ist kein
Historiker, sondern einkünstlerischer Chronist. Einer, der auch
kritisch ist – vor allem zurWiederaufbau preußischer Schlösser
und vor allem der Garnisonkirche. Erbewundert die ästhetische
Sensibilität und die Reformbereitschaft einzelner Herrscher– und
bleibt doch sensibel gegenüber Militarismus, Autoritätsdenken
undspäterer nationalistischer Vereinnahmung.
Gerade deshalb ist Luise für ihn so spannend. Sie passt nicht in
daseinfache Schwarz-Weiß-Bild Preußens. Sie war jung,
lebenslustig, modischstilprägend – ein Star ihrer Zeit. Als sie
mit ihrem Mann durch Kassel reiste,pilgerten Studenten aus
Göttingen zu Fuß dorthin, nur um einen Blick auf sie zuerhaschen.
In Berlin führte sie den Walzer bei Hofe ein – ein Skandal
fürkonservative Kreise. Und sie schrieb leidenschaftliche Briefe,
die heute nochberühren. Politisch trat sie in einem Moment auf
die große Bühne, als Preußenam Boden lag: nach der Niederlage
gegen Napoleon 1806. Die berühmte Begegnungmit Napoleon Bonaparte
wurde später zum Mythos verklärt – die schöne Königin,die dem
mächtigen Eroberer gegenübertritt. Doch was war Projektion,
wasRealität? Ehrt interessiert weniger das Pathos als der Moment,
in dem eine Frauin einer von Männern dominierten Machtwelt
Haltung zeigt. Obwohl sie ihrempazifistischen Gatten vom
„schändlichen Frieden“ abrät. Friedrich Wilhelm III.,zeichnet
Ehrt zögerlich oder hölzern, aber auch als – als innerlich
zerrissenenHerrscher, der das Grauen des Krieges erlebt hatte und
Gewalt zutiefstablehnte. Luise war für ihn Partnerin, Stütze,
vielleicht auch politischeImpulsgeberin. Eine echte
Liebesbeziehung im preußischen Königshaus – dasallein bricht
schon mit vielen Klischees.
Neben historischen Einordnungen geht es immer wieder um die
Möglichkeitender Kunst. Wie nähert man sich einer Figur, deren
Bild vor allem ausIdealisierungen besteht? Wie zeichnet man eine
Frau, deren Aussehen nur ansatzweisein Gemälden, Büsten und einer
Totenmaske überliefert ist? Ehrt spricht überGestaltwandel, Mode,
Projektionen – und über die Herausforderung, Charme undEleganz
sichtbar zu machen, ohne in Kitsch zu verfallen.
Auch der größere Bogen fehlt nicht: Wo endet Preußen, wo
beginntDeutschland? Welche Linien führen vom Reformstaat ins
Kaiserreich? Und wasmachen wir heute mit diesem Erbe? Zwischen
Grabmälern, Klassizismus undIndustriezeitalter – von Johann
Gottfried Schadow bis Adolf von Menzel –entfaltet sich ein
Panorama, das Preußen weder verklärt noch verdammt. Auch
diesePodcastfolge guckt hinter die Klischees -
mit Beziehungen, Briefen oder Bildern.
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