Der hinduistische Hobbyfotograf - Michael Benevenuti

Der hinduistische Hobbyfotograf - Michael Benevenuti

47 Minuten

Beschreibung

vor 1 Tag

Zwischen den Gipfeln des Rätikons, dem Gamperdonatal und dem
Nenzinger Himmel lebt ein Mann, der sich nie auf eine Rolle
festlegen ließ. Michael Benvenuti, 68 Jahre, Werkzeugmacher,
dreifacher Familienvater, Kommunalpolitiker a.D. und
leidenschaftlicher Fotograf, ist ein Grenzgänger – zwischen
Handwerk und Kunst, zwischen Lokalpolitik und globalem Denken,
zwischen christlich geprägter Heimat und hinduistischer
Spiritualität.Sein Lebensmittelpunkt ist Nenzing. Seine geistige
Heimat ist weiter gefasst.Zur Fotografie kam Benvenuti früh. Ein
Jugendfreund besaß eine Kamera – der Beginn einer lebenslangen
Leidenschaft. Zunächst waren es Familienbilder, Urlaubsaufnahmen
im Nenzinger Himmel, später Landschaften von Skitouren, darunter
die Wildspitze oder sogar der Mont Blanc. Die Kamera wurde
Begleiter auf Bergtouren, Vereinsveranstaltungen und durch alle
Lebensphasen.Richtig intensiv widmet er sich der Fotografie seit
der Pensionierung. Spiegelreflex, Teleobjektiv, Stativ –
professionelle Ausrüstung für eine Passion, die weit über ein
Hobby hinausgeht.Er fotografiert nicht spektakulär, sondern
aufmerksam. „Seit ich wieder intensiv fotografiere, sehe ich die
kleinsten Blumen“, sagt er. Ein Löwenzahn wird bei ihm zum
Kunstwerk, weil er ihn nicht achtlos übergeht.Neun Auflagen hat
sein Kalender mittlerweile erlebt. Rund 150 Exemplare erscheinen
jährlich. Ein fester Kundenstamm wartet bereits im Frühjahr auf
die neue Ausgabe.Der Kalender ist in Nenzing direkt bei ihm
erhältlich, in der Trafik oder im Gasthaus Gampadon im Nenzinger
Himmel – Orte mit Menschen, die für ihn Handschlagqualität
verkörpern.Ein Bild mit 20 bis 30 Hirschen im Nenzinger Himmel
sorgte im vergangenen Jahr für hitzige Diskussionen. Jagd und
Agrargemeinschaft befürchteten, das Foto könne Besucher anlocken
und Unruhe ins Wild bringen und hängten es ab.Benvenuti
argumentierte aus der Perspektive des Fotografen und Wanderers.
Er spricht gern vom „Kuchen und Kuchenstück“: Viele sehen nur
einen Ausschnitt – er sieht das Ganze. Juristisch war er im
Recht. Am Ende kaufte ein Jäger das Bild – heute hängt es in
einer Jagdhütte.Der Konflikt wurde zu einem Lehrstück über
Perspektiven, Verantwortung und Dialog.45 Jahre arbeitete
Benvenuti im Formenbau, unter anderem für international tätige
Unternehmen. Er bewegte sich im Toleranzbereich von wenigen
Tausendstelmillimetern.Lego-Spritzgussformen gehörten zu seinen
Projekten – mit minimalen Abweichungen von plus/minus drei
Tausendstel. Diese Präzision prägte sein Denken. Zwei Hundertstel
fühlten sich für ihn wie „ein Berg“ an.Diese handwerkliche
Genauigkeit spiegelt sich heute in seinen Fotografien:
Komposition, Licht, Detail – nichts ist zufällig.Fast ein
Vierteljahrhundert war Benvenuti in der Gemeindepolitik tätig,
zunächst in einer großen Partei, später parteilos. 2009 gründete
er die Liste „Wir gemeinsam“ und trat bei der Landtagswahl
an.Sein zentrales Prinzip: Handschlagqualität. Nicht über andere
schimpfen, sondern selbst vorleben.Heute betrachtet er Demokratie
kritisch. Er hinterfragt Mehrheitsprinzipien und spricht offen
über alternative Modelle. Dabei geht es ihm weniger um Ideologie
als um Verantwortung, Integrität und geistige Substanz in der
Politik.Benvenuti bezeichnet sich als bekennenden Hinduisten. Für
ihn ist Spiritualität keine Randnotiz, sondern
Grundverständnis.Er glaubt fest an Reinkarnation. Die Menschheit,
sagt er, müsse geistig wachsen. Die Frage nach Gott und Sinn sei
zentral – auch wenn sie heute oft belächelt werde. Dass Jesus,
der später Christus genannt wurde, über mehrere Jahre in einem
Ashram in Indien lernte, ist für ihn logisch nachvollziehbar und
erwiesene Tatsache.Diese Haltung erklärt auch seine Skepsis
gegenüber Modernisierung im Nenzinger Himmel: 5G, Kläranlagen,
zunehmende Technisierung – für ihn Zeichen einer Entwicklung, die
das Ursprüngliche verdrängt.

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