Wenn der Körper nicht mehr mitmacht – Intimität mit chronischer Krankheit und Long Covid

Wenn der Körper nicht mehr mitmacht – Intimität mit chronischer Krankheit und Long Covid

45 Minuten

Beschreibung

vor 1 Woche

Mara lebt schon lange mit einer chronischen Erkrankung und sie
kennt den Balanceakt zwischen Alltag, Energiehaushalt und dem
ständigen Mitdenken: Was geht heute, was nicht? Über die
Jahre hat sie Strategien entwickelt, die ihr Halt geben:
Routinen, Pausen, eine gewisse Disziplin im Umgang mit ihren
Kräften. Doch seit Long Covid dazukam, fühlt es sich an, als
hätte sich der Boden unter diesen bewährten Methoden verschoben.
Plötzlich reicht das, was früher geholfen hat, nicht mehr. Der
Körper reagiert unberechenbar, Grenzen tauchen früher auf, und
das Vertrauen in die eigene Belastbarkeit gerät ins Wanken.


Im Gespräch mit Dania beschreibt Mara, wie schwer es ist, wenn
der eigene Körper nicht mehr als verlässlicher Partner erlebt
wird, sondern als etwas, das jederzeit „dazwischenfunken“ kann.
Diese Unsicherheit verändert nicht nur den Alltag, sondern auch
das innere Erleben: die Stimmung, das Selbstbild, die Geduld mit
sich selbst. Mara erzählt von Tagen, an denen sie sich wie eine
andere Version ihrer selbst fühlt, weniger spontan, weniger
belastbar, schneller überfordert. Und sie spricht über das stille
Gefühl von Verlust: von Freiheit, von Leichtigkeit, von einem
Körper, der „mitmacht“.


Besonders spürbar wird das in ihrer Partnerschaft. Intimität war
lange ein Ort von Nähe und Verbundenheit. Doch unter der
gesundheitlichen Belastung wird sie zunehmend kompliziert. Nicht,
weil Liebe fehlt, sondern weil Energie fehlt. Weil Berührungen
manchmal zu viel sind. Weil Lust nicht einfach abrufbar ist. Weil
körperliche Symptome und Erschöpfung mitten in etwas Schönem
auftauchen können. Mara beschreibt, wie sich daraus ein Kreislauf
entwickeln kann: Rückzug aus Selbstschutz, Missverständnisse,
Scham, Schuldgefühle und das Gefühl, dem anderen nicht mehr
gerecht zu werden.


Gemeinsam mit Dania schaut Mara darauf, wie Paare in solchen
Situationen neue Wege finden können, ohne die Realität zu
beschönigen. Es geht darum, Erwartungen neu zu verhandeln: Was
bedeutet Intimität, wenn Sex nicht (immer) möglich ist? Wie kann
Nähe entstehen, wenn der Körper Grenzen setzt? Welche Formen von
Berührung, Zärtlichkeit und Begehren passen zu dem, was heute da
ist und nicht zu dem, was früher war? Im Zentrum steht die Frage:
Wie kann Verbindung gelingen, wenn Planbarkeit fehlt?

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