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Beschreibung
vor 1 Woche
Wir leben in einer Zeit der „Polykrise“: geopolitische
Machtverschiebungen, autoritäre Tendenzen, rechtsextreme
Bewegungen, gesellschaftliche Verunsicherung. Doch ist unsere
Lage wirklich beispiellos?
In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“
sprechen wir mit Professor Andreas Wirsching,
einem der renommiertesten Zeithistoriker Deutschlands. Bis 2025
war er Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte an der
Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Instituts
für Zeitgeschichte München–Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte
reichen von der Weimarer Republik über Nationalsozialismus und
Kommunismus bis hin zur europäischen Geschichte der
Gegenwart .
Jede Generation erlebt ihre Krisen
Wirsching ordnet die Gegenwart historisch ein:
Das 20. Jahrhundert war geprägt von Weltkriegen, Diktaturen,
Systembrüchen – und dennoch entstanden immer wieder neue
demokratische Ordnungen.
Ein zentrales Leitmotiv seiner Analyse:
Freiheit.
Individuelle und kollektive Freiheitsversprechen seien
entscheidende Kräfte der Krisenbewältigung gewesen – von der
Zwischenkriegszeit über den demokratischen Neuanfang nach 1945
bis zur europäischen Integration .
Weimar, NS, Neubeginn – und die
Ambivalenzen
Wir sprechen über:
warum Weimarer Krisenbewältigung häufig von extremen Kräften
geprägt war
weshalb nach 1945 sowohl beeindruckende Resilienz als auch
problematische Kontinuitäten entstanden
wie jüdisches Leben in Deutschland trotz der Shoah neu
entstand
warum auch die DDR nicht nur Unterdrückung, sondern reale
Zukunftshoffnungen kannte
Wirsching zeigt: Geschichte verläuft nicht linear. Sie ist
geprägt von Gegensätzen, Brüchen – und von der Fähigkeit, neue
Kräfte freizusetzen .
Demokratie ist verletzlich – aber nicht
wehrlos
Besonders eindringlich wird er beim Blick auf die
Gegenwart:
Demokratien sterben nicht automatisch – sie verlieren, wenn
Bürgerinnen und Bürger Verantwortung delegieren und an den
eigenen Untergang glauben.
Seine Botschaft:
Keine Toleranz für Intoleranz.
Mehr Eigenverantwortung.
Mehr Bewusstsein für den Wert der Freiheit.
Denn was einmal verloren ist – Rechtssicherheit, Freiheit,
demokratische Strukturen – kehrt nicht automatisch zurück.
Was macht Hoffnung?
Wirsching vertritt ein dialektisches Geschichtsverständnis:
Krisen setzen auch neue Kräfte frei.
Gegensätze können Vitalität erzeugen.
Europa könne aus der aktuellen Weltlage sogar gestärkt
hervorgehen – wenn es seine Integration als gemeinsames Interesse
begreift .
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