Podcaster
Episoden
19.02.2026
49 Minuten
Wir leben in einer Zeit der „Polykrise“: geopolitische
Machtverschiebungen, autoritäre Tendenzen, rechtsextreme
Bewegungen, gesellschaftliche Verunsicherung. Doch ist unsere
Lage wirklich beispiellos?
In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“
sprechen wir mit Professor Andreas Wirsching,
einem der renommiertesten Zeithistoriker Deutschlands. Bis 2025
war er Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte an der
Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Instituts
für Zeitgeschichte München–Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte
reichen von der Weimarer Republik über Nationalsozialismus und
Kommunismus bis hin zur europäischen Geschichte der
Gegenwart .
Jede Generation erlebt ihre Krisen
Wirsching ordnet die Gegenwart historisch ein:
Das 20. Jahrhundert war geprägt von Weltkriegen, Diktaturen,
Systembrüchen – und dennoch entstanden immer wieder neue
demokratische Ordnungen.
Ein zentrales Leitmotiv seiner Analyse:
Freiheit.
Individuelle und kollektive Freiheitsversprechen seien
entscheidende Kräfte der Krisenbewältigung gewesen – von der
Zwischenkriegszeit über den demokratischen Neuanfang nach 1945
bis zur europäischen Integration .
Weimar, NS, Neubeginn – und die
Ambivalenzen
Wir sprechen über:
warum Weimarer Krisenbewältigung häufig von extremen Kräften
geprägt war
weshalb nach 1945 sowohl beeindruckende Resilienz als auch
problematische Kontinuitäten entstanden
wie jüdisches Leben in Deutschland trotz der Shoah neu
entstand
warum auch die DDR nicht nur Unterdrückung, sondern reale
Zukunftshoffnungen kannte
Wirsching zeigt: Geschichte verläuft nicht linear. Sie ist
geprägt von Gegensätzen, Brüchen – und von der Fähigkeit, neue
Kräfte freizusetzen .
Demokratie ist verletzlich – aber nicht
wehrlos
Besonders eindringlich wird er beim Blick auf die
Gegenwart:
Demokratien sterben nicht automatisch – sie verlieren, wenn
Bürgerinnen und Bürger Verantwortung delegieren und an den
eigenen Untergang glauben.
Seine Botschaft:
Keine Toleranz für Intoleranz.
Mehr Eigenverantwortung.
Mehr Bewusstsein für den Wert der Freiheit.
Denn was einmal verloren ist – Rechtssicherheit, Freiheit,
demokratische Strukturen – kehrt nicht automatisch zurück.
Was macht Hoffnung?
Wirsching vertritt ein dialektisches Geschichtsverständnis:
Krisen setzen auch neue Kräfte frei.
Gegensätze können Vitalität erzeugen.
Europa könne aus der aktuellen Weltlage sogar gestärkt
hervorgehen – wenn es seine Integration als gemeinsames Interesse
begreift .
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12.02.2026
37 Minuten
Die Klimakrise schreitet voran – schneller, spürbarer,
kostspieliger.
Doch während die Warnungen immer deutlicher werden, scheint das
Tempo der politischen und gesellschaftlichen Umsetzung nicht
Schritt zu halten.
In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“
sprechen wir mit Prof. Dr. Claudia Kemfert,
einer der renommiertesten Energieökonominnen Deutschlands.
Claudia Kemfert ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und
Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW
Berlin) sowie Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit
an der Leuphana Universität Lüneburg. Seit Jahrzehnten analysiert
sie die ökonomischen Folgen des Klimawandels und die Potenziale
der Energiewende. Sie berät Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
und gilt als eine der prägendsten Stimmen in der deutschen
Klimadebatte.
Kemfert macht deutlich:
Wir haben kein Erkenntnisproblem – wir haben ein
Umsetzungsproblem.
Im Strombereich stammen bereits über 60 Prozent der Energie aus
erneuerbaren Quellen. Doch in Wärme, Verkehr und Industrie hakt
es. Genehmigungen dauern zu lange, alte fossile Strukturen
bremsen, politische Debatten verlieren sich in Symbolfragen.
Wir sprechen über:
warum erneuerbare Energien langfristig günstiger sind
weshalb der Industriestrompreis nur ein Pflaster ist
warum grüner Wasserstoff kein Allheilmittel ist
welche Rolle Energieeffizienz spielt
und wie Energiewende sozial gerecht gelingen kann
Mutmacher-Perspektive
Was gibt Hoffnung?
· Technologische Fortschritte
· steigende Investitionen in
erneuerbare Energien weltweit
· wachsende Bürgerenergie
· Kommunen mit 100 %
Erneuerbaren
· Menschen, die Teil der
Lösung sein wollen
Ihr Fazit:
Hoffnung entsteht nicht aus Wunschdenken.
Sondern aus Wissen.
Wir haben die Technologien.
Wir haben die Lösungen.
Wir müssen sie nur schneller umsetzen.
Kemfert zeigt: Klimaschutz ist nicht Verzicht – sondern
ökonomische Vernunft, Innovationsmotor und Stabilitätsfaktor für
Demokratie und Wohlstand.
Ein Podcast-Gespräch über Tempo, Verantwortung und die Frage,
warum wir längst weiter sein könnten.
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05.02.2026
1 Minute
Wie zerfasert eine Gesellschaft?
Und welche Rolle spielt der Journalismus dabei – im Guten wie im
Problematischen?
In dieser Folge unserer Mutmacher-Staffel sprechen wir mit
Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur des stern,
über die wachsende Polarisierung in westlichen Demokratien, die
wirtschaftlichen Herausforderungen des Journalismus und die
Frage, wie Medien ihrer demokratischen Verantwortung gerecht
bleiben können.
Schmitz hat viele Jahre in den USA gelebt und gearbeitet – und
beobachtet mit Sorge, wie stark sich das Land weiter gespalten
hat. Entwicklungen, die er dort früh wahrnahm, erkennt er
inzwischen auch in Deutschland: ideologische Verhärtungen,
wachsender Hass in Debatten und ein zunehmendes Misstrauen
gegenüber etablierten Medien.
Medienkrise: Technikproblem oder Strukturfrage?
Im Gespräch geht es um die strukturellen Ursachen der sogenannten
Medienkrise:
– massive Auflagenverluste im Printbereich
– digitale Transformation
– Abhängigkeit von Plattformen wie Google und Meta
– wirtschaftlicher Druck auf Redaktionen
Schmitz widerspricht jedoch der These, Qualitätsjournalismus sei
grundsätzlich im Niedergang. Er sieht vielmehr eine
Neujustierung: Wenn KI standardisierte Inhalte übernimmt,
entsteht Raum für das, was Journalismus einzigartig macht –
Recherche, Einordnung, persönliche Gespräche und investigative
Arbeit.
Fehlerkultur, Corona und Flüchtlingsdebatte
Selbstkritisch spricht Schmitz über Versäumnisse der Medien –
etwa in der Corona-Berichterstattung oder in der
Flüchtlingsdebatte, wo die Bandbreite der Perspektiven teilweise
zu spät abgebildet wurde.
Journalismus sei nicht unfehlbar, aber lernfähig. Transparenz,
offene Fehlerkultur und Nähe zu Leserinnen und Lesern seien
entscheidend für Vertrauen.
„Lügenpresse“, AfD und der Mut zur
Auseinandersetzung
Wie geht man als Redaktion mit dem Vorwurf der
„Lügenpresse“ um?
Schmitz plädiert für Standfestigkeit: Meinungen sind frei –
Fakten nicht. Medien müssten sich auch mit radikalen Akteuren
auseinandersetzen, ohne ihnen unkritisch eine Bühne zu bieten.
Mutiger Journalismus bedeute, Kritik von allen Seiten
auszuhalten.
Finanzierung von Qualitätsjournalismus
Ob Stiftungsmodelle, private Eigentümer oder neue Erlösmodelle –
Schmitz zeigt sich offen für verschiedene Wege, warnt jedoch vor
staatlicher Einflussnahme. Unabhängiger Journalismus müsse
finanziell tragfähig sein, ohne politisch vereinnahmt zu werden.
Was gibt Zuversicht?
Trotz aller Herausforderungen bleibt Gregor Peter Schmitz
optimistisch.
Er verweist auf die Stabilität demokratischer Institutionen in
Deutschland und auf die historische Perspektive: Krisen gehören
zur Geschichte – aber ebenso die Fähigkeit von Gesellschaften,
sich zu erneuern.
Eine Folge über Medienvertrauen, Polarisierung, KI, Demokratie
und die Frage:
Wie bleibt Journalismus widerstandsfähig – und warum lohnt es
sich, ihm weiterhin zu vertrauen?
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29.01.2026
48 Minuten
Wir leben in einer Zeit, in der das Vertrauen in Institutionen
schwindet, in der autoritäre Tendenzen weltweit erstarken und
viele Menschen sich erschöpft und ohnmächtig fühlen. Doch was,
wenn genau jetzt der Moment ist, in dem wir unsere demokratische
Widerstandskraft neu entdecken müssen?
In dieser Folge der Mutmacher-Staffel von „2 alte
wei(s)se Männer“ sprechen wir mit Marina
Weisband – Psychologin, Publizistin,
Demokratie-Aktivistin und ehemalige politische Geschäftsführerin
der Piratenpartei.
Marina Weisband analysiert die Gefährdungen unserer
Demokratie nicht isoliert, sondern als Zusammenspiel aus
Konsumerismus, wachsender Ungleichheit, Hyperindividualismus und
einer Medienlogik, die vor allem das Radikale und Negative
verstärkt . Sie zeigt auf, wie Aufmerksamkeit zur
entscheidenden Ressource geworden ist – und warum genau darin
auch unsere Macht liegt.
Als Kind kam sie aus der Ukraine nach Deutschland – eine
Erfahrung, die sie selbst als tiefgreifenden Einschnitt
beschreibt. Migration, so sagt sie, könne traumatisch sein, aber
sie habe daraus auch eine besondere Fähigkeit gewonnen: zwischen
Welten, Kulturen und politischen Lagern zu vermitteln .
Später erkrankte sie schwer an ME/CFS. Seitdem muss sie ihre
Energie radikal einteilen. Aus dieser Erfahrung entwickelte sie
eine Haltung, die sie „antifragil“ nennt: Nicht nur Krisen
überstehen, sondern an ihnen wachsen .
Ihr persönliches Credo:
Nur noch Dinge tun, die entweder wichtig sind oder Freude machen.
Mutmacher-Kern dieser Folge
Der größte Bremsklotz unserer Gesellschaft?
Die Illusion von Einsamkeit.
Marina Weisband erinnert daran, dass wir soziale Wesen sind
– und dass direkte Hilfe, gegenseitige Unterstützung und bewusste
Aufmerksamkeitslenkung revolutionäre Akte sein können .
Am Ende bleibt ein starkes Bild:
Die Gesellschaft besteht nur aus uns. Und wir sind viele.
Eine Folge über Zuversicht ohne Naivität.
Über Resilienz ohne Verdrängung.
Und über die Kraft, Demokratie nicht nur zu konsumieren, sondern
aktiv zu gestalten.
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22.01.2026
55 Minuten
Migration, gesellschaftliche Spaltung, Populismus,
Vertrauensverlust: Europa steht vor enormen Herausforderungen. In
dieser Folge der Mutmacher-Staffel sprechen wir mit
Gerald Knaus, Migrationsforscher und Gründer der
Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI), über die Frage, wie
Demokratien in unruhigen Zeiten handlungsfähig bleiben können –
ohne ihre Werte zu verraten.
Knaus erklärt, warum Humanität und Ordnung kein
Widerspruch sind, warum irreguläre Migration
kontrolliert werden muss, um Empathie zu bewahren – und weshalb
einfache Lösungen gefährlich sind. Es geht um Narrative, Angst,
politische Verantwortung und darum, warum Fakten allein nicht
reichen, um Populismus zu begegnen.
Wir sprechen außerdem über:
– Migration und Asylpolitik in Europa
– Demokratie, Rechtsstaat und gesellschaftlichen Zusammenhalt
– Warum Angst politische Entscheidungen verzerrt
– Die Macht von Erzählungen in der öffentlichen Debatte
– Zuversicht als Haltung – nicht als Illusion
Gerald Knaus ist Mitgestalter des EU-Türkei-Abkommens und berät
seit Jahren Regierungen und internationale Organisationen.
Gemeinsam mit Francesca Knaus hat er das Buch „Welches
Europa brauchen wir? Ein politisches Wunder und wie wir es vor
seinen Feinden schützen“ (Piper Verlag) veröffentlicht.
Darin beschreiben sie Europa als eines der größten politischen
Erfolgsprojekte der Geschichte – ein „Wunder“, das Frieden,
Freiheit und Rechtsstaat möglich gemacht hat. Zugleich warnen
sie: Dieses Projekt ist bedroht, von außen wie von innen. Das
Buch ist ein Plädoyer dafür, Europa aktiv zu schützen, statt es
für selbstverständlich zu halten.
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Über diesen Podcast
Sie nennen sich selbstironisch „2 alte weis(s)e Männer“, die noch
etwas zu sagen haben: Dr. Thomas Kirchberg, bis zu seinem Ruhestand
Vorstandsmitglied eines Industrieunternehmens, und Michael
Reinhard, zuletzt 21 Jahre lang Chefredakteur der Main-Post in
Würzburg. In ihrer aktuellen Mutmacher-Staffel geht es jeden
Freitag um das, was in aufgewühlten Zeiten besonders kostbar ist:
Orientierung, Zuversicht und Mut. Wo liegen Lösungen? Was macht
Mut? Was gibt konkreten Anlass zur Zuversicht? Antworten darauf
suchen die beiden alten wei(s)sen Männer bei Expertinnen und
Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die klug einordnen,
Orientierung geben – und für die eine hoffnungsvolle Zukunft keine
Utopie ist. Wir lehnen Häme und Verunglimpfung gegenüber
Andersdenkenden ab und werben für Respekt, Toleranz und Offenheit.
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