2 alte wei(s)se Männer

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Der Mutmacher-Podcast
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Episoden

Sabine Kuhlmann: Welche Staatsreformen sind den Menschen zuzumuten?
04.06.2026
49 Minuten
Was trauen Staat und Politik den Bürgerinnen und Bürgern eigentlich noch zu – und was trauen die Bürger dem Staat noch zu? In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Prof. Dr. Sabine Kuhlmann über Staatsmodernisierung, Verwaltungsreform, Bürokratie, Digitalisierung und die Frage, warum viele Menschen den Staat im Alltag nicht mehr als handlungsfähig erleben.  


Sabine Kuhlmann ist Verwaltungswissenschaftlerin an der Universität Potsdam und eine der profiliertesten Stimmen in Deutschland, wenn es um die Leistungsfähigkeit öffentlicher Institutionen, Föderalismus, Verwaltungsdigitalisierung und bessere Rechtsetzung geht. Ihr Befund zu Beginn: Es gibt viele gute Reformideen – aber die Umsetzung bleibt zu oft schleppend. Genau dadurch entsteht bei Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl, dass vieles versprochen, aber zu wenig sichtbar eingelöst wird.  


Im Gespräch macht Kuhlmann deutlich: Die Unzufriedenheit mit dem Staat ist nicht nur ein Gefühl. Gerade dort, wo Verwaltung direkt mit Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt kommt – auf kommunaler Ebene, in Bürgerämtern, bei Anträgen, Genehmigungen oder Sozialleistungen – zeigen sich reale Überlastung, Fachkräftemangel, zu viele neue Aufgaben und eine weiterhin zu langsame Digitalisierung. Der Frust entlädt sich oft an den Menschen in der Verwaltung, obwohl die Ursachen häufig in überkomplexen Strukturen, wachsender Regulierung und politisch gesetzten Aufgaben liegen.  


Ein zentrales Thema ist die Frage, ob Deutschland bei Regeln und Verfahren nicht zu oft versucht, jede Einzelfallgerechtigkeit bis ins Detail abzubilden – und dadurch am Ende neue Ungerechtigkeit erzeugt. Kuhlmann argumentiert: Wenn Ansprüche, Zuständigkeiten und Verfahren so kompliziert werden, dass selbst Berechtigte ihre Leistungen nicht mehr beantragen oder verstehen, entsteht ein echtes Gerechtigkeitsproblem. Mehr Pauschalierung, einfachere Regeln, digitale Verfahren und gebündelte Zuständigkeiten könnten deshalb nicht weniger, sondern mehr Gerechtigkeit schaffen.  


Auf die Frage, wo eine Bundesregierung konkret ansetzen sollte, nennt Kuhlmann drei große Hebel: erstens Strukturen vereinfachen und Aufgaben bündeln, zweitens die Verwaltungsdigitalisierung konsequent voranbringen und drittens Gesetze von Anfang an praxistauglicher machen.


Der Mutmacher dieser Folge: Es gibt Ansatzpunkte zur Modernisierung. Es gibt gute Ideen, ein neues Bewusstsein für das Thema, ein eigenes Digital- und Staatsmodernisierungsministerium und viele junge Menschen, die sich für Politik, Verwaltung und Reformen interessieren. Kuhlmanns Zuversicht liegt genau darin: dass eine neue Generation mit frischem Blick, mehr digitaler Selbstverständlichkeit und vielleicht auch etwas mehr Radikalität Dinge voranbringen kann.  


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Ronja von Wurmb-Seibel: Wie Verbundenheit Mut macht
21.05.2026
54 Minuten
Kriege, Klimawandel, politische Erschütterungen, gesellschaftliche Gereiztheit – und dazu ein Nachrichtenstrom, der kaum noch Pausen kennt. Viele Menschen leben inzwischen mit einem Dauerkrisengefühl: nicht immer im Panikmodus, aber in ständiger Anspannung. Genau darüber sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg in dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ mit Ronja von Wurmb-Seibel.  


Sie ist Journalistin, Autorin und Filmemacherin. Wurmb-Seibel studierte Politikwissenschaften in München, arbeitete zunächst als Redakteurin im Politikressort der ZEIT und machte sich 2013 selbständig. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Arbeit als Reporterin in Kabul. Ihre journalistische Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet. In ihrem Bestseller „Wie wir die Welt sehen“ beschäftigt sie sich damit, wie Nachrichten unser Denken prägen – und wie wir lernen können, die Welt wahrzunehmen, ohne an ihr zu verzweifeln. Außerdem hat sie mit „Zusammen“ ein Buch und einen Film vorgelegt, in denen es um die Kraft von Verbundenheit geht.  


Im Gespräch beschreibt Ronja von Wurmb-Seibel, was negative Nachrichten mit uns machen können: Ohnmacht verstärken, Rückzug fördern und das Gefühl erzeugen, die Welt werde immer schlechter – und wir könnten nichts daran ändern. Gleichzeitig macht sie deutlich: Es geht nicht darum, wegzuschauen oder sich von Krisen nicht mehr berühren zu lassen. Entscheidend sei vielmehr, neben dem Problem immer auch nach dem nächsten möglichen Schritt zu suchen. Ihre Formel dafür: „Scheiße plus X“ – also: Was ist der erste kleine Schritt in Richtung Lösung?  


Ein zentrales Thema der Folge ist Verbundenheit. Für Ronja von Wurmb-Seibel ist sie weit mehr als Trost. Verbundenheit ist ein konkreter Hebel gegen Ohnmacht – im Privaten wie im Politischen. Sie spricht von „Mini-Demokratien“: Familien, Freundeskreise, Nachbarschaften, Vereine, Teams. Je stabiler diese kleinen Räume des Miteinanders sind, desto stabiler kann auch die Demokratie als Ganzes werden.  


Außerdem geht es um Mut. Mut entsteht nicht nur durch große Gesten, sondern oft durch kleine Schritte: den Mund aufmachen, wenn Menschen abgewertet werden; ein Gespräch beginnen; sich engagieren; an Türen klingeln; zuhören, ohne den anderen sofort überzeugen zu wollen. Ronja von Wurmb-Seibel erzählt von ihrer eigenen politischen Kandidatur und davon, wie sehr direkte Gespräche mit Menschen ihr Bild von Gesellschaft verändert haben.  


Am Ende bleibt ein klarer Mutmacher-Gedanke: Wir sind nicht so ohnmächtig, wie es sich manchmal anfühlt. Es gibt immer einen nächsten Schritt. Und oft beginnt er dort, wo Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen.


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Marcel Fratzscher: Was unseren Sozialstaat wirklich heilt
07.05.2026
52 Minuten
In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Prof. Marcel Fratzscher über den Zustand des deutschen Sozialstaats, über Zukunftsangst, Verteilungskämpfe und die Frage, warum Reformen in Deutschland so schwerfallen.


Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, DIW Berlin, und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er mischt sich seit Jahren pointiert in Debatten über Chancengleichheit, Vermögensverteilung, Steuern, Bildung, Arbeit und sozialen Zusammenhalt ein.  


Gleich zu Beginn beschreibt Fratzscher, was ihm aktuell am meisten Sorge macht: weniger ein einzelnes politisches Problem als eine „mentale Depression“ in Deutschland – eine gesellschaftliche Lähmung, die Veränderung erschwert. Deutschland sei stark auf Stabilität, Konsens und den Status quo ausgerichtet. Das habe über Jahrzehnte gut funktioniert, stoße aber in Zeiten globaler Umbrüche, technologischen Wandels und demografischer Alterung an Grenzen.  


Fratzscher betont unter anderem, Deutschland habe einen starken Sozialstaat, aber er müsse dringend reformiert werden. Besonders die Alterung der Gesellschaft setze Renten-, Pflege- und Gesundheitssystem unter massiven Druck. Die Zahl der Beitragszahler im Verhältnis zu Rentnerinnen und Rentnern sinke deutlich – und damit werde die Frage der Finanzierbarkeit immer drängender.  


Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Ehrlichkeit. Fratzscher kritisiert, dass Politik den Bürgerinnen und Bürgern häufig mehr verspreche, als dauerhaft finanzierbar sei. Notwendig seien offene Debatten über Zumutungen, Verantwortung und faire Lastenteilung. Reformen könnten nur gelingen, wenn nicht einzelne Gruppen gegeneinander ausgespielt würden – etwa Jung gegen Alt, Erwerbstätige gegen Bürgergeldempfänger oder Einheimische gegen Geflüchtete.  


Ein wichtiger Gedanke des Gesprächs: Nicht jede empfundene Ungerechtigkeit ist automatisch ein systematisches Gerechtigkeitsproblem.


Als zentrale Reformfelder nennt Fratzscher drei große Bereiche: eine Sozialstaatsreform, eine Steuerreform und ein stärkeres Europa. Beim Sozialstaat gehe es darum, Rente, Pflege und Gesundheit zukunftsfest zu machen. Beim Steuersystem kritisiert er, dass Arbeit in Deutschland sehr stark belastet werde, während Vermögen vergleichsweise gering besteuert würden. Und Europa sieht er als entscheidenden Rahmen, um wirtschaftliche Stärke, Sicherheit und Handlungsfähigkeit in einer global unruhigen Welt zu bewahren.  


Eine Folge über Reformstau und Verantwortung, über soziale Marktwirtschaft und Generationengerechtigkeit – und über die Frage, wie aus Zukunftsangst wieder Zukunftsvertrauen werden kann.


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Ann Cathrin Riedel: Wie Verwaltung besser funktioniert
23.04.2026
1 Minute
In dieser Folge von „2 alte wei(s)e Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Ann Cathrin Riedel über ein Thema, das viele nervt – und zugleich darüber entscheidet, ob ein Staat im Alltag funktioniert: Digitalisierung und Entbürokratisierung. Schon zu Beginn wird klar, worum es eigentlich geht: um Formulare, Zuständigkeiten, Medienbrüche, lange Wartezeiten – und um die Frage, warum Verwaltung für viele Menschen eher Hürde als Hilfe ist.  


Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin von NExT e.V. und eine der profiliertesten Stimmen für Verwaltungsmodernisierung in Deutschland, beschreibt, warum das Bild vom komplett rückständigen Staat zu pauschal ist. Vieles funktioniere längst besser, als man gemeinhin glaube – nur eben sehr unterschiedlich, je nach Kommune, Lebenslage und konkretem Kontakt mit Behörden. Gleichzeitig zeigt sie schonungslos, wo die eigentlichen Probleme liegen: in zersplitterten Zuständigkeiten, fehlenden gemeinsamen Standards, unverständlichen Formularen und einer Verwaltung, die noch zu oft aus sich selbst heraus denkt statt vom Nutzer aus.    


Im Gespräch geht es auch um die Grundfrage, was Entbürokratisierung überhaupt heißen soll. Riedel macht deutlich: Bürokratie ist nicht per se schlecht, sondern schützt vor Willkür und sorgt für Fairness. Das Problem beginnt dort, wo Regeln ihre eigene Wirkung nicht mehr überprüfen lassen, wo Prozesse unnötig kompliziert werden und wo Bürgerinnen und Bürger an Anträgen scheitern, die selbst für Akademiker kaum verständlich sind. Gerade bei sensiblen Themen wie Wohngeld, Elterngeld oder Vorsorge zeigt sich, wie sehr ein Staat Vertrauen verspielen kann, wenn Hilfe nicht schnell, klar und zugänglich organisiert ist.    


Außerdem sprechen wir darüber, warum Deutschland beim digitalen Staat trotz vieler guter Einzelbeispiele oft nicht vorankommt: zu viele Insellösungen, zu wenig Nachnutzung, zu wenig Mut zur Standardisierung. Riedel erklärt, weshalb der Föderalismus nicht das Hauptproblem sein muss, warum technische Grundlagen wie Registermodernisierung so entscheidend sind – und was wir von Estland, Dänemark oder auch überraschenden Vorreitern wie Griechenland lernen können. Ihr Mutmacher am Ende: Es gibt längst funktionierende Lösungen, engagierte Menschen in den Verwaltungen und viele konkrete Ansätze, an die man anknüpfen kann. Deutschland muss das Rad nicht neu erfinden – aber endlich konsequenter rollen lassen.  


Eine Folge über einen Staat, der digitaler, verständlicher und handlungsfähiger werden muss – und kann.


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Gesine Schwan: Wie vereint ist Deutschland wirklich?
16.04.2026
1 Minute
In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit der Politikwissenschaftlerin Prof. Gesine Schwan über eines der großen deutschen Dauerthemen: das Verhältnis von Ost und West – und die Frage, warum auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung bei vielen Menschen noch immer das Gefühl bleibt, dass die Einheit unvollendet ist. 


Gesine Schwan gehört seit vielen Jahren zu den klügsten und klarsten Stimmen, wenn es um Demokratie, Gerechtigkeit und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft geht. Die Politikwissenschaftlerin, frühere Viadrina-Präsidentin und zweimalige Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, verbindet wissenschaftliche Schärfe mit großer politischer Erfahrung.


Im Gespräch geht es um Erwartungen und Versprechen der Nachwendezeit, um enorme Fortschritte bei Infrastruktur und Lebensverhältnissen, aber auch um das, was sich nicht so leicht aufholen lässt: fehlende Anerkennung, mangelnde Repräsentation, biografische Brüche und das Gefühl vieler Ostdeutscher, nicht wirklich gehört oder mitgemeint zu sein. Gesine Schwan beschreibt, warum politische und wirtschaftliche Angleichung allein nicht ausreichen, wenn Respekt, Teilhabe und Sichtbarkeit fehlen. 


Außerdem geht es um die Frage, welche Defizite bis heute geblieben sind, warum das Thema „gleichwertige Lebensverhältnisse“ weit über Geld und Förderprogramme hinausgeht und welche Rolle ostdeutsche Erfahrungen in Politik, Gesellschaft und Führungsetagen spielen. Auch der Erfolg der AfD wird eingeordnet – nicht verkürzt als rein ostdeutsches Phänomen, sondern als Ausdruck tieferer politischer und gesellschaftlicher Spannungen. 


Zugleich ist diese Folge kein Abgesang auf die deutsche Einheit. Im Gegenteil: Gesine Schwan zeigt auch, wo Deutschland zusammengewachsen ist, was gelungen ist und warum es sich lohnt, weiter an einem Land zu arbeiten, das Unterschiede nicht verdrängt, sondern ernst nimmt. Es geht um Demokratie, um soziale Würde, um Zugehörigkeit – und um die Frage, wie aus formaler Einheit echte innere Verbundenheit werden kann. 


Eine kluge, ruhige und zugleich hochaktuelle Folge über Anerkennung, Gerechtigkeit und den Zustand unseres Landes.


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Über diesen Podcast

Sie nennen sich selbstironisch „2 alte weis(s)e Männer“, die noch etwas zu sagen haben: Dr. Thomas Kirchberg, bis zu seinem Ruhestand Vorstandsmitglied eines Industrieunternehmens, und Michael Reinhard, zuletzt 21 Jahre lang Chefredakteur der Main-Post in Würzburg. In ihrer aktuellen Mutmacher-Staffel geht es jeden Freitag um das, was in aufgewühlten Zeiten besonders kostbar ist: Orientierung, Zuversicht und Mut. Wo liegen Lösungen? Was macht Mut? Was gibt konkreten Anlass zur Zuversicht? Antworten darauf suchen die beiden alten wei(s)sen Männer bei Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die klug einordnen, Orientierung geben – und für die eine hoffnungsvolle Zukunft keine Utopie ist. Wir lehnen Häme und Verunglimpfung gegenüber Andersdenkenden ab und werben für Respekt, Toleranz und Offenheit.
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