Die Schreibtrainerin - Eva Maria Dörn

Die Schreibtrainerin - Eva Maria Dörn

13 Minuten

Beschreibung

vor 11 Monaten

Wortkunst an der Haltestelle


Im Walgau wird Kunst zum Erlebnis – und Schreiben zur Einladung,
genauer hinzuschauen.


Die Schreibtrainerin Eva-Maria Dörn aus Schlins ist eine Frau der
leisen, aber eindringlichen Worte. Seit ihrer Kindheit begleitet
sie das Schreiben, zunächst nur für die Schublade. Doch ein
Literaturwettbewerb Ende der 1990er-Jahre in Lorüns veränderte
alles: „Ich habe mich getraut, meine Gedanken öffentlich zu
machen – und gleich den ersten Preis gewonnen.“ Seitdem lässt sie
das Schreiben nicht mehr los – und sie andere auch nicht.


Denn Eva-Maria Dörn versteht es, Menschen für das Schreiben zu
begeistern – und das nicht nur in klassischen Schreibwerkstätten.
Als Kunsttherapeutin arbeitete sie viele Jahre mit Kindern,
schrieb kleine Theaterstücke und organisierte mit ihnen
Straßenperformances. Später absolvierte sie Ausbildungen in
Kunsttherapie und Schreibpädagogik. Heute leitet sie
Schreibwerkstätten zu den verschiedensten Themen, mit einem Ziel:
Menschen zum Ausdruck ihrer inneren Welt zu ermutigen.


Aktuell bringt sie ihre Leidenschaft in das Projekt
„Haltestelle Kunst“ ein – eine Kooperation von
„Kultur im Walgau“ mit 14 Gemeinden der Region. Gemeinsam mit
bildenden Künstlern werden in öffentlichen Bushaltestellen
großformatige Bilder ausgestellt, die durch QR-Codes mit
literarischen Texten verknüpft sind. Diese Texte entstehen durch
Schreibimpulse von Dörn selbst und werden von regionalen
Autorinnen und Autoren beigesteuert. Bei einer Schreibwerkstatt
wurden die Bilder ausgelost, um gleiche Chancen und kreative
Überraschungen zu garantieren.


Was dieses Projekt so besonders macht, ist die Verbindung von
Alltag und Kunst. Wer in Nüziders, Bludesch oder Thüringen auf
den Bus wartet, entdeckt plötzlich ein Bild – und kann via
Smartphone einen Text lesen, der dazu entstanden ist. Kunst wird
so mitten im Alltag sichtbar und spürbar. Im Juni folgt dann der
Höhepunkt: eine Lesung aller Texte und die Präsentation der
Originalwerke im Pfarrheim von Satteins.


Was Eva-Maria Dörn antreibt, ist der Wunsch, dass Menschen ihre
Stimme finden – egal ob durch Gedichte, Prosa oder spontane
Einfälle. Sie teilt ihr Wissen großzügig, strukturiert mit
Mindmaps, Clustering und lyrischen Formen wie Elfchen oder
Schneeballgedichten. Und doch lässt sie viel Raum für
Individualität. „Das Wichtigste ist, dass der Autor hinter seinem
Werk stehen kann“, sagt sie.


Auch privat lebt Dörn die Liebe zur Sprache. Ihre neunjährige
Enkeltochter Nele beginnt bereits, eigene Bücher zu schreiben –
wenn auch bislang nur mit einem halben Tag Durchhaltevermögen.
Eva-Maria Dörn lacht – und fördert das Talent mit Herz und
Hingabe. Denn sie weiß: Schreiben kann heilen, verbinden und
öffnen. Genau wie ein gutes Kunstprojekt, das dort beginnt, wo
niemand damit rechnet – an einer Haltestelle.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15