Die Spitalsseelsorgerin - Juliana Troy

Die Spitalsseelsorgerin - Juliana Troy

32 Minuten

Beschreibung

vor 2 Monaten

Wenn andere Weihnachten im Kreis ihrer Familien feiern, geht Dr.
Juliana Troy durch Krankenhausflure. Leise, aufmerksam, präsent.
Dort, wo Worte oft fehlen und das Leben an seinen Rändern tastet,
ist sie da – als Spitalsseelsorgerin, als Hörende, als Mensch.


Juliana Troy arbeitet im Landeskrankenhaus Rankweil und in
Feldkirch. Sie begleitet Menschen in der Psychiatrie, der
Neurologie und der Onkologie – in Momenten tiefer Verzweiflung
ebenso wie in Augenblicken leiser Hoffnung. Dass sie ausgerechnet
an Weihnachten Dienst macht, ist für sie keine Pflichtübung,
sondern eine bewusste Entscheidung. „Gerade dann“, sagt sie,
„brauchen viele Menschen jemanden, der da ist.“


Geboren und aufgewachsen zwischen Innsbruck, Wien und dem
Bregenzerwald, trägt Juliana Troy verschiedene Welten in sich.
Mütterlicherseits hat sie indische Wurzeln, ein Jahr ihres Lebens
verbrachte sie in Pune, wo sie katholische Theologie studierte –
als eine von wenigen Frauen unter hunderten angehenden Priestern.
Diese Erfahrung hat sie geprägt: das Leben in der Minderheit, die
Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, Religionen und
Denkweisen.


Ursprünglich wollte sie Medizin studieren. Heute wirkt sie an der
Schnittstelle von Körper, Seele und Geist – vielleicht näher an
den Menschen, als es ein klassischer Arztberuf je erlaubt hätte.
Nach einem Theologie- und Philosophiestudium, einer Ausbildung in
der Krankenhausseelsorge und einem abgeschlossenen Doktorat fand
sie ihre Berufung dort, wo Menschen mit Krankheit, Sterben und
existenziellen Fragen konfrontiert sind.


Juliana Troy ist verheiratet, Mutter von drei Kindern – und sie
weiß aus eigener Erfahrung, wie kostbar und zerbrechlich das
Leben ist. Diese Bodenhaftung spürt man in Gesprächen mit ihr.
Sie missioniert nicht. Sie hört zu. Ihre Seelsorge gilt allen
Menschen, unabhängig von Religion oder Weltanschauung. „In erster
Linie geht es um Begleitung“, sagt sie. „Nicht um Antworten.“


Besonders eindrücklich sind ihre Erfahrungen mit Sterbenden. Sie
erlebt, wie unterschiedlich Menschen Abschied nehmen: manche im
Kreis ihrer Liebsten, andere still, wenn niemand mehr im Raum
ist. Für sie ist klar: Auch das Sterben ist so individuell wie
das Leben. Und es braucht Würde, Zeit und oft einfach jemanden,
der aushält.


Weihnachten versteht Juliana Troy nicht als idyllisches Fest,
sondern als radikale Botschaft der Nähe: Gott wird Mensch –
mitten im Unfertigen, im Leid, im Chaos. Diese Botschaft
übersetzt sie in eine Sprache, die niemanden erschreckt, sondern
trägt. Besonders in der Psychiatrie ist das eine sensible
Gratwanderung. Hoffnung darf nicht zur Drohung werden.


Wenn sie von Weihnachten spricht, dann nicht pathetisch. Sondern
leise. Als Einladung, menschlich zu werden – immer wieder neu.
Für die Patientinnen und Patienten. Für ihre Angehörigen. Und
auch für sich selbst.


Name: Dr. Juliana Troy
Alter: 48
Beruf: Spitalsseelsorgerin
Arbeitsorte: LKH Rankweil und Feldkirch
Ausbildung:




Studium der Theologie und Philosophie (Innsbruck)




Krankenhausseelsorge-Ausbildung




Doktorat




Studienjahr in Pune (Indien)




Familiäres: Verheiratet, Mutter von drei
Kindern
Wurzeln: Österreichisch-indisch
(mütterlicherseits)
Besonderheit: 24/7-Seelsorgeeinsätze, auch an
Feiertagen
Leitgedanke: Begleiten statt belehren – Hoffnung
ohne Angst

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