Die spendenfreudige Gastrolegende - Kristl Moosbrugger
35 Minuten
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Beschreibung
vor 1 Monat
Wenn Kristl Moosbrugger über den Weißen Ring spricht, dann nicht
mit Nostalgie, sondern mit wacher Freude. Mit 83 Jahren stand sie
kürzlich auch beim 20-jährigen Jubiläum des legendären Rennens
wieder am Start – eines Rennens über 22 Pistenkilometer, das wie
kaum ein anderes für Lech am Arlberg steht. Für sie ist es
selbstverständlich: Solange es geht, wird gefahren. Nicht aus
Ehrgeiz, sondern aus Begeisterung für Bewegung, Berge und
Gemeinschaft.
Geboren in St. Anton am Arlberg, ist sie mit den Skiern
aufgewachsen. Präparierte Pisten, Skischulen oder
Sicherheitsnetze gab es damals nicht. Man fuhr einfach los, wild,
frei, mit Respekt vor dem Berg. Diese frühe Prägung –
Eigenverantwortung, Mut und Bodenhaftung – zieht sich wie ein
roter Faden durch ihr Leben.
Seit den 1960er-Jahren ist Kristl Moosbrugger untrennbar mit dem
Hotel Gasthof Post in Lech verbunden. Die Gastronomie war für sie
nie bloß ein Beruf, sondern Ausdruck von Persönlichkeit. Auf die
Frage, ob sie diesen Weg noch einmal gehen würde, kommt die
Antwort ohne Zögern: Ja. Weil es ihr Leben ist. Weil sie ein
Mensch der Berge ist. Und weil echte Gastfreundschaft nur dort
entsteht, wo jemand mit ganzem Herzen dahintersteht.
Was sie von Anfang an ausgezeichnet hat, war Haltung. Diskretion
gegenüber prominenten Gästen – ob europäische Königshäuser,
Staatsmänner oder internationale Persönlichkeiten – war für sie
selbstverständlich. Sie begegnete allen Menschen gleich: Mit
Respekt, Freundlichkeit und ohne Unterwürfigkeit. Legendär ist
die Episode aus dem Jahr 1966, als sie hochschwanger bewusst
keinen Hofknicks vor dem Schah von Persien machte. Nicht aus
Provokation, sondern aus Selbstachtung.
Gerade diese Natürlichkeit machte das Haus Post zu einem Ort, an
dem sich auch royale Gäste als Menschen bewegen konnten.
Skifahren, Jagen, Kegeln, gemeinsame Zeit – fern von
Öffentlichkeit. Dass Lech durch die regelmäßige Präsenz des
niederländischen Königshauses international bekannt wurde, war
kein Marketingkonzept, sondern ein glücklicher Zufall, getragen
von Vertrauen und Charakter.
Kristl Moosbrugger blickt ohne Verklärung auf die Veränderungen
der Branche und benennt diese im ausführlichen Gespräch mit Bandi
Koeck konkret: "Früher blieben Gäste zwei Wochen, heute wenige
Tage. Früher kam man mit 50 ins Grandhotel, heute reist ein
junges, internationales Publikum an. Früher war formelle Kleidung
am Abend selbstverständlich, heute ist sie die Ausnahme." Sie
urteilt nicht hart, aber klar: Kultur zeigt sich auch im Umgang
miteinander – und im Respekt vor dem Ort, den Menschen und der
Arbeit, die dahintersteht. Auch dass ihr Sohn den
"Krawattenzwang" in der Gaststube beendet hat, ist für sie etwas,
dem sie mit einer anderen Haltung gegenübersteht.
Sorgen bereiten ihr weniger modische Fragen als strukturelle:
Fehlende Nachfolge in Familienbetrieben, steigende
Immobilienpreise, der Verlust gewachsener Dorfstrukturen. Sie
fürchtet eine Zukunft, in der Hotels nur noch von Konzernen
geführt werden – funktional, aber seelenlos.
Vielleicht am eindrücklichsten ist ihr soziales Engagement. Nicht
als Beiwerk, sondern als zweites Lebenswerk. Ihr größtes Projekt
führte sie nach Nepal. Aus einer zufälligen Begegnung entstand
die Mitarbeit am Verein „Nepalimed“, der den Bau eines
Krankenhauses ermöglichte – inklusive Krankenschwesternschule,
Personalhäusern und einer der ersten biologischen Kläranlagen des
Landes.
Später folgten ein Waisenhaus, das sie bis heute unterstützt, und
zahlreiche weitere Initiativen. Besonders stolz ist sie auf das
neue Wirtschaftsgebäude des Wildparks Feldkirch (Kosten 2,2 Mio
Euro), das ohne Kredit, allein durch Spenden von Land, Stadt und
regionalen Betrieben realisiert wurde. Hinzu kommen regelmäßige
Unterstützungen für Organisationen wie "CliniClowns", "Tischlein
deck dich", "Stunde des Herzens" oder Einzelinitiativen.
Auch mit 83 Jahren denkt Kristl Moosbrugger weiter. Sie wünscht
sich Orte der Begegnung in Lech und die Bereitschaft, füreinander
Zeit zu haben.
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