Der Überlebende zweier Konzentrationslager - Ivan Lefkovits
32 Minuten
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Beschreibung
vor 4 Wochen
Ivan Lefkovits ist fast 90 Jahre alt. Ein Mann mit ruhiger
Stimme, klarem Blick und einer Geschichte, die kaum auszuhalten
ist – und gerade deshalb erzählt werden muss. Er gehört zu jener
immer kleiner werdenden Gruppe von Menschen, die das
Unvorstellbare überlebt haben. Nicht als Symbol, sondern als
Mensch. Als Kind.
Geboren 1937 in der damaligen Tschechoslowakei, wurde seine
Kindheit jäh beendet, als er 1944 gemeinsam mit seiner Mutter und
seinem Bruder deportiert wurde. Ravensbrück, ein Lager primär für
Frauen, ein Ort des Schreckens, folgte. Dort verlor er seinen
Bruder und erzählt auf die Frage von Bandi Koeck - und nicht vor
Schülern - wie genau sein sechs Jahre älterer Bruder qualvoll aus
dem Leben schied. Später folgte der Todesmarsch bis zum
Konzentraionslager Bergen-Belsen. Er überlebte diesen nur, weil
ihn eine andere Frau auf dem Rücken trug. Hunger, Kälte,
Entmenschlichung – und ein Durst, den er bis heute als schlimmer
als alles andere beschreibt. Elf Tage lang kein Wasser nach der
Befreiung, denn die SS-Wachen ließen alle Wasserleitungen
explodieren, als sie vor den heranrückenden Alliierten flohen.
Wer das hört, begreift, wie nah Leben und Tod beieinanderlagen.
Und doch überlebten er und seine Mutter wie durch ein Wunder –
als Einzige der gesamten Familie.
„Meine Mutter hat mich in Ravensbrück sehr
geschützt.
Sie machte Extrakommandos für eine zusätzliche Portion
Suppe, die sie mir dann gab. Ich habe Lesen und Schreiben, das
ganze Einmaleins unter schlimmsten Umständen gelernt. Meine
Mutter hat gesagt:
‹Das wirst du in deinem Leben noch
brauchen.›
Das war magisch. Das hiess, du wirst überleben.“
— Ivan Lefkovits
Was Ivan Lefkovits von vielen unterscheidet, ist nicht nur seine
Geschichte, sondern seine Haltung. Hass und Rache sind für ihn
kein Thema. Nicht aus Vergessen, sondern aus bewusster
Entscheidung. Er spricht nicht anklagend, sondern mahnend. Nicht
laut, sondern eindringlich. Seine Mutter lenkte ihn im Lager mit
Mathematikaufgaben ab – vielleicht der erste Keim für jenen Weg,
den er später einschlagen sollte.
Nach dem Krieg widmete er sein Leben ganz der Wissenschaft. Er
wurde ein international anerkannter Immunologe, gründete in
Bern ein weltbekanntes Institut, sprach bei der
UNO und forschte an den Grundlagen des Lebens. Er wollte nicht
auf seine Opferrolle reduziert werden. Erst spät begann er, über
den Holocaust zu sprechen – bewusst getrennt von seiner
wissenschaftlichen Arbeit. Heute weiss er: Das Erzählen ist
notwendig.
Wenn er vor Jugendlichen spricht, geschieht etwas Besonderes.
Geschichte wird greifbar. Zahlen bekommen Gesichter. Leid bekommt
eine Stimme. Und Hoffnung eine Form. Lefkovits appelliert nicht
mit erhobenem Zeigefinger. Er fordert Achtsamkeit, Gespräch,
Menschlichkeit. Er weiß, wie zerbrechlich Zivilisation ist.
Sein Leben ist ein Beweis dafür, dass Überleben mehr sein kann
als Weiterexistieren. Es kann Verantwortung bedeuten.
Factbox: Prof. Ivan Lefkovits
Geboren: 1937 in Presov, Tschechoslowakei (heutige Slowakei)
Holocaust-Überlebender von Ravensbrück, Todesmarsch und
Bergen-Belsen
Verlust fast der gesamten Familie, Überleben gemeinsam mit
der Mutter
Renommierter Immunologe, Promotion in Molekularbiologie
(arbeitete mit drei späteren Nobelpreisträgern zusammen)
Herausgeber des "Immunology Methods Manual", dem Standardwerk
für Immunologie
Gründer eines international anerkannten Forschungsinstituts
in Basel (Basler Institute)
Referent bei internationalen Organisationen, unter anderem
bei der UNO
Setzt sich heute fuer Holocaust-Education und Dialog mit
Jugendlichen ein
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