Wahrheit und Populismus: Mit Florian Klenk und Irmgard Griss

Wahrheit und Populismus: Mit Florian Klenk und Irmgard Griss

Die Rolle von Journalismus und Politik in der Zukunft der Demokratie
58 Minuten

Beschreibung

vor 7 Jahren
In der zweiten Folge von Wie jetzt? treffen Florian Klenk und
Irmgard Griss einander. Der Chefredakteur des Falters und die
Nationalratsabgeordnete sprechen über Rechtspopulismus, die
Institutionen im Staat und Optimismus in der Demokratie. Wie
entsteht Populismus? Den Auftakt macht die Frage, warum es
Populismus sein muss. Tesselaar stellt ein Zitat des
AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland in den Raum, der behauptet, dass
sich ein neues, buntes Millieu gebildet habe. Dieses nennt er eine
"globalisierte Elite", die an den Hebeln von Kultur und Information
sitzen. "Diese globalisierte Klasse sitzt in den international
agierenden Unternehmen, in Organisationen wie der UN, in den
Medien, Start-ups, Universitäten, NGOs, Stiftungen, in den Parteien
und ihren Apparaten, und weil sie die Informationen kontrolliert,
gibt sie kulturell und politisch den Takt vor." Fühlen sich Klenk
und Griss dieser Klasse zugehörig? Klenk verneint: "Es gibt keine
Elite in dem Sinn. Noch nie haben so viele Bewegungen an so viele
Menschen appelieren können. Die lauten sind heute die, die gehört
werden, nicht die vernünftigen". Auch Griss sieht das nicht so.
Während früher der Adel sogar Französisch sprach um unter sich zu
bleiben, hat allein der Zugang zu Bildung diese Kluft minimiert.
"Es gab immer schon Millieus. Anders ist heute, dass die Trennung
instrumentalisiert wird". Das Ziel dabei ist, Menschen
gegeneinander aufzuhetzen. In einem Punkt stimmt Klenk allerdings
zu: "Wenn wir uns die Einkommensstatistik seit den 90er ansehen,
dann ist dem unteren Bevölkerungsdrittel in den letzten Jahren ein
Drittel ihres Lohns weggebrochen. Das ist die Basis, auf der die
Populisten aufbauen können". Diese instrumentalisierte Angst von
Populisten appeliert aber nicht an die Unteren, sondern an die
Mitte. Es geht nicht mehr um Aufstieg, sondern um eine Verhinderung
des Abstiegs. Journalismus versus Politik Was bedeutet
Ausgewogenheit aus der Sicht eines Journalisten? Was bedeutet
Ausgewogenheit aus Sicht einer Politikerin? Klenk beantwortet das
sehr pragmatisch, es kommt auf zwei Dinge an. "Das sind die Fragen
nach Relevanz: Was, Wer, Wie, Wo, Wann, Warum. Dazu braucht es auch
eine Geschwindigkeitsdrosselung. Nicht alles was ins Hirn funkt,
muss sofort gepostet werden". Wir sind es als Gesellschaft gewohnt
in einem Informations-Käfer zu sitzen, und auf einmal sind wir im
Porsche. Das müssen wir erst lernen". Griss sieht das Problem mit
Ausgewogenheit in der Schnelligkeit der Politik. "Sie sind ständig
in diesem Wettlauf, wo man drei Tage nachdenken könnte, aber der
Mitbewerber steht schon vor dem Mikrofon".

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