Podcaster
Episoden
15.06.2020
31 Minuten
Zwischen Wissenschaft und Politik besteht seit jeher ein
Spannungsverhältnis. Wir fordern von der Politik faktenbasierte
Entscheidungen - was bei komplexen Themen wie Migration,
Klimawandel oder neuen Technologien nicht so einfach ist. Wie stark
soll sich die Forschung in die Politik einbringen, und wie weit
lässt die Politik das zu? Ist wissenschaftliche Expertise immer
wertfrei? Wie viele Fakten darf die Politik ignorieren? Wie wenig
Wissenschaft braucht die Politik als Entscheidungsgrundlage? Das
ist die Frage des zweiten Demokratie21 Expert*innen Rundrufs in
Zusammenarbeit mit APA Science. Hör- und lesbare Perspektiven über
Gegenwart und Zukunft unserer Demokratie - aus Politik,
Journalismus, Wissenschaft, der organisierten Zivilgesellschaft und
der Verwaltung. In Zusammenarbeit mit APA Science.
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07.05.2020
43 Minuten
Das ist die Frage des ersten Demokratie21 Expert*innen Rundrufs -
Hör- und lesbare Perspektiven über Gegenwart und Zukunft unserer
Demokratie - aus Politik, Journalismus, Wissenschaft, der
organisierten Zivilgesellschaft und der Verwaltung. Einen Monat vor
der US-Präsidentschaftswahl 1944 wies Franklin D. Roosevelt in
einer Ansprache republikanische Versuche, fast zwei Drittel der
Soldaten und große Teile der amerikanischen Bevölkerung vom
Wahlrecht fernzuhalten, zurück, denn Wahlen seien der sicherste
Schutz gegen die Schwächung der Demokratie. Auch und vor allem in
schwierigen Zeiten, wie etwa während eines Weltkrieges. Demokratie
ist wie ein Kartenhaus. Langwierig im Aufbau und leicht kaputt zu
machen. Auf wie viele Wesenszüge einer Demokratie können wir oder
dürfen wir während einer Krise verzichten? Hier sind Antworten, die
wir dazu bekommen haben.
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19.03.2020
1 Stunde 9 Minuten
Der Präsident oder der Markt? „It hardly makes any difference who
will be the next president. The world is governed by market
forces”. Tesselaar wirft ein Zitat des ehemaligen US-Notenbank
Vorsitzenden Alan Greenspan in den Raum mit der Frage nach
Zustimmung oder Ablehnung. Brix nennt Greenspan einen
Paradekapitalisten, der glaubt, dass Marktwirtschaft alles regieren
kann. „Wo er sicher Recht hat, ist die Tatsache, dass die
Finanzwirtschaft einen stärkeren Einfluss genommen hat auf die Art,
wie wir Politik machen. Das trägt nicht zum Verständnis der Bürger
bei, wenn wir solche intransparenten Strukturen bisher zu wenig
verhindern können“. Er betont, dass es um eine Gefühls- und um eine
Inhaltsfrage geht. Puntscher-Riekmann sagt, dass die Autonomie der
Politik von Märkten spätestens seit dem 18. Jahrhundert eine
Illusion sei. „Die Entstehung des modernen Kapitalismus und die
Demokratieentwicklung gehen bis zu einem gewissen Grad Hand in
Hand. Der Inhalt des politischen ist über weite Strecken Gestaltung
von Gesellschaft und damit Gestaltung von Märkten“. Wie weit das
gelungen ist, muss empirisch überprüft werden, aber sie kritisiert
Greenspan, dass das keine neue Erkenntnis sei. Hin und her „Die
liberale Demokratie konnte ihr Versprechen nach Gleichheit bisher
nicht einhalten. In den letzten Jahrzehnten kam sogar die Kritik
auf, dass sie verstärkt zur Ungleichheit beigetragen hat“, sagt
Brix. Die Sehnsucht nach Laissez-faire der Märkte sei auch dadurch
zu erklären, entgegnet Puntscher-Riekmann. Welche Richtung
schlussendlich besser für die Bürger ist, weiß keiner, mein Brix.
„Weniger Regulierungen oder stärkerer Staatseinfluss sind zwei
Rezepte dafür, aber wir versuchen beides immer ein Stückchen
einzuführen“. Auch bei rechten Regierungen, wie etwa die letzte
Ausführung mit ÖVP-FPÖ bleibe ein Gefühl, dass eine Gleichheit und
Umverteilung zugelassen werden muss. Die Alternative sei eine
Polarisierung, wie wir sie schon in einigen europäischen Staaten
erleben, meint er. „Bereits Aristoteles hat erkannt, dass große
sozioökonomische Spaltungen eine Demokratie erschweren“, sagt
Puntscher-Riekmann: „Und er war kein Fan von ihr. Was wir seit den
60er Jahren haben, ist nur ein ‚embedded liberalism‘, das heißt die
Zähmung des Marktes zugunsten der Herstellung von relativer
Gleichheit“. Glaube und Hoffnung Wie gelingt es, Bürger und deren
Glauben an Demokratie und Politik nicht zu verlieren? Das berühmte
sozialdemokratische Beispiel vom Würstlstand, der mehr Steuern
zahlt als ein Konzern wie Amazon: „Es gibt keine annähernde Idee
für Normalbürger, wie sich jemand durchsetzen oder politisch
gestalten kann?“, fragt Tesselaar. „Der Einfluss der Bürger mit
steuern durch Steuern ist zu schwach geworden. Direkte Mitsprache
auf 5 % meiner Steuern könnte eine Entscheidung dafür sein“, meint
Brix. „Der Verlust des Glaubens in die Repräsentanten ist der Kern
des Problems“. Sie sieht im Schweizer Modell eine Ergänzung. „Das
ist lange gelernt und hat niedrige Wahlbeteiligungen, aber es gilt
am Ende“, hält Puntscher-Riekm
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06.02.2020
40 Minuten
Der Präsident der Industriellenvereinigung Georg Kapsch im Gespräch
mit der Forscherin und ehemaligen Bankdirektorin Getrude
Tumpel-Gugerell über die Kräfte im Kapitalismus und wie sie unsere
Demokratien formen. Wie sieht die Beziehung zwischen Demokratie und
Wirtschaft aus? Hier lesen Sie Stichpunkte aus dem Gespräch.
Widerspruch oder Bedingung? Wie prägt dieses Spannungsfeld die
Zukunft der öffentlichen Institutionen, das Bild der Bürger*innen
und die Organisation unseres Zusammenlebens? Unter diesen Themen
steht das Gespräch, Tesselaar beginnt mit der Frage nach dem
Zusammenhang von politischer und wirtschaftlicher Freiheit. Kapsch
ist der Überzeugung, dass Markt und Demokratie einander gegenseitig
bedingen. „Es gibt keinen Markt ohne Demokratie und es gibt keine
Demokratie ohne Markt. Die Frage ist nur, wie man das Regelwerk
aufsetzt“. Tumpel-Gugerell beantwortet das aus einer historischen
Perspektive. „Nach dem Fall der Berliner Mauer haben wir gedacht,
dass alles auf der Welt zu einem Modell konvergieren würde, nämlich
freie Marktwirtschaft und Demokratie. 30 Jahre später sehen wir,
dass es nach wie vor verschiedene Systeme haben, mit
unterschiedlichen Spielräumen“. Sie nennt Hong-Kong und China als
Beispiele für Länder, die wirtschaftliche Freiheit vorweisen
können, aber politisch noch nicht frei sind. Umgekehrt sei das
Österreich der Nachkriegszeit zwar eine Demokratie gewesen, aber
der Markt war geregelt und schwerer zugänglich. China sieht Kapsch
weder als eine Demokratie, noch als einen wirklich freien Markt.
Protektionismus und extrem hoher Staatseinfluss auch in der
privaten Industrie machen den Markt für ihn bestenfalls tendenziell
frei. Wer passt sich an? Angela Merkel hat während der Eurokrise
den Begriff der „marktkonformen Demokratie“ verwendet, damit wurde
auch der Gegenbegriff der demokratiekonformen Märkte geprägt. In
diesem Konflikt fragt Tesselaar, welchen Ausdruck sie bevorzugen.
Tumpel-Gugerell spricht ihre Präferenz für erstere aus. Starke
Institutionen, Transparenz, Parlamente und Medien seien
Voraussetzungen für eine gute Marktwirtschaft. Tesselaar bringt den
Einwurf, dass die Spielregeln der Partizipation in Wirtschaft und
Politik gerade neu geschrieben werden. „Für diese Partizipation ist
Bildung in beiden Bereichen essentiell. Nicht nur Allgemeinbildung,
sondern auch ein Basiswissen in wirtschaftlichen Belangen benötigt
man schon. Das ist für die Wirkungsweise und Garantie der
Demokratie wichtig“, sagt Kapsch dazu. Ob der Markt nun die
Demokratie kontrolliere oder umgekehrt, ist nicht die Frage. Wie
viel Kontrolle brauchen Markt und Demokratie jeweils, fragt
Tesselaar. Tumpel-Gugerell meint, dass Demokratie durch die o.g.
Aspekte gut funktioniert. Der freie Markt würde aktuell
Herausforderungen gegenüberstehen, die er alleine nicht lösen kann.
„Den Klimawandel und seine Folgen kann man nicht mit dem Wirken
einzelner Unternehmen bewältigen. Wir brauchen das Zusammenwirken
von Staaten und Kontinenten“. Steuerung und Verfolgung „Demokratie
benötigt keine Kontrolle, Demokratie benötigt Steuerung. Menschen
müssen wissen, was Demokratie erhält und gefährdet. Der Markt kann
fast alles regeln, aber nicht alles. Auch weil nicht alle fair
spielen bedarf es gewisser Regulierungen“, fügt Kapsch dem hinzu.
Am Beispiel der EU sieht er die Eingriffe von Staat in Wirtschaft
fehlgeleitet. "Wir haben zu viele Reglementierungen in den letzten
20, 30 Jahren. Wir können uns kaum mehr bewegen, das gilt für das
Individuum genauso wie für Unternehmen. Ich glaube, dass weniger
Regulierungen, dafür eine stärkere Verfolgung des Regulierten,
besser wären". Tumpel-Gugerell sagt, dass gerade auf
internationaler Ebene Interessenspolitik mit Fairnessfragen
konkurrieren. "Hohe Wertschöpfung ohne die richtige Besteuerung
können nur die EU-Finanzminister lösen. Das Primat der Politik
haben wir aber nicht mehr, glaube ich.
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24.10.2019
45 Minuten
Die Innocracy 2019 fand dieses Jahr unter dem Motto “Democratic
Transformation: Exploring Pathways for sustainable und inclusive
Societies” statt. Milo Tesselaar war als Session Host eingeladen
über die Institutionen von morgen zu sprechen. Die Gäste waren
Regula Stämpfli, Schweizer Politikwissenschaftlerin und
Philosophin, Claudia Chwalisz, OECD sowie Uffe Elbaek, ehemaliger
dänischer Kulturminister und Mitgründer der Partei Alternative. Wie
ist die aktuelle Lage der Institutionen? Wenn möglich, wie würden
wir eine Demokratie vom heutigen Standpunkt aus neu aufbauen?
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Über diesen Podcast
Glauben Sie, dass man Zukunft gestalten kann? Wir sind davon
überzeugt, vorausgesetzt dass wir herausfinden, welche Zukunft wir
gerne hätten. In welcher Demokratie wollen wir leben? Im neuen
Podcast von Demokratie21 geht es um grundsätzliche Fragen zur
Zukunft unserer Gesellschaft. Der Gastgeber Milo Tesselaar spricht
mit Menschen aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, mit
allen, die eine wesentliche Rolle zur Zukunft unserer Demokratie
spielen, und spielen wollen.
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