PFLANZLICHE SCHLAFMITTEL: Evidenz, Grenzen und realistische Erwartungen

PFLANZLICHE SCHLAFMITTEL: Evidenz, Grenzen und realistische Erwartungen

11 Minuten

Beschreibung

vor 3 Wochen

In dieser Folge von „Fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker“ geht es
um pflanzliche Schlafmittel und ihre medizinisch realistische
Einordnung. Prof. Dr. med. Harald Schmidt erläutert
evidenzbasiert, welche pflanzlichen Arzneimittel bei
Schlafstörungen sinnvoll sein können, wo ihre klaren Grenzen
liegen und warum „pflanzlich“ weder automatisch harmlos noch
wirksam bedeutet. Wie in den vorherigen Episoden zum Thema Schlaf
gilt auch hier: Schlafhygiene und nicht-medikamentöse Maßnahmen
stehen immer an erster Stelle. Pflanzliche Schlafmittel sollten
nur in besonderen Lebenssituationen und zeitlich begrenzt
eingesetzt werden.


Ein zentraler Punkt dieser Folge ist die klare Unterscheidung
zwischen Schlaftees und pflanzlichen Extrakten. Schlaftees
schneiden in der wissenschaftlichen Bewertung insgesamt schlecht
ab. Deshalb geht es ausschließlich um standardisierte pflanzliche
Extrakte und ausdrücklich um qualitativ geprüfte
Apothekenpräparate. Produkte außerhalb der Apotheke sind häufig
unzureichend standardisiert und in Zusammensetzung und Wirkung
nicht zuverlässig beurteilbar.


Besprochen werden Extrakte aus Baldrianwurzel, Hopfenzapfen,
Melissenblättern, Lavendelblüten und der Passionsblume. Für
Baldrian existieren zwar zahlreiche klinische Studien, diese sind
jedoch sehr heterogen und nur eingeschränkt vergleichbar. Es ist
nicht belegt, dass Baldrian das Einschlafen beschleunigt oder die
Schlafdauer verlängert. Seine Wirkung ist eher beruhigend als
schlafanstoßend, vermutlich über GABA-A-Rezeptoren. Positiv sind
das fehlende Abhängigkeitspotenzial und die gute Verträglichkeit,
vorausgesetzt es wird ein ausreichend hoch dosierter,
standardisierter Extrakt aus Valeriana officinalis über
mehrere Tage eingenommen.


Die Datenlage für Hopfenzapfen ist deutlich schwächer. Klinische
Studien beziehen sich fast ausschließlich auf
Kombinationspräparate, häufig mit Baldrian, und erfüllen oft
keine hohen Qualitätskriterien. Für Melissenblätter ist die
Evidenz etwas besser. Melisse wirkt vor allem beruhigend und kann
den Schlaf indirekt unterstützen, ohne ein klassisches
Schlafmittel zu sein. Auch Lavendelöl zeigt gute Effekte bei
Angst- und Spannungszuständen und kann dadurch die Schlafqualität
verbessern. Ähnliches gilt für die Passionsblume, die vor allem
angstlösend wirkt und bei ansonsten gesunden Erwachsenen die
subjektive Schlafqualität verbessern kann.


Diese Folge bietet eine nüchterne, evidenzbasierte Orientierung
zu pflanzlichen Schlafmitteln – ohne Übertreibungen und ohne
falsche Versprechen. Sie richtet sich an alle, die sich für
Schlafstörungen, Einschlafprobleme, pflanzliche Arzneimittel und
fundierte medizinische Empfehlungen interessieren und eine klare
Einordnung jenseits von Marketingaussagen suchen.


Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat, freue ich mich über eine
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Podcast besser auffindbar zu machen.


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