"Nicht die Asche hüten, sondern das Feuer weitertragen" – Stefan Heimlich über Leadership-Versagen in der Autoindustrie.
Stefan Heimlich war u. a. elf Jahre Vorsitzender des Auto Club
Europa (ACE), heute arbeitet er als unabhängiger Berater für
Mobilitätspolitik - und analysiert das deutsche Dilemma der
Autoindustrie nüchtern und historisch fundiert.
45 Minuten
Podcast
Podcaster
On the way to new mobility: Katja Diehl spricht alle 14 Tage mit Gästen über Mobilität statt Verkehr, Diversität, New Work, Inklusion, kindergerechte Stadt und das Mobilisieren auf dem Land.
Beschreibung
vor 4 Wochen
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des Supports findest du hier. Stefan Heimlich war elf Jahre
Vorsitzender des Auto Club Europa (ACE), davor
Gewerkschaftssekretär und in leitenden Funktionen bei Europäischen
und Internationalen Transportarbeiterföderationen. Heute ist er
unabhängiger Berater für Mobilitätspolitik – mit klarem Fokus auf
das Gemeinwohl statt einzelner Lobbyinteressen und engagiert sich
ehrenamtlich als Sprecher der AG Verkehr und Mobilität des
Managerkreis e. V.. Die Cash Cow ist weg Stefan analysiert das
deutsche Dilemma der Autoindustrie nüchtern und historisch
fundiert. Jahrzehntelang ruhte das deutsche Geschäftsmodell auf
zwei Standbeinen: billige Energie aus russischem Gas und vor allem
der chinesische Absatzmarkt als größte Cash Cow. Dort wurde mit
Premium-Produkten so viel Geld verdient, dass man sich niedrigere
Produktivität und höhere Kosten in Deutschland leisten konnte. Die
Transformation? Unnötig, solange Energie günstig und das Geld aus
China floss. Dann kam 2012 Tesla mit einer sportlichen Limousine –
und plötzlich war das, was süddeutsche Autobauer immer für sich
reklamierten, nämlich "Freude am Fahren", elektrisch möglich. Der
Gamechanger war da, aber die deutsche Industrie reagierte zu
langsam. Stefan erinnert an eine ZDF-Dokumentation von 2014 mit dem
Titel "Fährt die deutsche Autoindustrie gegen die Wand?" Im
Internet zu finden und immer noch aktuell. Seine Einordnung ist
deutlich: "All das, was wir heute jammern seit einem Jahr oder seit
zwei Jahren und wo angeblich Rot-Grün schuld sei, war damals schon
auf der Agenda zu tiefsten Merkels Zeiten." Deutschland hat einfach
weiter vor sich hingelebt, das Wirtschaftsmodell genossen und
gedacht, es würde ewig so weitergehen. Leadership heißt:
Dringlichkeit UND Notwendigkeit erklären Was in dieser Krise fehlt,
ist echte Führung – in Unternehmen wie in der Politik. Stefan
formuliert präzise, was Leadership ausmacht: Es braucht zwei
Antworten. Erstens die Dringlichkeit: Warum jetzt? Warum können wir
nicht noch fünf Jahre warten? Und zweitens die Notwendigkeit: Warum
dem Grunde nach? Warum muss sich überhaupt etwas ändern? "Wenn ich
darauf keine begründete, wissensbasierte, faktenbasierte Erzählung
habe, kann ich eine Veränderung in einem Unternehmen nicht
herbeiführen." Am Beispiel Oliver Blume, CEO von VW und Porsche,
macht Stefan klar, woran es mangelt. Die Aufgabe eines Leaders sei
es, das Unternehmen vor die Welle zu kriegen – vor die Welle des
technologischen Wandels, des verschärften Wettbewerbs, der
CO2-Reduktion. Wer das nicht schafft, ist kein Leader, sondern ein
Manager des Niedergangs. Symbolpolitik statt Gesamterzählung Die
deutsche Politik versagt auf ähnliche Weise. Statt einer kohärenten
Gesamtstrategie erleben wir, wie Stefan es nennt, reine
Symbolpolitik. Einzelne Lobbygruppen werden bedient,
Aufmerksamkeitsmomente in sozialen Medien abgegriffen, aber es gibt
keine Erzählung, die über den nächsten Wahlzyklus hinausgeht.
Stefan zitiert den früheren Bundespräsidenten Walter Scheel:
„Aufgabe der Politik ist nicht, das Populäre zu tun. Aufgabe ist
es, das Richtige zu tun und populär zu machen."
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Gewerkschaftssekretär und in leitenden Funktionen bei Europäischen
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das Gemeinwohl statt einzelner Lobbyinteressen und engagiert sich
ehrenamtlich als Sprecher der AG Verkehr und Mobilität des
Managerkreis e. V.. Die Cash Cow ist weg Stefan analysiert das
deutsche Dilemma der Autoindustrie nüchtern und historisch
fundiert. Jahrzehntelang ruhte das deutsche Geschäftsmodell auf
zwei Standbeinen: billige Energie aus russischem Gas und vor allem
der chinesische Absatzmarkt als größte Cash Cow. Dort wurde mit
Premium-Produkten so viel Geld verdient, dass man sich niedrigere
Produktivität und höhere Kosten in Deutschland leisten konnte. Die
Transformation? Unnötig, solange Energie günstig und das Geld aus
China floss. Dann kam 2012 Tesla mit einer sportlichen Limousine –
und plötzlich war das, was süddeutsche Autobauer immer für sich
reklamierten, nämlich "Freude am Fahren", elektrisch möglich. Der
Gamechanger war da, aber die deutsche Industrie reagierte zu
langsam. Stefan erinnert an eine ZDF-Dokumentation von 2014 mit dem
Titel "Fährt die deutsche Autoindustrie gegen die Wand?" Im
Internet zu finden und immer noch aktuell. Seine Einordnung ist
deutlich: "All das, was wir heute jammern seit einem Jahr oder seit
zwei Jahren und wo angeblich Rot-Grün schuld sei, war damals schon
auf der Agenda zu tiefsten Merkels Zeiten." Deutschland hat einfach
weiter vor sich hingelebt, das Wirtschaftsmodell genossen und
gedacht, es würde ewig so weitergehen. Leadership heißt:
Dringlichkeit UND Notwendigkeit erklären Was in dieser Krise fehlt,
ist echte Führung – in Unternehmen wie in der Politik. Stefan
formuliert präzise, was Leadership ausmacht: Es braucht zwei
Antworten. Erstens die Dringlichkeit: Warum jetzt? Warum können wir
nicht noch fünf Jahre warten? Und zweitens die Notwendigkeit: Warum
dem Grunde nach? Warum muss sich überhaupt etwas ändern? "Wenn ich
darauf keine begründete, wissensbasierte, faktenbasierte Erzählung
habe, kann ich eine Veränderung in einem Unternehmen nicht
herbeiführen." Am Beispiel Oliver Blume, CEO von VW und Porsche,
macht Stefan klar, woran es mangelt. Die Aufgabe eines Leaders sei
es, das Unternehmen vor die Welle zu kriegen – vor die Welle des
technologischen Wandels, des verschärften Wettbewerbs, der
CO2-Reduktion. Wer das nicht schafft, ist kein Leader, sondern ein
Manager des Niedergangs. Symbolpolitik statt Gesamterzählung Die
deutsche Politik versagt auf ähnliche Weise. Statt einer kohärenten
Gesamtstrategie erleben wir, wie Stefan es nennt, reine
Symbolpolitik. Einzelne Lobbygruppen werden bedient,
Aufmerksamkeitsmomente in sozialen Medien abgegriffen, aber es gibt
keine Erzählung, die über den nächsten Wahlzyklus hinausgeht.
Stefan zitiert den früheren Bundespräsidenten Walter Scheel:
„Aufgabe der Politik ist nicht, das Populäre zu tun. Aufgabe ist
es, das Richtige zu tun und populär zu machen."
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