Muss es Kriege geben, Herfried Münkler?

Muss es Kriege geben, Herfried Münkler?

1 Stunde 37 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat

Im neuen Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur
Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine
klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche
Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige
Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu
bekommen.


Seit Jahrhunderten träumt die Menschheit vom ewigen Frieden und
führt doch stetig weiter Kriege. Warum kämpfen Menschen gegen
Menschen und bringen einander um – obwohl fast alle
Weltreligionen das Töten von Menschen verbieten, obwohl es die
Menschenrechte gibt, obwohl die UN-Charta gebietet, den
Weltfrieden zu wahren? Muss es Kriege geben? Das fragen wir bei
"Nur eine Frage" dieses Mal den Politologen Herfried Münkler.


Münkler hält eine Welt ohne Kriege für Wunschdenken: "Angesichts
der Welt, in der wir leben, ist es nicht vorstellbar, dass es in
absehbarer Zeit keine Kriege gibt." Der Grund: Es gibt keinen
Hüter einer friedlichen Ordnung. "Die Geschichte der Vereinten
Nationen vor dieser Aufgabe ist eine des Versagens", sagt er.


Herfried Münkler ist der einflussreichste lebende deutsche
Politologe und Autor von mehr als 30 Büchern. Er hat mehrere
Bundeskanzler beraten, die ZEIT nannte ihn einen
"Ein-Mann-Think-Tank". Seine Kritiker hingegen schimpften ihn
schon einen "Extremisten der Mitte". Dennoch wurden Münklers 2002
und 2006 erschienene Werke "Die neuen Kriege" und "Wandel des
Krieges" zu Bestsellern. Darin attestiert er eine Rückkehr zu
"unordentlichen Kriegsformen", was sich maßgeblich in der
Privatisierung und Asymmetrierung sowie Demilitarisierung der
Kriege äußere.


In seinem neuesten Werk "Macht im Umbruch" analysiert Münkler die
Verschiebungen einer multipolaren und nicht länger regelbasierten
Weltordnung des 21. Jahrhunderts und die Herausforderungen, denen
sich Deutschland und Europa stellen müssen.


Im Gespräch erklärt der Politologe Münkler, dass Kriege überhaupt
erst mit der Sesshaftwerdung des Menschen aufkamen – erst jetzt
habe es sich gelohnt, Orte mit ihren Ressourcen und Bewohnern zu
verteidigen, statt Konflikten aus dem Weg zu gehen. So hätten es
die Jäger- und Sammlergesellschaften davor getan, obwohl auch sie
den Zustand latenter Gewalt kannten. Münkler zeichnet nach, wie
sich Kriegsführung seit der Sesshaftwerdung entwickelt hat: von
der frühzeitlichen Schlacht an der Tollense, über den
Dreißigjährigen Krieg bis zur Zeit der Kabinettskriege und den
Totalen Kriegen der Moderne.


Münkler betont, dass die Auffassung von Krieg und Frieden als
zwei unterschiedliche "politische Aggregatzustände" erst relativ
spät aufkommt und erklärt, warum das trotz der Negativität des
Krieges als zivilisatorische Errungenschaft gelten kann.
Letztlich aber sei der Frieden immer auch eine Zeit zur
Vorbereitung für den Ernstfall gewesen – ganz im Sinne des
Philosophen Thomas Hobbes, sagt Münkler.


Warum der Krieg trotz vermeintlicher zivilisatorischer
Fortschritte und angesichts technologischer Errungenschaft ein
ständiger und kostspieliger Begleiter der Politik bleibt, warum
sich junge Männer zum Teil nach einer "Flucht aus dem Frieden"
sehnen und ob künstliche Intelligenz eines Tages Kriege ohne
Menschen möglich machen könnte – das und mehr erfahren Sie in der
neuen Ausgabe von Nur eine Frage (N1F).


Produktion: ifbbw


Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh


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