Mastermind des Anti-Liberalismus | Von Roland Rottenfußer
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Beschreibung
vor 1 Woche
Alexander Dugin wird vielfach als das „Gehirn“ hinter
Putins vom Westen unterstellten imperialistischen Bestrebungen
angesehen — er selbst sieht sich als Rebell gegen den
technokratischen Reset.
„Europa hat die Verbindung zur eigenen Identität
getrennt, Europa hat den eigenen Geist verraten.“
Der russische Philosoph Alexander Dugin versteht sich als
Weckrufer — nicht nur für sein eigenes Volk. Russland solle zwar
nicht die ganze Welt beherrschen, jedoch zu alter Größe
zurückkehren, was den Anschluss der Ukraine miteinbeziehe. Dugin
will Europa nach eigenen Angaben nicht bedrohen, sondern ihm
nachbarschaftlich-jovial auf die Beine helfen. Jedes Land, jeder
Kulturkreis solle zunächst zu sich selbst finden und geistige wie
politische Fremdherrschaft abschütteln. Dies läuft auf
sortenreine Kulturen hinaus, die sich jede Einmischung und
Vermischung mit Fremdem verbitten. Der Westen sei nur eine von
vielen Kulturen und solle jeden Anspruch aufgeben, anderen
Weltgegenden seine Moralvorstellungen aufzuzwingen. „Der
Liberalismus“ — das ist für Alexander Dugin eine Mischung aus
Hyperindividualismus, Dekadenz und Laisser-faire. Dugin geißelt
den Materialismus und den Verlust religiöser Bindungen und
fordert die große Abwehrschlacht nichtwestlicher Nationen gegen
eine toxische Mischung aus Schwulenparaden, Masseneinwanderung
und Cyborg-Technologie. Teilweise wirken seine Ausführungen wie
in den alternativen Medien übliche Binsenweisheiten; vielfach
erscheinen sie durch krude Wortwahl verstörend reaktionär.
Kritiker monieren, der Philosoph habe für die Zukunft kaum andere
Rezepte als die Wiederbelebung von ein paar schlechten Ideen der
Vergangenheit: nationale Großmannssucht vermählt mit Homophobie
und einer Prise Bolschewismus. Die Frage, die viele westliche
Medien im Zusammenhang mit Alexander Dugin beschäftigt, ist aber
vor allem diese: Wie groß ist sein Einfluss auf Wladimir Putin?
Haben wir in der Beschäftigung mit dem Vordenker auch den
Schlüssel zu „Putins Gehirn“ in unseren Händen?
Ein Standpunkt von Roland Rottenfußer.
Verdächtig ist er in jedem Fall: ein aus zwei Silben bestehender
russischer Name, der auf „-in“ endet. Und dann der lange Bart.
Alexander Dugin wurde in westlichen Medien öfter mit Rasputin
verglichen, dem Wanderprediger und Wüstling, der in der
Abenddämmerung des Zarenreichs um 1900 zum einflussreichen
Berater von Zar Nikolaus und Zarin Alexandra avancierte. Wenn man
nicht allzu viele russische Persönlichkeiten der Geschichte
kennt, ist die Versuchung offenbar groß, den Rasputin-Vergleich
anzuführen. Reaktionär, fanatisch, wirre Ideen, ein langer
Vollbart, ein Russe eben …
Dabei wurden gegen den 63-Jährigen in der Westpresse noch
schlimmere Beleidigungen ausgestoßen, etwa „Putins
teuflisches Hirn“ oder „Putins Einflüsterer“. Das Image
Alexander Dugins erinnert an „Schlangenzunge“, jene
unerquickliche Gestalt aus J. R. R. Tolkiens „Der Herr der
Ringe“, die stets nahe dem Thron von König Théoden herumlungerte
und dem Monarchen böswillige und hetzerische Reden ins Ohr
zischelte.
Moderner Rasputin, russischer Breivik?
Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie vergleicht Alexander
Dugin in seinem Buch „Anti-Europäer“ mit dem norwegischen
Massenmörder Anders Breivik. Leggewie inszeniert sich als
extremes Kontrastprogramm zu Dugin. Letzterer scheint den
Liberalismus abgrundtief zu hassen; ersterer vermag hingegen
nicht eine Spur von Verständnis für Spielarten des
Nicht-Liberalen aufzubringen. Beide haben sich in ihren
jeweiligen ideologischen Schützengräben verschanzt und pflegen
ihre rhetorisch aufgehübschten Halbwahrheiten.
Natürlich vermag Claus Leggewie Alexander Dugin keinen Mord
nachzuweisen, er schreibt jedoch:
„Dugin tötet nicht, er lässt töten“.
Der Philosoph habe
„als Schreibtischtäter Zugang zur Spitze eines imperialen
Systems, dessen Herrschaftsmethode Staatsterror durchaus
einschließt.“
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