Über das Richten
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vor 4 Monaten
Über das Richten.
Wenn Jesus uns Hinweise gibt, wie wir leben sollen, dann merke
ich, dass ich diese für mich einordne: ist das schwierig für mich
oder einfach?
In Lukas 6, 37 steht: „Und richtet nicht, so werdet auch ihr
nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt.“
Als ich diesen Text vor kurzem wieder gelesen habe, war ich
entspannt. Schließlich richte und verurteile ich niemanden. Aber
je länger ich darüber nachdachte, desto unruhiger wurde ich, weil
ich gemerkt habe, dass das nicht stimmt.
Das Richten ist sehr alltäglich. Ich bilde mir eine Meinung über
das Verhalten anderer und ich passe mein Verhalten an, um den
anderen „auf Spur“ zu bringen oder nutze meine Möglichkeiten zu
strafen oder werde selbstzufrieden, weil ich nach meiner
Einschätzung hier besser abschneide als der andere.
Bei der Erziehung versuchen wir mittels Androhung und auch
Vollzug von Strafen oder Belohnungen andere zu bestimmtem Handeln
zu bewegen. Und wir erziehen nicht nur Kinder, sondern auch
Partner, Eltern, Kunden, Kollegen, usw.
Überall werden wir heute zu einer Bewertung aufgefordert:
Einkaufsmöglichkeiten, Produkte, Restaurants,
Freizeiteinrichtungen. Wir beurteilen die Leistung von Sportlern,
von Politikern, von Lehrern, von Pfarrern, von Führungskräften.
Ist das wirklich richten? Ja - wenn ich Bewertungen lese oder
höre, dann ist das richten und das Nutzen meiner Macht, um andere
in eine bestimmte Richtung zu lenken oder abzustrafen.
Im weiteren Verlauf von Lukas 6 sagt Jesus: „denn eben mit dem
Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.“ (V. 38) und „Was
siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im
eigenen Auge nimmst du nicht wahr?“ (V. 41).
Besonders krass finde ich Bewertungen im Internet. Die
Servicekraft war nicht zuvorkommend genug, die Rückantwort war zu
langsam, der Handwerker kam eine halbe Stunde zu spät.
Wie wohl Internet – Bewertungen aussehen würden, wenn diese vor
dem Schreiben durch den Filter „mit dem Maß, mit dem ihr messt,
wird Euch zugemessen“ gehen würden?
Oder wie würde die Beurteilung der Freundlichkeit einer
Verkäuferin aussehen, wenn ich mir vorher überlegt habe, wo mein
Balken ist, also: wie war denn mein Auftreten?
Ich glaube Jesus würde ganz viele Bewertungen und Urteile heute
als Heuchelei bezeichnen.
Laut der Lehre einiger Rabbiner zu der Zeit Jesu hatte Gott zwei
Maßstäbe, die er zur Beurteilung von Menschen verwendete. Das
eine war ein Maß der Gerechtigkeit und das andere ein Maß der
Barmherzigkeit. Mit welchem Maß du auch immer von Gott bemessen
werden willst, solltest du dasselbe Maß bei anderen anwenden.
Vor dem Satz zum Richten steht in Lukas 6,36
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“
Es wäre doch schön, wenn auch wir vor dem
beurteilen und bewerten die Barmherzigkeit in den Vordergrund
rücken könnten.
Eine gesegnete Woche wünscht Christine Sommer
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